Heimberg-Steffisburg BE, Schenk, Karl Friedrich (1866-1919), Hafner

Karl Friedrich Schenk und seine Ehefrau Magdalena Hossmann (aus dem Nachlass der Kunstkeramik Luzern A.G., jetzt Schlossmuseum Thun)

Andreas Heege, Andreas Kistler, Margret Loder 2021

Karl Friedrich Schenk (17.7.1866-22.5.1919) stammt aus einer Heimberger Hafnerfamilie, deren Heimatort Röthenbach im Emmental war (Stammbaum). Der Grossvater Christian Schenk (1790-1861) war Schumacher, der Onkel Christian Schenk (1826-1893) war Glättemüller in einer nicht genauer genannten Glättemühle in Steffisburg (hierzu Frank 2000). Glättemüller waren ein spezialisierter Handwerkszweig, der die von den Hafnern in grosser Menge für die Glasuren benötigte Bleiglätte aufbereitete und vermutlich auch Glasurfarben und bunte Malengoben herstellte oder verkaufte. Karl Friedrich Schenks Vater Samuel Schenk (1835-1904) war ebenfalls Hafner, ebenso sein Onkel Jakob Schenk (1842-1904).

Samuel Schenk und seine Ehefrau Elisabeth Hänni (1837-1911)bekamen 10 Kinder. Samuel konnte 1870 von den Erben des ledigen Hafners Ulrich Jenni (1820-1868) eine 1831 erbaute Hafnerwerkstatt mit Wohnstöckli „Im Kehr“ in Heimberg erwerben (heute Haslikehrweg 30).

Bis 1876 führte Samuel für den Hilfs- und Freundschaftsverein der Heimberger Hafner offenbar auch die Material-Ablage der Glättemühle Wanzenried in Steffisburg-Schwäbis (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 23, Num. 48, 1876).

Wie lange Samuel tatsächlich Keramik fertigte, ist unklar, denn bei seinem Tod 1904 wird angegeben, dass er als Wagner gearbeitet habe. Auch ist unbekannt, welche Art Keramik oder Dekore Samuel Schenk produzierte, da zur Zeit keine signierten Stücke bekannt sind.

1905 ging das Heimwesen mit Werkstatt und Scheune an seine Witwe Elisabeth Schenk-Hänni (1837-1911) über, bevor es 1911 im Rahmen einer Erbteilung  je zur Hälfte an Eduard Schenk (Zimmermann, 1868-?) und Fritz Schenk-Kolb (Hafner, 1870-1958), die Brüder von Karl Friedrich Schenk, gelangte. In der Erbteilung von 1911 wurde Karl Friedrich Schenk, wie seine anderen überlebenden Geschwister ausbezahlt, während die Nutzung des Bienenhauses beim Heimwesen noch bis März 1912 unendgeldlich ausbedungen wurde.

Vier der sechs überlebenden Söhne des Ehepaars Schenk-Hänni ergriffen den Töpferberuf. Gottfried Schenk 1862-1939 (ohne eigene Werkstatt) war Hafner und spätestens 1911 Ziegeleiarbeiter in Steffisburg. Ernst Schenk (1875-1951) war Hafnerarbeiter und spätestens 1910 Bahnangestellter. Er konnte 1901 das 1835 erbaute Gebäude mit drei Hafnerwerkstätten Haslikehrweg 28 kaufen. Wie lange er dort Keramik produzierte, ist unbekannt. Fritz Schenk-Kolb (Hafner, 1870-1958) übernahm die väterliche Werkstatt Haslikehrweg 30 und Karl Friedrich-Schenk scheint Zeit seines Lebens keine eigene Werkstatt besessen zu haben. Da wir von ihm aber signierte Keramiken kennen, kann nur angenommen werden, dass er bei einem seiner Brüder in der Werkstatt töpfern und eigene Keramiken mitbrennen durfte.

Keramik von Karl Friedrich Schenk, signiert „KS Thun“, Privatbesitz Ebikon bzw. Schlossmuseum Thun.

Die vorliegenden Dekore erinnern stark an die Muster, die der bernische Kunstgewerbelehrer Paul Wyss in seinen Zeichenkursen an der Keramikfachschule in Bern lehrte. Er vermittelte sie zusammen mit dem bernischen Keramiker, Zeichner und Grafiker Friedrich Ernst Frank, der ansonsten vor allem für die Manufaktur Wanzenried in Steffisburg arbeitete, auch in der 1906 begründeten Töpfer- und Zeichenschule in Steffisburg. Aus der gemeinsamen Arbeit von Wyss und Frank in Steffisburg haben sich die Unterlagen für einen Zeichenkurs erhalten. Wir können nur vermuten, dass Karl Friedrich Schenk diese „modernen“, dem floralen Jugendstil verpflichteten Motive selbst schätzte und sie entweder selbst malte oder durch im Stücklohn arbeitende Ausmacherinnen malen lies. Er dürfte daher zu der kleinen Gruppe Heimberger Hafner gehören, die sich für stilistische Neuerungen öffnete. Hierzu gehören zum Beispiel auch Bendicht Loder-Walder unter dem Einfluss von Nora Gross oder Karl Loder-Eyer.

Wo Karl Friedrich Schenk mit seiner Familie in Heimberg zur Miete gewohnt und gelebt hat, wissen wir nicht. Einmal erscheint als Ortsangabe in den Quellen „Heimberg, In der Au“, beim Tod seiner Frau 1924, waren die Erben „beim Schulhaus in Heimberg“ wohnhaft.

In verschiedenen gedruckten Quellen sowie den Geburtsanzeigen seiner Kinder und der Erbteilung von 1911 wird Karl Friedrich Schenk auch als „Gemeindeweibel“ und als „Bienenzüchter“ bezeichnet (Brunner, J., Adress- Reise- und Reklamen-Taschenbuch für Thun und Berner Oberland Thun, 1908, S. 57). Diese beiden Nebenberufsfelder sicherten seiner Familie vermutlich einen grösseren Teil des Lebensunterhalts. Den Rest verdiente seine Frau Magdalena als Abwartin des Heimberger Schulhauses.

Karl Friedrich Schenk hatte Magdalena Hossmann (29.10.1868-20.4.1924) von Gerzensee, wohnhaft in Aeschlen bei Oberdiessbach am 30.6.1894 in Langnau, geheiratet. Dem Ehepaar wurden vier Kinder geboren, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten (Stammbaum). Frieda Schenk (1900-1972), wuchs mit der Schwester Marie Rosa (1905-?) und dem Bruder Karl (1910-?) auf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in der Firma Keller, Chemische- und Seifenfabrik in Konolfingen, heiratete Frieda Schenk am 13. März 1925 den Keramiker Emil Loder und führte mit ihm zusammen ab 1925 die Kunstkeramik Luzern (KERALUZ).

Bibliographie:

Frank 2000
Georg Frank, „Dank dem Gewerbefleiss früherer Jahrhunderte“. Die Nutzung der Wasserkraft in der bernischen Gemeinde Steffisburg vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Thun 2000.