Thun BE, Leopold, Max, Haushaltwarengeschäft und Kunsttöpferei

Keramik von Max Leopold in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2026 (mit Unterstützung von Georg Frank)

Der schlesische Einwanderer Emil Leopold-Born, Mechaniker und Nähmaschinenhändler aus Freistadt, lässt sich seit 1876 an der Kreuzgasse/Oberen Hauptgasse in Thun nachweisen (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern 8. April 1876; Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern 17. März 1877; Thuner Wochenblatt 16. Juni 1877), betrieb sein Geschäft aber dort möglicherweise bereits seit 1873 (siehe unten, Briefkopf Max Leopold von 1929). 1879 eröffnete er auf „dem Plätzli“ im neuerbauten Haus der Herren Studer und Lohner ein weiteres Geschäft, den „Thuner Bazar“ (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 26, Nummer 100, 13. Dezember 1879), den er 1880 erstmals selbst als „Grand Bazar de Thoune“ bezeichnete (Täglicher Anzeiger für Thun und das Berner Oberland, Band 4, Nummer 124, 27. Mai 1880), aber erst im Oktober 1887 im Schweizerischen Handelsamtsblatt eintragen liess (SHAB Nr. 99, 26.10.1887).

Emil Leopold-Born handelte auch mit Porzellan und Majolika.

1907 Der „Grand Bazar de Thoune“ war ab 1907 im neu erbauten „Luisenhof“ am Lauitor untergebracht.

1911 Unter dem 30. September wurde im Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Musée céramique de Thoune, E. Leopold-Born in Thun ist Emil Leopold, allieé Born, von und in Thun, Kunsttöpferei Lauitor (SHAB 29, No. 245, S. 1650, 30. September 1911). Es gibt keine Hinweise, dass Emil Leopold-Born mehr als den Namen des Musée céramique, das 1907 unter Gottfried Beutter in Konkurs geraten war, weiterführte. Eine eigenständige Produktion lässt sich bislang nicht belegen.

1914 Zum 1. Januar wurden die beiden Firmen von Emil Leopold Born – Grand Bazar de Thoune und Musée céramique de Thoune“ – unter den Söhnen Fritz Leopold und Max Leopold (17.2.1878-8.6.1965) zur Firma „Leopold-Born-Söhne“ verschmolzen. Die beinhaltete auch das „Musée céramique (SHAB 32, No. 33, S. 222.

1914 Eine Anzeige zum Weihnachtsgeschäft zeigt das umfangreiche, gehandelte Warenspektrum, darunter auch Majolika (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 61, Nummer 99, 10.12.1914).

1916 Zu Beginn des Jahres trennten sich die beiden Brüder (SHAB 34, 1916, S. 91). Max Leopold führte als „M. Leopold, Nachfolger von E. Leopold-Born“ den Luisenhof und die Namen „Grand Bazar“ und „Musée céramique“ weiter (Oberländer Tagblatt, Band 40, Nummer 18, 22. Januar 1916).

1917 Unter dem 30.4.1917 ergänzt Max Leopold die Natur des Geschäftes um „Kunsttöpferei“. Möglicherweise signalisiert dies die Aufnahme einer eigenen Keramikproduktion. Dies deckt sich mit einer Weihnachtsanzeige, die Majolika aus der eigenen Kunsttöpferei anbietet (Oberländer Tagblatt, Band 41, Nummer 295, 15.12.1917).

1918 vergab Max Leopold Heimarbeit an Ausmacherinnen und bot eine Lehrstelle für einen seriösen, intelligenten, jungen Mann an (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern 65, Num. 75, 26.2.1918). Wer in dieser Zeit seine Keramikwerkstatt technisch leitet, ist unbekannt.

1919 Am 6. März liess Max Leopold im Schweizerischen Handelsamtsblatt eine eigene Marke für seine Produkte eintragen (SHAB 37, 1919, S. 436).

1919 Ab dem 28. August wurde die „Kunsttöpferei und Majolikamalerei M. Leopold „Luisenhof“, Thun“ dem Fabrikgesetz unterstellt und erhielt eine Fabrikordnung (StAB, Bez. Thun B 120; StAB Bez. Thun B1897; auch OberländerTagblatt 43, Num. 176, 1.8.1919). Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Max Leopold 9 Mitarbeiter ( 4 Männer und 5 Frauen).

Offizieller Katalog der MUBA 1921, 248, Eintrag für Max Leopold „Original Thuner Majolika“.

1920/1921 Max Leopold war mit einem Stand auf der Mustermesse Basel vertreten (Offizieller Katalog der MUBA 1921, 248).

Das Oberländer Tagblatt (45, Num. 93, 22.4.1921) berichtete. Dabei wird erstmals die Bezeichnung „Typ Alt Thun“ für das Krautmuster verwendet. Gleichzeitig verkaufte Max Leopold Figuren von Cäsar Adolf Schmalz aus Heimberg auf seinem Stand.

Vor 1920 war aufgrund von Signaturen auch Friedrich Ernst Frank (1862-1920), der wichtigste Keramikmaler der Manufaktur Wanzenried für Max Leopold tätig. Er bemalte für ihn vor allem Wandfliesen mit ländlichen Szenen. Ob er gleichzeitig auch bei Loder- & Schweizer in der ehemaligen Fabrik Wanzenried arbeitete, ist unklar.

1921  Leopold verkaufte nicht nur eigene Produkte sondern z.B. auch importierte Steingut-Waschgeschirre und Küchendosen (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 68, Num. 66, 3.6.1921).

1922 Die Firma wurde unter dem 18.12. wieder aus dem Register der dem Fabrikgesetz unterstellten Betriebe gelöscht, was bedeuten dürfte, dass keine eigenständige Produktion mehr stattfand (StAB Bez. Thun B1897, B1899).

1922 finden sich letztmalig Anzeigen der Firma.

Das Produktionsspektrum umfasste sowohl eindeutige Dekore der Thuner Majolika mit Edelweiss als auch Stücke mit dem Standard-Chrutmuster.

Daneben gibt es aber auch modernere Formen und Dekore, die eher an die Desa in Steffisburg oder die Produkte von Loder & Schweizer erinnern.

1929 Briefköpfe nennen als Handelsgut immer noch „Thuner Majolika Musée céramique“.

1962  Die Firma „M. Leopold, Nachfolger von E. Leopold-Born“ wird infolge Geschäftsaufgabe aus dem Schweizerisches Handelsregister gelöscht (SHAB 80, No. 105, S. 1338, 27.4.1962).

1965 Max Leopold starb am 8. Juni im Alter von 88 Jahren (Nachruf im Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, 25.6.1965).