Embrach ZH, Landert Keramik AG

 

Landert-Keramik in CERAMICA CH

Embrach im Kanton Zürich hatte im späten 19. und im 20. Jahrhundert zwei bedeutende Keramikbetriebe: Die Geschirrfabrik und Kunsttöpferei Zangger und die Firma Landert-Keramik. Beide Firmen haben bisher keine umfassendere wirtschaftsgeschichtliche Bearbeitung erfahren (bislang nur: Stromer 1999, 162-163) und museale Objekte sind rare Ausnahmen.

Die Firma Landert-Keramik startete 1908 in sehr kleinen Verhältnissen mit eigenen Töpferei-Experimenten. Heinrich Landert (? – 1950) richtete im Keller seines Wohnhauses eine Töpfereie und einen Brennofen ein. Das Töpferhandwerk hatte er zuvor in der Kunsttöpferei von Gottlieb Zangger erlernt. 1909 gründete er eine eigene Firma und baute eine kleine, einfache Werkstatt. Das Schweizerische Handelsamtsblatt (SHAB) verzeichnete seine Firma zum ersten Mal am 29.10.1917 (SHAB 35,1917, 1732 No. 256). Heinrich Landert wurde als Inhaber einer Mechanischen Töpferei in Unterembrach angegeben.

Die Belegschaft bestand zunächst aus ihm selbst und seinem Bruder Emil (?-1948)sowie Kindern, die als Hilfsarbeiter fungierten. Bis zum Ersten Weltkrieg vergrösserte sich der Betrieb auf fünf bis sechs Angestellte. Die Werkstatt erhielt einen neuen Töpferofen und auch eine Blumentopfpresse. Der verwendete Ton kam aus eigenen Gruben im Bilg, bei der Wagenbrechi und bei Riederen (Rorbas).

Zwischen 1920 und 1934 lässt sich eine Filialfabrikation in Winterthur belegen (SHAB 38, 1920, 217 No. 32; 52, 1934, 2738, No. 232).

Um 1930 brachten die neu eingeführten elektrischen Brennöfen eine wesentliche Verbesserung der Produktion, die damals überwiegend aus Gebrauchsgeschirr, Buttertöpfen und Milchentrahmern bestand. Landert bot auch an, elektrische Brennöfen zu bauen. Der Betrieb war so erfolgreich, dass 1938 ein Elektrotunnelofen gebaut werden konnte. Der Zweite Weltkrieg reduzierte die Konkurrenz und führte zu einer nennenswerten Binnenkonjunktur, die es Landert erlaubte zwischen 1941und 1945 den Betrieb mehrfach auszubauen. Damals betrug der Höchststand der Mitarbeiter über 70.

1941 liess sich Landert einen Milchentrahmer patentieren (SHAB 60, 1941, 280, No. 29), der sich in Museumssammlungen Graubündens relativ oft findet.

1943 wurde eine Fürsorgestiftung für das Personal eingerichtet (Präsident Heinrich Landert, jun.) und am 8. Juli eine erste Firmenmarke im Handelsamtsblatt eingetragen.

Nach dem Tod von Heinrich (I) Landert, sen. wurde die Firma im Jahr 1950 (SHAB  68, 1950. 2857, No. 61) in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt (Landert & Co.). Heinrich (II) Landert (? – 1982) und Walter Landert waren neben weiteren Familienmitgliedern Kommanditisten. 1960 wird Heinrich(III) Landert, zusätzlicher unbeschränkt haftender Gesellschafter (SHAB 78, 1960, 202 No. 171).

Die Kommanditgesellschaft wurde zum Jahreswechsel 1977/1978 in die Aktiengesellschaft „Töpferei Landert AG“ umgewandelt (SHAB 96, 1978, 2765, No. 207).

1982 starb Heinrich (II) Landert und sein Bruder Martin wurde Vicepräsident der AG (SHAB 100, 1982, 4121, No. 301.

In den 1970er- und 1990er-Jahren fand die Firma eine Nische in der Produktion von Haushaltskeramik, vor allem  Fonduegeschirr, das mit grossem aufwand in Handarbeit verziert wurde. Ab 1969 kaufte die Luzerner Keramik man von der Firma Heinrich Landert in Embrach auch geschrühte, ungemarkte Rohware in Form von Caquelons hinzu, die dann mit dem Luzerner Dekor 210 verziert wurden, um vollständige Fondue-Sets in guter Qualität anbieten zu können (Auskunft Margret Loder, Ebikon). Franz und Margret Loder hatten Heinrich (III) Landert in der Keramikfachschule in Bern kennengelernt und blieben ein Leben lang befreundet. Die Luzerner Keramik arbeitete nachweislich bereits um 1945 erstmals mit der Landert-Keramik bei einem Kanne Becher-Set für den Männerchor zusammen:

1996 befand sich die „Töpferei Landert AG“ in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Daher kam es 1997 zu einer Neugründung einer Aktiengesellschaft  „Landert Keramik AG“ durch Christoph und Hanspeter Landert (SHAB 115, 1997, 721 No. 21.

Im selben Jahr erfolgte die Auslagerung der Geschirrproduktion in die Slowakei. 2005 kam es zu einer Wiederaufnahme der Produktion in Embrach mit Arbeitskräften der  Arbeitsstätte Hardundgut. Von der sozialen Einrichtung arbeiteten bis 2009 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, unterstützt von vier Sozialpädagogen, im Betrieb. Im Februar 2010 wurde die Produktion definitiv beendet und die Aktiengesellschaft verkauft (18.03.2010).

Bislang ist das museal überlieferte und bekannte Gefässspektrum von Landert-Keramik sehr klein. Auf die zahlreichen Milchentrahmer, die auch die Marke „LANDERT EMBRACH-STATION mit der Armbrust“ tragen, wurde oben ja schon hingewiesen. Die Marke „Armbrust“ wurde ab 1917 durch Swiss Label eingeführt und ab 1931 vom Verband für Inlandsproduktion verwendet (SHAB 49, 1931, 1086). Ab diesem Zeitpunkt finden wir sie wohl auch bei Landert-Keramik. Sie erlaubt uns die Zuweisung einer weiteren Geschirrgruppe zur Embracher Produktion.

  

Die sehr charakteristischen Dekore sind entweder mit einem Gummistempel aufgestempelt oder mit Schablone und Spritzpistole aufgebracht.

Der Dekor ist so charakteristisch, dass auch ungemarkte Stücke eindeutig zugeschrieben werden können.

Alle jüngeren Objekte tragen die erst 1943 neu eingeführte Marke, u.a. diese Art der Doppelgrifftöpfe, die als Vorratsgefässe gedient haben.

Keramiken aus der Landert-Produktion ohne genaue Datierung.

Landert, Embrach im Verzeichnis Schweizer Keramiksignaturen

Filme zur Keramik in Embrach

Bibliographie:

Markus Stromer, Geschichte der Gemeinde Embrach, Bd. 2., Das 19. und 20. Jahrhundert, Embrach 1999, 162-163.