Vaz/Obervaz-Zorten, Museum (MVO)

Museum Vaz-Obervaz
Voa da Soli 2
7082 Vaz/Obervaz
T. +41 82 385 21 59
mail@museumvaz-lenzerheide.ch; museum.vaz@bluewin.ch

Das Museum Vaz-Overvaz ist das Museum der Ferienregion Lenzerheide. Es verbindet in seinen Ausstellungen Geschichte, Kultur, Handwerk und Kunst. Die Dauerausstellung ist dem Leben und Werken in vergangenen Tagen, dem regionalen Brauchtum und den Traditionen gewidmet. Im Stall des Museums wurde die alte Dorfmühle von Zorten wieder funktionsfähig aufgebaut.

1982 kaufte die politische Gemeinde Vaz-Obervaz das einstige Kapuzinerhospiz und ehemalige Pfarrhaus der Kirchengemeinde. Am 28. August 1985 wurde der Verein Museum Vaz-Obervaz gegründet. Er bezweckt die Förderung des Museums Vaz-Obervaz, insbesondere die Beschaffung von Gegenständen, die Durchführung von Ausstellungen und Mitwirkung bei der Einrichtung und Betreuung des Museums. Nach ersten Umbauten und Restaurationen, wurde im Jahr 1989 das Museum eröffnet. Verein und Gemeinde sind heute gemeinsam Träger des Museums, das sich in den letzten Jahren aufgrund von namhaften Schenkungen auch vermehrt der Kunst geöffnet hat.

Die keramische Museumssammlung speist sich aus unterschiedlichen Schenkungen und Ankäufen und spiegelt die eingeschränkten Möglichkeiten eines Lokalmuseums beim Aufbau einer Sammlung ab den späten 1980er-Jahren. Die Masse der Objekte stammt aus der Gemeinde oder dem bündnerischen Umfeld, nur wenige Stücke gehören zur Schenkung einer Zürcher Bürgerin.

Insgesamt konnten 120 Keramiken dokumentiert und fotografiert werden. 73 Objekte gehören zu den einfachen Irdenwaren, 2 zur Fayence, 17 zum Steingut, 2 zum Steinzeug und 26 zum Porzellan. Die ältesten Objekte stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 70 von 120 Keramiken datieren in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Im Folgenden werden für jede Grosswarenart eine Reihe von Objekten vorgestellt.

Unter den Irdenwaren gibt es nur einen einzigen Doppelhenkeltopf, den man gerne einem unbekannten Produktionsort in Graubünden zuschreiben würde. Gute Vergleichsbeispiele verwahrt das Rätische Museum. Das Stück ist ein Geschenk aus Vaz/Dal und datiert möglicherweise in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Keramik aus Berneck SG ist mit zahlreichen Gefässen vertreten, wobei Schüsseln und Röstiplatten, Milchtöpfe und Tassen besonders hervorstechen. Aus stilistischen Gründen dürfte bei einigen Stücken die Entstehungszeit wohl erst im ersten Drittel oder der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen.

Vertikal- und Horizontalstreifendekore sind typisch für das späte 19. Jahrhundert. Hellblaue Grundengoben kommen in der Masse erst nach 1900 vor.

Objekte mit Edelweissdekoren sind in der Regel erst in die Zeit nach der Landesausstellung 1883 in Zürich zu datieren. Kannen mit dicken Punktmustern kommen ab etwa 1850 auf, sind dann aber vor allen Dingen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebt.

Einige wenige Milchtöpfe stammen aufgrund ihrer Form, ihres Dekors und der schwach gelblichen Glasur  aus der Genferseeregion bzw. Frankreich (Haute Savoie).

Auch süddeutsche Keramiken sind belegt, u.a. eine Backform für Gugelhupf.

Manganglasiertes Geschirr, das in zahlreichen Manufakturen und Hafnereien der Deutschschweiz hergestellt wurde ist typischerweise mit unterschiedlichen Kannenformen vertreten, wobei eine Kanne eine phantasievolle Reparatur mit einem Holzhenkel aufweist.

Lehmglasiertes Braungeschirr „Bunzlauer Art“, das ab dem späten 19. Jahrhundert den schweizerischen Markt erreicht, wird durch unterschiedliche Henkeltöpfe und auch eine Kaffeekanne repräsentiert.

Jüngere Produkte aus dem 20. Jahrhundert tragen Marken der Töpferei Otto Dünner AG oder der Tonwarenfabrik Dünner AG, in Kradolf-Schönenberg, Kanton Thurgau oder der Landert Keramik in Embrach, Kanton Zürich.

Charakteristisch für die Zeit zwischen etwa 1930 und 1950 sind Geschirre, die aufgrund einer feinen Engobe unter der Glasur rosafarbig wirken. Sie tragen oft einen Schablonen- oder Pinseldekor und sind nie gemarkt, sodass wir bis heute nicht wissen, ob es sich um schweizerische oder ausländische Produkte handelt. Es ist denkbar, dass diese Keramiken überwiegend über den Versandhandel, z. B. über die Verkaufskataloge der Jelmoli-Kette vertrieben wurden.

Fayencen sind im Sammlungsbestand ausgesprochen selten. Eine Vase, deren Hersteller nicht identifiziert werden konnte, ist offenbar eine Auftragsarbeit (Werbegeschenk?) für das Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Das zweite Stück ist eine Teekanne aus der Manufaktur von Charles de Boissimon in Langeais, Frankreich, die entgegen dem typologischen Ersteindruck und der Datierung der Marke (1767) erst zwischen etwa 1880 und 1900 entstand. Sie stammt aus einer Zürcher Sammlung.

Steingut ist variantenreich vorhanden. Von den schweizerischen Herstellern lassen sich die Zieglersche Tonwarenfabrik in Schaffhausen und die Steingutfabrik von Möhlin im Kanton Aargau belegen.

Terrinen und Schüsseln kommen von Villeroy & Boch aus dem Saarland, von der Wilhelmsburger Steingut- und Porzellanfabrik AG in Niederösterreich oder von einer Fabrik aus Mailand.

Kaffee- und Tischgeschirr ist mit zahlreichen Stücken aus der Produktion von Utzschneider & Cie im französischen Saareguemines belegt.

Aus Zell am Harmersbach in Baden-Württemberg stammt als seltene Form eine einzelne Schüssel eines Essensträger-Schüsselsatzes.

Waschkannen, zu denen keine zugehörigen Handwaschbecken vorhanden sind, stammen aus Wallerfangen bzw. von der Steingutfabrik Staffel in Limburg an der Lahn in Hessen. Es handelt sich um typische Exemplare des frühen 20. Jahrhunderts.

In der Wächtersbacher Steingutfabrik GmbH in Schlierbach bei Wächtersbach, Hessen wurden zwei runde Steingutplatten mit Blumenmotiven produziert, die anschliessend mit Metalleinfassungen in eine kleine Schale bzw. einen Untersetzer verwandelt wurden. Aufgrund der rückseitigen Maren ist eine Produktion im Jahr 1895 oder 1907 anzunehmen.

Steinzeug ist nur mit einer grösseren Serie der typischen Doppelhenkeltöpfe aus dem Westerwald oder aus dem Elsass vorhanden.

Beim Porzellan wird die regionale Bedeutung des Haushaltswarengeschäftes Killias & Hemmi aus Chur bzw. Davos-Platz besonders deutlich. Vermutlich bezog das Geschäft Weissporzellane verschiedener Hersteller und dekorierte sie im Kundenauftrag.

Zu den Kunden gehörte auch das Hotel Schweizerhof, Lenzerheide.

Von einer Sammlerin aus Zürich wurden eine Reihe von Porzellanobjekten angekauft, die keinen Bezug zum Ort und der umliegenden Region haben. Sie seien hier nur ausschnitthaft gezeigt.

Häufiger sind in Graubünden französische Porzellane der Firma Adolphe Hache & Cie in Mehun-sur-Yevre (Arr. Vierzon), Centre-Val de Loire, Dép. Cher zu finden,in vorliegenden Fall eine kleine Terrine oder Suppentasse und ein Zündholzstein.

Zum Altbestand der Museumssammlung gehört auch ein kleines Tablett der Porzellanfabrik Charles Martin, Limoges, Nouvelle-Aquitaine, Dép. Haute-Vienne, Frankreich. Es datiert in die Zeit um 1900-1920.

Dank

Die CERAMICA-Stiftung dankt der Museumskuratorin Birgit Parpan und dem Präsidenten des Museumsvereins Urs V. Feubli sehr herzlich für die freundliche Unterstützung der Dokumentationsarbeiten.