Archiv

Seftigen BE, Töpferei Gebrüder Schneider (1948-1961)

Seftigen, Hausmattweg 5, September 2023. Die Töpferei befand sich im Gebäudeanbau (Foto Heidi Meer, Seftigen)

Keramik von Hans Schneider in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2023

Hans Schneider (1923-2006) absolvierte  von 1941 bis 1943 eine Lehre in der Töpferei von Hans André in Heimberg. 1944 bis 1947 verbrachte er seine Gesellenzeit bei Fritz Haussmann in Uster (Info Angelo Steccanella). Im Herbst 1945 richtete er zusammen mit seiner Frau Susi auf dem Grundstück Hausmatt 5 in Seftigen eine Töpferei ein (Information seiner Enkelin Verena Peronino, Steffisburg, Nachruf Volker Ellwanger, Dezember 2009 ).

 

1950-1951 werden „Schneider, Gebr., Seftigen, Hausmatt“ erstmals im Ausstellungskatalog der Mustermesse in Basel (MUBA) gelistet.  Ein Eintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt fehlt für die Gebrüder Schneider. Hinter den „Gebr. Schneider“ verbergen sich Ernst und Hans Schneider. Ernst Schneider (1922-2010) absolvierte seine Töpferlehre in Gwatt bei Thun und arbeitete anschliessend in verschiedenen Töpfereien in der Schweiz. Von 1943 bis 1946 bildete er sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich bzw. Bern weiter (er erscheint allerdings nicht in der bernischen Schülerliste). Nach einer überstandenen Lungentuberkulose arbeitete er schliesslich in der Werkstatt seines Bruders Hans in Seftigen und später wohl auch in Steffisburg. Ab 1955 schuf er in seiner Wohnung in Thun auch Plastiken aus Ton und erhielt später auch Aufträge für Bronzefiguren (Nachruf).

Welche Produkte sich der Frühzeit in Seftigen zuordnen lassen ist unklar, jedoch führte Hans Schneider schon 1960 die auch später übliche Werkstattmarke, wie man einem Briefkopf entnehmen kann.

Kurth Dänzer an der Töpferscheibe (unbekannter Fotograf, Reproduktion Roland Dänzer)

In Seftigen bildete Hans Schneider auch Lehrlinge aus, unter anderem von 1952-1955 Kurth Dänzer (1935-2008), von dem zwei Bilder bei der Arbeit an der Töpferscheibe existieren.

Die von ihm für die Abschlussprüfung geschaffene Keramik hat sich erhalten.  Kurth Dänzer arbeitete anschliessend in der Kunstkeramik in Luzern als Dreher und von 1957 von 1959 noch einmal als Dreher bei Hans Schneider in Seftigen. Ein zweiter Lehrling war Hans Gillardi.

Mit Nutzen und Schaden auf den 1. Mai 1961 kaufte Hans Schneider-Kraft von Adolf Schweizer die ehemalige Manufaktur Wanzenried in Steffisburg, Glättemühleweg 25 (vgl. hierzu Frank 2000, 575). Hans Schneider modernisierte und renovierte den Betrieb sehr intensiv (Thuner Tagblatt 86, Nummer 275, 23. November 1962; auch GB Thun, Belege 6, No. 7226, vom 16. Oktober 1961). 1965 entfernte er die alte Tonaufbereitungsanlage, die für seinen Betrieb viel zu gross und unwirtschaftlich war (Frank 2000, 575, 578).

Umbau 1991: Thuner Tagblatt, Band 115, Nummer 38, 15. Februar 1991

Thuner Tagblatt 115, Nummer 77, 4.4.1991

1989-1992 folgte eine weitere intensive Umbaumassnahme im ehemaligen Gebäude der Majolikafabrik von Johannes Wanzenried (Thuner Tagblatt, Band 115, Nummer 38, 15. Februar 1991; Thuner Tagblatt 115, Nummer 77, 4.4.1991, vgl. Frank 2000, 575).

Hans Schneider produzierte noch 1996. Im April 1996 stellte er auf der Gewerbeausstellung Steffisburg seine Keramiken aus (Thuner Tagblatt, Band 120, Nummer 95, 24. April 1996). Seine Tochter Brigitte, verh. Peronino, stellte im Mai 1996 in Thun im Turmcafe eigene Werke aus (Thuner Tagblatt 31. Mai 1996).  Danach finden sich keine weiteren Informationen zur Keramikwerkstatt mehr in der Presse. Wann Hans Schneider seinen Betrieb vor 2006 definitiv einstellte, ist unklar.

Dank

Herzlichen Dank für die Unterstützung dieses Beitrages an Verena Peronino, Steffisburg, Andreas Kistler, Bäriswil, Heidi Meer, Seftigen und Roland Dänzer, Seftigen.

Bibliographie: 

Frank 2000
Georg Frank, „Dank dem Gewerbefleiss früherer Jahrhunderte“. Die Nutzung der Wasserkraft in der bernischen Gemeinde Steffisburg vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Thun 2000, bes. Kap. 4.16.

 

Solothurn, Hafnerdynastie Wysswald

Keramik der Hafnerdynastie Wysswald in CERAMICA CH

Roland Blaettler, 2019

Begründer der Solothurner Hafner-Dynastie Wysswald ist Johann (1655–1727), der in den archivalischen Quellen 1697 erstmals als Hafner erwähnt wird. Seine fünf Söhne erlernten alle das väterliche Handwerk. Von Urs Johann (1680–1753) und Johann Kaspar (1682–1742) wissen wir, dass sie mit Unterbrüchen zusammen arbeiteten, sich aber mehrmals zerstritten und schliesslich selbständige Betriebe führten. Urs Johann besass in der Vorstadt, bei Dreibeinskreuz, eine Brennhütte, die er 1719 erweitern liess. Johann Kaspar wohnte zunächst an der Schmiedengasse, bevor er 1729 in der Vorstadt beim Berntor ein Haus erwarb.

Die drei jüngeren Brüder, Johann Jakob (1695–1746), Wolfgang (1697-?) und Urs Joseph (1700–1763) wurden ebenfalls im Handwerk tätig. In der dritten Generation gab es drei Cousins, die Hafner waren: Dominik Wysswald (1709–1751), Johann Kaspars Sohn, Urs Victor (1725–1765), Johann Jakobs Sohn, und Joseph Pankraz (1739–1772), Urs Josephs Sohn.

Signierte Öfen oder Ofenkacheln sind lediglich von Urs Johann und Johann Kaspar bekannt. Während Letzterer Arbeiten von schwächerer Qualität hinterlassen hat, gehören die Werke Urs Johanns zu den prachtvollsten Beispielen schweizerischer Hafnerkunst aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zu nennen wären hier zum Beispiel die zwei 1723 datierten Turmöfen aus dem Schlössli Beitenwil (Rubigen BE), heute im Schloss Jegenstorf (Brennpunkt 2013, Nr. 4 und 5), und der 1741 datierte Prunkofen, angeblich aus dem Ambassadorenhof in Solothurn, heute im Rathaus (Hochstrasser 1995, Abb. 10–12).

Urs Johann Wysswald hat allem Anschein nach gelegentlich auch Fayencegeschirr hergestellt, wie es die vier aus altem Familienbesitz stammenden Platten im Museum Blumenstein bezeugen.

Drei von ihnen waren als Geschenke für Wysswalds Töchter bestimmt: Anna Katharina, die 1729 Franz Carl Derendinger, Weibel in Solothurn, geheiratet hatte (MBS 1962.13), Anna Maria (geb. 1707 – MBS 1962.12) und Anna Margaritha Franziska (1712–1747), die zur Seite des Vaters als Malerin tätig war (MBS 2005.49). Der Ofen im Rathaus wurde von ihr dekoriert, wie es eine Inschrift auf der Kuppel bestätigt. Von der Form her nähern sich die Platten deutschen Prototypen aus dem ausgehenden 17. und dem angehenden 18. Jahrhundert (Hanau, Frankfurt). Der springende Hirsch, die drei Tannen und die zwei Sterne im Spiegel von MBS 1962.12 und MBS 2005.49 sind Teile des Familienwappens Wysswald (Tatarinoff-Eggenschwiler 1939; Hochstrasser 1995).

Die Platte MBS 1962.14 unterscheidet sich leicht von den anderen, in der Form wie in der Dekorationsart.

Bibliographie

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950). Sulgen 2014, 74–75.

Brennpunkt  2013
Schloss Jegenstorf (Hrsg.), Im Brennpunkt – die Sammlung historischer Kachelöfen Schloss Jegenstorf. Jegenstorf 2013.

Hochstrasser 1995
Markus Hochstrasser, Die Wysswald-Hafnereien in Solothurn. Jurablätter. Monatszeitschrift für Heimat- und Volkskunde, 1995, 33–46.

Tatarinoff-Eggenschwiler 1939
Adele Tatarinoff-Eggenschwiler, Die Familie Wisswald von Solothurn. Solothurn 1939.

 

St. Antönien GR, Hafnerei Lötscher (1804-1898)

Lötscher-Keramik in CERAMICA CH

Keramik von Peter (1750-1818) oder Andreas Lötscher (1787-1852)

Keramik von Andreas Lötscher (1787-1852)

Keramik von Christian Lötscher (1821-1880)

Keramik von Peter Lötscher d.J. (1845-1894)

Keramik von Andreas Lötscher d.J. (1857-1933)

Andreas Heege, 2019

Von 1804 bis 1898 wurde in der auf 1300 m ü. M. gelegenen Walsersiedlung St. Antönien-Ascharina, im Norden des Kantons Graubünden, an der Grenze zum österreichischen Vorarlberg, Keramik hergestellt. Fünf Hafner der Familie Lötscher produzierten dort während vier Generationen Geschirrkeramik, Kachelöfen und Wasserleitungsröhren. Die Grundlage für den Betrieb bildete ein lokales Tonvorkommen. Obwohl die Lage der Töpferei, abgelegen in einem nur auf Saumpfaden erreichbaren Seitental des Prättigaus, nicht als optimal eingestuft werden kann, waren die Hafner Lötscher bis in die 1870er-Jahre wirtschaftlich erfolgreich. Ihre lokalen Produkte hatten wohl aufgrund der Transportkosten einen gewissen Vorteil gegenüber Importen aus der übrigen Deutschschweiz, Süddeutschland oder Italien. Erst mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Chur-Rheineck SG im Jahr 1858 und der Prättigauer Talstrasse um 1860 entstand die Möglichkeit für einen regelmässigeren Fracht- oder Postverkehr und einen besseren Warenverkehr, der die Konkurrenz zunehmend bevorteilte.

Die Familie Lötscher lässt sich in St. Antönien seit dem 17. Jahrhundert archivalisch nachweisen. Die beiden ersten Generationen lebten auf dem Hof «Mittlere Rhonegga». Lebensgrundlage war die Vieh- und Milchwirtschaft (Butter und halbfetter Käse) in dem von Lawinen immer wieder heimgesuchten Tal, dessen Wiesen jedoch als überaus starkwüchsig galten.

Peter Lötscher (1750–1818), aus der dritten nachweisbaren Generation, hatte sechs weitere Geschwister. Für ihn stand zu Beginn seines Lebens keineswegs fest, dass er der erste Hafner in St. Antönien werden würde. Zunächst ging er von etwa 1770 bis 1782 in niederländische Dienste. Mit dem «Regiment Zwitzers No. IV» unter Generalleutnant Johann Christian Friedrich Schmid von Malans, war er an verschiedenen Orten, u. a. in Maastricht und Ter Veere an der Nordsee, stationiert. Während der Winter war das Regiment jeweils auf Privatquartiere verteilt. Wir können nur vermuten, dass Peter seine handwerklichen Kenntnisse als Keramikmaler bzw. Hafner bei einer dieser Gelegenheiten erwarb. Eine Vielzahl von Rezepten für Glasuren und keramische Malfarben, die er in den Niederlanden kennengelernt haben dürfte, schrieb er später in sein Hausbuch. Peter erreichte den höchsten Unteroffiziersrang und kehrte als Wachtmeister gesund in seine Heimat zurück. Dort heiratete er mit Dorothea Luck eine Frau, die eine gute Erbschaft zu erwarten hatte. Die folgenden 20 Jahre widmete er der Übernahme des Hofs, der Erweiterung seines Landbesitzes sowie der Viehwirtschaft auf der «Mittleren Rhonegga».

Nach einer chronikalischen Quelle begründete Peter Lötscher erst 1804 auf seinem Hof eine Hafnerei. Vorher hatte er seinen Sohn Andreas an unbekanntem Ort in die Hafnerlehre geschickt. Schon zu Lebzeiten teilte er 1806 seinen Besitz unter seine beiden Söhne Andreas (1787–1852) und Hans (1788–1870) auf. Hans blieb Landwirt auf der «Mittleren Rhonegga». Andreas verlegte die Töpferei bis 1810 an einen unterhalb gelegenen, günstigeren Ort am Talweg. Bis zu Peters Tod 1818 arbeiteten Vater und Sohn in einer Werkstattgemeinschaft, in der der Vater offenbar eher Keramikmaler denn -dreher war. Für die Zeit von 1806 (ältestes datiertes Objekt) bis 1818 lassen sich die Dekorhandschriften von Vater und Sohn kaum auseinanderhalten. Peters dekoratives Schaffen («Unterglasur-Pinseldekor») wird aufgrund eines signierten Kachelofens von 1811 besonders deutlich. Als Vorlage für die Ofenbilder verwendete er ein französisches Modejournal der vorrevolutionären Zeit und pinselte selbstgereimte Gedichte dazu. Einen vergleichbaren Fall gibt es in der ganzen Deutschschweiz kein weiteres Mal. Erstaunlich eigenständig und kreativ waren Vater und Sohn auch, wenn es um die Gefässformen der Becher, Tassen, Weinkannen, Kaffeekannen, Töpfe, Wandbrunnen, Handwaschbecken und Teller ging. Besonders fantasievoll fielen die verschiedenen hausförmigen Schreibgeschirre und Taschenuhrständer aus. Bei den Schüsseln orientierten sich Vater und Sohn dagegen am Randformenspektrum des Bregenzerwalds. Neben Pinseldekor, u. a. vom Typ «Egg» (nach einer Töpferei im vorarlbergischen Egg-Jöhle), begegnen zeittypische Lauf- und Borstenzugdekore. Die Anzahl noch nachweisbarer Kachelöfen ist nicht sehr gross. Immerhin gibt es noch einen Ofen von der «Mittleren Rhonegga» von 1809, Reste eines Ofens für das Wohnhaus des Direktors des Davoser Silberbergwerks in Klosters (um 1805) und einzelne Kacheln eines Ofens aus Klosters-Selfranga. Die letzgenannten Öfen belegen, dass das Absatzgebiet der Töpferei seit Beginn offenbar das gesamte Prättigau mit seinen damals 7000 Einwohnern umfasste. Peter Lötscher war nicht nur ein an den politischen und kriegerischen Ereignissen seiner Zeit interessierter Mensch, sondern auch ein guter Beobachter des Klimas und der Natur. In seinem erhaltenen Hausbuch verzeichnete er unter anderem die katastrophalen klimatischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Jahres ohne Sommer 1816.

Zwischen 1818 und etwa 1843 führte Peters Sohn Andreas Lötscher die Hafnerei allein. In dieser Zeit entstanden weitere, charakteristisch mit dem Pinsel verzierte Kachelöfen. Die auf einem der Öfen gemalten Tiere belegen für das Prättigau erstmals die Existenz einer heute ausgestorbenen Gürtelschwein-Landrasse. Der älteste Ofen ist 1822 datiert und war bis vor Kurzem noch in Benutzung. Andreas setzte die Form- und Dekortraditionen seines Vaters quasi bruchlos fort. Als einzige keramiktechnische Neuerung ist auf die Übernahme dendritischer Dekore ab spätestens 1829 zu verweisen. Andreas bekam zusammen mit seiner Frau Barbara Hartmann vier Söhne und drei Töchter. Er wurde wie sein Vater Peter als «Geschworener» bezeichnet, war also offenbar auch Mitglied des lokalen Gerichts und zeitweise «Gemeindsvogt». Neben der Töpferei spielte die Viehwirtschaft immer eine bedeutende Rolle als wirtschaftliche Grundlage des Haushalts. Daneben betrieb Andreas auch die Herstellung von Kalk in seinem unterhalb des Hauses gelegenen Kalkbrennofen. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Kartoffelpest 1845–1847 musste er erleben, dass sein ältester Sohn Peter nach Amerika auswanderte. Ein weiterer Sohn und eine grössere Anzahl seiner Enkel folgten mit ihren Familien 1867, 1871 und 1889.

Sein zweitältester Sohn Christian (1821–1880) wurde in Horgen am Zürichsee zum Hafner ausgebildet. Ab 1843 übernahm dieser zielstrebig die Leitung der Werkstatt und signierte sehr selbstbewusst erste Kachelöfen. Sein Vater Andreas arbeitete weiterhin in der Werkstatt mit. Letzte Objekte können ihm aus dem Jahr 1847 zugeschrieben werden. Christian, der hervorragend drehen konnte, führte eine Reihe von Neuerungen in der Werkstatt ein. Er dekorierte mit dem Malhorn statt dem Pinsel und verzierte den grössten Teil seiner Ofenkacheln mit charakteristischem, grünem Schablonendekor. Ausserdem beherrschte er die Fayencetechnologie, die er ebenfalls überwiegend bei Kachelöfen einsetzte. Seine Kachelofenaufsätze waren teilweise sehr originell. In mindestens zwei Fällen lässt sich eine grosse Kuh nachweisen. Eine Reihe von Gefässformen wurde von Christian Lötscher ganz neu entwickelt. Hierzu gehören die grossen Rahmtöpfe mit zwei Knäufen. Eine spezielle Form von Doppelknauftöpfen mit Stülpdeckel verwendete man schliesslich im ganzen Prättigau für das Blaufärben von Textilfasern mithilfe von Urin und Indigo. Auch seine Tee- und Kaffeekannen sind sehr charakteristisch und teilweise ungewöhnlich gestaltet. Seine Keramiken verzierte er mit roter, schwarzer und weisser Grundengobe. Ab 1846 fertigte er, wohl aufgrund der massiven Konkurrenz aus Berneck SG, erstmals auch Schüsseln mit scharfkantigem Kragenrand, wie sie in der übrigen Deutschschweiz modern waren. Ab 1849 experimentierte er auch mit Dekoren mit Farbkörpern in der Grundengobe (einer Erfindung aus Langnau im Emmental BE), die er in der Spätzeit seiner Werkstatt auch für Kachelöfen verwendete.

Nach dem Tod des Vaters Andreas (1852) begann Christian zunächst mit dem Umbau und der Ausschmückung des Hafnerhauses. 1857 erbaute er neben dem Haus eine neue Werkstatt mit wassergetriebener Glasurmühle und Tonaufbereitung und nahm dort, einem allgemeinen Zeittrend folgend, die Produktion gepresster Wasserleitungsröhren auf. Die gekaufte Röhrenpresse ermöglichte ihm schliesslich auch die Herstellung gepresster Ofenkacheln, womit er, wie kein anderer Hafner in der Deutschschweiz, technologisches Neuland betrat. Christian setzte Kachelöfen im ganzen Prättigau zwischen Davos und Landquart. Verschiedene Öfen haben sich bis heute in Funktion erhalten. Einzelne Öfen und Keramiken schmückte er mit Szenen aus dem Älplerleben, die in ihrer Darstellung denen aus dem Kanton Appenzell bzw. dem Toggenburg sehr nahestehen. Vermutlich gehören in diese Zeit auch ungewöhnliche Zuckerdosen in Entenform, Briefbeschwerer mit Löwen und Ziegenböcken und Kinderspielzeug (Tierfiguren, Flötpfeifchen).

Christian wird als streng, christlich, sparsam, unermüdlich, pünktlich, genau, gewissenhaft, mit segensvoller, aber immer bescheidener Tätigkeit in öffentlichen Ämtern und als zuverlässiger Ratgeber und dienstfertiger Freund beschrieben: «Er erkannte Wahrheit und bekannte sie offen, unverhohlen und rücksichtslos». Vermutlich war es nicht immer leicht, mit ihm auszukommen. Es verwundert daher nicht, wenn wir Christian in seiner Lebenszeit in fast allen denkbaren öffentlichen Ämtern, ausser dem des Gemeindepräsidenten, finden. Er war als Hafner finanziell erfolgreich. Zugleich war er aktiver Landwirt, Kirchenvogt, Waldvogt, Gemeinderat, Vermittler am Gericht und ab 1851 Posthalter der Schweizerischen Bundespost für die Postablage Ascharina. Ausserdem war er einer der wenigen Zeitungsleser im Tal. Sooft er konnte, erweiterte er seinen Grundbesitz um Mähwiesen und Weiderechte.

Christian war mit Magdalena Buol aus einer angesehenen und begüterten Familie in St. Antönien-Ascharina verheiratet. Ein erhaltenes Familienbild aus der Zeit um 1870 zeigt ihn als Patriarchen zusammen mit seiner Frau und seinen zu diesem Zeitpunkt lebenden sieben Kindern, u. a. den Söhnen Peter und Andreas. Im April 1867 beschloss Christian Lötscher, sich vom Hafnerhandwerk zurückzuziehen und die Hafnerei an seinen seit 1864 in der Werkstatt mitarbeitenden Sohn Peter d. J. zu übergeben. Er selbst eröffnete in St. Antönien-Platz zusammen mit seiner Frau die Pension Lötscher, das heutige Hotel Rhätia.

Peter d. J. (1845–1894) gab sich in der Folge redlich Mühe, seinem Vater als Hafner, Röhren- und Kachelofenproduzenten nachzueifern. Jedoch besass er, betrachtet man seine Endprodukte, offenbar weder die fachliche Neigung, noch die dreherischen oder dekorativen Fähigkeiten und wohl auch nicht die wirtschaftlichen Ambitionen seines Vaters. Vermutlich genügte er in keinster Weise den väterlichen Ansprüchen und man ahnt einen wohl schon länger schwelenden Vater-Sohn-Konflikt. Peter, mittlerweile ebenfalls verheiratet, wich diesem Konflikt 1871 durch die Auswanderung in die USA aus. Die im Familienkreis verlesenen Briefe der ausgewanderten Onkel, Vettern und Cousinen aus dem «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» dürften einen mächtigen Zauber auf ihn ausgeübt haben. Zusammen mit einem Vetter gleichen Namens schiffte er sich nach New Orleans ein und liess sich mit seiner Familie in Conway in Arkansas nieder, wo er als Farmer und Winzer seinen Lebensunterhalt zunächst erfolgreich verdiente. Vor allem mit Geld aus seinem väterlichen Erbe kaufte er zwischen 1880 und 1883 etwa 80 Hektar Land. Im Zuge von Auseinandersetzungen um die strikte Durchsetzung der Prohibition in Conway wurde er 1894 auf seinem Hof Opfer eines Totschlags.

Mit der Auswanderung von Peter d. J. blieb Christian Lötscher ab 1871 zunächst nichts anderes übrig, als die Werkstatt erneut selbst zu übernehmen. Der jüngste Sohn Andreas (1857–1933) war zu diesem Zeitpunkt erst 14 Jahre alt. Christian produzierte zwischen 1872 und 1879 weiterhin erfolgreich Öfen und Röhren, während das Spektrum an Gebrauchsgeschirr stärker eingeschränkt war, als in seiner ersten Produktionsperiode. Erhalten haben sich vor allem Schüsseln, Tintengeschirre, Rahm- und Farbtöpfe sowie Zwiebeltöpfe. Daneben arrondierte er seinen Grundbesitz in St. Antönien durch zahlreiche weitere Liegenschaftskäufe.

Mit Christians Tod übernahm Andreas Lötscher d. J. als fünfter Hafner in St. Antönien die Werkstatt und produzierte nach eigener Aussage überwiegend Röhren. Von seiner Hand sind keine Kachelöfen bekannt und die wenige Geschirrkeramik ist ausschliesslich in das Jahr 1891 datiert. Sie verrät die Hand des ungeübten Drehers und Keramikdekorateurs. Der Bau der Rhätischen Eisenbahn 1889/90 reduzierte schliesslich die Transportkosten für ausserkantonale und ausländische Keramikgrossproduzenten in einem solchen Masse, dass Andreas Lötscher d. J. die Keramikproduktion nicht mehr wirtschaftlich aufrechterhalten konnte. Er stellte den Betrieb 1898 endgültig ein. Da er ebenfalls zahlreiche öffentliche Ämter bekleidete und mit Verena Luck eine wirtschaftlich gut gestellte Ehefrau gefunden hatte, konnte er seine Lebensgrundlagen in den folgenden Jahren erfolgreich auf die Viehwirtschaft umstellen. 1910 zerstörte ein Hochwasser Teile der Werkstattgebäude und der Maschinen. Andreas Lötscher verkaufte das Hafnerhaus in St Antönien-Ascharina 1920 und starb 1933 auf dem knapp oberhalb liegenden Heimwesen «Bärtsch», das seine Frau geerbt hatte.

Dass es 120 Jahre nach der Schliessung der Werkstatt in St. Antönien-Ascharina möglich war, eine so umfassende Familien- und Hafnereigeschichte zu schreiben, hat verschiedene Gründe. Zum einen sind es die glücklich erhaltenen schriftlichen Quellen, einerseits aus dem Hafnerhaus selbst und andererseits in Form des Hausbuchs von der «Mittleren Rhonegga». Ergänzt werden diese durch lokale Archivalien, die Grundbucheintragungen und akribische, genealogische Forschungen. Zum anderen ist es die doch erstaunlich grosse Zahl erhaltener Keramikobjekte, Röhren und Kachelöfen, die sich zumindest teilweise einzelnen Hafnern stilistisch zuweisen lassen. Besonders bedeutsam für die Überlieferung der keramischen Quellen war das frühe Interesse zweier Museumsdirektoren, nur wenige Jahre nach der Schliessung der Hafnerei. Ohne das besondere Engagement des ersten Kurators des Rätischen Museums Chur, Fritz Jecklin, und des Direktors des damaligen Schweizerischen Landesmuseums in Zürich, Hans Lehmann, gäbe es die beiden grossen und für die vorliegende Studie unverzichtbaren Grundlagensammlungen nicht. Unterstützt vom letzten Hafner Andreas Lötscher, dem Lehrer Valentin Flütsch-Egli und dem Churer Antiquitätenhändler Johann Jakob Hablützel, sicherten sie den wichtigsten Teil der materiellen Geschichte dieser für Graubünden so aussergewöhnlichen Hafnerei des 19. Jahrhunderts. Verschiedene Sammlerinnen und Sammler sowie Lokalmuseen (Klosters, Davos, Grüsch und St. Antönien) und das Museum der Kulturen in Basel schlossen sich diesen Bemühungen schliesslich im 20. Jahrhundert ebenfalls erfolgreich an.

Bibliographie

Heege 2019
Andreas Heege, Keramik aus St. Antönien. Die Geschichte der Hafnerei Lötscher und ihrer Produkte (1804-1898) (Archäologie Graubünden – Sonderheft 7), Glarus/Chur 2019.

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Sumiswald-Grünen BE, Friedrich Gerber (1881–1935), Töpferei

Andreas Heege, Andreas Kistler 2026

Stammbaum Gerber-Kohler-Aebi

Johann Friedrich Gerber (1881–1935) war der zweite Sohn des Hafners Adolf Gerber, Heimatort Langnau (1859–1919). Dieser gründete 1902 die Töpferei in Hasle, in der Tschamerie. Wo Johann Friedrich seine Lehre machte, ist nicht bekannt. Johann Friedrichs Bruder war der Hafner Adolf Gerber (1879-1951), der seit 1911 seine Werkstatt in Langnau hatte und dort zusammen mit dem Kunstgewerbelehrer Paul Wyss erfolgreich das „Alt-Langnauer-Geschirr“ neu entwickelte (Aeschlimann 1928, 18-19). Johann Friedrich Gerber war verheiratet mit Rosa Tschanz (1883-1966), die aufgrund ihres Familiennamens möglicherweise aus einer der Hafnerfamilien Heimbergs stammen dürfte (vgl. Buchs 1988; genealogisch aber noch nicht überprüft). Die Ehe blieb ohne Kinder.

Johann Friedrich Gerber arbeitete spätestens ab 1917 als selbständiger Töpfer in Grünen, Gemeinde Sumiswald, denn für die Jahre 1917 und 1922 lassen sich bei ihm drei Gesellen nachweisen. Genauere Informationen zur Lage und Geschichte der Werkstatt fehlen, jedoch gibt es erste Hinweise, dass sie auf dem Grundstück Bernstrasse 3 gelegen habe (Dank an Dieter Sigrist).

Produkte von Johann Friedrich Gerber sind weitgehend unbekannt. Bis heute konnten nur zwei Teller und ein Tabaktopf (alle Privatbesitz) dieser Werkstatt zugeordnet werden. Beide Teller tragen rückseitige Pinselmarken. Ein Teller aus dem Jahr 1932 ist beschriftet mit „F.G. Grünen“ und zeigt vorderseitig das Schloss Trachselwald, einen wichtigen bernischen Landvogteisitz.

Aufgrund dieser Signatur dürfte auch ein weiterer mit „Sumiswald F.G.“ beschrifteter Teller aus der Werkstatt von Friedrich Gerber stammen. Das Motiv des Tellers könnte auf einer Zeichnung des bernischen Gewerbelehrers Paul Wyss beruhen. Die Umschrift lautet „Si möge säge was sie wie u. spotte, s’isch mir einerlei, I’liebe notti hin u. her, mi liebe alte Bärner Bär“ (Alte bernische Volksmelodie D’r Bärner-Bär, Melodie von Oskar Friedrich Schmalz [Bruder des Keramikers C.A.Schmalz], Gedicht von Gottfried Strasser, 1854–1912; veröffentlicht „Bi üs im Bärnerland, Heft II).

Besonders hübsch ist ein kleiner, ebenfalls mit „FG“ und „Sumiswald“ signierter Tabaktopf.

In Privatbesitz fand sich 2021 ein weiterer Teller, der wohl aus dieser Werkstatt stammen dürfte. Er ist „Grünen“ signiert.

Direkt aus der alten Werkstatt konnten vor einigen Jahren eine Reihe von Tellern erworben werden, die sich heute in Privatbesitz befinden (mit herzlichem Dank für die Information an Werner Gut, Triengen).

 

Thayngen SH, Lenhard, Konrad, Hafnerei

Andreas Heege, Andreas Kistler, 2023

Konrad Lenhard-Zürcher (1837-1896), Sohn des Conrad Lenhard (Zimmermann?), wurde am 10.12.1837 in Thayngen getauft. Er erlernte an unbekanntem Ort den Beruf des Hafners. 1857 finden wir ihn als Gesellen bei Hafner Burkhard in Oppligen, 1858 arbeitete er bei Hafner Johann Gasser in Oberwichtrach und von September 1859 bis August 1861 in der Hafnerwerkstatt Grossglauser/Böppli in Oppligen (Fremdenkontrolle Bern). Irgendwann in dieser Zeit wird er die Keramikmalerin (Ausmacherin) Rosina Zürcher (getauft in Amsoldingen 24.Sept. 1837, gestorben im Juli 1898 in Thayngen) kennengelernt haben. Ihr Vater Johann Zürcher (1800-1868; Heimatort Trub) war Käser und mit Elisabeth Trachsel (1804-1870) verheiratet (Stammbaum Zürcher). Konrad und Rosina heirateten am 5. April 1861 in Bern in der Nideggkirche und waren zu diesem Zeitpunkt in Oppligen wohnhaft (Kirchenrödel Trub 26, 176). Vermutlich können wir davon ausgehen, dass auch Rosina in einer der dortigen Hafnerwerkstätten Arbeit hatte.

Offenbar kehrte das Paar relativ bald nach Thayngen zurück, denn 1865 finden wir Konrad Lenhard als Hafner im Adressbuch des Kantons Schaffhausen verzeichnet.

Kantonale Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Schaffhausen, Katalog der Aussteller, Schaffhausen 1880, 11, Nr. 7.

1880 findet er sich als Aussteller auf der Kantonalen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Schaffhausen, wo er ein schönes Geschirrspektrum ausstellt.

Diese Beteiligung brachte ihm zunächst eine sehr positive Besprechung im «Schaffhauser Intelligenzblatt» (3. August 1880) ein:  «Mit Recht dürfen wir auf die Erzeugnisse des Hrn. Lenhard aufmerksam machen. Wir finden hier die Nachbildung der rühmlich bekannten Heimbergerwaare, der man beginnt, grössere Aufmerksamkeit zu schenken, als dies bislang der Fall war. Wenn Hr. Lenhard nach bestimmten Modellen arbeitet, so wird er ein äusserst lohnendes Arbeitsfeld finden.» Offenbar ergaben sich jedoch auch verschiedene Anfeindungen, denn es wurde bezweifelt, dass er seine Ware selber hergestellt haben könne. Dagegen wehrte er sich am 8. und 10. August 1880 im Schaffhauser Intelligenzblatt: «Da von gewisser Seite Zweifel darüber geäussert und verbreitet werden, dass die von mir ausgestellten Arbeiten wirklich eigenes Fabrikat sind, so lade ich hiemit jeden Interessenten freundlich ein, sich in meiner Werkstatt selbst davon zu überzeugen. Thayngen, im August 1880. K. Lenhard, Hafner» (alle Zitate nach Schiendorfer 2017).

1880 datierte und signierte Fruchtschale von Konrad Lenhard in der Sammlung des Museums Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

Aufgrund erhaltener Originale im Museum Allerheiligen in Schaffhausen kann kein Zweifel bestehen, dass Konrad Lenhard, sicher mit Unterstützung seiner Frau als Keramikmalerin, Keramik im Stil der frühen Thuner Majolika mit Veilchenblüten fertigte (sog. „Pariser Geschirr“), wie es die Heimberger Hafner 1878 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt hatten.

Milchkännchen aus dem Museum Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

Erst 1889 hören wir unter dem Titel „Einheimisches Kunstgewerbe“ erneut von der Werkstatt (Schaffhauser Intelligenzblatt vom 20. August 1889): „Dieser Tage habe ich nun dem Meister bei passender Gelegenheit einen Besuch machen können und denselben sammt seiner kunstgeübten Frau und Gehülfin in der Werkstatt bei der Arbeit gesehen. Es ist der treffliche Hafnermeister Konrad Lenhard in Thayngen, dessen Töpfergeschirr wegen seiner Güte und Haltbarkeit schon länger in bestem Rufe steht. Weniger bekannt ist aber eben die Thatsache, dass derselbe auch sehr schöne und vorzüglich gebrannte Schauwaare, wie Vasen aller Art, Platten, zierliche Krüge, ganze bemalte und verzierte Kaffeeservice und dergleichen mehr zu fertigen versteht, deren Zeichnung und Bemalung von der Hand der Frau Lenhard, einer geborenen Heimbergerin, herrührt. … Kurzum, die Erzeugnisse der kunstfertigen Hände unseres Hafnermeisters und seiner Frau sind wohl werth, dass man einmal extra in Thayngen einen Besuch macht.“ Die Hafnerei stand laut  Andreas Schiendorfer in Thayngen an der Biberstrasse.

Kanne aus dem Museum Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

 Keramik von Konrad Lenhard ist im Museum Allerheiligen, Schaffhausen (u.a. Malhörnchen von Rosina Lenhard von 1895, Inv. H17499, ausserdem: Inv. H6186, H17102, H17500, H17502-17507, H17690, H17691, H19681, H20287, H22984, H52002, H53203, H53204, H53206-H53209, H53211), im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich (Inv. LM-50236, 50237) und im Reiatmuseum in Thayngen erhalten. Konrad und Rosina hatten einen Sohn Fritz, der ebenfalls Hafner war und die Hafnerei sicher noch 1915 betrieb (Moser 1979; Schiendorfer 1979, 8-9). Wann die Produktion genau eingestellt wurde, ist im Augenblick nicht bekannt.

Bibliographie:

Moser 1979
Kuno Moser, Jakob Spühler, der Töpfer von Wil/Buchenloo, in: Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 92, 1979, 9-11.

Schiendorfer 2017
Andreas Schiendorfer, Thaynger Keramik im Berner Oberländer Stil. THAYNGER Anzeiger, 14. NOVEMBER 2017.

Thun BE, Hafnerei Gebrüder Lanz

Keramik der Gebrüder Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei der Gebrüder Lanz an der Krankenhausstr. 24 in Thun ist nicht aufgearbeitet. Die Produktionszeit umfasst vermutlich die späten 1920er-Jahre.

Erster Hinweis Oberländer Tagblatt 4. September 1926.

Eintragung der Firma ins Handelsamtsblatt 30. Mai 1932 (SHAB 50, 1932, 1342).

Nach dem Tod von  Adolf Ernst Lanz Im Jahr 1975  wurde der Betrieb aufgelöst (SHAB 93, 1975, 2236, 5. August 1975).

Die Hafnerei Lanz in Thun-Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun, sind nicht dasselbe.

 

Thun BE, Musée céramique (Keramikgrosshandel)

Andreas Heege, Pierre-Yves Tribolet, 2026

Keramik des Musée céramique in CERAMICA CH

In Bearbeitung
Einleitung

Die Geschichte des „Musée céramique“ kann nicht ohne die Vorgeschichte der Weltausstellung in Paris 1878 erzählt werden.

Auf diplomatischen Druck aus Frankreich beschloss der Schweizerische Bundesrat eine Teilnahme an der Weltausstellung 1878 in Paris.

Zur Vorbereitung bereiste 1877 Eduard Guyer-Freuler (1839-1905), der Schweizerische Generalkommissar für die Weltausstellung, das Berner Oberland. Sein Augenmerk galt dabei der Holzschnitzerei und der Heimberger Töpferei, die – Zitat -: «seit zwei Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen» habe  (Protokoll des Grossen Rates des Kantons Bern, Beratung 1877 über den Kredit für die Weltausstellung). Mit Hilfe des Thuner Ziegeleibesitzers Oberst Karl Schrämli (1831-1899, zur Person siehe Artikel im HLS) gelang es, die drei innovativen Hafner Bendicht Küenzi, Christian Eyer und Johann Schenk-Trachsel zur Teilnahme zu bewegen.

Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Paris 1878.

Die Ausstellung wurde für die Töpfer zu einem grossen Erfolg. Die drei Hafner fuhren nicht persönlich nach Paris, sondern liessen sich dort von dem von dem Kaufmann Johann Heinrich Schoch-Läderach (21.3.1839-1.6.1911, Heimatort Utzwil-Henau SG) als Kommissionär vertreten. Dessen besonderer Verdienst war es laut Karl Huber (1906, 279), dass er die richtigen Verbindungen mit nachhaltiger Wirkung anzuknüpfen vermochte (TAT,  4.9.1878, Bd. 2, No. 209). Von Schoch-Läderach, der später die bedeutende Thuner Handelsfirma «Musée céramique» führte, hören wir hier zum ersten Mal. In den Quellen und Archivalien bleibt seine Person merkwürdig «farblos» und unbestimmt. Johann Heinrich Schoch wurde im Dezember 1872 die Niederlassungsbewilligung in St. Gallen als Kaufmann erteilt (Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 11. Dezember 1872). Wann und warum er nach Thun kam und wie er zum Kommissionär der Hafner wurde, ist unbekannt. Er heiratete am 10.2.1876 in St. Gallen Emilie Theresia Läderach (3.1.1855-1.11.1924, Heimatort Bolligen BE). Das Paar bekam zwei Töchter (Emilie Helene Leonora, 10.3.1878-25.4.1902, getauft in Münsingen, und  Sophie Amalie Helena, 31.3.1881-?, getauft in Thun).


Mit der Marke Schoch-Läderach (Vogel, P[oterie], SL) versehene Keramik. ab 1878 (SST-05185, SST-14631, SST-14178). Es ist nicht klar, wann diese Stücke genau gefertigt wurden und wie lange Schoch-Läderach diese Marke anbringen liess. Stücke die eindeutig 1878 in Paris gekauft wurden, besitzen heute nur das Victoria& Albert Museum in London (V&A Inv. 712-1878 bis 718-1878, 736-1878, 737-1878), das Nationalmuseum in Oslo (OK-00358 und OK-00359) und das Gewerbemuseum in Winterthur (Inv. 554, 576). Erstaunlicherweise gibt es keinen einzigen Vedutenteller von Schoch-Läderach (siehe unten Landesausstellung 1883) mit dieser Marke.

Im Ausstellungsraum des Kantons Bern im Schweizer Pavillon stellten die Hafner 333 Stücke aus ( TAT 4.9.1878, Bd. 2, No.  209: „Künzi hat ausgestellt 170 Stück, Schenk 88 und Eier 75“), die sich bis zu 140fach verkauften (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, Bd. 25, No. 103, 25. Dezember 1878). Schoch-Läderach bewegte die Hafner dazu, die Keramik mit seiner Marke zu versehen. Der deutsche Kunstkritiker Friedrich Pecht urteilte: «So sind die emaillierten Fayencen der Fabrik in Heimberg bei Thun eine charmante Specialität, die das Princip der Ornamentation indischer Shawls mit viel Glück auf diese Thongefäβe übertragen, Blumenformen dicht gedrängt aus einem dunklen Grund herausschimmern lassen» (Neue Zürcher Zeitung, 15 August 1878). Laut dem Besucherbuch von 1878 (heute im Bundesarchiv in Bern) besuchten nach Auskunft des General-Kommissars etwa 24.000 Personen den Schweizer Pavillon.

Urkunde zur Silbermedaille für die Bendicht Künzi (1822–9.3.1878), Oppligen bei der Rotachenbrücke. Diese konnte nur noch durch seine Witwe entgegengenommen werden, da Künzi schon vor Eröffnung der Ausstellung verstarb (SST-07168).

Bericht über die Ausstellungsmedaillen Paris 1878, NZZ 27.10.1878.

Die Heimberger Keramiker erhielten an der Weltausstellung eine Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Schoch-Läderach nutzte die Gunst der Stunde und eröffnete in Paris ein Ladengeschäft, wo er die Heimberger Ware auch nach Ende der Ausstellung unter seinem Namen weiterhin verkaufte. Vom 15.6. bis 2.11.1878 fanden sich Anzeigen für einen Salesroom in der Avenue de l’Opéra 17 im „American register for Paris and the continent, Bd. XI“.

Am 8. Dezember 1878 konnte man in Paris im Journal «L’Europe Artiste» nachlesen, dass Schoch-Läderach «…aujourd’hui son dépôt de l’Avenue de la Bourdonnaye, 43, en face la porte Rapp…» hatte. Das Blatt führte weiter aus: «Wir glauben die Ansicht aller Künstler und Kenner auszusprechen, wenn wir den bemerkenswerthen, in Paris vertretenen schweizerischen Töpferei-Produkten eine dauerhafte Beliebtheit versprechen, wozu ihr Werth und ihre künstlerischen Vorzüge sie in jeder Beziehung berechtigen.»

Der «Annuaire-almanach du commerce, de l’industrie, de la magistrature et de l’administration» aus den Jahren 1880 und 1881 verzeichnete Schoch Läderach schliesslich in Paris in der Rue des Petites-Ecuries 45 und gibt zusätzlich an: «médaille argent Paris 1878; Manufacture à Thoune, Majoliques Suisses et Faïences d’art,  Dépôt à Paris». Schoch-Läderach war also offenbar umgezogen. Spätere Standorte eines Ladens lassen sich für Paris nicht mehr nachweisen. Eine von Schoch-Läderach in seiner Werbeanzeige zur Landesausstellung 1883 und in seiner Standdekoration behauptete «Goldmedaille» für die Weltausstellung von 1878 ist erfunden.

Eine weitere Silbermedaille will Schoch-Läderach laut seiner Anzeige von 1883 auch in Brüssel erhalten haben, ohne dass für die Ausstellung ein Jahr angegeben wird. Möglicherweise handelt es sich um die «Exposition nationale de 1880 Bruxelles» oder eine damit verbundene Industrie-Ausstellung, mit der der belgische Staat seinen 50. Geburtstag feierte (Bericht im Zuger Volksblatt 20, No. 3, 10. Januar 1880). Eine Medaillenmeldung fand in der schweizerischen Presse offenbar nicht statt. Ein Eintrag im offiziellen Ausstellerkatalog fand sich nicht.

Schoch-Läderach stellte auch auf der Allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz- und der Local-Gewerbe-Ausstellung zu Frankfurt a.M. aus, die am 10. Mai 1881 eröffnet wurde und bis zum September dauerte. Dort erhielt er tatsächlich eine Silbermedaille, wie Der BUND am 28.9.1881 berichtete.

Am 23. Dezember 1880 (Intelligenzblatt der Stadt Bern) annoncierte Schoch-Läderach einmalig: «Schöne Festgeschenke! Schweizer-Majolika! von Schoch-Läderach in Thun. Dépôt: Bern Amthausgasse 70, 1. Stock». Auch diese Anzeige fand keine spätere Fortsetzung, sodass wir nicht wissen, ob Schoch-Läderach in Bern tatsächlich längerfristig ein Ladenlokal unterhielt oder seine Ware später vornehmlich über bernische Geschirrhändler absetzte.

Das Musée céramique unter  Johann Heinrich Schoch-Läderach 1882-1890

Aufgrund eines familiären Unglücksfalls erfahren wir, dass er spätestens im März 1882 in Thun im Haus neben der Plätzliterrasse wohnte. Seine vierjährige Tochter Emilie Helene Leonora fiel vom Balkon und erlitt einen Schädelbruch (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, Bd. 29, No. 25, 29.3.1882), den sie überlebte. Es dürfte sich um das heutige Gebäude Freienhofgasse 1 handeln.

Musée céramique in Thun, undatierte Aufnahme (Schweizerisches Nationalmuseum, SNM LM-75640-19).

Schoch-Läderachs eigentliches Verkaufsgeschäft lag jedoch auf der anderen Strassenseite der heutigen Oberen Hauptgasse und trug laut dem Fremdenführer von A. de Baroncelli, «Jura&Suisse, l’Oberland bernois» (Paris, undatiert, S. 126) die Bezeichnung «Musée céramique de majoliques de Thoune».

Musée céramique, Hofstettenstrasse 4 (Quelle: Thunensis.com)

Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde das Musée céramique in das heutige Gebäude Hofstettenstrasse 4 verlegt.

Schweizerisches Handelsamtsblatt SHAB 1, No64, 511, 30.3.1883.

Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883,  No. 1&2, Seite 6, vom  November 1882.

Wann Schoch-Läderach das Geschäft bezog und vor dem Jahr 1883 so taufte, ist unbekannt, denn bei der Geschäftsanmeldung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) vom 30. März 1883 wurde die Firma nur mit seinem Namen bezeichnet. Gleichzeitig wurde angegeben, dass er sein Geschäftslokal in Thun am Plätzli habe. Als Geschäftszweck wurde eingetragen: «Poterie artistique majolique».

Schoch-Läderach liess seine Fabrikmarke («Vogel über einem P [oterie] und daneben die ligierten Buchstaben SL») 1883 nicht im Schweizerischen Handelsregister eintragen. Sie findet sich, als einzige Quelle, in Schochs Werbeanzeige  in der Offiziellen Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883,  No. 1&2, Seite 6, vom  November 1882. Dort zeigt er auch die ihm angeblich verliehene Goldmedaille der Weltausstellung Paris 1878 und verweist auf die Silbermedaillen von Brüssel (?) und Frankfurt 1881.

Kuchenplatte mit Papieraufkleber, bald nach 1878. Privatbesitz Schweiz.

Es existieren wenige Keramiken, die die Fabrikmarke von Schoch-Läderach auch als Papieraufkleber tragen. Vermutlich erklärt dies zusammen mit den übrigen bekannten Aufklebern , warum wir aus der Frühphase des Musée céramique so wenig gemarkte Stücke und überhaupt keine gemarkten Vedutenteller kennen. Möglicherweise stellte er bald nach 1878 vollständig auf Papieretiketten um, da ihm dies ermöglichte problemlos Ware verschiedenster Hersteller für sein Musée céramique zu beziehen.

Aufkleber des Musée céramique unter Schoch-Läderach. Fotos Internet.

Offizieller Ausstellungskatalog zur Landesausstellung 1883.

Die nächsten, wichtigen Informationen zu Schoch-Läderach und seinem Musée céramique erhalten wir im Zusammenhang mit der Landesausstellung in Zürich, die am 1. Mai 1883 ihre Tore öffnete.

Keramik-Pavillon auf der Landesausstellung in Zürich 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich).

Dort stellte er im Keramik-Pavillon neben verschiedenen anderen Keramikproduzenten eine Kollektion Thuner und Heimberger Majolika aus: Samuel Born-Straub (Heimberger Majolika, Aussteller Nr. 1376), der Kollektivausstellung der Heimberger Hafner (Gewöhnliches Gebrauchsgeschirr, Aussteller Nr. 1383), der Fabrik von Johannes Wanzenried (Majolika, Vasen, Platten, Services, Intarsien für Möbel, Vertäfelungen, Zimmerdekoration, Kunst- und Gebrauchskeramik, Aussteller Nr. 1391), Richard Grüninger, Hafner, Berneck (Kollektion Töpferwaren, Austeller Nr. 1397), H. Hanhart, Winterthur (Decorierte Fayencen, Aussteller Nr. 1399), A. Krebser & Co., Heimberg (Platten, Vasen, Krüge, überhaupt Decorationsgegenstände in schöner antiker Facon, Aussteller Nr. 1405), Pflüger, frères, Lausanne, Fabrique à Nyon (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1417-1), Jules Michaud, Manufacture des poterie à Nyon (Poteries blanche, Aussteller Nr. 1417-2), Picolas & Degrange, Carouge (Echantillons des faïences fines, Aussteller Nr. 1418), Alexander Schwartz, Genf (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1429) und Ziegler’sche Thonwaarenfabrik Schaffhausen (Feuerfestes Kochgeschirr, Fayence, Steingut, Aussteller 1443).

Stand auf der Landesausstellung 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich). Im zentralen Blickpunkt des Standes die erstmals gezeigten Vedutenteller.

Vedutenteller, zentrale Ölmalerei, Tellskapelle am Vierwaldstättersee. Auf der Fahne das 1883 erstmals gemalte Edelweiss. Entgegen Messerli (1995) gibt es bislang keine Hinweise auf eine frühere Verwendung des Edelweiss auf Keramik.

Dass auf dieser Ausstellung erstmals Keramik mit dem später so bedeutenden Edelweiss (Leontopodium alpinum) gezeigt wurde, erwähnen die zahlreichen veröffentlichten Rundgänge durch die Ausstellung ebensowenig, wie die Tatsache, dass Schoch-Läderach auch zum ersten Mal Vedutenteller mit Ölmalerei im Zentrum präsentierte (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 141, 21. Mai 1883; La Suisse Liberté 20, No. 122, 26. Mai 1883; Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, No. 157, 5. Juli 1883; Courierde l’art 3, Num. 31, 2. August 1883; Hinkende Bote, 157, 1884, besonders Seite 55; Le National Suisse – Journal Neuchatelois 28, 1883, No. 181, 4. August 1883; so auch: Ziegler 1883, 5-6). Spätestens seit 1869 Elijah Walton’s „Flowers From The Upper Alps With Glimpses of Their Homes“ mit der Chromolithographie eines Edelweiss erschienen war, hatte diese Pflanze, stellvertretend für die übrigen Alpenpflanzen bei den vor allem englischen Touristen der Schweiz extrem an Beliebtheit gewonnen.

Edelweiss, Leontopodium alpinum, Fluhalp, Oberrothorn VS. Foto Andreas Heege. 

Das Edelweiss tauchte jedoch bereits 1860 in den romantischen Bergsteiger-, Förster- und Liebesgeschichten des deutschen Lyrikers Christian Hoeppl (1826-1862) auf, die auch in der Schweiz nachgedruckt wurden (Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 22, 1. Juni 1860). Es avancierte zur Bergsteiger und Romantik-Blume. Weitere deutsche und schweizerische „Volksschriftsteller“ folgten mit ihren Romanen und Lyrikbänden (siehe https://www.e-newspaperarchives.ch, Suche nach „Edelweiss“). Zusammen mit der Alpenrose wurde das Edelweiss Symbol für die schweizerischen Nationalfarben (Der Bund, Band 16, Nummer 99, 10. April 1865), Gedichtbände und Sonntagszeitungen erschienen unter dem Titel „Edelweiss“, Theaterstücke wurden aufgeführt („Almenrausch und Edelweiss“ – Häusliches Charackter-Gemälde aus dem Bayerischen Hochgebirge“), Hotels nach der Blume benannt.  Edelweiss sammelte man schliesslich hemmungslos und verkaufte die Blume auch getrocknet zu horrenden Preisen an Touristen. Ab 1871 finden sich dann die ersten Presseaufrufe zum Schutz der einheimischen Flora: „La destrucziun da nossa Flora engiadinaisa.“ (Fögl d’Engiadina, Band 14, Nummer 37, 9. September 1871), denen sich der Schweizerische Alpenklub (SAC) 1878 anschloss, nachdem bereits 1874 der Deutsch-Österreichische Alpenverein zum Schutz des Edelweiss aufgerufen hatte. Zur Popularisierung trugen die breit ausgestreuten Pressenachrichten von „Todesstürzen beim Edelweiss-Suchen“ nicht wenig bei. So verwundert es nicht, dass 1873 erste Werbungen für deutsche Porzellanmalereien von Alpenblumen zu Dekorationszwecken erschienen (Der Bund, Band 24, Nummer 18, 19. Januar 1873). Bereits 1875 verkauft die Fleuristin Witwe Stämpfli in Bern „künstliche Alpenrosen und Edelweiss“ (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1875). Und in den späten 1870er-Jahren beschlossen verschiedene Kantone und Gemeinden, das Ausreissen des Edelweiss unter Strafe zu stellen. So ist es denn wohl kein Wunder, dass die Blume nicht nur die neue schweizerische Banknotenserie von 1883 zierte sondern auf der Landesausstellung 1883, neben den St. Galler Spitzen und Stickereien bzw.  in Form von Brienzer Schnitzereien oder als Silber-Filigranschmuck und Göllerketten, schliesslich auch die Keramik eroberte.

Ausgelöst durch einen Korrespondentenbericht der Basler Nachrichten kam es rund um Schoch-Läderach zu einer „Presseschlacht“ (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 42, 26. Mai 1883). Dabei wurde ihm vorgeworfen, dass er reglementswidrig seinen Stand erst nach allen Konkurrenten bis zum 23. Mai abschliessend eingerichtet habe, dass die auf dem Stand plakativ präsentierten Medaillen möglicherweise gar nicht ihm verliehen worden seien, dass er nur Zwischenhändler und nicht Produzent sei und dass die auf seinem Stand 1883 erstmals gezeigten „flachen Teller mit farbenleuchtenden Landschaften“ (Vedutenteller) nicht unter die Gruppe Keramik, „speziell Majolika“ sondern weit eher zu den Ölgemälden gehören würden. Ausserdem wurde ihm vorgeworfen, er würde 75% des Gewinns aus dem Keramikverkauf für sich verbuchen.

Diese Vorwürfe waren denn doch wohl so schwerwiegend, dass sich Schoch-Läderach zu einer Gegendarstellung entschloss, die uns verschiedene wichtige Informationen liefert (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 44, 2. Juni 1883). Er gab vor, für jede der Medaillen die entsprechenden Original-Diplome vorweisen zu können (Kommentar: Was nicht stimmen kann, s.o.). Dass er als Zwischenhändler berechtigt sei an der Ausstellung teilzunehmen, begründete er mit der Tatsache, dass er seit 5 Jahren (also seit 1878) sechs Töpferwerkstätten mit 25 Arbeitskräften beschäftigen würde, die ausschliesslich für ihn und nach seinen Mustern arbeiten würden. Zu den weiteren Vorwürfen nahm er nicht Stellung. Die Redaktion merkte in Bezug auf die Medaillen noch an, dass Schoch-Läderach auf die Silber und Bronzemedaillen der Weltausstellung 1878 Anspruch erheben würde und die Goldmedaille nicht der Weltausstellung Paris 1878 sondern einer weiteren französischen Ausstellung in den Champs Elisées in Paris im Jahr 1879 zuzurechnen sei (Kommentar: hierfür haben sich bislang keine Quellen finden lassen).

Der Korrespondent der Basler Nachrichten nahm am 9. Juni ebenfalls Stellung (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 46) und verteidigte seinen Bericht, wobei er noch einmal drastisch mit dem Zwischenhandel ins Gericht ging und den Ausstellungsorganisatoren im Bereich der Gruppe 17-Keramik mangelndes Problembewusstsein und fehlendes Durchgreifen vorwarf. In einer Replik der Redaktion wurde noch einmal scharf gegen die Vedutenteller mit ihrer Ölmalerei geschossen, weil diese das Publikum in Bezug auf die malerische Qualität in die Irre führen würden und so die konkurrierenden Produzenten, die bei ihrem keramischen Handwerk und seinen Möglichkeiten blieben, schädigen würde. Die Redaktion forderte einen Ausschluss der Vedutenteller aus dem keramischen Pavillon.

Weitere Informationen zum Streit gibt es in der lokalen Presse nicht. Ein Ausstellungsrundgang vom 7. Juli 1883 (Thuner Wochenblatt 46, Num. 54) hebt die hervorragende Arbeit von Schoch-Läderach hervor und schreibt die Vorliebe des Publikums für Schoch-Läderachs Stand der Tatsache zu, dass dessen liebenswürdiger Vertreter E. Simsky täglich vor Ort sei und Auskunft geben könne. Ein Bericht der „Berner Post und Tagblatt der Stadt Bern“ vom 17. Juli 1883 würdigt die Keramikausstellung sehr umfassend und unterstreicht noch einmal kritisch die Überraschung unter der Keramik auch solche mit vermutlich wenig haltbarer Ölmalerei vorzufinden, die als „nichtkeramische“ Modeerscheinung längerfristig der Heimberger Keramikproduktion nachteilig werden könne.

Schoch-Läderach erhielt wohl wegen dieser Anfeindungen und einer eindeutigen Stellungnahme der Jury (Koch 1884) im Gegensatz zu Samuel Born-Straub, Johann Wanzenried, Heinrich Hanhart  und der Ziegler’schen Thonwaarenfabrik in Schaffhausen kein Ausstellungs-Diplom (Schweizerische Bauzeitung, Bd. II, Nr. 8, 1883, 49-50).

Vedutenplatte mit Ansicht des Uri-Rotstocks über dem Vierwaldstätter-See. Privatbesitz Schweiz.

Alexander Koch (1848-1911), Architekt und späthistoristischer Stilpluralist, der Berichterstatter zur Gruppe 17-Keramik urteilte (Koch 1884, 46-47, vgl. auch Messerli Bolliger 1991, 70): «Neben diesen im Prinzip verfehlten Versuchen, die Ölfarbeneffekte auf keramischem Wege herzustellen, waren Objekte ausgestellt, bei denen nur ein Theil mit ächtem Decor, der andere Theil dagegen vermittelst Bemalung mit wirklicher Ölfarbe kolorirt war. Hauptsächlich waren Teller vertreten, in deren Fond eine Schweizerlandschaft gemalt, der Rand aber mit ächter Malerei und Glasur versehen war, wenn nicht auch dieser hatte herhalten müssen, um die Nationaltrachten in Öl aufzunehmen. So lange die Jury amtete, wagte es zwar keiner der Fabrikanten, solch elendes Machwerk, in welchem die Keramik prostituirt wird, zum Vorschein zu bringen, im Verlauf jedoch erschien es auf mehreren Tischen. Den Sachverständigen gegenüber entschuldigten die betreffenden Aussteller diese Gegenstände, indem sie erklärten, dass nur Rücksichten auf die Forderungen des Verkaufs sie hätten bewegen können, ihren ächten Sachen derartigen Schund beizufügen. Ich glaube auch zur Ehre unserer keramischen Fabrikanten versichern zu können, dass die Idee dieser traurigen Dekorationsweise nicht von ihnen ausgegangen, sondern jedenfalls der emsigen Geschäftsdurstigkeit einer edlen Krämerseele zu verdanken ist.»

Gleichwohl kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Vedutenteller auch für die kommenden Jahrzehnte bei den finanzstarken Touristen ein voller Erfolg waren, dem sich längerfristig auch die Manufaktur Wanzenried und andere Heimberger Hafner nicht verschliessen konnten, wie die erhaltenen signierten Vedutenteller vor allem auch der Sammlung der Stiftung Schloss Thun zeigen.

Ein Zürcher Hotelier war offenbar so beeindruckt, dass er Ende 1883 den Speisesaal seines „Hotel Habis“ mit Tellern und Platten von Schoch-Läderach ausstatten lies (Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, Num. 298, 16. Dezember 1883).

Die Landesausstellung 1883 wurde zwischen dem 1. Mai und dem 30. September von 1.698.756 Personen besucht und war ein grosser Erfolg (Offizielle Ausstellungszeitung No. 38, 10.10.1883, S. 356).

Wohl französische „Majolika“-Platte mit dem Aufkleber von Schoch-Läderach, Fotos Internet.

Schoch-Läderach war ein Keramikhändler. Es erstaunt daher nicht, dass er auch andere Keramik als die in Heimberg hergestellte Thuner Majolika verkaufte und diese mit seinem Aufkleber versah.

Katalog Schoch-Läderach für Keramiken der Firma Wilhelm Schiller und Sohn, Bodenbach, Böhmen. Keramikbeispiele aus der Stiftung Schloss Thun (SST-13706, SST-13707) und aus der Privatsammlung Humbert in Paris.

Für die von ihm verkauften Produkte der «Siderolith»-Fabrik von Wilhelm Schiller und Sohn aus Böhmen lies Schoch-Läderach sogar einen eigenen Fotokatalog drucken. Der Katalog gibt keinen Hinweis auf WS & S als Hersteller. Der Katalog hat nur in Form von Fotokopien vorgelegen. Der Umschlag preist an: «Manufacture de poteries artistiques – Copies des formes découvertes aux ruines de Troie par le célèbre archeologue Dr. Schliemann – Décors égyptiens et mauresques». Die «trojanischen» Keramikformen (wohl am ehesten die Kannenformen; vgl. Schliemann 1874) befinden sich auf der ersten Katalogtafel, die mauresken Dekormotive auf der ersten und zweiten Tafel, die «ägyptischen» auf der dritten erhaltenen Tafel. Tafel 2 beinhaltet darüber hinaus eine mit einem Fisch verzierte Säule für einen grossen Neo-Renaissance-Blumentopf, die stark an ähnliche Arbeiten der südfranzösischen Kunstkeramikerdynastie Massier in Vallauris erinnert (Benadretti-Pellard 2009; Decker 2000; Forest/Lacquemant 2000).

Das wohl von Schoch-Läderach in Auftrag gegebene Titelblatt weckt die falsche Erwartung (Messerli 1995, 98 Anm. 14), dass man es hier mit Heimberg-Steffisburger Produkten aus der Zeit der Thuner Majolika zu hätte. Dem ist jedoch mitnichten so. Für eine grössere Anzahl der Gefässe lässt sich dagegen aufgrund von Objekten aus dem Kunsthandel der Nachweis erbringen, dass sie in der zwischen 1850 und etwa 1910 produzierenden böhmischen Fabrik von Wilhelm Schiller & Sohn in Obergrund bei Bodenbach auf dem Nordufer der Elbe, kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze (heute Horní Žleb Ortsteil der Stadt Děčín (Děčín XIV) gefertigt wurden (zur Fabrik Zühlsdorff 1994, 476 mit falschen Firmendaten; teilweise korrekte Daten zur Firmengeschichte: https://www.porcelainmarksandmore.com/
related/bohemia/obergrund-01/   basierend auf: Cilek/Němec 2004).

Ein inoffizieller Firmenbetrieb erfolgte in Obergrund ab etwa 1850 noch unter dem vorhergehenden Firmennamen Schiller&Gerbing. Am 1.3.1852 wurde an Wilhelm Leberecht Schiller (15.8.1798-26.11.1863) die einfache Fabrikbefugnis erteilt: „Fabrikmässige Erzeugung von Thonwaaren unter dem Namen Sydrolith“. Nach der Einführung der Gewerbefreiheit im Kaisertum Österreich im Jahr 1863 wurde die Firma Wilhelm Schiller & Sohn in das Firmenregister im Staatlichen Gebietsarchiv Litomerice Inv. 973 eingetragen: Ab dem 12.10.1863 lautete der Firmenname aufgrund eines Gesellschaftervertrages vom 4. März 1859, Wilhelm Schiller & Sohn. Am 5. Oktober 1868 wurde er in Wilhelm Schiller Sohn abgeändert, nachdem Wilhelm Leberecht Schiller bereits 1863 verstorben war. Der Sohn Gustav Eduard Schiller (9.1.1828-8.11.1876) führte jetzt die Firma alleine. Nach seinem Tod gelangte die Firma am 12.1.1877 im Erbgang an seine Zwillingsschwester Luisa Marie Schiller (9.1.1828 – ?) – die mit dem K. und K. Notar Friedrich Seidel aus Bensen (Benesov nad Ploucnici) verheiratet war – und ihren Sohn Friedrich Seidel jun. (3.10.1854-7.6.1909) sowie dessen Schwester Anna, verh. Böhm. Als Friedrich Seidel jun. starb, wurde die Firma am 21.12.1910 wegen „Ableben des Inhabers“ aus dem Firmenregister gelöscht. Aufgrund von Zeitungsberichten wissen wir, dass die Firma tatsächlich geschlossen und ihre Gipsmodel als Baustellenschotter verwendet wurden (Ich danke Petr Joza und Jan Němec, Staatliches Kreisarchiv Děčín, sehr herzlich für Auskünfte).

 

WS & S No. 836  im Vergleich mit Musée céramique Nr. 665. Fotos Internet bzw. Privatbesitz Schweiz.

Die im Katalog eingetragenen Nummern entsprechen den eingestempelten Nummern der bekannten Originale. Vermutlich ist die vollständig fremde Herkunft der Grund, warum Schoch-Läderach auf dem Titel keine seiner Medaillen erwähnt. Leider ist damit immer noch unklar, wann der Katalog entstand. Vor allem die mauresken oder orientalisierenden Dekore dieser Keramik blieben nicht ohne Einfluss auf die Thuner Majolika.

Johann Heinrich Schoch-Läderach verkaufte sein Geschäft im Februar 1890, vermutlich auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Erfolges, an Samuel Mack (Heimatort Vevey) in Thun (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Er zog sich als Privatier nach Sigriswil BE zurück, wo er am 1. Juni 1911 starb (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1911). Seine Frau Therese Emilie Läderach starb am 1. November 1924 in Bern (Berner Tagwacht, Band 32, Nummer 258, 4. November 1924).

Das Musée céramique unter Samuel Mack, 1890-1898

Samuel Mack (Heimatort Vevey, 1840-1912) über nahm das Musée céramique 1890 von Johann Heinrich Schoch-Läderach  (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Prokura vor Ort erhielt dessen Sohn Rodolphe Mack. Das Geschäftslokal befand sich in Hofstetten und als Geschäftszweck wurde angegeben «Poterie artistique majolique».  Im Mai 1891 erhielt auch Georges-Louis Arlaud von Genf, Samuels Schwiegersohn, Procura (SHAB 9, 1891, No. 12, 8. Mai 1891).

Samuel Mack (1840-1912) war ein Enkel des Deutschen Gottlieb Mack (1783-1848) aus Sontheim an der Brenz in Württemberg. Dieser hatte sich am 26. März 1819 in Vevey, Kanton Waadt, einbürgern lassen. Sein Sohn Amédée François Louis Mack („François“, 1811-1857) hatte mit Rose Faucherre (?-1889) neun Kinder, darunter sieben Söhne. Der Zweitgeborene war (Auguste Jean François) Samuel. François gründete 1834 ein Schreibwarengeschäft/Papeterie nebst Buchhandlung. Samuel bildete sich zur Erlernung der deutschen Sprache nach seiner Schulzeit in Heilbronn, heute Baden-Württemberg, fort. Nach dem Tod des Vaters übernahm Samuel am 1. Mai 1863 (Feuille d’avis d’Aigle, 10. Mai 1863) das Geschäft zusammen mit seiner Mutter und später mit seinem Bruder Edouard (1846-1919). Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Geschäft in der Rue du Lac, 17 in Vevey. Wenig später heiratete Samuel Mack  Fanny Thury (?-1877) von Morges VD. Am 2. Dezember wurde Jean Rodolphe Mack (1864-?), das erste Kind von Samuel Mack geboren. Das Geschäft wurde 1864 an die Adresse Rue du Lac, 7 und 9 verlagert und vergrössert, das Sortiment um Kinderspielzeug und vieles mehr  erweitert und im Mai 1865 als Magasin neu eröffnet. Ab 1868 wurden auch Früchte verkauft und ab 1870 Schönheits- und Körperpflegeprodukte.

Der Name „Grand Bazar F. Mack“  erscheint erstmals 1871. Etwa zur selben Zeit eröffnete Samuels Bruder Henri (1844-1919) 66, Rue d’Italie in Vevey einen „Bazar Suisse“, der etwa dieselben Waren führte wie Samuels Geschäft und 1872-1879 eine Filiale in Evian-les-Bains hatte. Beide wurden 1879 von Samuel übernommen.

Wenig später führte Samuel auch „Poteries suisses“.

In Vevey wurde der Kauf des „Musée céramique de Thoune“ durch Samuel Mack schon am 12. Dezember 1889 in einer Werbeanzeige in der Zeitung mitgeteilt. Gleichzeitig eröffnete er in der Rue d’Italie 54 ein „Magasin céramique“, das bis 1895 bestand.

Samuel Mack ging in der Folge sehr zielgerichtet vor. Im September 1890 liess er eine Firmenmarke des „Musée céramique“, selbstverständlich mit Edelweiss, entwerfen und im Handelsregister eintragen, was unter Schoch-Läderach vorher offenbar nicht geschehen war. Wir können also begründet vermuten, dass alle Keramiken mit dieser Marke erst unter Samuel Mack oder seinen Nachfolgern (bis 1907) entstanden sind, da diese keine Markenänderung vornahmen.

Am 20. November 1890 erfahren wir, dass ein kompletter Muster-Katalog zur Thuner Majolika existiert und an alle Interessenten abgegeben wird. Vermutlich handelt es sich dabei um den erhaltenen Katalogrest. Es handelt sich um einen Fotokatalog. Jedem Objekt war eine Bestellnummer zugeordnet. Die höchste bei Mack nachweisbare Nummer lautet 556. Die Nummern wurden auch unter seinem Nachfolger L. Hahn beibehalten bzw. fortgesetzt und von den für Mack arbeitenden Hafnern teilweise auf die Gefässböden aufgemalt oder eingeritzt.

Tasse mit Stielgriff und Untertasse, Katalog S. MAck „478“.

1894 stiftet Samuel Mack für das Bernische Kantonalschützenfest in Thun eine „Fayenceplatte mit der Ansicht von Thun“ im Wert von 37 Fr. (TAA,  30.5.1894).

Im selben Jahr gab es eine grosse Weihnachtsausstellung in Bern mit Neuheiten in Thuner Majolika (Der Bund, Band 45, Nummer 344, 12, 12.12.1894) sowie ebenfalls eine grosse Weihnachtsausstellung in Vevey (Werbeanzeige 4.12.1894).

In Vorbereitung der Schweizerischen Landesausstellung 1896 in Genf wurde S. Mack Mitglied des organisierenden  Gruppenkomitees „Gruppe 36: Keramik und Cementarbeiten“ (SHAB 12, No. 99, 20. April 1894; auch Der Bund 20./21. April 1894)

 

Maison, F. Mack, Interlaken, Ansichtkarte bald nach 1898, Foto Internet.

Am 1. Januar 1898, gleichzeitig mit dem Verkauf des Musée céramique an Ludwig Hahn, eröffnete Samuel Mack in Interlaken am Höheweg eine Zweigniederlassung, die ebenfalls von seinem Sohn Rodolphe geführt wurde. Als Geschäftszweck nennt das SHAB (27, 1898, S. 1085): Bazar, Reiseartikel und Papeterie. Rodolphe leitete die Zweigniederlassung mindestens bis August 1922 (SHAB No. 184, 1922, S. 1549).

Am 15. November 1901 eröffnete Samuel Mack auch eine Zweigniederlassung in Montreux, Kursaal 15. Ein Briefkopf von 1909 zeigt alle drei Geschäfte und gibt an, dass trotz des Verkaufs des Musée céramique immer noch auch Keramik verkauft wird. Samuel Mack starb am 5. Oktober 1912 im Alter von 73 Jahren, nachdem er bereits am 2. Februar 1912 das Geschäft an seine Sohn Rodolphe übergeben hatte (Necrolog Samuel Mack im Feuille d’avis de Vevey, 8. Oktober 1912). Der Grand Bazar von Vevey wurde 1933-1934 abgebrochen.

 

 

Das Musée céramique unter Ludwig Hahn, 1898-1905

Bereits im Januar 1898 kaufte Ludwig Hahn (Heimatort Elgg ZH), das «Musée céramique», dessen Zweck mit «Fabrikation und Handlung en gros und en detail in Kunsttöpferei» angegeben wurde (SHAB 16, No. 20, 19. Jan. 1898; Thuner Wochenblatt 61, No. 9, 29. Januar 1898).

Das Musée céramique unter Gottfried Beutter, 1905-1907

Bereits sieben Jahre später wurde das «Musée céramique» erneut verkauft. Diesmal an Gottfried Beutter (Heimatort Luzern), wohnhaft in Kehrsatz. Als Geschäftsadresse erscheint jetzt, bei gleichgebliebenem Geschäftszweck, die Hofstettenstrasse Nr. 13 in Thun (SHAB 23, No. 467, 25.11.1905; TAT 29, No. 286, 2. Dezember 1905). Über Gottfried Beutter wurde am 12. November 1907 der Konkurs eröffnet und die Firma am 28. Oktober 1907 aus dem Handelsregister gestrichen (SHAB 25, No. 270, S. 1873; Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 54, No. 83, 16. November 1907).

Das Musée céramique unter Emil Leopold Born bzw. Max Leopold

Es gibt ein Nachleben des Geschäftsnamens, denn unter dem 30. September 1911 wurde im Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Musée céramique de Thoune, E. Leopold-Born in Thun ist Emil Leopold, allieé Born, von und in Thun, Kunsttöpferei Lauitor (SHAB 29, No. 245, S. 1650, 30. September 1911). Am 7. Februar ging die Firma an die beiden Söhne Fritz Leopold und Max Leopold über (SHAB 32, No. 33, S. 222) und wurde am 11. Oktober 1920 wegen dem Tod von Emil Leopold-Born aus dem Handelsregister gelöscht (SHAB 38, No. 261, S. 1962).

Bibliographie:

Benadretti-Pellard 2009
Sandra Benadretti-Pellard, Les Massier – côté cour, côté jardin : Musée Magnelli, Musée de la Céramique de Vallauris du 4 juillet au 2 novembre 2009, Musée Magnelli (Vallauris) (Hrsg.) (Mailand 2009).

Cílek/Němec 2004
Vaclav Cílek/Jan Němec, Skryté poklady ústecké terakoty : o trpaslících v°ubec a jejich výrobě na Ústecku Memorabilia ustensis 6 (Ústí nad Labem 2004).

Decker 2000
Émile Decker, Majolique et faïence artistiques à a fin du XIXe siècle. In: Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000), 35-43.

Forest/Lacquemant 2000
Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000).

Huber 1906
Karl Huber, Thuner Majolika. Illustriertes Fremdenblatt von Thun und Umgebung, 1906, 258-259, 278-279, 294-296.

Koch 1884
Alexander Koch, Schweizerische Landesausstellung, Zürich 1883 : Bericht über Gruppe 17: Keramik (Zürich 1884).

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen. Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Messerli 1995
Barbara E. Messerli, Von der Exotik des Edelweiss, in: Eberhard Grunsky/Bendix Trier (Hrsg.), Zur Regionalität der Keramik des Mittelalters und der Neuzeit. Beiträge des 26. Internationalen Hafnerei-Symposiums, Soest 5.10.-9.10.1993 Denkmalpflege und Forschung in Westfalen 32 (Bonn 1995) 93-100.

Schliemann 1874
Heinrich Schliemann, Atlas trojanischer Alterthümer. Photographische Abbildungen zu dem Berichte über die Ausgrabungen in Troja (Leizpzig 1874).

Ziegler 1883
G. Ziegler, Briefe von der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich 1883. Auf Veranstaltung des Schweizerischen Gewerbevereins aus dem „Landboten und Tagblatt der Statdt Winterthur“ abgedruckt (Winterthur 1883).

Zühlsdorff 1994 Dieter Zühlsdorff, Keramik-Marken Lexikon. Porzellan- und Keramik Report 1885-1935 Europa (Festland) (Stuttgart 2 Auflage 1994).

 

 

 

Thun-Gwatt BE, Willy und Peter Lanz, Hafnerei

Keramik von Willy und Peter Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei in Gwatt ist nicht umfassend recherchiert. Die Hafnerei Lanz in Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun sind nicht dasselbe.

1938 Willy Lanz-Spühler (1895-1969), eröffnet eine Töpferei an der Spiezstrasse 41 in Gwatt (Thuner Tagblatt, 12.09.1988)

1964 Peter Lanz übernimmt die Töpferei seines Vaters Willy, der Betrieb beschäftigt 5 Personen (Thuner Tagblatt, 12.09.1988; SHAB 82, 1964, 1886)

1988 Peter Lanz arbeitet nur noch mit seiner Ehefrau Dora und seinem Sohn Theophil (Thuner Tagblatt, Band 112, Nummer 213, 12. September 1988).

2004 Theophil Niederhauser, ein Lehrling von Peter Lanz, übernimmt das Geschäft.

Thuner Majolika, Region Heimberg-Steffisburg BE (etwa 1870 bis 1914)

Im Spiegel Wappen mit Schweizerkreuz, darüber Datum 1307 (mythisches Gründungsdatum der Eidgenossenschaft nach Ägidius Tschudi, Chronicon Helveticum 1550), darunter Spruchband „Heil dir Helvetia!“ Auf dem Rand Wappen der Eidgenossenschaft. Rückseite Herstellermarke „Fabrique céramique Thoune E.F.“ (Keramikmaler Friedrich Ernst Frank, 1862-1920). Rätisches Museum Chur, Inv. H1972.1097.

Thuner Majolika in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die sog. «Thuner Majolika» ist, anders als ihr Name vermuten lässt, in der Realität eine polychrom glasierte Irdenware und keine Majolika, also keine Keramik mit einer einseitigen Blei-Zinn-Glasur und Inglasurmalerei.  Zahlreiche Fabriken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnen ihre oft mit historisierenden Renaissancedekoren polychrome bemalten, bleiglasierten Irdenwaren fälschlicherweise als «Majolika».

«Thuner Majolika» wurzelt  in der lokalen  Keramikproduktion der Region Heimberg-Steffisburg und ist ein Phänomen des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, d.h. des Historismus in allen seinen Ausprägungen.  Die Anfänge dieser Keramikgattung liegen in den 1870er-Jahren. Die Entwicklung erfolgte  nach der erfolgreichen Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1878 rasant und wurde vor allem auch durch die Gründung der Manufaktur Wanzenried in Steffisburg (im Jahr 1878) beflügelt.

Oscar Blom, der Direktor des Gewerbemuseums in Bern schrieb 1908:
„Bis in die Mitte der neunziger Jahre war [in Heimberg-Steffisburg] auch nicht daran zu denken, eine neue dekorative Ausstattung der Gefässe anzustreben. Die vom Karlsruher Künstler Keller-Leuzinger in den siebenziger Jahren eingeführten Geschirrformen und deren Verzierungsweisen, wie man sie heute noch unter dem Ausruck – Pariser Waren – kennt, waren derart in Übung und so auf dem Markt begehrt, dass es vermessen gewesen wäre, Neuerungen vorzuschlagen. In der Architektur und im Kunstgewerbe wurde in damaliger Zeit nur die Wiederholung vergangener und orientalischer Stilrichtungen geübt. Eine eigene Sprache kannte die angewandte Kunst noch nicht. Auch Keller-Leuzinger, der sich übrigens grosse Verdienste um die Hebung der Heimberger-Industrie erworben hat, verwendete in seiner Ornamentik lediglich indisch-persische Formen; nur setzte er an Stelle der indischen Pflanzenwelt die Alpenrose und das Edelweiss, womit er ganz neue Effekte und für viele Jahre einen gesteigerten Absatz für die Majoliken zu erzielen wusste. Die Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 brachte dann den Umschwung in der dekorativen Ausgestaltung der kunstgewerblichen Erzeugnisse und einen Wandel im Geschmack. Neue Ansprüche: Zweckdienlich, materialecht, solid und einfach im Ausdruck sollten die Objekte sein“. Diesen Anspruch erfüllte die Thuner Majolika nicht mehr. In der Folge ging der Absatz zurück und zahlreiche Hafnereien, die auch Thuner Majolika hergestellt hatten, schlossen für immer. Blom gibt an, dass zwischen 1887 und 1907 die Zahl der Betriebe von 74 auf 47 zurückgegangen sei.  So hatte sich der Historismus-Stil der Thuner Majolika bereits deutlich vor dem ersten Weltkrieg überlebt.

Als Abschluss kann man den Verkauf der Manufaktur Wanzenried im Jahr 1918 an Emil Loder und Adolf Schweizer betrachten. Hinzu kommt der Tod des wichtigsten Keramikers der Manufaktur, Friedrich Ernst Frank, der im Jahr 1920 starb.  Dekorative Elemente und Motive der Thuner Majolika wurden in den Folgejahren jedoch in zahlreichen handwerklich arbeitenden Betrieben der Region Heimberg-Steffisburg bzw. in Luzern (Emil Loder,  KeraLuz) weiter tradiert. Hierzu gehört vor allem das „Chrutmuster“, das auch als Muster „Alt-Thun“ bezeichnet wird. Keramik in der „Art der Thuner Majolika“ wurde in unterschiedlichen Qualitätsabstufungen auch an anderen Orten, z.B. in Berneck  SG, Thayngen SH (Töpferei Fritz Lenhard) und Wil-Buchenloo  ZH (Töpferei Jakob Spühler), produziert.

Bibliographie:

Blom 1908
Oscar Blom, Die Förderung der Majolika-Industrie in Heimberg-Steffisburg-Thun durch das kantonale Gewerbe-Museum in Bern, in: Jahresbericht pro 1907 des kantonalen Gewerbemuseums Bern, 1908, 1-9.

Buchs 1980
Hermann Buchs, Die Thuner Majolika des Johannes Wanzenried und des Zeichners Friedrich Ernst Frank, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloss Thun, 1980, 5-43.

Buchs 1988
Hermann Buchs, Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017, 489-501.

Schnyder 1979
Rudolf Schnyder, Jakob Spühler, der Töpfer von Wil/Buchenloo, in: Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 92, 1979, 9-11.

Uster ZH, Haussmann, Fritz und Helene (Atelier Alsiko)

Keramik von Fritz und Helene Haussmann in CERAMICA CH

Roland Blaettler, Andreas Heege 2021

Fritz Haussmann (1900–1968) und seine aus Basel stammende Frau Helene, geborene Frey (1905–1989), gründeten 1928 das Atelier Alsiko in Niederuster, Kanton Zürich. Beide hatten ihr Handwerk in Deutschland erlernt. Das Unternehmen lautete zunächst auf den Namen von Fritz Haussmann (Schweizerisches Handelsamtsblatt [SHAB], Bd. 46, 1928, S. 2351). Am 16. Februar 1929 wurde eine erste Marke in Form eines Dachsparrens mit gebogenen Schenkeln eingetragen (SHAB, Bd. 47, 1929, S. 516). Die Marke mit diesem Symbol wurde während der gesamten Tätigkeit des Ateliers verwendet, später kam der Zusatz «Haussmann Uster» hinzu (MHL AA.MI.1835 und 1838).

Im darauffolgenden Jahr entschied sich das Paar für die Gütertrennung (SHAB, Bd. 48, 1930, 2634).

1933 wurde durch den Architekten Max Ernst Haefeli BSA in Uster ein moderner Werkstattneubau, nebst Verkaufsladen und Wohnung erstellt (umfassender Bericht zum Neubau und zur Töpferei (Das Werk 22, 1935, Heft 12, 397-406).

Das Ehepaar Haussmann leistete mit der Produktion schlichter, rationaler Formen einen bemerkenswerten Beitrag zur Modernisierung der in der Schweiz hergestellten Gebrauchskeramik. In der Arbeitsweise der beiden überwachte Helene die Dekore, verarbeitete Glasuren und Emails. Ihre Ausbildung im Westen Deutschlands an der Keramikschule in Höhr-Grenzhausen, im Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, war prägend für ihre Tätigkeit.

Die grossen Haushaltswarengeschäfte, in diesem Fall Steiger in Bern und Kiefer in Zürich, waren von grosser Bedeutung für den Verkauf der Produktion (NZZ, 1935).

Renommierte Dekorateurinnen wie Berta Tappolet (1897-1947)Luise Strasser (1894-1974)Cornelia Forster (1906-1990) oder Martha Amata Good (1896-1950) fertigten ihre keramischen Kreationen in der Werkstatt in Uster mit der technischen Unterstützung der Haussmanns an. Diese schlossen sich 1937 mit dieser Gruppe von Künstlerinnen zusammen und gründeten im „Cornelius“ Oberdorfstrasse 3  in Zürich einen Verkaufsladen,  der zum wichtigen Ort für die Vermarktung ihrer Produkte wurde.

Keramiksouvenirs von Berta Tappolet/Fritz Uster waren auf der Schweizerischen Landesausstellung 1939, l’Exposition nationale suisse de 1939, in Zürich zu bewundern.

 

Signierte Figurinen von Fritz Haussmann, Uster. Oben: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 23,0 cm; Mitte: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 18,0 cm; unten: Statuette, die eine Mutter mit ihrem Kind darstellt, Höhe: 12,0 cm (Fotos von Angello Steccanella)

Ab den 1940er-Jahren galt Fritz Haussmann auch als einer der landesweiten Pioniere der neuen künstlerischen Keramik. Bei seiner Arbeit bevorzugte er künftig das Medium Steinzeug und Hochtemperaturglasuren (Das Werk/L’Œuvre 31, 1944, Abb. S. 359). 1945 beschäftigte das Unternehmen rund 15 Personen, darunter Ernst Fehr, den späteren Lehrer an der Keramikschule in Bern (Fehr 2003, S. 8–10).

1946 wurde der Firmenname «Fritz Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik» gelöscht, wobei die Aktiven und Passiven von der neuen Firma seiner Frau mit Namen «Helene Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik» übernommen wurden (SHAB, Bd. 64, 1946, S. 235). Der Grund dafür war die gerichtliche Ausweisung von Fritz Haussmann (10. Oktober 1945 bis 1957, 1962 widerrufen). Seit 1937 stand Fritz Haussmann der NSDAP (Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei) nahe, einer antiliberalen, antisemitischen und gegen den Bolschewismus gerichteten politischen Partei. Seit 1939 war er Mitglied der Partei (Fehr 2003, S. 8–10; Schulthess 2017). Helene Haussmann und zwei ihrer Kinder durften in der Schweiz bleiben. Das Unternehmen wurde unter ihrer Leitung weitergeführt, unterstützt von Töpfermeister Biedermann und anderen Führungskräften.

Der Firmenname wurde 1978 endgültig gelöscht (SHAB, Bd. 96, 1978, 2238).

Übersetzung Stephanie Tremp

Objekte von Fritz und Helene Haussmann finden sich im Archiv des Museums für Gestaltung, Zürich Museum für Gestaltung – Musée du design, Zurich

Archiv Zürcher Hochschule für Künste: Archives de la Haute école des arts de Zurich

Einige Keramiken werden im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich verwahrt  Musée national suisse à Zurich.

Bibliographie :

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Peter Schulthess 2017
Peter Schulthess, Keramische Werkstätte, Helen und Fritz Haussmann, 1928 bis 1968, in: Heimatspiegel, Illustrierte Beilage im Verlag von „Zürcher Oberländer“, August 2017, 58-63.