Uster ZH, Haussmann, Fritz und Helen (Atelier Alsiko)

Keramik von Fritz und Helen Haussmann in CERAMICA CH

Roland Blaettler, Andreas Heege 2021

Fritz Haussmann (1900–1968) und seine aus Basel stammende Frau Helen, geborene Frey (1905–1989), gründeten 1928 das Atelier Alsiko in Niederuster, Kanton Zürich. Beide hatten ihr Handwerk in Deutschland erlernt. Das Unternehmen lautete zunächst auf den Namen von Fritz Haussmann (Schweizerisches Handelsamtsblatt [SHAB], Bd. 46, 1928, S. 2351). Am 16. Februar 1929 wurde eine erste Marke in Form eines Dachsparrens mit gebogenen Schenkeln eingetragen (SHAB, Bd. 47, 1929, S. 516). Die Marke mit diesem Symbol wurde während der gesamten Tätigkeit des Ateliers verwendet, später kam der Zusatz «Haussmann Uster» hinzu (MHL AA.MI.1835 und 1838).

Im darauffolgenden Jahr entschied sich das Paar für die Gütertrennung (SHAB, Bd. 48, 1930, 2634).

Das Ehepaar Haussmann leistete mit der Produktion schlichter, rationaler Formen einen bemerkenswerten Beitrag zur Modernisierung der in der Schweiz hergestellten Gebrauchskeramik. In der Arbeitsweise der beiden überwachte Helen die Dekore, verarbeitete Glasuren und Emails. Ihre Ausbildung im Westen Deutschlands an der Keramikschule in Höhr-Grenzhausen, L’Ecole de céramique de Höhr-Grenzhausen, im Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, war prägend für ihre Tätigkeit.

Die grossen Haushaltswarengeschäfte, in diesem Fall Steiger in Bern und Kiefer in Zürich, waren von grosser Bedeutung für den Verkauf der Produktion (NZZ, 1935).

Renommierte Dekorateurinnen wie Bertha TappoletLuise StrasserCornelia Forster oder Amata Good fertigten ihre keramischen Kreationen in der Werkstatt in Uster mit der technischen Unterstützung der Haussmanns an. Diese schlossen sich 1937 mit dieser Gruppe von Künstlerinnen zusammen und gründeten die Boutique Cornelius in Zürich, die zu einem wichtigen Ort für die Vermarktung ihrer Produkte wurde.

Keramiksouvenirs von Bertha Tappolet/Fritz Uster waren auf der Schweizerischen Landesausstellung 1939, l’Exposition nationale suisse de 1939, in Zürich zu bewundern.

 

Signierte Figurinen von Fritz Haussmann, Uster. Oben: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 23,0 cm; Mitte: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 18,0 cm; unten: Statuette, die eine Mutter mit ihrem Kind darstellt, Höhe: 12,0 cm (Fotos von Angello Steccanella, « Antik und Rar »)

Ab den 1940er-Jahren galt Fritz Haussmann auch als einer der landesweiten Pioniere der neuen künstlerischen Keramik. Bei seiner Arbeit bevorzugte er künftig das Medium Steinzeug und Hochtemperaturglasuren (Das Werk/L’Œuvre 31, 1944, Abb. S. 359). 1945 beschäftigte das Unternehmen rund 15 Personen, darunter Ernst Fehr, den späteren Lehrer an der Keramikschule in Bern (Fehr 2003, S. 8–10).

1946 wurde der Firmenname «Fritz Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik – Atelier de céramiques Alsiko» gelöscht, wobei die Aktiven und Passiven von der neuen Firma seiner Frau mit Namen «Helen Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik» übernommen wurden (SHAB, Bd. 64, 1946, S. 235). Der Grund dafür war die gerichtliche Ausweisung von Fritz Haussmann (10. Oktober 1945 bis 1957, 1962 widerrufen). Seit 1937 stand Fritz Haussmann der NSDAP (Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei nahe, einer antiliberalen, antisemitischen und gegen den Bolschewismus gerichteten politischen Partei, deren Ziel es war, die Schweiz mit dem Deutschen Reich zu vereinen. Seit 1939 war er Mitglied der Partei (Fehr 2003, S. 8–10; Schulthess 2017). Helene Haussmann und zwei ihrer Kinder durften in der Schweiz bleiben. Das Unternehmen wurde unter ihrer Leitung weitergeführt, unterstützt von Töpfermeister Biedermann und anderen Führungskräften.

Der Firmenname wurde 1978 endgültig gelöscht (SHAB, Bd. 96, 1978, 2238).

Übersetzung Stephanie Tremp

Objekte von Fritz und Helene Haussmann finden sich im Archiv des Museums für Gestaltung, Zürich Museum für Gestaltung – Musée du design, Zurich

Archiv Zürcher Hochschule für Künste: Archives de la Haute école des arts de Zurich

Weitere Informationen über Fritz und Helen Haussmann sind auf der Webseite « Antik und Rar » verfügbar.

Einige Keramiken werden im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich verwahrt  Musée national suisse à Zurich.

Bibliographie :

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Peter Schulthess 2017
Peter Schulthess, Keramische Werkstätte, Helen und Fritz Haussmann, 1928 bis 1968, in: Heimatspiegel, Illustrierte Beilage im Verlag von „Zürcher Oberländer“, August 2017, 58-63.