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Aigle, Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (MVVE)

Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (MVVE)
Château d’Aigle
Place du Château 1
1860 Aigle
024 466 21 30

Keramiksammlung des Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette in CERAMICA CH

Roland Blaettler,  2019

Bereits in den 1950er-Jahren entstand die Idee einer Institution, die sich der Geschichte des Weinbaus im Waadtland und der Förderung seiner Produkte widmen sollte, insbesondere im Geist von François Cuénoud, dem Gründer und ersten Gouverneur der Confrérie du Guillon.

Die Sammlungen begannen sich unter der Schirmherrschaft der Weinbruderschaft im folgenden Jahrzehnt durch Ankäufe, Schenkungen und Vermächtnisse zu bilden. Die immer stärker ausgeprägte Mechanisierung des Rebbaus machte die Dringlichkeit deutlich, Zeugen der alten, überlieferten Praktiken sowie Werkzeuge und andere Geräte zu bewahren.

Auf der Suche nach einem idealen Rahmen für die Unterbringung der entstehenden Institution entschied man sich im Jahr 1967 für das Schloss Aigle. Das Musée vaudois de la vigne et du vin wurde 1971 von der Confrérie du Guillon mit der Unterstützung aller Weinbaugemeinden des Kantons gegründet. Um die entstehenden Sammlungen weiter auszubauen, lancierte man eine umfangreiche Sammlung von Gegenständen bei den Winzern. Gleichzeitig weiteten die Initiatoren den Fokus ihres Projekts aus: «Es gibt eine wahre Zivilisation des Weins, die weder Rassen noch Grenzen kennt. Das Musée de la vigne et du vin wird von seinem Standort her waadtländisch sein, aber es wird sich bemühen, den universellen Aspekt der Weinrebe und ihrer Geschichte zu zeigen, indem es Zeugen aller Zeiten und jeder Herkunft aufnimmt und ausstellt.» Es sollte nicht mehr nur der Beruf des Winzers dargestellt werden, sondern auch alle sozialen Praktiken, Traditionen und Vorstellungen, die mit der Welt des Weins und der Rebe verbunden sind.

Das Museum wurde 1975 eröffnet und laufend an die Anforderungen der modernen Museografie und Kulturvermittlung angepasst. Im Jahr 2004 wurden die gehaltvollen Sammlungen des internationalen Etikettenmuseums mit den Beständen des Museums vereint, das sich künftig Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (Museum für Weinbau, Wein und Weinetiketten) nannte.

Von den 50 untersuchten Keramiken – von denen 36 schliesslich in das vorliegende Inventar aufgenommen wurden – gelangte die Hälfte durch einen Kauf in die Sammlung. Der Bestand ist sehr uneinheitlich und stammt mit einigen wenigen Ausnahmen aus dem 19. Jahrhundert. Es handelt sich vor allem um Gefässe, die zur Aufbewahrung oder zum Trinken von Wein verwendet wurden, darunter zahlreiche Kannen aus Irdenware, elsässischem Steinzeug oder Fayence. Besonders erwähnenswert ist ein Tonkrug, der mit einem Wappenschild des Kantons Waadt verziert ist (MVVE 5244). Das Objekt scheint zu einer Typengruppe zu gehören, die wir bereits bei unseren Untersuchungen angetroffen haben, insbesondere im Musée d’art et d’histoire de Neuchâtel (MAHN AA 1779). Der heraldische Dekor verstärkt die Hypothese einer Herkunft aus dem Waadtland und liefert auf jeden Fall einen Terminus post quem: 1803.

Andere Objekte wurden aufgrund ihres ikonografischen Inhalts in die Sammlung aufgenommen, wie etwa die Backformen in Form von Weintrauben (MVVE 1167; MVVE 1166) oder Figuren, die Weinleser oder Szenen von geselligem Beisammensein darstellen (z. B. MVVE 4220; MVVE 3153; MVVE 2769; MVVE 1719). Das Museum bewahrt auch eine interessante Gruppe von Kannen aus engobierter Irdenware mit einem Reliefdekor aus Weinreben auf, ein Gefässtyp, der in der Genferseeregion zwischen dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und dem frühen 20. Jahrhundert sehr beliebt war, wobei die am weitesten verbreiteten Exemplare die sogenannten «Willkommenskannen» waren, die von den Töpfereien Knecht in Colovrex (GE) und Ferney-Voltaire hergestellt wurden (MVVE 2355; MVVE 2411). Andere Werkstätten, von denen einige bis heute nicht identifiziert werden konnten, haben offensichtlich einen vergleichbaren Stil gefertigt.

Im Schloss Aigle befinden sich zwei Beispiele, die für das Studium der Waadtländer Keramik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts besonders wertvoll sind: Die erste Kanne ist 1888 datiert und ihre Form sowie die Inschrift «Nyon» in ihrem Dekor scheinen sie als Produkt der Nyoner Töpferei von Jean Bœhler zu kennzeichnen (MVVE 1515). Die zweite Kanne trägt eine Marke der Kunsttöpferei von Jules Merminod, die zwischen 1907 und 1912 mehr oder weniger in die Poterie moderne de Chavannes-près-Renens integriert oder mit ihr verbunden war (MVVE 5095).

Übersetzung Stephanie Tremp

Baulmes, Musée du Vieux Baulmes (MVB)

Musée du Vieux Baulmes (MVB)
Rue du Theu 7
1446 Baulmes

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler,  2019

Die Vereinigung Alt-Baulmes wurde 1950 auf Anregung der Bürgergesellschaft von Baulmes mit dem Ziel gegründet, Zeugnisse aus der Vergangenheit des Ortes zu sammeln: prähistorische Objekte, grafische Dokumente, Möbel, Gegenstände und Werkzeuge, die das häusliche Leben, das Handwerk und die Industrie der Region veranschaulichen.

Zunächst wurden die Sammlungen in einem Raum des Rathauses untergebracht. Im Jahr 1953 erwarb die Vereinigung das ehemalige Maison de la Dîme, das um 1500 erbaut wurde. Das Museum als solches entwickelte sich dort vor allem ab 1977 unter der federführung von Frau Antoinette Ravussin, die in der Folge die erste Konservatorin der Institution wurde.

Die kleine Keramiksammlung, die wir hier erfasst haben, ist repräsentativ für die ländliche Gebrauchskeramik am Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, wie wir sie in einem Verbreitungsgebiet, das von Genf bis zum Kanton Neuenburg reicht, regelmässig gefunden haben. Der in Baulmes vorliegende Korpus fällt typischerweise in die Kategorie der «Engobierten Irdenwaren aus der Genferseeregion» (z.B. MVB No 1; MVB No 2; MVB 380F; MVB 380C – siehe auch das Kapitel über diese Art von Produktion).

Übersetzung Stephanie Tremp

Château-d’Oex, Musée du Vieux-Pays-d’Enhaut (MPE)

Musée du Vieux-Pays-d’Enhaut
Grand’Rue 107
1660 Château-d’Oex
Tel.: +41 (0)26 924 65 20
Konservator: Jean-Frédéric Henchoz
Tel.: +41 (0)21 323 98 57

Keramiksammlung des Musée du Vieux-Pays-d’Enhaut in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2019

Die Vereinigung des Musée du Vieux Pays-d’Enhaut wurde 1922 gegründet, unter anderem als Versuch, die durch Antiquitätenhandel und Tourismus hervorgerufene Abwanderung des lokalen Kulturerbes in einem gewissen Masse zu stoppen. Obwohl die Sammlungen allmählich Gestalt annahmen, war das zukünftige Museum noch immer auf der Suche nach einem festen Standort. Erst 1931, nach dem Tod des Präfekten Auguste Cottier, fand sich eine Lösung. Der Verstorbene, der keine Nachkommen hinterliess, vermachte seinen Besitz und seine Wohnung einer testamentarisch errichteten Stiftung. Diese Stiftung wurde zu einem der institutionellen Fundamente des Museums und zudem bot sie eine willkommene Lösung für das Problem der Räumlichkeiten.

Das Museum wird von zwei verschiedenen Institutionen getragen, geführt wird es jedoch von denselben Personen: «Musée du Vieux Pays-d’Enhaut, Fondation du préfet Cottier» und «Association du Musée du Vieux Pays-d’Enhaut». Die erste Institution ist Eigentümerin des Gebäudes und eines kleinen Teils der Sammlungen, während die zweite – die bis heute rund 500 Mitglieder umfasst – Eigentümerin des grössten Teils der Sammlungen ist und die Verwaltung leitet. Das Museum wird finanziell von den Gemeinden Rossinière, Château-d’Œx und Rougemont sowie von der Kulturallianz Simmental, Saanenland, Pays-d’Enhaut unterstützt.

Das Haus des Präfekten wurde 1933 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und nach und nach an seine neue Funktion als Museum angepasst. Heute präsentiert es sich als Museum für Wohnkultur, Sitten und Gebräuche und regionales Handwerk. Bemalte Möbel und Glasmalereien stehen neben bescheidenen Utensilien des täglichen Lebens, während ein besonderer Raum die Entstehung der Tourismusindustrie veranschaulicht. Seit einiger Zeit arbeiten die Verantwortlichen der Institution an einem ehrgeizigen wissenschaftlichen und kulturellen Projekt, das vorsieht, die Räumlichkeiten zu erweitern, die Betreuung der Sammlungen zu professionalisieren und die Position des Museums als nationales Kompetenzzentrum für die Kunst des Scherenschnitts zu stärken (Projekt Schweizer Zentrum für Scherenschnitt).

Auch Keramikobjekte haben natürlich ihren Platz in den multidisziplinären Sammlungen des Museums: Wir haben etwa 80 Stücke ausgewählt, vor allem engobierte und glasierte oder einfach glasierte Irdenware (44 Objekte) und Steingut (38 Objekte) aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Auswahl widerspiegelt gut die Art von Produkten, die zu jener Zeit die Geschirrschränke füllten oder auf den Tischen der Bürger und Bauern der Region verwendet wurden. Für ein Drittel des Keramikbestands gibt das Inventar weder das Datum noch die Art des Erwerbs an («alter Bestand, ohne Datum»); 16 Stücke wurden gekauft und der Rest stammt aus Schenkungen und Nachlässen. Keramik war offensichtlich nie Gegenstand einer kontinuierlichen Ankaufspolitik.

In der Kategorie Irdenware schlägt sich die geografische Nähe zum Kanton Bern natürlich in einer starken Vertretung von Berner Produktionen nieder, fast zwei Drittel des Kontingents stammen aus der Region Heimberg-Steffisburg. Zu dieser Berner Gruppe gehören acht Stücke aus dem Nachlass von Kurt und Madeleine Hottenberg-Roten mit überwiegend blauem Dekor (MPE Nr. 10; MPE Nr. 11; MPE Nr. 47). Einige davon können dem Töpfer David Andres (1810-1873) zugeschrieben werden, der in der Dornhalde in Heimberg tätig war (MPE 3998; MPE 3477; MPE Nr. 41; MPE Nr. 37; MPE Nr. 44).

Etwa 15 Objekte stammen aus Werkstätten in der Westschweiz: Ein Handwaschbecken aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das mit der falschen Einordnung «Blankenburg» erworben wurde (MPE 483); ein Teller, der der Poterie commune de Nyon zugeschrieben werden kann (MPE 2995); vier typische Beispiele für die Kategorie, die wir als «Engobierte Irdenware aus der Genferseeregion» definiert haben (MPE Nr. 8; MPE 2938; MPE 1336; MPE Nr. 43); drei Objekte, die der Poterie de la Poterne in Bulle zuzuordnen sind, mit dem für diese Werkstatt typischen Spritzdekor (MPE Nr. 46; MPE 4001; MPE Nr. 9); ein Exemplar mit ähnlicher Machart, das jedoch nicht in dem in Bulle ausgegrabenen Referenzmaterial belegt ist (MPE 3999); ein Nachtlicht eines bislang unbekannten Typs (MPE 1841).

Ein Exemplar ist trotz seines bescheidenen Aussehens besonders interessant: ein unveröffentlichtes Beispiel eines Topfs, der speziell für den Verkauf von Senf aus dem Schloss Aigle hergestellt wurde und auf das Jahr 1790 datiert ist (MPE Nr. 12). Dieser Senftopf stammt höchstwahrscheinlich aus einer Töpferei in Aigle oder der Umgebung und wurde offenbar infolge der falschen Interpretation der Inschrift auf dem Bauch als lokale Produktion erworben. Anstelle von «Chatau Dai/gle» stand dort «Chatau Dai».

Platte aus der Westschweiz, MPE 1333.

Eines der Ziele unseres Projekts bestand darin, bisher unbekannte regionale oder sogar lokale Produktionen zu identifizieren. Aus der Gruppe der Westschweizer Stücke aus Irdenware fielen uns drei Objekte besonders auf: eine Schüssel aus dem Jahr 1865, erworben bei Victor Saugy, dem bekannten Antiquitätenhändler aus Rougemont (MPE 1321); eine Platte mit Marmorierung, die von einer Familie aus der Region stammte (MPE 1964); und eine Platte mit Blumendekor, die ebenfalls 1931 bei Saugy gefunden wurde (MPE 1333). Diese eher rustikalen Gegenstände, die wohl täglich verwendet wurden, wie ihr Erhaltungszustand vermuten lässt, könnten aus regionalen Töpfereien stammen. Der Katalog der Ausstellung «Zwanzig Jahrhunderte Keramik in der Schweiz», die 1958 im Schloss von Nyon stattfand, enthält einige Zeilen, die der «Keramik von Château-d’Œx» gewidmet sind. Darin wird eine «Töpfermanufaktur» erwähnt, die sich Ende des 18. und im 19. Jahrhundert im Haus le Pré niederliess. Die Einrichtung soll vor allem Kachelöfen hergestellt haben, insbesondere zwischen 1830 und 1860 unter der Leitung von Alexandre Henchoz. Henchoz‘ Tätigkeit im Bereich der Ofenherstellung ist zwischen 1835 und 1855 belegt (Kulling 2001,15).  Der Autor des Textes im Nyoner Katalog (Edgar Pelichet, Präsident des Organisationskomitees?) spricht auch von Töpferwaren, die «mal von Heimberg beeinflusst sind, mit schwarzer Grundengobe, mal dem lateinischen Geschmack entsprechen, mit heller Grundengobe und viel Freiheit im Dekor». Das einzige Exponat, das Alexandre Henchoz zugeschrieben wird, ist eine Schüssel aus dem Musée du Vieux Pays-d’Enhaut, «blassgelbe Grundengobe mit zentralem, grossem, mehrfarbigem Strauss» (Nyon 1958, 22, Nr. 315bis). Diese eher knappe Beschreibung könnte allenfalls auf die Platte MPE 1333 zutreffen.

Röstiplatte mit scharfkantigem Kragenrand (MPE 1334), Region Heimberg-Steffisburg BE, um 1850-1870.

Eine andere Platte, die aus den alten Beständen des Museums stammt (MPE 1334), wird von Fachleuten ohne Zögern dem Kanton Bern zugeschrieben. Wir müssen feststellen, dass wir nicht viel weiter sind als unsere Kollegen von 1958, was die Identifizierung einer möglichen lokalen Produktion betrifft …

Im Bereich des Steinguts stammt das Kontingent zu etwa gleichen Teilen aus Schweizer und deutschen Manufakturen (Bonnard & Gonin in Nyon: 2 Objekte; Baylon in Carouge: 4; Scheller in Kilchberg ZH: 13 und Zell: 4; Schramberg: 10; Mettlach: 3). Die Präsenz deutscher Produktionen bestätigt, was wir schon im Kanton Neuenburg festgestellt haben: Das Verbreitungsgebiet der grossen süddeutschen Manufakturen erstreckte sich bis in die Westschweiz, vor allem in die an den Kanton Bern angrenzenden Regionen.

Steingut aus Kilchberg-Schooren.

Steingut aus Nyon.

Was die nationalen Produktionen betrifft, so liegt ein relativ hoher Anteil an Objekten aus der Zürcher Fabrik von Scheller vor (z. B. MPE Nr. 32; MPE Nr. 31; MPE Nr. 29; MPE 514D; MPE 514B; MPE Nr. 4; MPE Nr. 1), während Produkte aus Nyon (MPE 1177A) selten sind.

In den anderen Sammlungen der Romandie sind die Steingutobjekte aus Kilchberg wesentlich seltener. Diese fanden ihren Weg ins Pays-d’Enhaut vielleicht über fahrende Händler aus Bern. Unter den dreizehn Exemplaren aus Steingut von Scheller befanden sich auch vier Teller, die 1929 von einem gewissen Robert Hefti aus Saanen gekauft wurden, der in Château-d’Œx eine Stelle als Hausangestellter gefunden hatte.

Übersetzung Stephanie Tremp

Bibliographie :

Kulling 2001
Catherine Kulling, Poêles en catelles du Pays de Vaud, confort et prestige. Les principaux centres de fabrication au XVIIIe siècle. Lausanne 2001.

Nyon 1958
Vingt siècles de céramique en Suisse. Cat. d’exposition Château de Nyon. Nyon 1958.

Grandvaux, Maison Buttin-de-Loës (MBL)

 Maison Buttin-de-Loës, Grandvaux
Sentier des Vinches 2
1091 Grandvaux

Keramiksammlung des Maison Buttin-de-Loës in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2019

1939 gelangte die Association du Vieux-Lausanne (Vereinigung Alt-Lausanne) durch eine Schenkung der Eigentümer Louis und Marguerite Buttin-de Loës in den Besitz eines schönen Hauses in Grandvaux, dessen älteste Teile bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Dieses grosszügige Geschenk umfasste auch das gesamte Mobiliar.

Louis Buttin (1872–1951), der aus Aigle stammte, aber in Frankreich lebte, und seine Frau Marguerite, die Tochter von Alexis de Loës (1840–1907), Professor für Theologie an der Universität, hatten das Gebäude 1917 mit der Absicht erworben, ihm den Glanz eines Patrizierhauses aus dem 18. Jahrhundert zu verleihen. Zu diesem Zweck kaufte das Ehepaar 1929 ein angrenzendes Gebäude, restaurierte beide Häuser und sammelte Gemälde, Möbel und Kunstgegenstände, die die Einrichtung bilden sollten.

In Absprache mit dem Spenderpaar, das die Nutzniessung des Hauses beibehielt, insbesondere um dort den Sommer zu verbringen, beschloss die Association du Vieux-Lausanne, im Haus Buttin-de-Loës ein Museum einzurichten, das 1941 eröffnet wurde. Die Führungen wurden von Madame Buttin-de Loës übernommen. Nach dem Tod der ehemaligen Besitzerin im Jahr 1968 erbte die Vereinigung ein Kapital, mit dem eine Stiftung gegründet werden konnte, die für den Unterhalt des Gebäudes und der Sammlungen sorgen sollte.

Dem Wunsch entsprechend, die Verwaltung der Liegenschaft in Grandvaux zu delegieren, gründete die Association du Vieux-Lausanne im Jahr 1982 eine separate Vereinigung, die «Amis de la Maison Buttin-de-Loës», die sie mit dieser Aufgabe betraute. Im Jahr 2011 schlossen sich die Association Mémoire de Lausanne (die 2003 die Nachfolge der Association du Vieux-Lausanne angetreten hatte), die Amis de la Maison Buttin-de-Loës und die Gemeinde Grandvaux zusammen und gründeten die «Fondation pour la conservation de la Maison Buttin-de-Loës», die durch eine am 27. Juni unterzeichnete Urkunde, kurz vor der Gründung der Gemeinde Bourg-en-Lavaux, Eigentümerin des Hauses wurde.

 

Ovale Porzellan-Platte aus Sèvres. Sie gehört zu einem Service von mehr als 180 Teilen, das im November 1792 an den Bürger A. M. Lefebvre, Möbelhändler in Paris, verkauft wurde. Lefebvre war in den 1790er-Jahren einer der wichtigsten Händler für Porzellan aus Sèvres in Paris.

Zu den vom Ehepaar Buttin-de Loës sorgfältig ausgewählten Möbeln gehört ein Keramikensemble aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit etwa 60 Porzellanen aus Nyon, einigen französischen Stücken – darunter eine ovale Platte aus Sèvres von einem Service, das von Keramikspezialisten identifiziert wurde (MBL 20426) – und Steingutobjekten aus Wedgwood (nicht aufgenommen).

Unter den Porzellanstücken aus Nyon sind besonders das einzige bekannte Exemplar eines frühen Salzstreuers (MBL 20325) und eine Reihe von Schalen und Untertassen mit schönen Blumenmotiven aus der frühesten Periode (MBL 20092A und -B) hervorzuheben. Bemerkenswert sind auch ein Beispiel einer Kaffeekanne mit einem grossen polychromen Bouquet, um 1785 (MBL 20093), sowie das zweite bekannte Exemplar eines späten Modells einer Warmhalteplatte (MBL 20101).

Übersetzung Stephanie Tremp

La Sarraz, Château, Musée romand und Maison des artistes (CLS)

Château de La Sarraz (CLS)
Le Château 1
1315 La Sarraz

Roland Blaettler, 2019

Die Keramiksammlung des Schlosses La Sarraz in CERAMICA CH

Das Schloss, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, war der Sitz der Herren von La Sarraz. Nach dem Aussterben des gleichnamigen Geschlechts zu Beginn des 16. Jahrhunderts fiel die Baronie an die mächtige Familie der Gingins, die auch die Herren von Gingins, Divonne und Châtelard waren. Der erste Baron von La Sarraz, François II de Gingins (1516–1578), wurde bereits 1522 als Burger von Bern aufgenommen. Später waren die Gingins eine der wenigen Waadtländer Familien, die zum Berner Patriziat gehörten, wo sie hohe staatliche Ämter bekleideten. Mit der Verzweigung der Linie wurde die Baronie La Sarraz weitgehend aufgeteilt. Darüber hinaus wurde die Familiengeschichte der Gingins durch das Wegsterben ihrer männlichen Mitglieder, die sich als Söldner für Bern, Frankreich und Holland engagierten, empfindlich gestört. Nachdem das Schloss fast ein Jahrhundert lang ziemlich vernachlässigt worden war, wurde es in den 1780er-Jahren von Baron Amédée-Philippe wieder instand gestellt. Die Linie der Gingins de La Sarraz starb 1893 mit dem Tod des letzten männlichen Nachkommens, Aymon, aus und das Schloss fiel an seine Schwester Marie (Lüthi 2016, 2-4 ).

Das aktuelle Aussehen des Schlosses und die Art der Sammlungen, die noch heute das Mobiliar bilden, sind zu einem grossen Teil das Ergebnis der Bemühungen von Frédéric de Gingins (1790–1863), dem Sohn des letzten Barons, Charles Louis Gabriel. Frédéric, der an Taubheit litt, wählte einen anderen Weg als den der Waffen oder des Handels und arbeitete zunächst als Übersetzer für die Berner Kanzlei, bevor er sich mit seiner Frau Hydeline, geborene de Seigneux, und an der Seite seines Bruders Henry in sein Schloss zurückzog. Als leidenschaftlicher Botaniker und vor allem als Geschichtsforscher veröffentlichte er zahlreiche Studien und war 1837 einer der Gründer der Société d’histoire de la Suisse romande.

Nachdem Friedrich beschlossen hatte, sich dort niederzulassen, begann er in den 1830er-Jahren das weitgehend verfallene Schloss zu restaurieren und im neogotischen und neoklassizistischen Stil umzugestalten. Zur einer Zeit als die Grösse der Gingins nur noch der Vergangenheit angehörte, zielte die Aufwertung von La Sarraz eindeutig darauf ab, den vergangenen Ruhm zu inszenieren, indem das Schloss zu einer Art «dynastischem Museum» gemacht wurde, wie Dave Lüthi es formulierte (Lüthi 2016, 5). Die Ausstattung des Wohnsitzes, Gegenstände und Kunstwerke – insbesondere die zahlreichen Porträts der Vorfahren – bestand aus Familienschätzen, die von den Nachkommen der verschiedenen Zweige (Chevilly, Orny, Moiry) gestiftet wurden und aus ihren jeweiligen Wohnorten stammten, insbesondere aus Bern, wo die meisten Gingins während des Ancien Régime die meiste Zeit verbracht hatten. Um das Familienerbe zu vervollständigen, erwarb Frédéric auch Gegenstände mit angeblich dynastischem Charakter. Es ist anzumerken, dass nach dem Tod von Frédéric de Gingins im Jahr 1863 ein Teil seines Mobiliars versteigert wurde, hauptsächlich jedoch die Gegenstände, die nicht mit der Familiengeschichte in Verbindung standen (Lüthi 2016, 7).

Marie de Gingins (1828–1902), Aymons Schwester, die letzte ihres Namens und unverheiratet, vermachte das Schloss und das Anwesen ihrem Neffen Henry de Mandrot (1861–1920). Nachdem er ein Medizinstudium begonnen hatte, war dieser nach Texas gezogen, um dort landwirtschaftliche Betriebe zu gründen. Nach Bekanntgabe des Erbes kehrte er in seine Heimat zurück, um seinen Besitz zu verwalten. Als begeisterter Genealoge war er einer der Gründer und der erste Präsident der Société vaudoise de généalogie (Waadtländer Genealogiegesellschaft). Im Jahr 1906 heiratete er Hélène (1867–1948), die aus einer reichen Genfer Familie, den Revilliod de Muralt, stammte. Ihr Vater Aloys (1839–1921), ein Neffe von Gustave, dem Gründer des Ariana-Museums, besass insbesondere eine bedeutende Sammlung von chinesischem Exportporzellan.

 Das Musée romand

Im Jahr 1911 gründeten Henry und Hélène de Mandrot mit einer Gruppe von angesehenen Persönlichkeiten die Société du Musée romand, deren Ziel es war, im Schloss La Sarraz Werke und Objekte zu sammeln, die die Besonderheiten des Kulturerbes der Westschweiz illustrieren und die Wurzeln der Identität der Romandie bekräftigen sollten. Eine Art Gegenstück zum Landesmuseum in Zürich. Zu den Gründern gehörte auch der Künstler und Sammler Alexis Forel, der seine Sammlungen eine Zeit lang in La Sarraz aufbewahren wollte, bevor er sie schliesslich in Morges unterbrachte (siehe «Musée Alexis Forel, Morges»).

Nach Mandrots Vorstellung sollte die zukünftige «Westschweizer» Sammlung den ursprünglichen Kern des Gingins-Erbes ergänzen, das durch das bedeutende Vermächtnis von Hélène de Gingins (1856–1923), der letzten Vertreterin des Zweiges von Éclépens, noch vergrössert werden sollte. Nach Henrys Tod im Jahr 1920 wurde die Gesellschaft des Westschweizer Museums Eigentümerin des Schlosses, während Hélène bis zu ihrem Tod die Nutzniessung behielt. Das Musée romand wurde am 8. Juli 1922 eröffnet. Von da an konnte die Öffentlichkeit während der Sommermonate an drei Nachmittagen pro Woche einige historische Säle und den speziell für das Musée romand reservierten Raum besichtigen. Da die Spendenaufrufe in der Bevölkerung kaum spektakuläre Auswirkungen hatten, obwohl die Förderer es sich nicht nehmen liessen, den patriotischen Charakter des Projekts zu betonen, erwiesen sich die Anfänge der Sammlung als bescheiden und eklektisch. Wahrscheinlich aus diesem Grund behielt die Eröffnungszeremonie einen bewusst «intimen» Charakter, wie die Berichte in der damaligen Presse nachdrücklich betonten (Feuille d’avis de Lausanne vom 11. Juli 1922, S. 12 – La Revue vom 14. Juli, S. 3).

Was die folgende Entwicklung der Sammlungen des Museums betrifft, so ist es sehr schwierig, ihre tatsächliche Bedeutung beim derzeitigen Stand der Inventare einzuschätzen, aber es ist offensichtlich, dass sie nie das Ausmass erreichten, das sich die Gründer vorgestellt hatten. Aufgrund ihres zweideutigen Status zwischen dynastischem Museum und Museum von allgemeinem Interesse hatte die Institution Schwierigkeiten, anerkannt zu werden, insbesondere von den Behörden (Lüthi 2016, 10).

Im Schloss La Sarraz haben wir etwa 300 Keramiken aufgenommen, die traditionell im Inventar unter der Rubrik «Fonds Gingins» klassifiziert werden, ohne weitere Angaben, die die Umstände, unter denen sie in die Sammlungen gelangten, erhellen könnten. Es wird angenommen, dass diese Objekte aus dem Familienbesitz stammen, die seit jeher im Schloss deponiert waren oder von Frédéric de Gingins in La Sarraz gesammelt wurden und aus den verschiedenen Residenzen der Familie, insbesondere aus ihrem Wohnsitz in der Stadt Bern, stammten. Die meisten dieser Stücke sind Porzellane aus dem 18. Jahrhundert und stammen hauptsächlich aus Nyon (rund 110 Objekte) und China (etwas mehr als 130 Objekte).

In jeder dieser beiden Kategorien befindet sich ein grosses Service, wie es nur sehr selten in Schweizer Sammlungen zu finden ist: Aus Nyon ein 95-teiliges Dessertservice aus den Jahren 1795–1800 mit einem Dekor aus aneinandergereihten Kornblumen mit zweifarbigem Blattwerk, einem der damals beliebtesten Motive im mittleren Preissegment der Manufaktur aus Nyon (CLS MURO 1276; CLS MURO 1277; CLS MURO 1278; CLS MURO 1279; CLS MURO 1280; CLS MURO 1281; CLS MURO 1282A; CLS MURO 1283; CLS MURO 1284; CLS MURO 1286 und 1285; CLS MURO 1287). Aus China stammt ein 82-teiliges Tafelservice mit dem berühmten Dekor «Mit zwei Pfauen» im Stil der «Famille rose», datiert 1765–1770 (CLS MURO 1355; CLS MURO 1356; CLS MURO 1357; CLS MURO 1358; CLS MURO 1359; CLS MURO 1361). Es liegt auf der Hand, dass Keramikgruppen dieser Grösse aus dem Mobiliar eines grossen Hauses stammen, in diesem Fall aus der Berner Residenz der Gingins. Diese Ensembles ergänzen sich in ihrer jeweiligen Funktion und geben ein Bild von den Prunktischen des Berner Patriziats im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Unter dem Porzellan aus Nyon sind ausserdem das zweite bekannte Exemplar eines frühen Bechermodells mit Banddekor und Blumenkränzen (CLS MURO 1257) sowie ein schönes Tablett mit monochromen orange-sepiafarbenen Blumensträussen (CLS MURO 1255) zu erwähnen. Im Bereich der asiatischen Keramik ist das Überbleibsel eines Trinkgeschirrs, datiert in die Zeitspanne von 1750–60, zu erwähnen im Stil der «Famille rose», der Blumendekor hingegen ist eher in europäischer Manier ausgeführt (CLS MURO 1262; CLS MURO 1263; CLS MURO 1264; CLS MURO 1265; CLS MURO 1266; CLS MURO 1267), und mehrere kleine, zusammenhängende Gruppen (zwei bis acht Stück) von Tellern in verschiedenen Stilen – Blau und Weiss, «Chinesisches Imari» oder mit Dekor im Stil «Famille rose» (z. B. CLS MURO 1289; CLS MURO 1275; CLS MURO 1273; CLS MURO 1372). Sehr wahrscheinlich wurden solch kleine Gruppen von Anfang an eher für dekorative als für Gebrauchszwecke erworben. Besonders bemerkenswert sind zwei Teller mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Dekor, teilweise inspiriert von den Werken des holländischen Zeichners Cornelius Pronk (CLS MURO 1274).

Unter den Gebrauchsgegenständen im engeren Sinne hingegen befinden sich vier Messergriffe aus Weichporzellan aus Saint-Cloud vom Anfang des 18. Jahrhunderts (CLS MURO 1308). Das in Schweizer Sammlungen äusserst seltene englische Porzellan ist durch eine isolierte Schale aus Chelsea, um 1755, mit einem Blumendekor von schöner Qualität und einer reichen Verzierung in Form eines gegossenen Reliefs vertreten (CLS MURO 559). Unter den seltenen Fayencen aus dem Gingins-Fonds sind eine Delfter Platte aus der Manufaktur «A grec» (CLS MURO 1292) und ein Strassburger Teller mit Blumenmotiv aus der Zeit von Paul Hannong (CLS MURO 1294) hervorzuheben.

Das Haus der Künstler

Nach dem Tod ihres Mannes hauchte Hélène de Mandrot dem ehrwürdigen dynastischen Schloss einen frischen Wind ein, indem sie die bewegte und vielfältige Welt der zeitgenössischen Kunstszene, oft in ihren avantgardistischsten Ausdrucksformen, einlud.

Hélène selber fasste eine künstlerische Ausbildung ins Auge, indem sie Kurse bei Joseph Mittey (1853–1936) an der École des arts industriels in Genf und an der Académie Julian in Paris besuchte. Bei Mittey lernte sie zunächst die Welt der Keramik kennen (hauptsächlich Keramikdekoration), bevor sie die allgemeine Ausbildungsklasse besuchte, die vor allem auf Praktiken ausgerichtet war, die als weiblich galten, wie etwa Aquarellmalerei, Dekoration, Komposition und Stilstudien, hauptsächlich auf Papier. Ihre künstlerische Tätigkeit hinterliess vor allem im Bereich der angewandten Kunst Spuren. Im Juni 1911 gründete sie die École de broderie de La Sarraz (Stickereischule). Der Begriff «Schule» ist zumindest zweideutig, da es sich in diesem Fall eher um eine kleine Produktionseinheit handelte, die aus fünf Stickerinnen bestand, die zu Hause die von Madame de Mandrot entworfenen Projekte umsetzen sollten. Der 1918 eingetragene Firmenname «H. de Mandrot, École de broderie de La Sarraz, industrie et commerce de travaux artistiques, broderie, tissage à la main, etc.» (Stickereischule von La Sarraz, Industrie und Handel mit künstlerischen Arbeiten, Stickerei, Handweberei usw.) wurde 1934 endgültig gelöscht (Schweizerisches Handelsamtsblatt, Bd. 1, S. 16). 36, 1918, 1759 – Bd. 52, 1934, 5485).

1911 trat Hélène de Mandrot der Société d’art domestique bei, die gerade auf Initiative von Nora Gross gegründet worden war. Die Beziehungen zwischen den beiden Frauen waren eher zwiespältig, da Gross de Mandrot als «Hobbykünstlerin der Frauen von Welt» (Baudin 1998, 21) einstufte. Dennoch gehörten beide 1913 zu den 87 Gründungsmitgliedern von L’Œuvre oder Association suisse romande de l’art et de l’industrie, wo de Mandrot unter anderem mit ihrem Freund Auguste Bastard, dem späteren Le Corbusier und dem Töpfer Paul Bonifas zusammenarbeitete. Sie nahm an mehreren Ausstellungen teil, unter anderem im Rahmen von L’Œuvre, indem sie ihre Stickereien präsentierte oder Innenräume einrichtete.

Hélène de Mandrots künstlerisches Schaffen hinterliess nur wenige Spuren (Baudin 1998, 18–30). Wenn sie in die Geschichte einging, dann vor allem wegen ihrer Rolle als Mäzenin und kulturelle Animateurin, die sie nach dem Tod ihres Mannes mit Leidenschaft ausübte. Hélène bewohnte das Schloss nur punktuell, sie wohnte hauptsächlich in der Familienwohnung in der Rue des Granges in Genf und ab 1925 in ihrer neuen Wohnung in Paris. La Sarraz wurde hingegen zum bevorzugten Schauplatz ihrer neuen Aktivitäten. Ab 1922 organisierte sie dort Künstlerferien, die jeden Sommer zwei Wochen lang Gruppen von Kunstschaffenden aus der Schweiz und später auch aus anderen Ländern zusammenführten. Um diesen Aktivitäten einen Rahmen zu geben, gründete de Mandrot das Künstlerhaus, eine Organisation mit eher vagen Konturen, die Gegenstand einer Vereinbarung mit dem Eigentümer des Schlosses, der Société du Musée romand, war und von einem Kapital profitierte, das Hélène zur Verfügung stellte (Baudin 1998, 43-47).

Das Genfer Künstlermilieu wurde in La Sarraz besonders verwöhnt, wie etwa der Maler und Dekorateur Marc-Auguste Bastard, der zwischen 1922 und 1925 mehrere Aufenthalte in La Sarraz verbrachte (Baudin 1998, 45 und 309). Bastard gehörte auch dem Vorstand der Société du Musée romand an. Ebenfalls aus Genf kam der Keramiker Paul Bonifas, der sich im Juli 1938 im Schloss aufhielt. Hélène de Mandrot liess ihn zusammen mit anderen Westschweizer Kreativen an der Ausstellung teilnehmen, die sie 1943 bei Wohnbedarf in Zürich organisierte und in der sie Möbel von ihm präsentierte (Baudin 1998, 42 und 310).

Hélène de Mandrot, die zunehmend in Paris lebte, öffnete sich den damals aktuellsten Strömungen des künstlerischen Schaffens und interessierte sich immer mehr für zeitgenössische Architektur. Dank ihrer zahlreichen internationalen Kontakte arbeitete sie an zwei ehrgeizigen Projekten mit, die den Ruhm von La Sarraz begründeten: dem internationalen Vorbereitungskongress für moderne Architektur (dem Gründungsereignis der CIAM), der im Juni 1928 im Schloss stattfand, und dem internationalen Kongress des unabhängigen Kinos (CICI) im September 1929. Durch diese Ereignisse sah das altehrwürdige Schloss so bedeutende Persönlichkeiten wie Le Corbusier, Alvar Aalto, Hans Arp, Max Bill, Sergej Eisenstein, Walter Gropius und Max Ernst (für eine vollständige Liste siehe Baudin 1998, 308–326).

Viele der eingeladenen Künstler hinterliessen während ihres Aufenthalts in La Sarraz Werke, die von de Mandrot dem Musée romand vermacht wurden («Fonds Hélène de Mandrot»). Darunter befinden sich auch einige Keramiken: Ein Krug aus engobierter Irdenware, dekoriert von Auguste Bastard (CLS MURO 57), eine Tierfigur aus Steingut der Brüder Jan und Joël Martel, herausragende Vertreter der Bildhauerkunst des Art déco (CLS MURO 1058), und vier Kreationen von Paul Ami Bonifas, darunter eine signierte Fayencevase aus einer limitierten und nummerierten Auflage (CLS MURO 218) und eines der modernistischsten Modelle des Keramikers aus der berühmten Linie der «schwarz glänzenden Keramiken» (CLS MURO 217).

Nach dem Tod von Hélène de Mandrot im Jahr 1948 wurde Charles Knébel der erste Konservator des Musée romand, ein Amt, das er bis zu seinem Tod im Jahr 1964 im Alter von 89 Jahren innehatte. Er richtete seine eigenen Sammlungen im Schloss ein und vermachte sie dem Musée romand («Fonds Charles Knébel»). Darunter befinden sich einige Porzellane aus Nyon von gängiger Qualität, aber auch ein seltenes Beispiel des letzten Terrine-Modells, das in der Manufaktur wahrscheinlich kurz nach 1795 hergestellt wurde (CLS MURO, Nr. 1).

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen:

La presse vaudoise, consultée sur Scriptorium, le site de la Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne.

Bibliographie:

 Baudin 1998
Antoine Baudin, Hélène de Mandrot et la Maison des artistes de La Sarraz. Lausanne 1998.

Lüthi 2016
Dave Lüthi, Archéologie d’un ensemble mobilier exceptionnel: les collections du château de La Sarraz. In Situ [en ligne], 2016, 29 (http://insitu.revues.org/13007).

Lausanne, Kantonales Museum für Archäologie und Geschichte (Musée cantonal d’archéologie et d’histoire, MCAHL)

Musée cantonal d’archéologie et d’histoire
Palais de Rumine
Place de la Riponne 6
CH-1005 Lausanne
Tel. +41 (0)21 316 34 30

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler 2019

In der Waadtländer Sektion unseres Inventars nehmen Porzellan und Steingut aus Nyon viel Platz ein. Den reichhaltigsten Bestand in diesen beiden Bereichen besitzt selbstverständlich das Schloss Nyon (Geschichts- und Porzellanmuseum, Musée historique et des porcelaines). Doch das war nicht immer so. Beim Porzellan wurde der erste Museumsbestand in der Waadt, der diesen Namen auch verdiente, Anfang des 20. Jahrhunderts gebildet. Später ging dieser in das Kantonale Museum für Archäologie und Geschichte in Lausanne über, während das Museum in Nyon nur einige seltene Objekte behielt.

Für das Porzellan aus Nyon interessierte sich das Lausanner Museum insbesondere wegen Aloys de Molin (1861–1914), der wohl einer der wichtigsten Kuratoren dieser Objekte war. Die Anfänge des Lausanner Bestands fielen in die Zeit, in der De Molin sein erstes Werk verfasste, den ersten wissenschaftlichen Beitrag zur Historiografie der Manufaktur von Dortu und Müller. Die 1904 erschienene «Histoire documentaire de la manufacture de porcelaine de Nyon» stellt bis heute ein Referenzwerk dar (De Molin 1904).

1852 wurde das Musée des antiquités de Lausanne gegründet, das in die Räumlichkeiten der Académie zog. Im Laufe der Zeit wechselte das Museum mehrmals seinen Namen: Musée archéologique im Jahr 1877 und Musée historique im Jahr 1908 (zwei Jahre nach der Einweihung des Palais de Rumine). Seit 1955 trägt es den Namen «Musée cantonal d’archéologie et d’histoire».

Aloys de Molin leitete das Museum von 1893 bis 1912. Auf seine Initiative hin versuchte das Museum aktiv, die neu entstehenden Sammlungen auszubauen und kämpfte damit gegen die Abwanderung von Antiquitäten aus der Waadt und aus der Schweiz über den Kunstmarkt an. Einem Zeitungsartikel aus dem Nouvelliste vaudois vom 18. Juli 1900 (S. 2) zufolge haben «Besitzer in den letzten Jahren viele Wertgegenstände aus dem Kanton ins Ausland verkauft». Zudem sei das kantonale Museum für Archäologie immer an der Übernahme interessanter Objekte interessiert. Neben den archäologischen Artefakten erwähnt der Artikel auch das Porzellan aus Nyon. Die Bürger, die sich von alten Gegenständen trennen wollten, wurden gebeten, sich an den Kurator zu wenden.

Soweit wir beurteilen können, erwarb das Museum ab 1901 erste Keramikgegenstände, hauptsächlich Porzellan aus Nyon, aber auch einige Steingutobjekte aus Carouge oder aus England. De Molins Interesse für «Vieux-Nyon» sollte sich nachhaltig in den Sammlungen seines Museums manifestieren, während er gleichzeitig an seiner Monografie zu diesem Thema arbeitete. Der Originalbestand an Porzellan aus Nyon umfasste rund zweihundert Objekte und wurde mehr oder weniger zwischen 1901 und 1906 zusammengestellt.

Dazu gehören meist Alltagsgegenstände – mit einem Geflechtmotiv in einer violetten Borte (z. B. MCAHL 29401), blauen Unterglasurmotiven (MCAHL 29495), verschiedenen Blumen, Bouquets und einer schönen Auswahl an Verzierungen ohne Vergoldungen aus der jüngsten Periode (z. B. MCAHL 29403, MCAHL 29819, MCAHL 31647, MCAHL 29398) –, aber auch einige besondere Stücke wie diese seltenen Motivbeispiele, die ein Blau unter der Glasur mit mehrfarbigen Glasuren kombinieren (MCAHL 28702, MCAHL 29370), das Kühlgefäss aus dem Service von Von Roll (MCAHL 30021), ein Korb mit zugehörigem Untersatz mit einem seltenen Motiv aus einem chinesischen Bestand (MCAHL 30877A und 30877B), die Tasse mit den Wappen der Familie Testuz, die wir nun mit einer bunten Persönlichkeit aus der Revolutionszeit in Verbindung bringen können, mit Pfarrer Beat Ferdinand Testuz (MCAHL 30061), eine seltene mit Trophäen geschmückte «Kamingarnitur» (MCAHL HIS 55-3310, MCAHL HIS 55-3311, MCAHL HIS 55-3312) oder ein interessantes Kühlgefäss, das vermutlich die nach 1795 geschaffenen «neuen Formen» aufweist (MCAHL HIS 3841).

Es ist davon auszugehen, dass De Molin bei den Steingutobjekten ebenfalls versuchte, die Produktionen aus Nyon zu dokumentieren, die er einleitend auch in seiner Arbeit zum Porzellan behandelte. Da damals nur sehr lückenhafte Kenntnisse vorhanden waren – Thérèse Boissonnas-Baylon veröffentlichte 1918 die erste dokumentierte Studie zu diesem Thema –, erwarb er effektiv mehrheitlich Gegenstände aus Carouge, die mit den Markierungen «Baylon» oder «Dortu, Veret et Ce» versehen waren. Es war zu der Zeit noch schwieriger, die Produktion aus der Fabrik von Baylon in Nyon zu identifizieren, als heute. De Molin kaufte sogar englisches Steingut mit Kornblumendekor im Glauben, es handle sich um Erzeugnisse aus Nyon (MCAHL 30095, MCAHL 30094, MCAHL 30100, MCAHL 30110, MCAHL 30098, MCAHL 30101). Der Bestand in Lausanne umfasst übrigens einige Objekte, die sich nur schwer einordnen lassen und die man als mögliche Produkte der Manufaktur Baylon aus Nyon einstufen könnte: zwei relativ rustikale Kompottschalen aus Steingut (MCAHL 30105) sowie einige Fayencen mit Blei-Zinn-Glasur – zwei Schalen und drei Teller mit Kornblumendekor (MCAHL 29384, MCAHL 29385, MCAHL 29310).

Aloys de Molins Akquisitionsstrategie, die klar auf die Produkte aus Nyon ausgerichtet war, wurde nach seinem Abgang nicht weitergeführt. Von nun an legte der Keramikbestand nur punktuell und zufallsbedingt zu, mithilfe von Legaten und Schenkungen.

Etwa 1913, als die Sammlung Marie de Seigneux, geborene Guex, aus Genf (1942–1913), Witwe von Georges de Seigneux (1837–1912), einem herausragenden Juristen und nebenberuflichen Komponisten, in den Bestand aufgenommen wurde. Wie eine Zeitungsnotiz aus der Tribune de Lausanne vom 9. Dezember 1913 (S. 4) präzisierte, bestand das Legat zu drei Vierteln aus Porzellan aus Nyon, «ursprünglich im Besitz von Herrn Giral, einem der Verwalter der Fabrik». Die rund 160 Stücke aus Nyon widerspiegeln vor allem die übliche Produktion der Manufaktur: blaue und weisse Dekore, Kornblumen- und Streublumenmotive. Bemerkenswerter sind das Teeservice mit Balustermotiven (MCAHL 30805A, MCAHL 30805B, MCAHL 30805C, MCAHL 30805D, MCAHL 30805E, MCAHL 30805F) und die Überreste eines Trinkservices, das mit einem Blumenkranz auf schwarzem Hintergrund verziert ist (MCAHL 30804A, MCAHL 30804B). Das Legat umfasste zudem mehrere Beispiele späterer Porzellanobjekte, die wahrscheinlich aus Frankreich stammen, mit Verzierungen, die das «Vieux-Nyon» nachahmten (MCAHL 30792D, MCAHL 30792E, MCAHL 30802A, MCAHL 30802B, MCAHL 30802C).

Das relativ lose Ganze vermittelt nicht den Eindruck einer eigentlichen Sammlung, sondern kommt eher als zufällige Kombination von mutmasslichen Gebrauchsgegenständen und Vitrinenobjekten daher. Neben dem Porzellan aus Nyon finden sich einige englische Steingutobjekte, ein paar Porzellanobjekte aus Deutschland und insbesondere zwei kleine Gruppen von hochwertigen Porzellangegenständen aus Frankreich: ein Dutzend Sossentöpfchen aus Weichporzellan aus Mennecy aus den Jahren 1760–1765 (MCAHL 30810A, 30810B, 30810C und 30810D, MCAHL 30810K und 30810L, MCAHL 30810I und 30810-J, MCAHL 30810G und 30810H, MCAHL 30810E und 30810F) sowie zwölf Teller und eine Vase, die das Beste widerspiegeln, was in den Pariser Werkstätten zu Beginn des 19. Jahrhunderts an reich verziertem Porzellan hergestellt wurde (MCAHL 30811-1, MCAHL 30811-2, MCAHL 30811-3, MCAHL 30811-4, MCAHL 30811-5, MCAHL 30811-6, MCAHL 30811-7, MCAHL 30811-8, MCAHL 30811-9, MCAHL 30811-10, MCAHL 30811-11, MCAHL 30811-12, MCAHL 30824).

Das Museum erwarb 1922 und 1931 noch einige Steingutobjekte, meist Produkte der Manufaktur Baylon aus Carouge. 1936 gelangten im Gefolge des Legats Zourbroude einige Keramiken ins Museum (die unglaubliche Geschichte der Schwestern Zourbroude wird von Herrn Bezençon erzählt, «La solitaire d’Éclépens», in: Feuille d’avis de Lausanne, 12.–14. November 1936, 6, 12 und 6).

Seit den 1930er-Jahren hat das kantonale Museum für Archäologie und Geschichte kaum mehr Keramiken gekauft. 2022 stiessen 17 Stücke aus engobierter Berner Irdenware zum Bestand, die von der neuen Fondation du Château de Chillon als Nachfolgeorganisation des gleichnamigen Vereins, der 1887 gegründet wurde, dem Staat vermacht wurden. Die Charge umfasst interessante Beispiele aus der Produktion von Abraham Marti aus Blankenburg (MCAHL PM 4321, MCAHL PM 4322, MCAHL PM 4330, MCAHL PM 4329, MCAHL PM 4328), Tonwaren aus Langnau (MCAHL PM 4326, MCAHL PM 4325), darunter eine wegen ihrer politischen Ikonografie hervorstechende Platte, die eine wahrhafte Ode an die 1798 hergestellte republikanische Ordnung darstellt (MCAHL PM 4318), relativ klassische Werke aus Heimberg (MCAHL PM 4331, MCAHL PM 4324, MCAHL PM 4336, MCAHL PM 4334, MCAHL PM 4335, MCAHL PM 4332, MCAHL PM 4333) sowie eine Platte noch unbekannter Herkunft, die nach Langnauer Technik gestaltet und dekoriert wurde, jedoch von einem in Bäriswil ausgebildeten Töpfer (MCAHL PM 4327 – Mitteilung von Andreas Heege).

Diese Berner Stücke wurden 1905 für die Räume erworben, die die Berner Periode im historischen Museum des Kantons Waadt illustrieren sollten, das der Verein im Schloss Chillon einrichten wollte. Nach zahlreichen Unwägbarkeiten gerät das Museumsprojekt jedoch in Vergessenheit (Huguenin 2010, 34).

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen:

La presse vaudoise, consultée sur le site Scriptorium de la Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne.

Bibliographie:

Blaettler 2017
Roland Blaettler, CERAMICA CH III/1: Vaud (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950), Sulgen 2017, 12-13.

 Boissonnas-Baylon 1918
Thérèse Boissonnas-Baylon, Faïenceries et faïenciers de Lausanne, Nyon et Carouge. Nos Anciens et leurs œuvres. Recueil genevois d’art VIII, 1918, 55-112.

De Molin 1904
Aloys de Molin, Histoire documentaire de la manufacture de porcelaine de Nyon, 1781-1813, publiée sous les auspices de la Société d’histoire de la Suisse romande et de la Société vaudoise des beaux-arts. Lausanne 1904.

Huguenin 2010
Claire Huguenin (éd.), Patrimoines en stock. Les collections de Chillon. Une exposition du Musée cantonal d’archéologie et d’histoire de Lausanne en collaboration avec la Fondation du château de Chillon, Espace Arlaud, Lausanne et Château de Chillon. Lausanne 2010.

Lausanne, Villa Mon Repos (VL)

Fayencen mit heraldischen Motiven aus der Sammlung von Henri-Armand Juge

Die Keramiksammlung der Villa Mon-Repos in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2020

Die Stadt Lausanne ist stolze Besitzerin einer in der Schweiz und vielleicht sogar international einzigartigen Sammlung von rund 100 europäischen Fayencen, die ausschliesslich mit heraldischen Motiven verziert sind. Die mit Bedacht und Geschmack ausgewählten Exemplare illustrieren vor allem die französische Fayencekunst des 17. und 18. Jahrhunderts, bieten aber auch hochwertige Beispiele aus dem übrigen Europa.

Die Sammlung wurde der Stadtverwaltung von Fräulein Marguerite Challand (1876–1951) vermacht, die sie von ihrem Onkel Henri-Armand Juge geerbt hatte. Marguerite war die Tochter von Théodore Challand (1841–1888), Arzt und Leiter des Irrenhauses von Cery von 1876 bis 1888, und Louise-Victorine, geborene Juge, der Schwester von Henri-Armand (1844–1876). Nach dem Tod ihres Vaters wurde Marguerite von ihrem unverheiratet gebliebenen Onkel aufgenommen, der in Nizza wohnte. Im Alter von 19 Jahren verliess sie die Côte d’Azur, um sich in Deutschland niederzulassen, wo sie sich für soziale Zwecke engagierte. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte sie nach Lausanne zurück, wo sie zu den Gründungsmitgliedern des Sozialdienstes zählte. Sie engagierte sich auch im Rahmen des Kinderhospizes, bevor sie die zentrale Kleiderbörse gründete, deren Vorsitz sie übernahm. (Le mouvement féministe, vol. 40, 1952, Heft 800, S. 30 – Feuille d’avis de Lausanne vom 22. November 1951, S. 13).

Über den Sammler selber wissen wir nur sehr wenig. Der Name Henri-Armand Juge taucht in einer Volkszählung aus dem Jahr 1891 und im Telefonbuch des Departements Alpes-Maritimes auf. Daraus erfahren wir, dass er 1855 geboren wurde, französischer Staatsbürger war und von 1891 bis 1901 am Quai du Midi 21 gegenüber der Baie des Anges wohnte, nachdem er von 1887 bis 1888 in der ehemaligen Wohnung seines Vaters Victor in der Rue Saint-Étienne 24 ansässig war (www.basesdocumentaires-cg06.fr). Victor Juge, ein Bergbauingenieur, war 1886 verstorben (eine Todesanzeige erschien in L’Estafette vom 13. März 1886, S. 2).

In den örtlichen Telefonbüchern wird Henri-Armand Juge als Rentner bezeichnet. Angesichts der Qualität seiner Sammlung ist es offensichtlich, dass er sich mit alten Fayencen auskannte oder zumindest sehr gut beraten war.

Die Stadt Lausanne kam 1951/52 in den Besitz dieses schönen Ensembles und stellte es in Vitrinen im ersten Stock der Villa de Mon-Repos aus. Aufgrund der besonderen Art ihrer Ikonografie weckte die Sammlung bald das Interesse von Fachleuten. Zwei bedeutende Westschweizer Heraldiker, Léon Jéquier und Adolphe Decollogny, untersuchten mithilfe ihres Kollegen Jean Tricou aus Lyon die auf den Fayencen von Henri-Armand Juge abgebildeten Wappen und konnten schliesslich mehr als die Hälfte davon identifizieren. Das Ergebnis ihrer Forschung wurde 1964 im Schweizer Archiv für Heraldik veröffentlicht (Tricou et al. 1964). In unseren Beschreibungen orientieren wir uns weitgehend an dieser Arbeit, insbesondere was die Blasonierung der heraldischen Motive betrifft. Bei einigen wenigen Beispielen konnten die Wappenidentifikationen ergänzt oder korrigiert werden.

Die Veröffentlichung des Artikels im Schweizer Archiv für Heraldik war für die Lokalpresse die Gelegenheit, den Reichtum dieses offensichtlich verkannten Keramikschatzes wiederzuentdecken (Feuille d’avis de Lausanne vom 7. Oktober 1965, S. 13). Die Sammlung geriet jedoch ab Ende der 1960er-Jahre wieder in Vergessenheit, als die Salons, in denen sie noch heute untergebracht sind, für offizielle Empfänge der Stadtverwaltung reserviert wurden.

Etwas mehr als 70 Objekte stammen aus Frankreich, wobei die grössten Gruppen aus den wichtigsten Zentren Moustiers, Rouen und Nevers stammen. Die Fayence aus Moustiers wird hauptsächlich durch blau bemalte Exemplare aus der Manufaktur der Clérissy repräsentiert, die grösstenteils aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts stammen. Das älteste und prächtigste Beispiel ist eine grosse Schale mit dem Wappen eines nicht identifizierten Prälaten, die auf das letzte Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts datiert wird (VL mr 48). Blaue Dekore sind auch in der Gruppe aus Rouen vorherrschend mit den klassischen Nebenmotiven von unterteilten Borten und Guirlanden. Auch hier stammen die meisten Beispiele aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das älteste aus der Jahrhundertwende (VL mr 45) mit einem noch stark von chinesischem Porzellan inspirierten Dekor. Die seltensten Exemplare finden sich jedoch wahrscheinlich unter den Fayencen aus Nevers, die fast alle aus dem 17. Jahrhundert stammen, wie zum Beispiel eine Schale mit dem Wappen von Françoise-Renée de Lorraine-Guise, Tochter von Charles I., Herzog von Guise, und Äbtissin von Montmartre (VL mr 44), ein Paar Kerzenständer aus der Zeit um 1640 (VL mr 94) oder ein Zucker- oder Salzstreuer mit chinesischem Dekor (VL mr 101).

Die anderen französischen Produktionszentren wie Montpellier, Lille, Lyon oder Marseille sind bescheidener vertreten, aber oft mit bisher unveröffentlichten Objekten. Die Sammlung enthält zum Beispiel nur ein Exemplar aus Strassburger Fayence, dafür aber ein äusserst seltenes Beispiel eines frühen mehrfarbigen Wappenmotivs aus der Zeit von Paul Hannong (VL mr 244).

Etwa 25 Objekte stammen aus dem übrigen Europa: Italien, Holland, Deutschland, Spanien und sogar Portugal, eine Seltenheit in Schweizer Sammlungen (VL mr 267). Nur ein Objekt stammt aus einer Schweizer Manufaktur: eine kleine ovale Schale – die einzige bisher bekannte Form dieser Art – aus dem Wappenservice, das der Freiburger Fayencehersteller François Camélique um 1768 für Nicolas Kuenlin anfertigte (VL mr 111).

Verschiedene Anschaffungen für die Villa Mon-Repos

Um den Salons der Villa den Glanz zu verleihen, der ihrer neuen Funktion als Repräsentationsraum angemessen schien, erwarben die Behörden antike Möbel und verschiedene Kunstgegenstände. Unter Letzteren befanden sich auch Keramiken aus verschiedenen Epochen. Eine kleine, heterogene Gruppe, die wahrscheinlich bei den Antiquitätenhändlern des Ortes erworben wurde und in erster Linie dekorativen Zwecken diente. Die Beispiele in unserem Inventar tragen eine Inventarnummer, der die Buchstaben «mr» vorangestellt sind, und den Vermerk «Alter Bestand, ohne Datum». Zu den erfreulichen Überraschungen dieses eher mittelmässigen Ensembles gehören ein Paar Kühlgefässe aus Berliner Porzellan. Sie stammen aus einem Service, das der König von Preussen für ein Mitglied seiner Familie bestellt hatte (VL mr 266), sowie ein Zuckerdosenständer aus Fayence aus Sceaux versehen mit einem Blumendekor der besten Qualität (VL mr 260).

Keramiken aus der Sammlung von Marcel Benoist

Marcel Benoist (1864–1918) stammte aus der Pariser Grossbourgeoisie und zeichnete sich zunächst, wie schon sein Vater vor ihm, als erstinstanzlicher Anwalt am Zivilgericht der Seine aus. 1898 gab er sein Amt auf, um durch Europa zu reisen und sich seiner Leidenschaft für Kunst, schöne Gegenstände und Waldwirtschaft hinzugeben. 1911 ahnte er die Gefahr eines bewaffneten Konflikts zwischen Frankreich und Deutschland und verlegte daher fast seine gesamte Sammlung nach Lausanne, die er in seinem 1913 verfassten Testament der Eidgenossenschaft vermachte. Ein grosser Teil seines Vermögens bildete die Grundlage für die Marcel-Benoist-Stiftung, die seit 1920 einen jährlichen Preis für herausragende wissenschaftliche Forschung, insbesondere in Bereichen, die das menschliche Leben betreffen, vergibt.

1921 vertraute der Bund die Sammlungen der Stadt Lausanne in Form eines permanenten Depots an. Im darauffolgenden Jahr wurden die Sammlungen in der Villa Mon-Repos untergebracht, bevor sie 1966 von der Stadtverwaltung zurückgekauft wurden.

Die ehemalige Benoist-Sammlung umfasst auch eine Reihe von Keramiken, wobei die bemerkenswertesten Beispiele aus dem Bereich des asiatischen Porzellans stammen. So zum Beispiel ein 80-teiliges Abendservice aus China, das in der Qianlong-Zeit in Auftrag gegeben wurde und mit einer Wappenverzierung im Stil «Famille rose» dekoriert ist (VL mrbe 175). Besonders hervorzuheben ist ein wahres Meisterwerk des japanischen Porzellans: eine wunderschöne Vase aus der Werkstatt einer der berühmtesten Töpferdynastien von Arita, der Kakiemon-Dynastie (VL mrbe 190). Mit ihrem erstklassigen Dekor, das die von den Kakiemon erfundene Glasurpalette meisterhaft illustriert und auf die Jahre 1670–1690 datiert werden kann, ist die Vase aus der Sammlung Benoist wahrscheinlich das prächtigste Beispiel dieser Art in einer öffentlichen Schweizer Sammlung.

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen:

La presse vaudoise, consultée sur le site Scriptorium de la Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne.

Bibliographie :

 Tricou et al. 1964
Jean Tricou, Adolphe Decollogny et Léon Jéquier, Les faïences armoriées du palais de Mon-Repos à Lausanne. Archives héraldiques suisses, Annuaire 1964, 55-69.

Montreux, Musée de Montreux (MM)

Musée de Montreux (MM)
Rue de la Gare 40
1820 Montreux

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler 2019

Um 1870 erwachte im Kanton Waadt ein neues Interesse für die Vergangenheit, das hauptsächlich durch die Restaurierung der Kathedrale von Lausanne, die Bildung einer Denkmalpflegekommission sowie der Vereinigung zur Restaurierung von Schloss Chillon genährt wurde. Dies war denn auch der Nährboden für eine Gruppe von Notabeln aus Montreux um den Bankier Julien Dubochet, die für die Schaffung einer Gesellschaft für die «Förderung der öffentlichen Bildung in Montreux» zusammenkam.

Die Société du Musée de Montreux wurde 1874 gegründet; gleichzeitig entstanden auch das Wissenschaftsmuseum und die wissenschaftliche Bibliothek. Die Sammlungen, die in erster Linie als Unterstützung für den Unterricht an der Sekundarstufe gedacht waren, wurden in einer ersten Zeit in den Bereichen Naturwissenschaften und Archäologie aufgebaut. Sie wurden unter der Aufsicht eines Konservators und eines Bibliothekars zunächst in den Räumen des Gymnasiums Vernex und ab 1896 im neuen Gymnasium Châtelard aufbewahrt.

1904 wurde eine Stelle als Konservator für das «Alte Montreux» geschaffen. Dieser Akt markierte die Umwandlung des Wissenschaftsmuseum in ein Historisches Museum, die infolge einer steten Zunahme der Objekte und Dokumente erfolgte, welche die lokale Vergangenheit mit ihren vielfältigen Ausprägungen illustrierten.

Bestrebt, geeignete Räumlichkeiten für die Aufbewahrung ihrer Sammlungen zu finden, erwarb die Vereinigung 1914 zwei Winzerhäuser aus dem 17. Jahrhundert am Rande der Altstadt, im früheren Dorf Sâles. Mit der allgemeinen Mobilmachung von 1914–1918 wurde das Museumsprojekt vorübergehend auf Eis gelegt. Das Musée du Vieux-Montreux wurde schliesslich im August 1920 in seinen neuen Mauern eingeweiht.

Das Gebäude wurde zwischen 1988 und 1991 aufwändig restauriert. 2003 wurde das Musée du Vieux-Montreux in Musée de Montreux umbenannt. Die Institution wird vom Verein Société du Musée de Montreux verwaltet, der auch Eigentümer der Gebäude ist.

Keramik ist in den Beständen des Museums nur wenig vertreten. Es handelt sich zumeist um Gebrauchsgegenstände aus engobierter Irdenware vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhundert s (Typ «Engobierte Irdenware der Genferseeregion»), Gedenkobjekte in Zusammenhang mit dem lokalen Vereinsleben oder einige Beispiele mit Ansichten der Region.

Übersetzung Stephanie Tremp

Morges, Musée Alexis Forel (MAF)

Musée Alexis Forel, Morges (MAF)
Grand-Rue 54
1110 Morges

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2019

Alexis Forel (1852–1922) stammte aus einer Familie berühmter Wissenschaftler. Er wurde zunächst als Chemiker ausgebildet, bevor er in den 1880er-Jahren nach Paris zog, um sich künstlerisch zu betätigen. Er befasste sich intensiv mit der Technik der Radierung und stellte in den Pariser Salons aus. Ab 1887 zwang ihn seine angeschlagene Gesundheit, die Ausübung seiner Kunst aufzugeben. Er widmete sich fortan der Kunstkritik und dem Ausbau seiner Sammlungen von Stichen und Kunstgegenständen, eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Emmeline (1860–1957) teilte, die ihrerseits malte und zeichnete. Um den Fortbestand ihrer Sammlungen zu sichern und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen, war das Ehepaar schon früh darum bemüht, einen geeigneten und würdigen Ort für ihre gesammelten Kunstwerke zu finden. Mit diesem Hintergedanken schloss sich Alexis 1911 den Gründern der Société du Musée romand an (siehe Kapitel «Château de La Sarraz»), wurde ihr erster Präsident und seine Sammlung war der zukünftigen Institution versprochen. Im März 1916 jedoch zog sich Forel, «besorgt über die finanzielle Zukunft der Gesellschaft», vollständig aus dem Projekt zurück (Feuille d’avis de Lausanne vom 16. März 1916, S. 8, und vom 8. September 1916, S. 20).

Nachdem die Forels mehrere mögliche Standorte für ihr künstlerisches Erbe in Betracht gezogen hatten, fiel ihre Wahl auf das ehemalige Haus Blanchenay, ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert im Herzen der Altstadt von Morges, in dem die Vereinigung Vieux-Morges seit 1917 einen Raum gemietet hatte. Sie kauften das Gebäude im Jahr 1918, restaurierten es und liessen sich dort nieder, umgeben von ihren Sammlungen und denen der Gesellschaft Vieux-Morges.

Im Februar 1918 trat Emmeline dem Vorstand der Société du Vieux-Morges bei, während Alexis zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde (Feuille d’avis de Lausanne vom 26. Februar 1918, S. 12). Die im Dezember 1915 gegründete Gesellschaft hatte zum Ziel, «eine Sammlung von Objekten zu schaffen, die an die Vergangenheit von Morges und Umgebung erinnern sollten», und zwar durch Käufe und Schenkungen aus der Bevölkerung. Im Oktober 1916 präsentierte der Verein eine erste Ausstellung mit dem Titel «Morges im 18. Jahrhundert» mit Möbeln, Pendeluhren, Kunstgegenständen, Glaswaren und Porzellan, die von Privatpersonen ausgeliehen worden waren. Die zweite Ausstellung, die dem 17. Jahrhundert gewidmet war, fand vom 24. Mai bis zum 23. Juni 1918 im Haus Blanchenay statt. Die ausgestellten Möbel, Wandteppiche, Stiche, Zinnarbeiten und Keramiken (darunter Teller und Vasen aus China und Japan) stammten dieses Mal grösstenteils aus der Sammlung Forel (La Revue vom 24. Mai 1918, S. 3).

Das Musée du Vieux-Morges wurde 1920 in der Atmosphäre eines bewohnten Hauses eröffnet und erhielt 1943 auf Wunsch von Emmeline den Namen Musée Alexis Forel. Nach dem Tod von Oscar Forel im Jahr 1982, dem letzten aktiven Mäzen, verwaltete die Association du Musée Alexis Forel  das Museum mit finanzieller Unterstützung der Stadt Morges.

Erst 1961 ernannte die Vereinigung mit Jean Gagnebin (1911–1980), einem Maler und Lehrer, ihren ersten Konservator. Fast zwei Jahrzehnte lang verwaltete und leitete Gagnebin die Institution mit Kompetenz und Strenge und spielte eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Sammlungen. Für die Zeit vor seinem Amtsantritt gibt es so gut wie keine Inventare. Bei fast der Hälfte der rund 250 ausgewählten Keramikobjekte ist nicht bekannt, wann und wie sie in die Sammlungen aufgenommen wurden (diese Objekte sind mit dem Vermerk «alter Bestand, ohne Datum» gekennzeichnet). Dazu gehören auch Objekte aus der ehemaligen Forel-Sammlung, die wir nicht mit Sicherheit identifizieren können. Eine Ausnahme bildet das Paar japanischer Vasen im «Imari»-Stil (MAF C 667), von denen eine im Hintergrund eines Porträts von Alexis zu sehen ist, einer Pastellmalerei, gemalt von Emmeline im Jahr 1916 (MAF, Inv. AP 0001249).

Für den Rest der Sammlung kann man nur Vermutungen anstellen. Es ist zum Beispiel gut möglich, dass Forel die meisten italienischen Fayencen aus Deruta dem Museum vermacht hat, wie die 1564 datierte Schale mit Apollo und den Musen, die dem Maler Giacomo Mancini zugeschrieben wird und ein wahres Meisterwerk der Sammlung ist (MAF C 1), und die wunderschöne Wasserkanne mit Lüstermotiven aus dem frühen 16. Jahrhundert (MAF C 6). Zu dieser Gruppe gehören auch die bekannteren Produkte aus derselben Manufaktur mit den typischen Dekoren des 17. Jahrhunderts: Groteske Ornamente (MAF C 3; MAF C 16; MAF C 15) oder Ornamente im sogenannten «calligrafico»-Stil (MAF C 13; MAF C 14; MAF C 12). Dieses Ensemble von Objekten zeugt von einem Keramikliebhaber mit erlesenem Geschmack.

In den kurzen Presseberichten über die Ausstellung von 1918, die hauptsächlich aus Leihgaben von Forel bestand, wurden japanische und chinesische Keramiken erwähnt. Neben den weiter oben zitierten Vasen ist eine bemerkenswerte Schale von Arita vom Ende des 17. Jahrhunderts erwähnenswert (MAF C 604) oder chinesische Stücke, die zwar weniger selten, aber von deutlich höherer Qualität als das einfache chinesische Exportporzellan sind, insbesondere im Stil der «Famille verte» (MAF C 602; MAF C 601; MAF C 603) oder der «Famille rose» (MAF C 616; MAF C 619; MAF C 618; MAF C 620). Es ist gut möglich, dass Forels Interesse an Porzellan aus Asien durch seine Bewunderung für die Sammlung von Aloys Revilliod in Genf genährt wurde (Baudin 1998, 24).

Im Bereich der französischen Fayencen enthält der «alte Bestand» ebenfalls einige erlesene Beispiele wie dieses seltene Beispiel aus Niderviller, das aus einem Service für den Besitzer der Manufaktur, den Grafen von Custine, stammt (MAF C 304); eine Schale aus Moustiers mit einem Groteskendekor von höchster Qualität (MAF C 318); einen schönen Wandbrunnen aus Rouen (MAF C 305) und eine Wasserkanne mit einem seltenen und schön gestalteten Motiv (MAF C 308). Was das Porzellan aus Nyon betrifft, so ist vor allem ein relativ frühes Trinkservice mit einem Blumenkranzdekor in Zickzackform zu erwähnen – wahrscheinlich das einzige Ensemble, das jemals mit diesem Motiv hergestellt wurde (MAF C 517).

Die Herkunft dieser Objekte ist keineswegs geklärt, einige könnten von der Gesellschaft Vieux-Morges oder von der Vereinigung des Alexis-Forel-Museums, die ihr folgte, gekauft worden sein, es sei denn, sie stammen aus Schenkungen an dieselben Körperschaften. Wir wissen zum Beispiel, dass Professor Ernest Roguin aus Lausanne, ein Mitglied des Komitees des Vieux-Morges, 1939 dem Museum rund 100 Kunstgegenstände vermachte, darunter Möbel, Bilder, Stiche und Porzellan (Feuille d’avis de Lausanne vom 29. Juli 1939, S. 8). Das Inventar enthält leider keine Hinweise auf die Herkunft der Objekte.

Die Keramiksammlung wurde vor allem unter Jean Gagnebin zwischen 1961 und 1980 bereichert, wobei Schenkungen und Vermächtnisse etwa 60 Prozent und Ankäufe den Rest ausmachten. In der ersten Kategorie wurden 43 Objekte dank der Grosszügigkeit von Nelty de Beausobre (1887–1977) in die Sammlung aufgenommen, der letzten Vertreterin des Schweizer Zweigs einer Hugenottenfamilie, die seit 1577 in Morges ansässig war (Archives cantonales vaudoises, www.davel.vd.ch/partnerdetail.aspx?ID=1373). Nach ihrem Tod vermachte sie den Grossteil ihres Vermögens der Stadt für verschiedene soziale Zwecke, während das Museum das Mobiliar erbte, darunter eine bedeutende Sammlung von Lausanner Silberwaren, Fayencen und Porzellan.

1973 und 1975, einige Jahre vor ihrem Tod, hatte Nelty bereits Teile eines relativ späten Trinkservices aus Nyoner Porzellan gestiftet, ein Set, das in der Familie sicherlich Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet wurde (MAF C 526), sowie chinesisches Porzellan, darunter ein Service des Typs «Famille rose» (MAF C 669). Der Nachlass selbst enthielt ebenfalls einige chinesische Porzellane, eine Untertasse aus Nyon mit einem bislang unbekannten Rosenmuster und einem nicht identifizierten Wappen (MAF C 530), drei Teller und ein Brunnenbecken aus der Manufaktur Clérissy de Moustiers, schöne Beispiele für die frühe Produktion in Moustiers (MAF C 333; MAF C 334; MAF C 335; MAF C 336). Das Becken weist eine seltene Formvariante auf und trägt zwei in die Emaille eingravierte Besitzerzeichen: ein EB-Monogramm und zwei Sparren aus dem Wappen von Beausobre. Vermutlich befanden sich die meisten dieser Objekte wie dieses Becken seit Langem im Besitz der Familie.

Von den anderen Schenkungen sind vor allem drei Tassen und Untertassen aus «terre etrusque» von Dortu in Nyon zu erwähnen, die Pierre Cuénod 1970 dem Museum übergab (MAF C 451); eine wunderschöne und seltene Terrine aus Ludwigsburger Fayence mit einem Untersetzer, die im selben Jahr von Wendela Wyde gestiftet wurden (MAF C 322), und eine Tasse mit Untertasse aus Nyoner Porzellan mit dem Bildnis des Barons Robert Scipio de Lentulus. Beide Stücke wurden 1963 von Gagnebin selbst gestiftet (MAF C 501).

Im selben Zeitraum erwarb das Museum etwa fünfzig Keramiken, die höchstwahrscheinlich von Gagnebin selbst ausgewählt wurden. Es wird deutlich, dass der Kurator eine konsequente Ankaufspolitik verfolgte, die hauptsächlich darin bestand, die Kernstücke des Keramikbestands zu stärken. Er ergänzte die Gruppe der italienischen Objekte, indem er von Antiquitätenhändlern auf der Halbinsel drei klassische Beispiele von engobierter Irdenware mit Gravurdekor («ceramica sgraffita») aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts erwarb, eine Typologie, die im Museum noch nicht vertreten war und in Schweizer Museumsinstitutionen sehr selten ist (MAF C 8; MAF C 9; MAF C 22), sowie zwei Fayencen aus dem 17. Jahrhundert. Aus dem Register des Porzellans aus Nyon kaufte er etwa fünfzehn mit Bedacht ausgewählte Objekte: eine Salatschüssel und einen Teller mit Blumendekor aus der frühen Periode (MAF C 506; MAF C 505); ein seltenes Beispiel einer frühen Version einer zylindrischen Teekanne, die mit einem der wahrscheinlich frühesten Versuche eines «Mille-Fleurs»-Dekors verziert war (MAF C 519); eine Schale und Untertasse mit Dekor Typ «Marseille» (MAF C 518); eines von drei bekannten Beispielen einer Suppenschüssel mit «Holzdekor» (MAF C 531) oder einer von sechs bisher erfassten Tellern mit einem Dekor, das ein japanisches «Imari»-Motiv nachahmt, wahrscheinlich das schönste Beispiel unter den Nachbestellungen, die bei der Manufaktur in Nyon getätigt wurden (MAF C 511). Was das chinesische Porzellan betrifft, so war Gagnebin offensichtlich bestrebt, aussergewöhnliche Objekte zu sammeln, die vor allem mit Dekoren nach europäischen Vorbildern verziert waren, mit mythologischen oder allegorischen Themen (MAF C 680; MAF C 645; MAF C 675) oder auch mit Wappen oder Monogrammen der Auftraggeber (MAF C 662; MAF C 641; MAF C 637; MAF C 648; MAF C 636; MAF C 638).

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen:

La presse vaudoise, consultée sur Scriptorium, le site de la Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne.

Moudon, Musée du Vieux-Moudon (MVM)

Musée du Vieux-Moudon (MVM)
rue du Château 50
1510 Moudon

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2019

Die Vereinigung Vieux-Moudon wurde 1910 auf Anregung von Auguste Burnand (1857–1918) gegründet, einem ehemaligen Pfarrer, Übersetzer in der Bundesverwaltung, Beamten des Bundesarchivs und Mitarbeiter der Revue historique vaudoise (E. M. 1918). Die Gründung der Gesellschaft erfolgte einige Jahre nach den Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum des Beitritts des Kantons Waadt zur Eidgenossenschaft und stand im Zeichen eines neu erwachten Interesses an der waadtländischen Geschichte. Ziel war es, die historische Forschung zu fördern und die Bewahrung von Zeugen der regionalen Vergangenheit zu unterstützen.

Ab 1912 wurden im jährlichen Bulletin des Vereins historische Studien über die Stadt und ihre Umgebung veröffentlicht. Das zweite grosse Projekt, die Einrichtung eines Museums, liess länger auf sich warten. Das künftige Museum wurde über 30 Jahre lang vor allem von Aloys Cherpillod (1879–1950) getragen, der von 1921 bis 1933 Gemeindepräsident von Moudon war. Es sollte «eine Vielzahl von Gegenständen, die nach und nach verschwanden oder an Antiquitätenhändler ausserhalb Moudons verkauft wurden, in Moudon bewahren» (zitiert in Fontannaz 2010, 11). Die Gemeinde stellte notdürftig Räumlichkeiten zur Verfügung, zunächst im Collège secondaire de la Grenette, später im Dachgeschoss des Collège de l’Ochette. Im Jahr 1916 wurde der erste Konservator des Museums ernannt: Alphonse Meyer, ein gelernter Färber, der das Amt bis 1941 besetzen sollte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Museumsprojekt für längere Zeit auf Eis gelegt. Im Jahr 1927 übernahm Cherpillod den Vorsitz der Vereinigung unter der Bedingung, dass der Vorstand sich endlich dazu entschliessen würde, sein Museumsprojekt zu fördern. Er richtete einige Räume im Dachgeschoss der Ochette ein, was er grösstenteils aus eigener Tasche bezahlte. 1941 übernahm Cherpillod, der 1934 den Vorsitz abgegeben hatte, wieder das Amt des Konservators.

1947 teilte die Gemeinde der Vereinigung mit, dass sie das 1933 erworbene und 1945 zum historischen Monument erklärte Schloss Rochefort zur Verfügung stellen würde. Der Transfer der Sammlungen war 1949 abgeschlossen und das Museum öffnete 1950 seine Pforten. Zwischen 1981 und 2001 wurden umfangreiche Restaurierungs- und Umbauarbeiten durchgeführt.

Im Bereich der Keramik haben wir etwa 30 Objekte ausgewählt, ein sehr heterogenes Ensemble, das insbesondere moderne Gedenkobjekte im Zusammenhang mit lokalen Vereinen umfasst (MVM Nr. 1; MVM M 1936; MVM Nr. 2). In diesem Register ist ein wichtiges Referenzobjekt für die Geschichte der Waadtländer Keramik zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervorzuheben: das einzige bisher gefundene Stück, das mit der Produktion des Töpfers Samuel Jaccard aus Renens im Rahmen der Hundertjahrfeier von 1903 in Verbindung steht (MVM M 909).

Ebenfalls in der Kategorie der engobierten Irdenware fiel uns ein zweites Objekt auf, insbesondere weil es aus einer lokalen Töpferei stammen könnte: eine Käseglocke mit Schale, die auf 1860 datiert wird und offensichtlich für einen Schmied bestimmt war (MVM M 200).

Die Sammlung umfasst auch andere, weniger prätentiöse Keramiken, für die die Inventare des Museums eine lokale Herkunft vermuten lassen (MVM M 188B; MVM M 188A). Einige dieser Gebrauchskeramiken würden auch in unsere allgemeine Kategorie der «Engobierten Irdenware aus der Genferseeregion» (MVM M 203; MVM M 193; MVM M 195; MVM M 204) passen.

Übersetzung Stephanie Tremp

Bibliographie:

E.M. 1918
E. M., Auguste Burnand. Revue historique vaudoise 26/7, 219-220.

Fontannaz 2010
Monique Fontannaz, Historique de l’Association du Vieux-Moudon 1910-2010. Bulletin de l’Association du Vieux-Moudon 25, mai 2010, 7-47.