Fayence

Fayence in CERAMICA CH

Fayence ist herstellungstechnisch eine Irdenware mit unterschiedlich eisenhaltigem, gelb, rosa oder rötlich gebranntem Scherben, der einen gewissen Kalkgehalt haben muss, damit die Glasur hält (Maggetti 2007; Maggetti 2012). Die Aussen- und Innenseite der Gefässe wird nach einem ersten Schrühbrand mit einer deckenden weissen Blei-Zinn-Glasur versehen. Dabei dient Zinn als Trübungsmittel der Glasur. Die Glasur ist in der Regel das Definitionskriterium für Fayence.

Hiervon gibt es nur eine definitorisch problematische Ausnahme, wenn der Scherben des Gefässes aus einem eisenarmen, weiss bzw. hell brennenden Ton mit hohem Kalkgehalt besteht, der aufgrund seiner Zusammensetzung eigentlich als (hellscherbiges) “Kalksteingut” bezeichnet werden müsste. Solches Kalksteingut mit Fayenceglasur ist z.B. aus der Produktion von Kilchberg-Schooren ZH (Matter 2012, 99-100, Tab. 1-3) und weiteren französischen Manufakturen (z.B. Niderviller und Saint-Clément: Maggetti 2017, 106-107 und Maggetti 2023) bekannt. Dies ergibt aus heutiger Sicht ein definitorisches Bezeichnungsproblem, sofern der Scherben (= Steingut) und nicht die Glasur (= Fayence)als Hauptklassifikationskriterium benutzt wird.

In die Glasur kann mit sogenannten «Scharffeuerfarben» gemalt werden (Inglasurmalerei). In einem zweiten Glattbrand (1000–1190 °C) werden die Farben in die Glasur eingeschmolzen. Fayencen können nach dem Glattbrand zusätzlich mit weiteren Aufglasurfarben bemalt und dann mit einer zusätzlichen, transparenten, glänzenden Bleiglasur («Coperta») überzogen werden. Der letzte Brand erfolgt dann im Muffelofen bei 650–850 °C. Die Farbpalette umfasst Kobaltblau, Manganviolett, Kupfergrün, Antimongelb, Eisenbraun und Eisenrot.

Einfaches, in grosser Menge hergestelltes und relativ flüchtig bemaltes Fayencegeschirr galt als «…Prestigegeschirr der Mittelschichten, der besser gestellten Handwerker, Bauern, Kaufleute, Beamten und niederen Geistlichkeit…», die echtes Porzellan meist nur in Einzelstücken besassen.

Engl.: Faience (if tin-glazed on both surfaces), tin-glazed earthenwares (if tin-glazed just on the front surface), Delftware

Frz.: Faïence

Literatur zur Fayenceherstellung:

Bartels 1999
Michiel Bartels, Steden in Scherven, Zwolle 1999, 201-236

Blondel 2001
Nicole Blondel, Céramique: vocabulaire technique, Paris 2001, 75-81.

Guyot 2018
Claude Guyot, Étude des terres de pipe, formes et décors entre faïence et porcelaine. Lunéville 2018.

Heege 2016
Andreas Heege, Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2: Geschirrkeramik 12. bis 20. Jahrhundert, Vaduz 2016, 271-288.

Maggetti 2007
Marino Maggetti, Technique de la faïence française (fin XVIIIe/debut XIXe siècle), in: Marino Maggetti (Hrsg.), La faïence de Fribourg: 1753-1844, Dijon 2007, 14-31.

Maggetti 2012
Marino Maggetti, Technology and Provenancing of French faience, in: José Miguel Herrero/Marius Vendrell, XXXII Reunión de la Sociedad Espanola de Mineralogía. International seminar on Archaeometry and Cultural Heritage: the contribution of Mineralogy, Bilbao, 27 de Junio 2012 (Seminarios de la Sociedad Espanola de Mineralogía 9), Mdrid 2012, 41-64.

Maggetti 2017
Marino Maggetti, Technologische Analyse eines frühen (1800-1806) Matzendorfer Steinguts, in: Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 131, 2017, 105-123.

Maggetti 2023
Faïence ou terre blanche? Le Bois d’Épense ou Saint-Clément? Keramikfreunde der Schweiz Bulletin 101, 25-31.

Matter 2012
Annamaria Matter, Die archäologische Untersuchung in der ehemaligen Porzellanmanufaktur Kilchberg-Schooren. Keramikproduktion am linken Zürichseeufer 1763-1906 (Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 43), Zürich 2012.