Loder & Schweizer: Entwurfszeichnungen für Formen und Muster

Die Stiftung Schloss Thun verwahrt einen Satz Originalentwürfe und Zeichnungen aus der „Kunsttöpferei  Loder & Schweizer, vormals Wanzenried“ (auch „Werkstätte für Kunstkeramik, Steffisburg-Station“). Diese müssten bald nach der Manufakturübernahme  (Dezember 1918) entstanden sein, doch ist keine der Zeichnungen datiert. Die Zeichnungen gelangten beim Umbau der alten Manufakturgebäude unter Hans Schneider in den lokalen Kunsthandel und 2025 schliesslich in die Sammlung SST.

Es handelt sich um Entwurfszeichnungen für die mit ein- oder zweistelligen Zahlen durchnummerierten Gefässformen und die auf diesen applizierbaren Dekore (dreistellige Dekornummern ab 500). Diese Art der Nummerierens (um gezielte Form- und Dekorbestellungen der Händler zu ermöglichen), kennen wir ansonsten vor allem auch von der Keramikfabrik Desa in Steffisburg und von der Luzerner Keramik, die ab 1925 von Emil Loder geführt wurde. Ein- bis dreistellige Formnummern, die sich auch auf den Gefässen befanden, führte vorher in der Region nur das Musée céramique seit Samuel Mack (1890-1898). Diese wurden unter Ludwig Hahn (1898-1905) weitergeführt. Auch Karl Loder Eyer führte in seinem wohl um 1914 entstandenen Fotokatalog ein bis dreistellige Formnummern, doch wurden diese nicht auf die Gefässe selbst übertragen.

Wer die Zeichnungen anfertigte, ist mangels Signaturen unklar. Nur eine Zeichnung trägt die Buchstaben „KS“ und man fragt sich, ob dies nicht auf den Keramikmaler „Karl Friedrich Schenk“ (1866-1919), den späteren Schwiegervater von Emil Loder hinweisen könnte.  Manche der Formzeichnungen tragen zusätzlich einen ausgeführten Dekor mit der entsprechenden Nummer. Gelegentlich gibt es zusätzliche Formbenennungen, Grössenangaben oder Preisnotizen. Besonders eindrucksvoll sind die dekorierten Stücke, wenn sie vor einem ausgemalten, tapetenartigen Hintergrund wie in einer Rauminszenierung stehen. Die Gefässformen zeigen starke Beziehungen, zu „modernen“ Gefässentwürfen, die nach 1906/1907 unter dem Einfluss der Keramikfachschule in Bern in der Werkstatt von Karl Loder-Eyer entstanden. Dort lernte sie wahrscheinlich Emil Loder kennen. Auf die Zeichnungen keramischer Lampenfüsse ist ganz besonders hinzuweisen, hat sich von dieser Keramikform doch bislang kein einziges Original gefunden.

Viele der gezeichneten Formen finden sich auch in einem Fotoalbum, das um 1924 die Produktion der Firma Loder & Schweizer im Bild versammelte.