Bern und Biel, Schule für Gestaltung (SfGB)

Schule für Gestaltung Bern und Biel
Schänzlihalde 31
CH-3013 Bern
Tel.: +41 (0)31 337 0 337
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Keramik der SfGB in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2022

Die Keramiksammlung der Schule für Gestaltung Bern-Biel wurde zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Intensität bearbeitet. Die Sammlungsteile Bäriswil (Heege/Kistler/Thut 2011) und Langnau (Heege/Kistler 2017) fanden 2011 und 2017 eine umfassende wissenschaftliche Berücksichtigung. Die Sammlung umfasst jedoch mit ca. 360 schulintern inventarisierten und zahlreichen nicht inventarisierten Objekten ein wesentlich weiteres und auch bis in die jüngste Vergangenheit der Keramikfachklasse zurückreichendes Spektrum. Hiervon wurden als Schwerpunkt vor allem die historischen Sammlungsteile des alten Gewerbemuseums Bern (siehe unten Geschichte der SfGB) und eine kleine Auswahl jüngerer Arbeiten dokumentiert. Ausserdem befindet sich im Depot der Schule für Gestaltung seit 1982 bzw. 1995 auch die vollständig von Ernst Fehr inventarisierte Keramiksammlung der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker (ASK, gegründet 1959). Sie umfasst etwas über 100 Keramiken, die wegen ihrer Zeitstellung (nach 1950) hier vorerst nicht aufgenommen werden, jedoch sicher eine bedeutende und dokumentationswürdige Ergänzung anderer zeitgenössischer Keramiksammlungen (z.B. Sammlung Nievergelt; vgl. Naef Galuba/Schumacher/Nievergelt u.a. 2016) darstellt. Zudem dient eine grosse „Arbeits- und Vergleichssammlung“ von über 1000 Objekten, die vor allem nach 1971 zusammengetragen wurden, intern zu Schulungszwecken. Darunter befinden sich auch grosse Keramikbestände von Margrit Daepp-Linck und Volker Ellwanger, sowie weitere Arbeiten aus der Keramikfachschule. Dieser Sammlungsteil ist bislang nicht inventarisiert und wurde nur in wenigen ausgesuchten Ausnahmefällen hier berücksichtigt.

Die Geschichte der Sammlung geht auf die 1869 gegründete Kantonale Muster- und Modellsammlung (ab 1890 Kantonales Gewerbemuseum Bern im Kornhaus Bern)  zurück (vgl. zur Geschichte dieser Institutionen und der mit ihr später verbundenen Keramikerausbildung  bzw. Keramikfachklasse Haller 1930; Tschabold 1945; Geiger 1952; Fischli/Rotzler 1960; Tschabold 1969; eine jüngere Geschichte der Keramikfachklasse und der Schule für Gestaltung fehlt leider).

Zwischen 1900 und 1918 wirkte im Gewerbemuseum auch der Kunstgewerbelehrer Paul Wyss als Zeichner. 1910 wurden die Bernische Gewerbeschule und das Gewerbemuseum miteinander vereinigt, weshalb das Gewerbemuseum auch für die „Keramikfachklasse“ zuständig wurde, die 1916 dann in eine Keramikfachschule umgewandelt wurde.

Die ältesten noch nachweisbaren Keramikankäufe gehen auf das Jahr 1892 zurück. Die damals erworbenen Objekte sind als «Sammlung bzw. Auktion Bühler, Willisau» inventarisiert. Es handelt sich um die Keramiksammlung des Willisauer Mohrenwirtes Kasimir Bühler (1834‒1892; Todesanzeige NZZ Nr. 134, 13.5.1892). Spuren dieser Sammlung finden sich in verschiedenen Schweizer Museen (Zur Auktion: Der Bund 43, Nr. 235, 22.8.1892; Nr. 237, 24.8.1892; Nr. 247, 3.9.1892; Nr. 258, 14.9.1892; Der Bund 44, Nr. 165, 16.6.1893; NZZ Nr. 272, 28.9.1892, Nr. 276, 2.10.1892; Nr. 306, 2.11.1893). Ob die angekauften Objekte je im Rahmen einer Dauer- oder Sonderausstellung gezeigt wurden oder ausschliesslich als Studienobjekte der Keramikfachklasse fungierten, ist unklar. Das Gewerbemuseum zeigte lediglich 1945 eine Ausstellung zu bernischer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts aus bernischem Privatbesitz (Tschabold 1969, 35). Teile der Sammlung waren dann auch 1948 auf der grossen Keramikausstellung in Schloss Jegenstorf ausgestellt (Jegenstorf  1948).

Wie umfangreich die Keramiksammlung des Gewerbemuseums ursprünglich war, ist wegen fehlender Original-Inventare (diese befanden sich vor 1991 im Archiv des Gewerbemuseums im Kornhaus in Bern – Messerli Bolliger 1991, Anm. 336 und 466-469) kaum sicher abzuschätzen. Laut einer handschriftlichen Notiz des Keramikfachlehrers Ernst Fehr aus dem Jahr 1975 umfasste das „Inventar II des Gewerbemuseums, Technologische Sammlung, Abteilung Keramik“ 330 Inventarnummern mit Keramik, von denen jedoch 105 verkauft oder verschenkt wurden (u.a. an das Bauernmuseum Jerisberg BE). Von zahlreichen Stücken war 1975 der Standort unbekannt. Erst 1975, also deutlich nach dem Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton an die Stadt Bern (1971), wurde der grösste Teil der Keramiksammlung (238 Stück) in mehreren Schüben vom Gewerbemuseum an die spätere Schule für Gestaltung übergeben und dann vom Keramikfachlehrer Ernst Fehr erstmalig grundlegender inventarisiert (Fehr 2003; das Inventar lag vor und konnte berücksichtigt werden). Die übrigen Sammlungsteile des Gewerbemuseums betreut heute die Berner Design-Stiftung.

1984 wurde ein kleiner Teil der Keramiksammlung noch einmal durch das Kantonale Amt für Wirtschafts- und Wechselausstellungen ausgeliehen und für 6 Wochen in St. Gallen, im Globus, gezeigt. Seit 1987 wird eine kleine Auswahl der Sammlung im Töpferhaus im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg gezeigt. 1995/96 war ein Sammlungsteil in Schloss Münsingen anlässlich der Sonderausstellung „Heimberger Keramik“ zu sehen. An dieser Ausstellung beteiligten sich auch die Töpfereien Kupferschmied, Maurachern, Steiner, Kiesen, Howald, Heimberg, Stähli, Steffisburg und Steinmann, Heimberg. 1999 war ein kleiner Sammlungsteil auf der 4. Schweizerischen Keramikausstellung in Solothurn ausgestellt (Organisation: Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker – ASK).

Die Geschichte des Gewerbemuseums und der Keramischen Fachschule  lässt sich mit folgenden Eckdaten beschreiben:

1905 Gründung einer Fachklasse an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern (auf Antrag von Oscar Blom, Direktor des Gewerbemuseums und mit Unterstützung von Karl Ludwig Born, 1864-1914, Inspektor der Kunstgewerbeschule sowie Fachlehrer Ferdinand Huttenlocher). Arbeitsort für die Fachklasse in der Felsenburg, Klösterlistutz 10, dafür Einbau einer dreiteiligen Brennofenanlage (holzbefeuert) durch Hafnermeister Schmid.

1907 Anstellung von (Johann) Jakob Herrmanns (1879-1937) als Techniklehrer für Keramik, neben Ferdinand Huttenlocher als Fachlehrer vor allem fürs Zeichnen und Entwerfen.  Hermanns hatte in Bonn, Düsseldorf  und Höhr studiert. In Düsseldorf wirkte er anschliessend als Assistent des deutschen Architekten und Industriedesigners Peter Behrens (1868–1940)  (Nachruf 1938). Aus seiner Zeit in Höhr hat sich möglicherweise eine Vase erhalten (Assel/Stalla 1984, Kat. 107).

1909 Keramische Arbeiten der Kunstgewerbeschule.

1910 Übernahme der Fachklasse durch das Bernische Gewerbemuseum, zusammen mit der Kunstgewerbeklasse „Praktikum“ des Lehrers Ferdinand Huttenlocher. Die von Hafnermeister Albert Schmid gemieteten Räumlichkeiten in der Felsenburg werden übernommen.

1913 Gründung des Schweizerischen Werkbundes, Jakob Herrmanns ist Mitgründer und später Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Bern.

1914 Schülerarbeiten aus der Keramikfachklasse überzeugten beim Wettbewerb für den Bazar der Landesausstellung in Bern (Die Schweizerische Baukunst 6, 1914, 322-328; weitere Arbeiten auch: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten 36, 1915, 349-350).

1914 Jakobs Herrmanns Keramiken zierten auf der Landesausstellung in Bern im Gasthaus Röseligarten  im Dörfli die Wandgestelle, neben Keramiken von Elisabeth Strasser (Rollier 1914, 152 und 156).

1916 Auf Antrag von Rudolf Münger als Mitglied der Aufsichtskommission Ausbau der Fachklasse zur Fachschule, Anstellung von des Keramikers Ernst Tschanz (1880–1943) aus Heimberg als Werkmeister für die Lehrlingsausbildung. Jakob Hermanns wird Fachlehrer und Schulleiter. Im gleichen Jahr ist er mit Keramik an einer Kunstausstellung im Berner Stadttheater vertreten (Die Schweiz, Schweizerische illustrierte Zeitschrift 20,1916, 238).

1918 Auf der Zürcher Werkbundausstellung 1918 präsentierte Jakob Hermanns Gebrauchsgeschirr im Themenbereich „Arbeiterwohnung“ (Das Werk 5, 1918, Heft 10, 149).

1918/1919 Jakob Herrmanns wird zum deutschen Kriegsdienst eingezogen.

Lehrer der kunstgewerblichen Lehranstalt und keramischen Fachschule Bern, um 1920. Rechts aussen J. Hermanns, in der Mitte der Direktor des Gewerbemuseums Oscar Blom, links aussen der Werkmeister für Keramik (bis 1933) E. Tschanz  (unbekannter Fotograf, aus dem 52. Jahresbericht des Kunstgewerbemuseums Bern für 1920, 1921).

1920, Vase von Jakob Hermanns, veröffentlicht in der Zeitschrift „Das Werk“ (7, 1920, 238). Im selben Artikel werden Arbeiten von Bertha Tappolet, Luise Strasser und Elisabeth Eberhart gezeigt. bei allen drei Frauen handelt es sich um Werkbundmitglieder.

1921, 1. Januar Verstaatlichung des Gewerbemuseums (und damit auch der Keramikfachschule und ihres Personals), Übernahme durch den Kanton Bern als gewerbliche Bildungsanstalt der Direktion des Innern (Dekret vom 22.11.1920; Bericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1920, 213). Zum Gewerbemuseum gehörte ab 1928 auch die Schnitzlerschule in Brienz.

1921 11988 Personen besuchten die Sammlungen des Gewerbemuseums, 6244 Personen die Bibliothek, die kunstgewerbliche Lehranstalt und die keramische Fachschule wurden 1921/22 von 32 Schülerinnen und Schülern besucht Bericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1921, 162).

1922 Gewerbeausstellung Bern, die Berner Woche in Wort und Bild meldete (leider ohne Bilder): „Die keramische Fachsschule des kantonalen Gewerbemuseums erfreut durch saubere, form- und materialechte Arbeiten.“ (Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 12, 1922, 493).

1923 Keramiken von Jakob Herrmanns wurden zum ersten Mal umfangreicher von Robert Greuter besprochen und in der Zeitschrift „Das Werk“ (19, 1923, Heft 5, 132-135) abgebildet.

1924 Jakob Herrmanns und die Keramikfachschule waren auch an der KABA (Kantonalbernische Ausstellung) in Burgdorf mit Keramikentwürfen vertreten.

1924 Zusammen mit Oskar Wenker (1894-1929) fertigte er nach den Plänen des Architekten O. Ingold einen Brunnen für die Werkbundausstellung auf der KABA (Die Berner Woche in Wort und Bild, Heft 38. 1924, 525-528; vgl. auch Das Werk 11, 1924, Heft 12, 333-335; vgl. auch Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz  3, 1921-1924, 86). Der Brunnen wurde anschliessend möglicherweise auch auf der „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes, Paris, 1925“ gezeigt.

1924 Auf der Schweizerischen Kunstgewerbe-Ausstellung in Stockholm wurden ebenfalls Keramiken von Jakob Hermanns ausgestellt (Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz  3, 1921-1924, 86).

1925 Für den Schweizerischen Werkbund bzw. die Verkaufsgenossenschaft SHS des „Heimatschutz“ amtete Hermanns 1925, wie schon einmal 1917, als Preisrichter für einen Wettbewerb „Künstlerische Reiseandenken“ (Das Werk, 12, 1925, XXII; auch Heimatschutz 20, 1925, 74). Die Ergebnisse wurden 1926 in der Berner Woche besprochen: „Die Keramische Fachschule ist in neuester Zeit zu bunteren Farbgebungen übergegangen. Ganz neu ist ein Goldlüster. Grossen Anklang finden die Kinder-Kaffeeservices, ebenso die Hühnchen aus Keramik und ferner die Leuchter für Geburtstagskerzchen, die Ständer für Tischlampen, die neuen Vasenformen.“ (Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 16 , 1926, 383).

1925 Die kunstgewerbliche Sammlung des Gewerbemuseums wurde revidiert „… und einige markante Stücke aus verschiedenen Stilepochen wurden zurückbehalten, wogegen eine grosse Zahl Möbel und Gegenstände namentlich aus der Jugendstilepoche zu einer Verkaufsausstellung zusammengestellt wurde…“ (Der BUND 77, 3. August 1926).

1926 Die Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes, Ortsgruppe Bern im Gewerbemuseum Bern wurde in der Zeitschrift „Das Werk“(13, 1926, XXIII) besprochen. Jakob Hermanns stellte neben Magarete Daepp, Amata Good, Wilhelmine Herberger, Robert Schär, Adolf Schweizer und Klara Vogelsang-Eymann aus.

1926 Jakob Hermanns wurde ab Oktober zugleich Lehrer für Materialkunde und Formenlehre für die Gewerbeschule Langenthal und erteilte Unterricht an der Lehrwerkstätte für die Lehrlinge der Porzellanfabrik. Ausserdem Entwürfe und Arbeiten für die Porzellanfabrik in Langenthal (Lanz 2007, 12-15). Verschiedene seiner ausgeführten Porzellanentwürfe besitzt das Musée Ariana in Genf.

1928/1929 Tätigkeit von Jakob Hermanns und der Keramikfachschule für die Industrie, Beratung und Versuche zur Verbesserung des Irdenware-Scherbens bei einfachen Irdenwaren (Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz 5, 1928-1929, 262-263).

1930 Die Keramikfachschule feierte im Gewerbemuseum ihr 25jähriges Jubiläum mit einer Sonderausstellung der Produkte der Fachklasse. Die Zeitung Der BUND gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Institution (Der BUND 81, 14. Mai 1930; ausserdem Das Werk 17, 1930, XLI mit einer kritischen Besprechung). Ausserdem hielt aus Anlass des Jubiläums der  Verband der Schweizerischen Töpfermeister und Tonwarenfabrikanten seine Generalversammlung in Bern ab (Der BUND 81, 6. Juni 1930). Im selben Jahr zeigte Jakob Hermanns an einer Sonderausstellung des Werkbundes „gefällige Fayencen“ (Der BUND 81, 6. August 1930). Ausserdem stellten aus: Fanny Schlatter, Fritz Haussmann, Willy Guhl und Amata Good (Der BUND 81, 15.9.1930). Und im selben Jahr berichtete die NZZ über die Weihnachtsausstellung im Kunstgewerbemuseum Zürich „… Wer macht nicht Halt vor den schönen, zugleich praktischen Vasen, Tellern und Schalen von Jakob Hermanns- Bern, der gerne dunkle braun- und grauschwarze Töne wählt …“ (NZZ 26, Nr. 323, 28.11.1920). „Das Werk (17, 1930, Heft 12, XLV) lobt Hermanns „schöne Glasuren“.

1930 Als Kunstgewerbe-Wanderausstellung des S.W.B. waren Herrmanns Keramiken auch im Gewerbemuseum in Basel und in Luzern ausgestellt. Sie wurden in der Zeitschrift „Das Werk“ (18, 1931, Heft 1, XXII) als „… nach Form und Farbe vorzügliches Gebrauchsgeschirr …“ gelobt.

1932 Jakob Hermanns wurde für seine 25jährige Tätigkeit anlässlich der Weihnachtsausstellung der Ortsgruppe Bern des Schweizerischen Werkbundes im Kornhaus Bern mit einer kleinen Sonderschau und einem biographischen Rückblick durch Direktor Haller im BUND (Der BUND 83, 18.12.1932), geehrt. Auch die NZZ (Nr. 2413, 20.12. 1932) berichtete.

1933 Im Rahmen einer Wohnausstellung der Architekten Scherler und Berger in der Siedlung Bierhübeli, stellte Jakob Hermanns auch Keramik aus (Das Werk 20, 1933, XXXIII).

1934 Das Kantonale Gewerbemuseum zeigte Schülerarbeiten aus der Fachschule von Jakob Hermanns (Das Werk 21, 1934, XXXIII).

1935 Die Keramische Fachschule und andere Keramiker beteiligten sich an einem Chachelimärit im Gewerbemuseum als Sonderveranstaltung der „Schweizerwoche“  (Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 25, Nr. 44, 1935). Als Aussteller sind zu nennen: Friedrich Aebi-gerber, HAsle bei Burgdorf, Alb. Aegerter, Bärau, Eduard Bieri, Heimberg, Joh. Dietrich, Kiesen, Friedrich Hänni, Heimberg, Robert Hänni, Steffisburg, Oswald Kohler, Schüpbach, Fritz Kunz, Heimberg, Gottfried Moser, Wichtrach, Johannes Röthlisberger, Langnau, Rudolf Schenk, Heimberg und Adolf Schweizer, Steffisburg-Station.

1936/1937 Zunehmende Gesundheitsprobleme  führten schliesslich zur frühzeitigen Pensionierung von Jakob Hermanns im Jahr 1937. Er starb am 19. Dezember 1937 im Alter von 57 Jahren (Todesanzeige Der BUND 88, 21.12.1937, Nachruf Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 85, 10. Januar 1938).

1937 Im Sommer- und Wintersemester besuchten je 5 männliche und 3 weibliche Auszubildende die keramische Fachschule (Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1937, 113).

1938 November, anlässlich einer Werkbund-Ausstellung im Kantonalen Gewerbemuseum Bern wurden Hermanns Arbeiten zusammen mit denjenigen weiterer Werkbundmitglieder (Margrit Linck-Daepp, Fernand Giauque und Luise Meyer-Strasser) ein letztes Mal gezeigt. Mangels erhaltener (überhaupt signierter?) Objekte, kann Jakob Hermanns Werk kaum beurteilt werden.

1939 Oktober, Schliessung der Keramikfachschule, da sich zwei Nachfolger für Hermanns nicht auf einen gemeinsamen Kurs der Schule einigen konnten und weil Finanzen für die technische Modernisierung der Schule fehlten (Messerli 2017, 106). Kündigung des Schullokals auf den 1.4.1940. Die verbliebenen Schüler wurden in Meisterlehren untergebracht.

1940 Die Aufhebung der Schule blieb nicht ohne Widerspruch, z.B. durch den Verband Schweizerischer Töpfermeister und Tonwarenfabrikanten sowie durch Erwin Jeangros (1898–1979), den Vorsteher des bernischen kantonalen Lehrlingsamts. Dieser Einsatz war erfolgreich (Messerli 2017, 107-108).

1941, 19. Mai, Wiedereröffnung unter Fachlehrer und Schulleiter Benno Geiger (bis 1969/1970, vgl. zur Person Schnyder 1985; Messerli 2017) und Werkmeister Werner Burri (bis 1963, vgl. zur Person Schnyder 1985; Messerli 2017) am alten Standort. Mit der Wahl von Geiger und Burri gelang es dem bernischen Regierungsrat, zwei qualifizierte Fachmänner einzustellen, welche aufgrund ihrer Auslandaufenthalte stilprägende Einflüsse (und Gegensätze!) aus der Wiener Kunstgewerbeschule und der Dornburger Bauhaustöpferei mit sich brachten.

1942, 1. Januar, Die Keramische Fachschule erhielt ein eigenes Reglement.

1942 Umzug der Keramischen Fachschule von der Felsenburg in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63 in Bern.

1944 Das Kantonale Gewerbemuseum wird 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass erschien eine Erinnerungsschrift (Tschabold 1945). Die Keramikfachklasse und die Schnitzlerschule in Brienz wurden mit aktuellen Fotoaufnahmen gewürdigt.

Um 1944, Bilder aus der Keramischen Fachschule an der Spitalackerstrasse in Bern (aus Tschabold 1945).

1947 Das Gewerbemuseum wird in Amt für Gewerbeförderung (Gewerbeausstellungen und Fachbibliothek) umbenannt.

Bericht über die Keramikfachschule in einer unbekannten Illustrierten, zwischen 1945 und 1950.

1951 Ziele der Keramikausbildung in Bern: „Beide Lehrer waren lange im Ausland tätig gewesen, der eine in Berlin, der andere in Wien und Paris. Wir waren also durchaus moderne alte Praktiker. Trotzdem sagten wir uns: Wir sind hier in Bern; Bern hat eine berühmte keramische Tradition; es ist selbst-verständlich, dass wir an diese Tradition anknüpfen. Wir wollten allerdings die alten Heimberger und Langnauer Keramiken nicht sklavisch kopieren, sondern uns von der soliden Handwerklichkeit der Formen, der Leuchtkraft der Farben und der naiven Fröhlichkeit der Darstellungen inspirieren lassen, um mit der Zeit zu eigenen, neuen Lösungen zu kommen. Wir wollten also gewissermassen Pflanzen sein, deren Wurzeln im alten, heimatlichen Boden stecken, deren Blüten aber neue Formen und Farben treiben.“ (Geiger 1952, 8-9). Inwieweit diese Ziele erreicht wurden, liesse sich nur bei einem Abgleich der Schüler/Schülerinnenlisten (in Messerli 2017) mit deren jeweiligem Lebenswerk feststellen (vgl. z.B. Jakob Stucki, Franz Loder und Margret Loder-Rettenmund). Für sich selber ging Benno Geiger mit seinen „Atelierarbeiten“ aber durchaus andere Wege.

1952 Die Geigenbauschule in Brienz wird ebenfalls verstaatlicht und dem Amt für Gewerbeförderung unterstellt.

1959 Die Keramikfachschule in der Presse

1960 Die Keramikfachschule und wichtige Schüler der Keramikfachklasse präsentieren sich im Kunstgewerbemuseum in Zürich in Form einer Ausstellung (Fischli/Rotzler 1960).

1963 Nachfolger des pensionierten Werner Burri wird der Fachlehrer Urs Adolf Gremli.

1965 Planungen für eine Übergabe des Kantonalen Amtes für Gewerbeförderung an die Stadt Bern beginnen und werden bis Oktober 1966 zur Beschlussreife gebracht. Die kantonale Keramikfachschule soll mit der städtischen Gewerbeschule vereinigt werden. Die ursprünglichen Planungen werden jedoch schliesslich nicht vollumfänglich umgesetzt. Das Gewerbemuseum/Amt für Gewerbeförderung blieb kantonal.

1966 Ausstellung im Gewerbemuseum Bern „Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler 1941-1966„. Mit der Ausstellung wurde auch der 25jährigen Tätigkeit von Benno Geiger als Vorsteher und Fachlehrer der Keramischen Fachschule gedacht. Es stellten 13 Scaktuelle Schülerinnen und Schüler und 20 Schüler aus der zeit von 1941 bis 1966 Werke aus.

1966, 28. Dezember, Auf der Sitzung des bernischen Gemeinderates (Beschluss 2473) wird die Gründung einer städtischen Kunstgewerbeschule Bern und der Neubau eines Kunstgewerbeschulhauses beschlossen. Direktor A. Müller übernimmt am 1. April 1967 die Direktionsgeschäfte.

1966, 21. November, Das Kantonale Amt für berufliche Ausbildung verfügt die Zusammenlegung der Töpferfachklassen der Gewerbeschule der Stadt Bern und der Stadt Thun als kantonale Fachklasse in Bern und die künftige Vereinigung mit der Keramikfachschule als Teil der Kunstgewerbeschule der Stadt Bern.

1967 Die Schnitzlerschule und Geigenbauschule in Brienz werden, trotz ablehnender Haltung der jeweiligen Direktionen, neu dem Kantonalen Amt für Berufsbildung unterstellt. Die Keramikfachschule verbleibt zunächst noch beim Amt für Gewerbeförderung. Sie erhält ein Imageprospekt.

1968-1971 Neubau Schänzlihalde 31 in Bern für die Kunstgewerbeschule, Entwurf Willy Pfister, Bern, letztmalige Erweiterung/Umbau 1988-1990. Für die Keramik-Fachschule werden von vornherein neue Räumlichkeiten mitgeplant.

1970, 13. Januar, Der Gemeinderat der Stadt Bern stimmt der Übernahme der Kantonalen Keramikfachschule in die städtische Kunstgewerbeschule auf Frühjahr 1971 zu (Beschluss Nr. 82).

1970, 1. September, Ernst Fehr (1927-2010) wird technischer Leiter der Fachklasse für Keramik als Nachfolger von Urs Adolf Gremli (vgl. Fehr 2003; Fehr 2009).

1971, 1. Januar, Volker Ellwanger (1933- ) wird als Nachfolger von Benno Geiger künstlerischer Leiter der Fachklasse für Keramik (1971-1984) . 1984-1999 war Ellwanger Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Fachbereich Bildende Kunst/Keramik.

1971, 1. April, Die Kantonale Fachschule für Keramik wird in die stadtbernische Kunstgewerbeschule integriert, die beiden Fachlehrer werden durch die Stadt Bern übernommen. Im Übergabevertrag vom 23. Februar 1971 wird auch die Übertragung der Keramiksammlung der Kantonalen Keramikfachschule und der Technologiesammlung des ehemaligen Gewerbemuseums an die städtische Kunstgewerbeschule festgelegt. Die tatsächliche Übergabe erfolgte allerdings erst 1975/76.

1972 Die Keramikfachklasse der Kantonalen Gewerbeschule erhält eine neue Ausbildungsordnung für Töpfer/Töpfereinnen, Keramikmaler/Keramikmalerinnen und Keramiker/keramikerinnen.

1976 Durch ein Organisationsdekret der Volkswirtschaftsdirektion wird aus dem Amt für Gewerbeförderung (das ehemalige Gewerbemuseum) das Amt für Wirtschafts- und Kulturausstellungen.

1979 Die Kunstgewerbeschule wird offiziell als „Schule für Gestaltung“ bezeichnet. Auch die kantonale Kunstgewerbeschule in Biel führt ab diesem Jahr dieselbe Bezeichnung.

1992/93 Das Amt für Wirtschafts- und Kulturausstellungen wird von der Volkswirtschaftsdirektion zur Staatskanzlei verschoben. Der Tätigkeitsbereich wird eingeschränkt und die Institution wird in Fachstelle für das Ausstellungswesen umbenannt.

1995 Die Fachstelle für das Ausstellungswesen wird aufgelöst. Die restlichen Sammlungsbestandteile des alten Gewerbemuseums werden an die Ber­ni­sche Stif­tung für an­ge­wandte Kunst und Ge­stal­tung übergeben (seit 2011 Ber­ner De­sign Stif­tung).

2000 Die Kunstgewerbeschulen/Schulen für Gestaltung Bern und Biel werden zusammengelegt. Es entsteht die neue Kantonale Schule für Gestaltung Bern:Biel.

Bibliographie:

Assel/Stalla 1984
Jutta Assel und Robert Stalla, F.H. Ehmcke und seine Neusser Schüler : H. Cossmann, E. Malzburg, J. Urbach. Neuss 1984.

Conradin 1914
Christian Conradin, Der Bazar im Dörfli, in: Heimatschutz. Zeitschrift der Schweizer. Vereinigung für Heimatschutz 9, 1914, Heft 6, 89-98.

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Fehr 2009
Ernst Fehr, Werkstattbuch für Keramiker, 2009.

Fischli/Rotzler 1960
Hans Fischli/Willy Rotzler, Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler. Kleine keramische technologie, Schülerarbeiten, Arbeiten ehemaliger Schüler: Ausstellung 24. November bis 21. Dezember 1960, Kunstgewerbemuseum Zürich, Zürich 1960.

Geiger 1952
Benno Geiger, Keramische Fachschule Bern 1941 -1951, Bern 1952.

Haller 1930
Hans Haller, 25 Jahre keramische Fachschule Bern, Bern 1930.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Jegenstorf 1948
Ausstellung Schweizer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts im Schloss Jegenstorf/Bern, Mai-August 1948, Basel 1948.

Lanz 2007
Hanspeter Lanz, Eine Sammlung von Langenthaler Porzellan. Schweizerisches Landesmuseum, Die Sammlung, Les Collections, Le Collezioni, 2006/2007, 12-15.

Messerli 2017
Christoph Messerli, 100 Jahre Berner Keramik. Von der Thuner Majolika bis zum künstlerischen Werk von Margrit Linck-Daepp (1987-1983). Hochschulschrift (Datenträger CD-ROM), Bern 2017.

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen, in: Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Naef Galuba/Schumacher/Nievergelt u.a. 2016
Isabelle Naef Galuba/Anne-Claire Schumacher/Frank Nievergelt u.a., Passionnément céramique. Collection Frank Nievergelt
Genf 2016.

Rollier 1914
Arist Rollier, Das Dörfli an der Landesausstellung, in: Heimatschutz. Zeitschrift der Schweizer. Vereinigung für Heimatschutz 9, 1914, Heft 9, 141-156.

Schnyder 1985
Rudolf Schnyder, Vier Berner Keramiker. Werner Burri, Benno Geiger, Margrit Linck, Jakob Stucki, Bern 1985.

Tschabold 1945
Alfred Tschabold, Geschichte des Gewerbemuseums 1869-1944, in: Kantonales Gewerbemuseum Bern, 75 Jahre Kantonales Gewerbemuseum Bern 1869-1944, Bern 1945, 9-51.

Tschabold 1969
Alfred Tschabold, 100 Jahre Gewerbemuseum in Bern. Zeittafel zu seiner Geschichte 1869 bis 1969, Bern 1969.