Farbkörper in der Grundengobe

Andreas Heege 2019

Dekor, der nach 1800 überall in der Deutschschweiz, in Liechtenstein und Vorarlberg, aber erstaunlicherweise nicht in Baden-Württemberg oder Bayern produziert wurde. Er kommt selten auch in den Kantonen Freiburg  und Jura vor und wurde dort möglicherweise ebenfalls produziert. Es handelt sich um manganviolette bis schwarzbraune, unterschiedlich stark verlaufene Glasursprenkelungen, die aufgrund von Farbkörpern in der Grundengobe entstanden sind. Bei den Farbkörpern handelt es sich um gemahlenen Braunstein oder Eisenhammerschlag, Eisen-Manganverbindungen, die unter anderem im normalen Schmiedeprozess in grosser Menge anfallen und der weissen Grundengobe beigemischt werden. Die beim Brand ausschmelzende Bleiglasur führte zu einer partiellen oder vollständigen Lösung des Metalls und damit zu dem färbenden Effekt. Als Variation findet sich bei der so verzierten Keramik gelbe und grüne statt farbloser Glasur sowie zusätzlicher Malhorn- und Spritzdekor. Vor allem bei offenen Gefässformen (Tellern und Schüsseln) kann die äussere Gefässseite zusätzlich mit einer roten Grundengobe versehen sein.

Die beschriebene Dekortechnik erzielt eine sehr ähnliche optische Wirkung, wie wir das auch von der Faïence blanche mouchetée (weisse Fayence mit Spritzdekor) kennen und ist auf den ersten Blick leicht zu verwechseln.

Faïence blanche mouchetée, Bern-Brunngasshalde, um 1800 (Foto Badri Redha, Archäologischer Dienst des Kantons Bern).

Bei Faïence blanche mouchetée handelt es sich jedoch um einen manganvioletten oder sehr selten auch grünen Spritzdekor, der auf die Oberfläche einer weissen Fayenceglasur aufgespritzt  wurde (Heege 2010, Abb. 52; Babey  2003, 163 Abb. 22). Es handelt sich dabei also um eine Form der „Inglasur-Technik“, während sich die Farbkörper in der Grundengobe unter der Glasur befinden und in der Kontaktzone zwischen Grundengobe und Glasur ausschmelzen („Unterglasur-Technik“).

Frz.:  décor moucheté  (mouchetis ferro-manganique ou pigments de manganèse à l’engobe blanc)

Engl.: iron-manganese particles (FE Forge scaling) in white slip

Bibliographie:

Babey 2003
Ursule Babey, Produits céramiques modernes. Ensemble de Porrentruy, Grand’Fin (Cahier d’archéologie jurassienne 18), Porrentruy 2003.

Bourgarel 2018
Gilles Bourgarel, L’atelier de potiers de Bulle-Rue de la Poterne (1765-1895), in: AS – Archäologie Schweiz/SAM – Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit/SBV – Schweizerischer Burgenverein, Die Schweiz von 1350 bis 1850 im Spiegel archäologischer Quellen. Akten des Kolloquiums/Actes du Colloque Bern, 25.–26.1.2018, Basel 2018, 337-359, bes. Pl. 8,1-4.

Heege 2010
Andreas Heege, Keramik um 1800. Das historisch datierte Küchen- und Tischgeschirr von Bern, Brunngasshalde, Bern 2010, bes. 78-79.

Heege 2016
Andreas Heege, Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2: Geschirrkeramik 12. bis 20. Jahrhundert, Vaduz 2016, bes. 90.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017, bes.  167-168.