Schule für Gestaltung, Bern und Biel (SfGB)

Schule für Gestaltung Bern und Biel
Schänzlihalde 31
CH-3013 Bern
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Keramik der SfGB in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die Keramiksammlung der Schule für Gestaltung Bern-Biel wurde bis heute nicht umfassend bearbeitet. Nur die Sammlungsteile Langnau (Heege/Kistler 2017) und Bäriswil (Heege/Kistler/Thut 2011) fanden  bislang eine wissenschaftliche Berücksichtigung. Die Sammlung umfasst mit ca. 500 Objekten jedoch ein wesentlich weiteres und auch bis in die jüngste Vergangenheit der Keramikfachklasse zurückgehendes Spektrum.

Die Geschichte der Sammlung geht auf die 1869 gegründete Kantonale Muster- und Modellsammlung (ab 1890 Kantonales Gewerbemuseum Bern im Kornhaus Bern, nach 1967 erneute Übergabe an die Stadt Bern, heute Bernische Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung, 2019: Kantonale Sammlung Angewandte Kunst) zurück (vgl. zur Geschichte dieser Institutionen und der mit ihr später verbundenen Keramikerausbildung  bzw. Keramikfachklasse Haller 1930; Tschabold 1945; Geiger 1952; Fischli/Rotzler 1960; Tschabold 1969). Zwischen 1900 und 1918 wirkte im Gewerbemusem auch der Kunstgewerbelehrer Paul Wyss als Zeichner. 1910 wurden die Bernische Gewerbeschule und das Gewerbemuseum miteinander vereinigt.

Die ältesten Ankäufe gehen auf das Jahr 1892 zurück. Die damals angekauften Objekte sind als «Sammlung bzw. Auktion Bühler, Willisau» inventarisiert. Ob die angekauften Objekte je im Rahmen einer Dauer- oder Sonderausstellung gezeigt wurden oder ausschliesslich als Studienobjekte der Keramikfachklasse fungierten, ist unklar. Das Gewerbemuseum zeigte lediglich 1945 eine Ausstellung zu bernischer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts aus bernischem Privatbesitz (Tschabold 1969, 35). Teile der Sammlung waren dann auch 1948 auf der grossen Keramikausstellung in Schloss Jegenstorf ausgestellt (Jegenstorf  1948). 1976 wurde, nach dem Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton an die Stadt Bern, der grösste Teil der Keramiksammlung vom Gewerbemuseum an die spätere Schule für Gestaltung übergeben und dann vom Keramikfachschullehrer Ernst Fehr erstmalig grundlegender inventarisiert (Fehr 2003). Die übrigen Sammlungsteile, unter denen sich auch weitere Keramik befindet, betreut heute die Berner Design-Stiftung.

Seit 1987 bzw. 1990 wird eine kleine Auswahl der Sammlung im Töpferhaus im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg gezeigt. 1995 war ein Sammlungsteil in Schloss Münsingen anlässlich der Sonderausstellung „Heimberger Keramik“ zu sehen. 1999 war ein kleiner Sammlungsteil auf der 4. Schweizerischen Keramikausstellung in Solothurn ausgestellt (Organisation: Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker – ASK).

Die Geschichte der  Keramischen Fachschule  lässt sich mit folgenden Eckdaten beschreiben:

1905 Gründung als eine Fachklasse der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern in der Felsenburg, dafür Einbau eines Brennofens durch Hafnermeister Schmid.
1907 Anstellung von Jakob Herrmanns als Schulleiter
1910 Übernahme der Fachklasse durch das Bernische Gewerbemuseum, zusammen mit der Kunstgewerbeklasse „Praktikum“ des Lehrers Ferdinand Huttenlocher. Die Räumlichkeiten in der Felsenburg werden übernommen.
1916 Ausbau zur Fachschule, Anstellung von des Keramikers Ernst Tschanz aus Heimberg als Werkmeister
1921 Verstaatlichung, Übernahme durch den Kanton Bern als Gewerbliche Bildungsanstalt der Direktion des Innern.
1939 Schliessung der Fachschule im Oktober diesen Jahres, nach dem Tod des Fachlehrers Jakob Herrmanns und aufgrund fehlender Finanzen für die technische Modernisierung der Schule.
1941, Mai Wiedereröffnung unter Fachlehrer Benno Geiger und Werkmeister Werner Burri.
1942 Umzug der Keramischen Fachschule von der Felsenburg in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63 in Bern.
1976 Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton an die Stadt Bern.

Bibliographie

Jegenstorf 1948
Ausstellung Schweizer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts im Schloss Jegenstorf/Bern, Mai-August 1948, Basel 1948.

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Fischli/Rotzler 1960
Hans Fischli/Willy Rotzler, Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler. Kleine keramische technologie, Schülerarbeiten, Arbeiten ehemaliger Schüler: Ausstellung 24. November bis 21. Dezember 1960, Kunstgewerbemuseum Zürich, Zürich 1960.

Geiger 1952
Benno Geiger, Keramische Fachschule Bern 1941 -1951, Bern 1952.

Haller 1930
Hans Haller, 25 Jahre keramische Fachschule Bern, Bern 1930.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Tschabold 1945
Alfred Tschabold, Geschichte des Gewerbemuseums 1869-1944, in: Kantonales Gewerbemuseum Bern, 75 Jahre Kantonales Gewerbemuseum Bern 1869-1944, Bern 1945, 9-51.

Tschabold 1969
Alfred Tschabold, 100 Jahre Gewerbemuseum in Bern. Zeittafel zu seiner Geschichte 1869 bis 1969, Bern 1969.