Brennhilfen

Brennhilfen und Stützen in Vallauris, Frankreich, 2019.

Bern,  Brunngasshalde, Brennhilfen aus dem Stadtmüll, vor 1832 (Foto Badri Redha, Archäologischer Dienst des Kantons Bern)

Andreas Heege 2019

Mit dem Oberbegriff  Brennhilfen (Brennhilfsmittel) werden alle Objekte zusammengefasst, die man für das Einsetzen eines Töpferofens  verwendete. Das reicht vom einfachen «Plätzton» (Tonbatzen, Kügelchen oder Würstchen aus feuchtem Ton mit deren Hilfe man die einzelnen Objekte fixierte; z. B. Matthys 2005) über speziell hergestellte Dreifüsse oder Leisten in den Irdenware-Töpfereien, bis hin zu speziell für einzelne Gefässformen gefertigte, gut stapelbare Muffeln/Kapseln oder Kassetten in den Fayence- oder Porzellanmanufakturen bzw. der keramischen Industrie. Letztlich entscheiden die keramische Ware, die Art der Glasur, die Form des jeweiligen Objektes, der Aufwand seiner Herstellung  und die Methode des Einsetzens des Brenngutes (offen mit Platten und Stützen oder geschlossen  in Kapseln) über die Einsatznotwendigkeit und die Form spezifischer Brennhilfsmittel. Brennhilfen sind daher in ihrer Ausprägung sehr variabel und teilweise spezifisch für einen einzelnen Hafner oder seine Töpferei (z.B. Spezialbrennhilfen für Steinzeug-Baaren aus Langerwehe).

Die ältesten Darstellungen, bereits sehr weit und speziell entwickelter Brennhilfen und Kapseln finden sich im Manuskript von Cipriano Piccolpasso aus dem Jahr 1575 (Lightbown/Caiger-Smith 1980). In der Schweiz scheinen Brennhilfen erst ab dem späteren 16. Jahrhundert vorzuliegen (Roth Heege/Thierrin-Michael 2016; Bänteli/Bürgin 2017, bes. Abb. 183). Eine systematische Sammlung der Typen der Brennhilfen steht jedoch aus. Charakteristisch sind Einlegeplatten, Stützen, Muffeln/Kapseln,  Brennringe, Zuglochabdeckungen, Pinnen, Dreifüsse (auch Dreiangel, Triangel oder Drüspitz), Kännel/Schienen/Stege und Bissen/Dreikantleisten,  Spitzkegel, oder pyramidenförmige Keile. Ergänzend können immer auch Dachziegel und Backsteine zum Bau des  inneren Stützen- und Strebenwerks des Töpferofens («Gelege») Verwendung finden (Babey 2016; Boschetti-Maradi 2006; Heege 2011; Heege/Kistler 2017; Matter 2012).

 

Frz.:  Auxiliaires pour la cuisson, Matériel d’enfournement, Plaques et Supports d’enfournement céramique, Support de  la cuisson, Eléments de calage, Aides-cuisson

Engl.: Kiln furniture

Bibliographie

Babey 2016
Ursule Babey, Archéologie et histoire de la terre cuite en Ajoie, Jura Suisse (1750-1900). Les exemples de la manufacture de faïence de Cornol et du centre potier de Bonfol (Cahier d’archéologie jurassienne 37), Porrentruy 2016, 160-166.

Bänteli/Bürgin 2017
Kurt Bänteli/Katharina Bürgin, Schaffhausen im Mittelalter – Baugeschichte 1045-1550 und archäologisch-historischer Stadtkataster des baulichen Erbes 1045-1900 (Schaffhauser Archäologie 11), Schaffhausen 2017.

Boschetti-Maradi 2006
Adriano Boschetti-Maradi, Gefässkeramik und Hafnerei in der Frühen Neuzeit im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 8), Bern 2006, 33-45.

Heege 2011
Andreas Heege, Langenthal, St. Urbanstrasse 40–44. Die Hafnerei Staub und ihre Werkstatt, in: Archäologie Bern/Archéologie bernoise. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, 2011, bes. 229-234 (mit älterer Literatur).

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017, bes.  179-183.

Lightbown/Caiger-Smith 1980
Ronald Lightbown/Alan Caiger-Smith, Cipriano Piccolpasso, I tre libri dell’arte del vasaio = The three books of the potter’s art: a facsimile of the manuscript in the Victoria and Albert Museum, London, London 1980.

Matthys 2005
Catherine Matthys, La production présumée de Jacques Bertrand Visnon, potier de Bouffioulx vers 1600. Recherches récentes en Wallonie (Etudes et documents, Archéologie 8), Namur 2005.

Matter 2012
Annamaria Matter, Die archäologische Untersuchung in der ehemaligen Porzellanmanufaktur Kilchberg-Schooren. Keramikproduktion am linken Zürichseeufer 1763-1906 (Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 43), Zürich 2012,  65-76.

Roth Heege/Thierrin-Michael 2016
Eva Roth Heege/Gisela Thierrin-Michael, Oberaltstadt 3/4, eine Töpferei des 16. Jahrhunderts und die Geschichte der Häuser, in: Eva Roth Heege, Archäologie der Stadt Zug, Band 2 (Kunstgeschichte und Archäologie im Kanton Zug 8.2), Zug 2016, 10-154.