Zürich ZH, Tappolet, Berta (1897–1947), Keramikmalerin

Roland Blaettler und Andreas Heege, 2026

Berta Tappolet in CERAMICA CH

« Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstand eine neue Ästhetik der dekorativen Künste – und mit ihr eine Erneuerung der Keramikgestaltung; in der Schweiz wurde diese Bewegung vor allem von Frauen geleitet und geprägt. Ihre Vorreiterinnen waren Berta Tappolet (1897–1947), Martha Amata Good (1896–1950) und Luise Meyer-Strasser (1894–1974). Von den 1920er bis in die 1940er Jahre schufen diese drei Frauen einzigartige Dekormotive für die Keramikmanufaktur Bodmer in Zürich und für das Unternehmen von Fritz Haussmann in Uster. » (Messerli 2009, 69).

Als Tochter eines Zürcher Pfarrers absolvierte Berta Tappolet (1897–1947) eine Lehre als Stickereizeichnerin im Atelier von Bertha Baer in Zürich, bevor sie von 1914 bis 1917 gemeinsam mit ihrer Freundin Luise Meyer-Strasser (1894–1974) ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in München fortsetzte.

Nach ihrer Rückkehr nach Zürich eröffneten die beiden Frauen ein gemeinsames Atelier – zunächst am Neumarkt, später am Jupitersteig – und schlossen sich dem Verein «L’Œuvre» an, den sie 1943 wieder verließen (L’Œuvre 1947). Neben der Malerei und dem expressiven Zeichnen illustrierte Berta Tappolet Bücher und entwarf Muster für die Textilindustrie, die Innenarchitektur und die Keramik.

1918 wurde Keramik von Berta Tappolet in der Raumkunst – Ausstellung des Schweizerischen Werkbundes in Zürich gezeigt.

1924 zeigten Berta Tappolet und Luise Strasser Arbeiten im Kunstgewerbemuseum in Zürich.

Im Malatelier der Tonwarenfabrik Carl Bodmer & Cie in Zürich, um 1925/26. Links Berta Tappolet, in der Mitte möglicherweise Louise Meyer-Strasser. Da 1926 Martha Amata Good ebenfalls Entwürfe beisteuerte, könnte sie die dritte Malerin rechts sein.  (Original StAZH VII-174, Schachtel 75).

Zwischen 1925 und 1931: Berta Tappolet entwarf  eine Serie von Dekoren für Fayence für die Tonwarenfabrik Carl Bodmer & Cie in Zürich (Bodmer-Huber und Messerli-Bolliger 1986, 32-33, Taf. 32-37), die sie offenbar auch in der dortigen Werkstatt ausführte.

Die Entwürfe sind vor allem in den Preislisten der Firma erhalten. Originalkeramiken sind ausgesprochen selten (Originale StAZH VII-174, Schachtel 47).

Um 1925 entstand auch ein Porträt von ihr, das die Fabrik auch als Ansichtskarte verschenkte und verschickte (Original StAZH VII-174, Schachtel 45).

1927 Ausstellungskatalog Exposition de Céramique Suisse, Genf (Original  StAZH VII-174, Schachtel 38).

1927 wurden die Arbeiten für Carl Bodmer auch an der „Exposition de Céramique Suisse“ ausgestellt. Dort zeigten Berta Tappolet und Luise Meyer-Strasser aber auch eigene Kreationen ihres Ateliers.

1929 gab es eine Verkaufsausstellung der beiden Keramikerinnen im Kunstgewerbemuseum Zürich (Original: Museum für Gestaltung Zürich, Archivnummer GBA-1929-D08-001).

1930 beteiligte sich Berta Tappolet an der Kunstgewerbe-Ausstellung der Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen im Kunstgewerbemuseum in Zürich.

1936 war sie auch an der Ausstellung „Schweizer Architektur und Werkkunst 1920 bis 1936“ im Kunstgewerbemuseum in Zürich beteiligt.

Zu frühen Keramikdekoren von Tappolet und Strasser, insbesondere auf Porzellan, siehe Meyer 1924: L’Œuvre 11, 1924, 188–192; Die Frau in der Schweiz. Illustriertes Jahrbuch für Frauen-Bestrebungen, 1934, Heft 6, 58; L’Œuvre 7, 1920, Abb. S. 239. Weitere Beispiele für von Tappolet und/oder Strasser bemalte Keramiken finden sich in L’Œuvre 19, 1932, Abb. S. 11–15; L’Œuvre 22, 1935, Abb. S. 410–411; L’Œuvre 27, 1940, 315; L’Œuvre 29, 1942, 300.

Im Bereich der Keramik arbeitete Tappolet mit den Haussmanns in Uster zusammen (MHL AA.MI.1760; MHL AA.MI.1761), vor allem ab 1936 (L’Œuvre 23/10, 1936, S. XXIII). Diese Arbeiten sind mit den Initialen „T“ oder „BT“ sowie mit dem Markenzeichen der Künstlergruppe „Cornelius“ versehen.

1937 eröffneten Berta Tappolet, Cornelia Forster (1906–1990), Luise Meyer-Strasser (1894–1974), Martha Amatha Good (1896–1950) sowie die Keramiker Fritz und Helene Haussmann das Geschäft «Cornelius» an der Oberdorfstrasse 3 in Zürich, das speziell dem Verkauf der von ihnen verzierten Keramiken gewidmet war, die im Atelier des Ehepaars Haussmann in Uster gedreht und gebrannt wurden (L’Œuvre 24, 1937, fig. p. XVI et pp. 357, 360-361, 363).

1939 dekorierte sie zusammen mit Luise Meyer-Strasser den Frauenpavillion an der Landesausstellung in Zürich.

Keramik von Berta Tappolet:

Das Werk 1924

Das Werk 1932

Die Frau in der Schweiz 1934

Das Werk 1937

Die Schweiz 1939

Das Werk 1940

Das Werk 1942

Keramik von Berta Tappolet im Museum für Gestaltung Zürich
Archiv Zürcher Hochschule der Künste

Keramik von Luise Meyer-Strasser im Museum für Gestaltung Zürich
Archiv Zürcher Hochschule der Künst

Das Schweizerische Nationalmuseum in Zürich verwahrt ebenfalls drei Objekte von Berta Tappolet:  SNM LM-65034, LM-73661, LM-149617).

Nachrufe:

Keramikfreunde der Schweiz

L’Œuvre 1947
Berta Tappolet [Nécrologie]. L’Œuvre 34, 1947, 122.

Tappolet 1947
Friedrich Tappolet: In memoriam Berta Tappolet : 1897 – 1947. Winterthur-Töss 1947.

Bibliographie:

Bodmer-Huber et Messerli-Bolliger 1986
Ernst Bodmer-Huber et Barbara E. Messerli-Bolliger, Die Tonwarenfabrik Bodmer in Zürich-Wiedikon. Geschichte, Produktion, Firmeninhaber, Entwerfer. Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 101, 3-60.

Messerli 2009
Christoph Messerli, Von der Souvenir- zur Studiokeramik. Die Berner Keramik im 19. und 20. Jahrhundert. Lizentiatsarbeit, Institut für Kunstgeschichte des Universität Bern (Bern 2009).

Messerli 2017
Christoph Messerli, 100 Jahre Berner Keramik. Von der Tuner Majolika bis zum künstlerischen Werk von Margrit Linck-Daepp (1987-1983). Hochschulschrift (Datenträger CD-ROM), Bern 2017.

Meyer 1924
Peter Meyer, Bemaltes Porzellan von Bertha Tappolet und Louise Strasser. L’Œuvre 11, 188-193.