Kilchberg-Schooren ZH, Manufaktur Staub (1858-1907)

Roland Blaettler, Andreas Heege 2019

In Schooren kaufte Matthias Neeracher im Jahr 1792 die alte Fayence- und Porzellanfabrik und widmete sich im Folgenden ausschliesslich der Herstellung von Steingut und Faience. 1802 kam die Manufaktur in die Hände von Hans Jakob Nägeli und im Jahr 1830 ging sie an dessen Sohn Johann Jakob Nägeli über. Vermutlich wurde bereits 1804 die Steingutproduktion wieder eingestellt. 1849 schloss Johann Jakob Nägeli die Fabrik wegen mangelnder Rentabilität. Es folgte eine Übergangsphase unter Louise Nägeli (1849–1858).

Diese verkaufte die Fabrik schliesslich 1858 an Johann Jakob Staub (1825-1897), der sie bis zu seinem Tod 1897 betrieb. In der Spätphase der Fabrik wurde  neben Blumentöpfen vor allem manganglasiertes  Schenk- und Tafelgeschirr hergestellt, das  vermutlich nie gemarkt oder gestempelt war.  Eine seltene Ausnahme ist ein 1896 datierter und  «J:St:» signierter Wandbrunnen nebst Handwaschbecken (MKB VI-4048) nach älteren Zürcher Vorlagen bzw. in der Manufaktur erhaltenen Gipsmodeln (diese heute SNM LM-15331-449; Heege/Kistler 2017/2, Abb. 726). Eine Übersicht über die von Staub produzierten Gefässformen gibt es bis heute nicht, jedoch liefern die Bodenfunde gewisse Anhaltspunkte (Matter 2012, 138, Abb. 159) . Daneben wurden vermutlich auch Kachelöfen hergestellt.

1907 legten die Erben die Fabrik definitiv still. Die Firmengebäude wurden 1919 zu einem Landsitz umgebaut und 2002 ohne Genehmigung gesprengt (Matter 2012, 14–17).

Bibliographie

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz (1500–1950), Sulgen 2014, 42–43.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Matter 2012
Annamaria Matter, Die archäologische Untersuchung in der ehemaligen Porzellanmanufaktur Kilchberg-Schooren. Keramikproduktion am linken Zürichseeufer 1763–1906 (Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 43), Zürich 2012, bes. 115 und 138.