Schmitten, Ortsmuseum (OMS)

Ortsmuseum Schmitten
Im alten Schulhaus
7493 Schmitten (Albula)
info@vfvs-schmitten.ch
Pius Gruber: 081 404 16 21 oder 078 774 90 51

Das Ortsmuseum Schmitten erweckt die Zeit vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert zum Leben. Bei einem Streifzug durch die Ausstellung erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie sich das Leben von Jung und Alt in einem einfachen Bündner Bergdorf im mittleren Albulatal einst abspielte. Einblicke in die bäuerliche Arbeit, in unterschiedliche Handwerke, in Bergbau, Brauchtum und kirchliche Traditionen – alles zusammen vermittelt ein facettenreiches Bild längst vergangener Tage. Das Museum wird von der Vereinigung Freunde von Schmitten geführt. Das Museum ist im Alten Schulhaus Schmitten untergebracht. Nach bescheidenen Sammlungsanfängen ab 1968 wurde das Schulhaus in den Jahren 1986 bis 1988 umfassend saniert und auf allen drei Etagen in ein Museum verwandelt.  Den grössten Teil der Sammlung trugen Martin Caspar und Mathias Balzer zusammen. Alle im Museum befindlichen Objekte stammen aus Schmitten oder der unmittelbaren Umgebung.

In der Sammlung befinden sich auch 65 Keramiken des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei handelt es sich um 26 Stücke aus Irdenware, 19 aus Steingut, 5 aus Steinzeug und 15 aus Porzellan.

Manganglasiertes Geschirr, das im ersten 20. Jahrhundert allmählich unmodern wurde, ist mit drei Kaffeekannen und einem Milchtopf vertreten.

Unter den verzierten Irdenwaren befinden sich nur ganz wenige Stücke aus der Zeit um 1900, u.a. ein Terrinendeckel wohl aus der Produktion von Berneck bzw. eine Röstiplatte aus der Genferseeregion mit der typischen hellgelben Glasur.

Charakteristisch für das späte 19. und das 20. Jahrhundert sind die lehmglasierten Braungeschirre, die in grossen Mengen aus dem Deutschen Reich importiert wurden.

Ansonsten sind vor allem jüngere Irdenwaren belegt, die aufgrund der Form und des Dekors wohl schon in das 20. Jahrhundert gehören, u.a. grosse Schüsseln mit massiv-dreieckigen Kragenrändern und Tassen.

Aus den Keramikfabriken in Aedermannsdorf bzw. Embrach stammen eine grosse Teigschüssel und ein patentierter Milchentrahmer, die beide wohl in die Zeit zwischen etwa 1930 und 1950 gehören.

Typisch für die Zeit zwischen etwa 1920/1930 und 1950 ist Geschirr, das eine beige bis cremefarbene Grundengobe und regelhaft Pinsel- oder Schablondekor unter einer qualitätvollen, farblosen Glasur aufweist. Meist handelt es sich um ungemarkte Milchtöpfe unbekannter Herkunft, doch weichen die gemarkten Produkte aus Embrach oder die Produkte der Dünner-Töpferei aus Kradolf-Schönenberg im Kanton Thurgau nur graduell davon ab.

Beim Steingut existiert wie üblich ein sehr variables Geschirrspektrum sowohl was die vorhandenen Formen, als auch was die Hersteller anbetrifft. Unerwartet fand sich unter anderem eine gemarkte Sauciere der Manufaktur Robillard & Cie aus Nyon, um 1818-1832/33.

Aus Schramberg, aus der Manufaktur Uechtritz & Faist, stammt ein kleines Gefäss für Pfeffer und Salz, das zwischen 1830 und 1860 entstanden sein dürfte und im Warenverzeichnis als „Salz- und Pfefferbüchse, gerippt, mit hohem Fuss“ bezeichnet wird (Heege 2013, 111).

Eine Reihe von Steingutobjekten stammt aus der Ziegler’schen Tonwarenfabrik in Schaffhausen und ist daher erst spät im 19. Jahrhundert oder im 20. Jahrhundert entstanden. Der „Bauerndekor“ ähnelt sehr stark den etwas älteren Dekoren von Kilchberg-Schooren oder von Zell am Harmersbach.

Weitere Schaffhauser Produkte sind vertreten.

Und für das 20. Jahrhundert kann immer auch mit Steingut aus Möhlin bei Rheinfelden oder Wallerfangen und Mettlach im Saarland gerechnet werden.

Unerwartet und eigentlich nicht recht erklärlich ist das Vorkommen von norwegischem Steingut aus Egersunds Fayencefabriks Co. A.S. , Stavanger im Ortsmuseum von Schmitten. Ist das ein Ferienmitbringsel oder „Ferienhauskeramik“ von einem norwegischen Gast in seinem Ferienhäuschen zurückgelassen und dann dem Museum überantwortet?

Aus dem Bereich der Religiosa ist noch auf ein Weihwasserbecken hinzuweisen, das leider ungemarkt ist, aber problemlos z.B. aus der Produktion von Schramberg stammen könnte (vgl. KMDis 2020-03; Staffhorst 2020, 207-208).

Den Bereich des Steinzeugs dominiert das Vorratsgeschirr, kobaltblau bemalte Doppelhenkeltöpfe (Schmalztöpfe, Einmachtöpfe), die aus dem deutschen Westerwald oder dem französischen Elsass stammen dürften.

Beim Porzellan fehlen Stücke aus dem 19. Jahrhundert weitgehend. Leider ungemarkte Kaffeekannen aus der zeit um 1900 belegen jedoch wie auch sonst überall in Graubünden den wohl sehr starken Einfluss deutscher Porzellanfabriken aus Schlesien.

Erst in den 1930er-Jahren lässt sich daneben Porzellan aus Langenthal oder aus Frankreich nachweisen.

Als Besonderheit sind noch zwei Porzellanfiguren des Gekreuzigten zu erwähnen.

Dank

Wir danken den Verantwortlichen des Museums, vor allem Herrn Pius Gruber, für die freundliche Unterstützung der Inventarisationsarbeiten.

 

Bibliographie:

Heege 2013
Andreas Heege, Ein unbekanntes Musterbuch der ersten königlich württembergischen Steingutmanufaktur Schramberg (Uechtritz&Faist) aus der Zeit nach 1855 in: Harald Siebenmorgen, Blick nach Westen. Keramik in Baden und im Elsass. 45. Internationales Symposium Keramikforschung Badisches Landesmuseum Karlsruhe 24.8.-28.8.2012, Karlsruhe 2013, 107-115.

Staffhorst 2020
Andreas Staffhorst, Schramberger Steingut 1820-1882 (Schriftenreihe des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg 30), Schramberg 2020.