Genf GE, Thagouhi Beer-Zorian (1901–1982)

Céramique de Thagouhi Beer-Zorian  dans CERAMICA CH

 Roland Blaettler, 2019

Thagouhi Zorian (Plovdiv, Bulgarien, 1901 – Genf, 1982) war die Tochter von Stepan oder Rostom Zorian (1867–1919), einem der drei Gründer der Armenischen Revolutionären Föderation, einer sozialistischen Bewegung, die 1890 in Tiflis gegründet wurde und sich für die Emanzipation der Armenier im Osmanischen Reich einsetzte. Thagouhi kam 1914 mit ihrer Mutter Elisabeth nach Genf, wo sie an der Kunstschule den Unterricht von Eugène Gilliard besuchte (artzakank-echo.ch). 1923 heiratete sie den Maler und Graveur Charles Richard Beer (geboren 1892). Thagouhi und Charles eröffneten einen Laden in der Grand’Rue in der Genfer Altstadt, wo sie ihre Kunstwerke ausstellten.

Thagouhi war als Malerin tätig, vor allem verwendete sie die Batiktechnik und die Malerei auf Keramik (hauptsächlich auf Fayence). An der nationalen Kunstausstellung von 1922 in Lausanne stellte sie nur Batikarbeiten aus wie auch im Folgejahr an der Ausstellung der Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen in Genf. Als Mitglied von L’Œuvre, der Westschweizer Sektion des Schweizerischen Werkbunds, nahm sie ab 1926 regelmässig an den Ausstellungen teil, die diese Vereinigung veranstaltete. Sie stellte meistens Keramik und Batik aus. 1959 zeigte sie einige Stücke im Rahmen der zeitgenössischen Schweizer Keramikausstellung im Kunst- und Geschichtsmuseum Genf. An die Ausstellung «Eugène Gilliard et ses élèves» von 1961 sandte sie fünf Batiken und fünf Keramiken (Gilliard 1961, Nr. 41–50). Sowohl unter dem Banner der Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen als auch für die Mutuelle des Artistes Genevois stellte sie bis Anfang der 1970er-Jahre Keramikarbeiten aus.

Beer-Zorian hatte engen Kontakt mit Edith Duflon, die sie offenbar in den Kursen von Gilliard kennenlernte. Die beiden Frauen teilten sich eine Zeit lang das 1925 von Duflon auf dem väterlichen Gut La Muraz eingerichtete Atelier in Villeneuve. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Beer-Zorian an der Seite von Duflon an die Kunst der Fayence herangeführt wurde.

Für die in La Muraz möglicherweise zwischen 1925 und 1930 ausgeführten Arbeiten verwendete die Keramikerin die gleichen Glasuren mit satten und kräftigen Farben wie ihre Kollegin (MHL AA.VL 2002 C 5508-15; MHL AA.VL 2002 C 5508-54). Die Formen der Gefässe wurden von Dritten entworfenen und gestaltet (siehe auch «Edith Dusserre-Duflon»). An der SAFFA, der grossen Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit, die 1928 in Bern durchgeführt wurde, zeigten Duflon und Beer-Zorian ihre Arbeiten an einem eigenen Stand, den sie speziell für diese Gelegenheit von einem Architekten hatten zeichnen lassen, mit dem Schild «La Muraz – Poterie artistique» (SAFFA 1928, Ausstellernr. 1303).

Die späteren Werke von Beer-Zorian, die hauptsächlich aus Fayence bestehen, zeichnen sich allgemein durch eine abgeschwächtere Farbpalette mit oft wässrigen Farben aus. Die Figuren oder Blumenmotive sind sehr frei gezeichnet, mit manchmal an Dilettantismus grenzenden Formen (MHL AA.MI.1744; MHL AA.MI.1659 – Musée Ariana, Inv. AD 0418; AD 1235; AD 1236; AD 1237; AR 11479; AR 11498; AR 11499).

Anlässlich einer Ausstellung der Mutuelle Artistique von Genf äusserte die bekannte Kunstkritikerin Lucienne Florentin im Jahr 1925, nachdem sie das Talent von Beer-Zorion in der Batiktechnik lobte («Frau Beer-Zorian sollte Ihre Aufmerksamkeit auf die Batiktechnik richten»), eine eher milde Kritik zu den Keramiken von Thagouhi: «zerfliessende Farben, ein bisschen schmückende Verwirrung, warme, manchmal tiefe Töne, ein eher schöner Werkstoff, eine ergiebige Fantasie und manuelle Lebhaftigkeit» (La Suisse vom 28. November 1925, S. 1).

Die Marke von Beer-Zorian setzt sich im Grund aus einem Motiv aus zwei nebeneinanderliegenden Dreiecken und der Erwähnung «TB / ZORIAN» zusammen (MHL AA.MI.1744).

Übersetzung Stephanie Tremp

Sources:

Artzakank, bimestriel bilingue français-arménien publié à Genève (artzakank-echo.ch. – consulté en mai 2019)

 Bibliographie:

Gilliard 1961
Eugène Gilliard et ses élèves. Exposition commémorant le centième anniversaire de la naissance de l’artiste. Catalogue d’exposition, Musée Rath. Genève 1961.

Saffa 1928
Saffa. Schweiz. Ausstellung für Frauenarbeit – Exposition nationale suisse du travail féminin. Catalogue principal. Berne 1928.