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Thun BE, Hafnerei Gebrüder Lanz

Keramik der Gebrüder Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei der Gebrüder Lanz an der Krankenhausstr. 24 in Thun ist nicht aufgearbeitet. Die Produktionszeit umfasst vermutlich die späten 1920er-Jahre.

Erster Hinweis Oberländer Tagblatt 4. September 1926.

Eintragung der Firma ins Handelsamtsblatt 30. Mai 1932 (SHAB 50, 1932, 1342).

Nach dem Tod von  Adolf Ernst Lanz Im Jahr 1975  wurde der Betrieb aufgelöst (SHAB 93, 1975, 2236, 5. August 1975).

Die Hafnerei Lanz in Thun-Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun, sind nicht dasselbe.

 

Thun-Gwatt BE, Willy und Peter Lanz, Hafnerei

Keramik von Willy und Peter Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei in Gwatt ist nicht umfassend recherchiert. Alle bisherigen Informationen basieren auf Antik und Rar. Die Hafnerei Lanz in Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun sind nicht dasselbe.

1938 Willy Lanz, eröffnet Töpferei an der Spiezstrasse 41 in Gwatt (Thuner Tagblatt, 12.09.1988)

1964 Peter Lanz übernimmt die Töpferei seines Vaters Willy, der Betrieb beschäftigt 5 Personen (Thuner Tagblatt, 12.09.1988)

1981 Eintrag der Firma in Spiez

1988 Peter Lanz arbeitet nur noch mit seiner Ehefrau Dora und seinem Sohn Theophil

2004 Theophil Niederhauser übernimmt das Geschäft.

Thuner Majolika, Region Heimberg-Steffisburg BE (etwa 1870 bis 1914)

Im Spiegel Wappen mit Schweizerkreuz, darüber Datum 1307 (mythisches Gründungsdatum der Eidgenossenschaft nach Ägidius Tschudi, Chronicon Helveticum 1550), darunter Spruchband „Heil dir Helvetia!“ Auf dem Rand Wappen der Eidgenossenschaft. Rückseite Herstellermarke „Fabrique céramique Thoune E.F.“ (Keramikmaler Friedrich Ernst Frank, 1862-1920). Rätisches Museum Chur, Inv. H1972.1097.

Thuner Majolika in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die sog. «Thuner Majolika» ist, anders als ihr Name vermuten lässt, in der Realität eine polychrom glasierte Irdenware und keine Majolika, also keine Keramik mit einer einseitigen Blei-Zinn-Glasur und Inglasurmalerei.  Zahlreiche Fabriken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnen ihre oft mit historisierenden Renaissancedekoren polychrome bemalten, bleiglasierten Irdenwaren fälschlicherweise als «Majolika».

«Thuner Majolika» wurzelt  in der lokalen  Keramikproduktion der Region Heimberg-Steffisburg und ist ein Phänomen des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, d.h. des Historismus in allen seinen Ausprägungen.  Die Anfänge dieser Keramikgattung liegen in den 1870er-Jahren. Die Entwicklung erfolgte  nach der erfolgreichen Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1878 rasant und wurde vor allem auch durch die Gründung der Manufaktur Wanzenried in Steffisburg (im Jahr 1878) beflügelt.

Oscar Blom, der Direktor des Gewerbemuseums in Bern schrieb 1908:
„Bis in die Mitte der neunziger Jahre war [in Heimberg-Steffisburg] auch nicht daran zu denken, eine neue dekorative Ausstattung der Gefässe anzustreben. Die vom Karlsruher Künstler Keller-Leuzinger in den siebenziger Jahren eingeführten Geschirrformen und deren Verzierungsweisen, wie man sie heute noch unter dem Ausruck – Pariser Waren – kennt, waren derart in Übung und so auf dem Markt begehrt, dass es vermessen gewesen wäre, Neuerungen vorzuschlagen. In der Architektur und im Kunstgewerbe wurde in damaliger Zeit nur die Wiederholung vergangener und orientalischer Stilrichtungen geübt. Eine eigene Sprache kannte die angewandte Kunst noch nicht. Auch Keller-Leuzinger, der sich übrigens grosse Verdienste um die Hebung der Heimberger-Industrie erworben hat, verwendete in seiner Ornamentik lediglich indisch-persische Formen; nur setzte er an Stelle der indischen Pflanzenwelt die Alpenrose und das Edelweiss, womit er ganz neue Effekte und für viele Jahre einen gesteigerten Absatz für die Majoliken zu erzielen wusste. Die Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 brachte dann den Umschwung in der dekorativen Ausgestaltung der kunstgewerblichen Erzeugnisse und einen Wandel im Geschmack. Neue Ansprüche: Zweckdienlich, materialecht, solid und einfach im Ausdruck sollten die Objekte sein“. Diesen Anspruch erfüllte die Thuner Majolika nicht mehr. In der Folge ging der Absatz zurück und zahlreiche Hafnereien, die auch Thuner Majolika hergestellt hatten, schlossen für immer. Blom gibt an, dass zwischen 1887 und 1907 die Zahl der Betriebe von 74 auf 47 zurückgegangen sei.  So hatte sich der Historismus-Stil der Thuner Majolika bereits deutlich vor dem ersten Weltkrieg überlebt.

Als Abschluss kann man den Verkauf der Manufaktur Wanzenried im Jahr 1918 an Emil Loder und Adolf Schweizer betrachten. Hinzu kommt der Tod des wichtigsten Keramikers der Manufaktur, Friedrich Ernst Frank, der im Jahr 1920 starb.  Dekorative Elemente und Motive der Thuner Majolika wurden in den Folgejahren jedoch in zahlreichen handwerklich arbeitenden Betrieben der Region Heimberg-Steffisburg bzw. in Luzern (Emil Loder,  KeraLuz) weiter tradiert. Hierzu gehört vor allem das „Chrutmuster“, das auch als Muster „Alt-Thun“ bezeichnet wird. Keramik in der „Art der Thuner Majolika“ wurde in unterschiedlichen Qualitätsabstufungen auch an anderen Orten, z.B. in Berneck  SG, Thayngen SH (Töpferei Fritz Lenhard) und Wil-Buchenloo  ZH (Töpferei Jakob Spühler), produziert.

Bibliographie:

Blom 1908
Oscar Blom, Die Förderung der Majolika-Industrie in Heimberg-Steffisburg-Thun durch das kantonale Gewerbe-Museum in Bern, in: Jahresbericht pro 1907 des kantonalen Gewerbemuseums Bern, 1908, 1-9.

Buchs 1980
Hermann Buchs, Die Thuner Majolika des Johannes Wanzenried und des Zeichners Friedrich Ernst Frank, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloss Thun, 1980, 5-43.

Buchs 1988
Hermann Buchs, Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017, 489-501.

Schnyder 1979
Rudolf Schnyder, Jakob Spühler, der Töpfer von Wil/Buchenloo, in: Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 92, 1979, 9-11.

Uster ZH, Haussmann, Fritz und Helene (Atelier Alsiko)

Keramik von Fritz und Helen Haussmann in CERAMICA CH

Roland Blaettler, Andreas Heege 2021

Fritz Haussmann (1900–1968) und seine aus Basel stammende Frau Helene, geborene Frey (1905–1989), gründeten 1928 das Atelier Alsiko in Niederuster, Kanton Zürich. Beide hatten ihr Handwerk in Deutschland erlernt. Das Unternehmen lautete zunächst auf den Namen von Fritz Haussmann (Schweizerisches Handelsamtsblatt [SHAB], Bd. 46, 1928, S. 2351). Am 16. Februar 1929 wurde eine erste Marke in Form eines Dachsparrens mit gebogenen Schenkeln eingetragen (SHAB, Bd. 47, 1929, S. 516). Die Marke mit diesem Symbol wurde während der gesamten Tätigkeit des Ateliers verwendet, später kam der Zusatz «Haussmann Uster» hinzu (MHL AA.MI.1835 und 1838).

Im darauffolgenden Jahr entschied sich das Paar für die Gütertrennung (SHAB, Bd. 48, 1930, 2634).

1933 wurde durch den Architekten Max Ernst Haefeli BSA in Uster ein moderner Werkstattneubau, nebst Verkaufsladen und Wohnung erstellt (umfassender Bericht zum Neubau und zur Töpferei (Das Werk 22, 1935, Heft 12, 397-406).

Das Ehepaar Haussmann leistete mit der Produktion schlichter, rationaler Formen einen bemerkenswerten Beitrag zur Modernisierung der in der Schweiz hergestellten Gebrauchskeramik. In der Arbeitsweise der beiden überwachte Helen die Dekore, verarbeitete Glasuren und Emails. Ihre Ausbildung im Westen Deutschlands an der Keramikschule in Höhr-Grenzhausen, L’Ecole de céramique de Höhr-Grenzhausen, im Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, war prägend für ihre Tätigkeit.

Die grossen Haushaltswarengeschäfte, in diesem Fall Steiger in Bern und Kiefer in Zürich, waren von grosser Bedeutung für den Verkauf der Produktion (NZZ, 1935).

Renommierte Dekorateurinnen wie Bertha TappoletLuise StrasserCornelia Forster oder Amata Good fertigten ihre keramischen Kreationen in der Werkstatt in Uster mit der technischen Unterstützung der Haussmanns an. Diese schlossen sich 1937 mit dieser Gruppe von Künstlerinnen zusammen und gründeten im „Cornelius“ Oberdorfstrasse 3  in Zürich einen Verkaufsladen,  der zum wichtigen Ort für die Vermarktung ihrer Produkte wurde.

Keramiksouvenirs von Bertha Tappolet/Fritz Uster waren auf der Schweizerischen Landesausstellung 1939, l’Exposition nationale suisse de 1939, in Zürich zu bewundern.

 

Signierte Figurinen von Fritz Haussmann, Uster. Oben: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 23,0 cm; Mitte: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 18,0 cm; unten: Statuette, die eine Mutter mit ihrem Kind darstellt, Höhe: 12,0 cm (Fotos von Angello Steccanella, « Antik und Rar »)

Ab den 1940er-Jahren galt Fritz Haussmann auch als einer der landesweiten Pioniere der neuen künstlerischen Keramik. Bei seiner Arbeit bevorzugte er künftig das Medium Steinzeug und Hochtemperaturglasuren (Das Werk/L’Œuvre 31, 1944, Abb. S. 359). 1945 beschäftigte das Unternehmen rund 15 Personen, darunter Ernst Fehr, den späteren Lehrer an der Keramikschule in Bern (Fehr 2003, S. 8–10).

1946 wurde der Firmenname «Fritz Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik – Atelier de céramiques Alsiko» gelöscht, wobei die Aktiven und Passiven von der neuen Firma seiner Frau mit Namen «Helen Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik» übernommen wurden (SHAB, Bd. 64, 1946, S. 235). Der Grund dafür war die gerichtliche Ausweisung von Fritz Haussmann (10. Oktober 1945 bis 1957, 1962 widerrufen). Seit 1937 stand Fritz Haussmann der NSDAP (Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei nahe, einer antiliberalen, antisemitischen und gegen den Bolschewismus gerichteten politischen Partei, deren Ziel es war, die Schweiz mit dem Deutschen Reich zu vereinen. Seit 1939 war er Mitglied der Partei (Fehr 2003, S. 8–10; Schulthess 2017). Helene Haussmann und zwei ihrer Kinder durften in der Schweiz bleiben. Das Unternehmen wurde unter ihrer Leitung weitergeführt, unterstützt von Töpfermeister Biedermann und anderen Führungskräften.

Der Firmenname wurde 1978 endgültig gelöscht (SHAB, Bd. 96, 1978, 2238).

Übersetzung Stephanie Tremp

Objekte von Fritz und Helene Haussmann finden sich im Archiv des Museums für Gestaltung, Zürich Museum für Gestaltung – Musée du design, Zurich

Archiv Zürcher Hochschule für Künste: Archives de la Haute école des arts de Zurich

Weitere Informationen über Fritz und Helen Haussmann sind auf der Webseite « Antik und Rar » verfügbar.

Einige Keramiken werden im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich verwahrt  Musée national suisse à Zurich.

Bibliographie :

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Peter Schulthess 2017
Peter Schulthess, Keramische Werkstätte, Helen und Fritz Haussmann, 1928 bis 1968, in: Heimatspiegel, Illustrierte Beilage im Verlag von „Zürcher Oberländer“, August 2017, 58-63.

 

Villeneuve VD, Dusserre-Duflon, Edith (1898-1992)

Roland Blaettler 2019

Keramik von Edith Dusserre-Duflon in CERAMICA CH

Das Historische Museum in Lausanne bewahrt rund 50 Keramiken aus dem Atelierbestand von Edith Dusserre-Duflon, einer Keramikerin, die bis heute praktisch unbekannt ist, obwohl sie in der Schweizer Kunstszene der 1920er- und 1930er- Jahre einen originellen Ansatz verfolgte. Ebenfalls bemerkenswert ist ihre Rolle als Pionierin bei der Erforschung des mit hohen Temperaturen gebrannten Steinzeugs.

Edith Duflon (1898–1992) war die Tochter von Louis Duflon (1860–1930), einem am Polytechnikum Zürich ausgebildeten Ingenieur, der in der Elektroindustrie in Paris (Maison Breguet) arbeitete, bevor er 1886 nach St. Petersburg geschickt wurde, um dort vier Jahre lang eine Niederlassung seines Pariser Arbeitgebers zu leiten. Ab 1890 stand er in derselben Stadt an der Spitze der Firma Prince Tenicheff und Co., bevor er sich 1894 an der Gründung der Kommanditgesellschaft Duflon, Constantinovitch und Co. beteiligte, deren geschäftsführender Gesellschafter er bis 1915 blieb. Nachdem sich Duflon ab 1908 teilweise aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, liess er sich in seinem Heimatdorf Villeneuve nieder und bezog das schöne Haus, das er sich im Viertel La Muraz hatte bauen lassen. Kurz nach seiner Ankunft zog er in den Gemeinderat ein und 1916 wurde er zum Syndikus gewählt, ein Amt, das er bis 1925 innehatte (Tribune de Lausanne vom 13. November 1930, 2 – Revue polytechnique suisse vom 25. April 1931, 221).

Edith wurde demnach in Sankt Petersburg geboren, aber wir wissen nur wenig über ihren Werdegang, ausser dass sie zwischen 1919 und 1923 von Eugène Gilliard an der École des beaux-arts in Genf und/oder in der 1915 von Gilliard unter dem Namen «La Renaissance» gegründeten Privatakademie unterrichtet wurde.

In einem kurzen, handgeschriebenen Lebenslauf (Archive des Musée historique de Lausanne [AMHL], F.Privé.33) datiert sie den Bau ihres mit Holz und Kohle befeuerten Keramikbrennofens in das Jahr 1923, obwohl ihre keramische Tätigkeit bereits 1921 dokumentiert ist, als sie bei Émile Gos in Lausanne «rustikale Töpferwaren […] inspiriert von populären Töpferschulen wie jene in Thun» ausstellte (Tribune de Lausanne vom 4. Oktober 1921, 5, und vom 6. Oktober, 4, Feuille d’avis de Lausanne vom 13. Oktober, 8). Im Jahr 1922, anlässlich der Exposition nationale d’art appliqué in Lausanne, präsentierte Duflon eine Bonbonniere aus Keramik: Es ist das einzige Objekt, das unter ihrem Namen im Katalog dieser wichtigen Veranstaltung aufgeführt ist (S. 43). Diese ersten Töpferwaren wurden vermutlich bei einem Töpferkollegen hergestellt.

1924 hielt sich Edith Duflon für längere Zeit in Paris auf, um sich im Bereich der Keramik weiterzubilden (Plüss und von Tavel 1961). In ihrem Lebenslauf präzisiert sie, dass der Fokus dieser Weiterbildung hauptsächlich auf dem Modellieren und Dekorieren lag (AMHL, ebd.). Anlässlich der Ausstellung für dekorative Kunst, die im Dezember 1924 im Musée Jenisch stattfand, zeigte sie erneut mehrere Keramikarbeiten (Feuille d’avis de Vevey vom 22. Dezember 1924, 7–8), die möglicherweise in ihrem persönlichen Atelier entstanden sind.

Edith Duflon richtete tatsächlich ein Atelier in Villeneuve ein, in einem Nebengebäude ihres Elternhauses in La Muraz. Die Produktion nahm dort wahrscheinlich ab 1925, nach ihrer Rückkehr aus Paris, ihren eigentlichen Aufschwung. In einem kleinen Notizbuch, in dem die Keramikerin ihre Beobachtungen zum Verlauf verschiedener Brände festhielt, trägt die erste Seite den Titel «Erster Brand vom 21. August 1925» (AMHL, ibidem).

Bevor sie sich voll und ganz der Keramik widmete, interessierte sich Duflon auch für die Textilgestaltung. Unter den im Historischen Museum hinterlegten Papieren befinden sich eine Reihe von Zeichnungen, die Dekorentwürfe für die Textilindustrie zeigen, sowie ein Diplom von der Internationalen Ausstellung für moderne dekorative und industrielle Künste in Paris 1925, das belegt, dass die Künstlerin dort mit einer Silbermedaille in der Klasse 13 (Textilkunst und -industrie) ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung wurde ihr wahrscheinlich für die von ihr entworfenen Batiken verliehen.

Für einige Zeit teilte Edith Duflon ihr Atelier mit der Genfer Keramikerin armenischer Herkunft Thagouhi Beer-Zorian (1901–1982), wie eine Werbeanzeige für die Töpferei «La Muraz» im Katalog der Schweizer Keramikausstellung im Musée d’art et d’histoire de Genève von 1927 (Genève 1927, 12) belegt. Darin sind die Namen der beiden Künstlerinnen aufgeführt, jeweils mit ihren Adressen, die eine in Villeneuve, die andere in Genf. Unter den Keramiken, die dem Musée historique de Lausanne im Rahmen des Dusserre-Nachlasses übergeben wurden, sind auch einige Fayencen, die eine Marke von Beer-Zorian mit der Erwähnung «Muraz» tragen (MHL AA.VL 2002 C 5508-16; MHL AA.VL 2002 C 5508-15).

Auf der Genfer Ausstellung für Schweizer Keramik im Jahr 1927 zeigte Duflon sechzehn Fayencen («zinnglasierte Töpferwaren»): Vasen, Schalen, Schüsseln und Bonbonnieren (Kat. Nr. 261–276). Einige Wochen später, vom 29. Oktober bis 23. November, fand im Musée Rath die Ausstellung der Genfer Sektion der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen statt, an der die Künstlerin ebenfalls mit Keramiken teilnahm (Katalog, S. 8).

Duflon war assoziiertes Mitglied von L’Œuvre, der Westschweizer Sektion des Schweizerischen Werkbunds, und in dieser Rolle stellte sie zwei Vasen im Rahmen des Salons von 1928 aus. Anlässlich der Saffa, der grossen Schweizer Landesausstellung für Frauenarbeit, die im selben Jahr in Bern stattfand, zeigten Duflon und Beer-Zorian ihre Arbeiten an einem eigenen Stand mit dem Namen «La Muraz – Poterie artistique», den sie eigens von einem Architekten entwerfen liessen (Saffa 1928, Ausstellernummer 1303 – Standpläne: AMHL, ibidem).

Am 3. März 1929 verwüstete ein Brand «die Kunsttöpferei von Mlle Duflon […], die in einem Nebengebäude der Villa La Muraz in Villeneuve untergebracht war, bestehend aus dem Töpferatelier mit Drehscheiben, Dekorationssaal, einem Brennofen usw.» (Gazette de Lausanne vom 4. März 1929, 6). In den folgenden Monaten wurden die Einrichtungen wieder in Stand gesetzt. Im Herbst desselben Jahres, vom 1. bis 23. Oktober, präsentierte die Genfer Sektion der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen eine neue Ausstellung im Musée Rath. Edith Duflon gehörte zu den Mitgliedern der Jury für dekorative Künste und stellte etwa 15 Stücke aus: sieben Keramiken aus der «Serie Muraz» (wahrscheinlich Fayencen) und acht Werke aus Steinzeug – diese Keramikart wird in diesem Rahmen zum ersten Mal erwähnt (Genf 1929, Kat. Nr. 202-216). Thagouhi Beer-Zorian zeigte drei Batiken und zwölf Töpferarbeiten, von denen sechs ebenfalls die Bezeichnung «Serie Muraz» trugen (ebenda, Nr. 172–186). Der Bericht im Journal de Genève vom 5. Oktober (S. 5–6) hob die «neuen Formen und schönen Glasuren der Töpferwaren aus La Muraz der Damen Duflon und Beer-Zorian» hervor.

Man beachte übrigens, dass Edith Duflon spätestens ab Herbst 1929 Keramiken aus Steinzeug präsentierte. Das oben erwähnte Notizbuch hält Einträge von mehreren Steinzeugbränden fest. Der einzige datierte Brand ist der sechste seiner Art: Ausgeführt wurde er am 12. August 1934.

Von 1930 bis 1934 hielt sich Edith regelmässig in Paris auf, übrigens zur gleichen Zeit wie Maurice Dusserre (1899–1996), ihr zukünftiger Ehemann, der als Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Regisseur tätig war. Das Eheversprechen zwischen Edith und Maurice wurde ordnungsgemäss in der Tribune de Lausanne vom 9. Februar 1930 (S. 2) veröffentlicht, die Hochzeit wurde jedoch in der französischen Hauptstadt gefeiert (Plüss und von Tavel 1961). Nach Rückkehr in die Schweiz liess sich das Paar endgültig auf dem «Landgut Dusserre» im Bois-de-Vaux-Viertel in Vidy nieder, nachdem Charles Dusserre, der Vater von Maurice, 1934 verstorben war. Edith nutzte weiterhin die Einrichtungen in La Muraz, da das Anwesen nach dem Tod von Louis Duflon im Jahr 1930 in der Familie blieb. Die ihr gewidmete Notiz im Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler (S. 94) erwähnt übrigens einen «Zweitwohnsitz» in Villeneuve.

Die Zusammenarbeit mit Thagouhi Beer-Zorian hingegen scheint Ediths lange Abwesenheit und Heirat nicht überlebt zu haben. «Tatougue» – wie Duflon ihre Arbeitskollegin liebevoll nannte – erscheint ab Ende 1929 nicht mehr in den Rechnungsbüchern bzw. Entwürfen dazu, die wir in den Papieren des Dusserre-Nachlasses gefunden haben.

An der Exposition nationale d’art appliqué von 1931 in Genf zeigte Duflon nur drei Keramiken (Kat. Nr. 87-89), die wahrscheinlich vor ihrer Abreise nach Paris entstanden waren. Im folgenden Jahr, anlässlich der 12. Ausstellung der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen, die in Neuchâtel und Genf stattfand, nahm Dusserre mit Werken aus Steinzeug teil, wie eine Aufnahme in der damaligen Presse belegt (Jeanneret 1932 – Darauf ist übrigens eine Vase zu erkennen, die heute im Musée historique de Lausanne aufbewahrt wird, MHL AA.VL 2002 C 5508-44). In den 1930er- und 1940er-Jahren war sie regelmässig mit Arbeiten an den Ausstellungen der Gesellschaft vertreten. Im Jahr 1937 zeigte sie ihre Werke in der Galerie du Lion in Lausanne zusammen mit der Malerin Germaine Ernst: «Keramiken mit frischen Farben» und «schönes Steinzeug, dessen körnige Beschaffenheit des Tons wir lieben» (Gazette de Lausanne vom 25. März 1937, 3). Viel später, 1961, nahm Edith Dusserre-Duflon auch an der Ausstellung «Eugène Gilliard et ses élèves» im Musée Rath in Genf teil. Von ihr waren zwei Gefässe und sieben Exponate aus Steinzeug zu sehen (Katalog Nr. 100-108).

Den Berichten in der Lausanner Presse über ihre Ausstellung bei Gos im Jahr 1921 kann entnommen werden, dass sich Edith Duflon zunächst an der «rustikalen Töpferei» nach Thuner Art versuchte, wahrscheinlich Arbeiten in der Technik der engobierten Irdenware, von der wir keine Exemplare kennen. Einige Jahre später, nachdem sie in Paris neue Verfahren kennengelernt hatte, entschied sie sich in ihrem Atelier in La Muraz für die Fayencetechnik mit polychromen Dekoren in Scharffeuermalerei (im Genfer Katalog von 1927 als «zinnglasierte Töpfereien» bezeichnet). Für ihre geometrischen Dekore mit oft sehr leuchtenden Farben verwendete Duflon Industrieglasuren, die sie aus Frankreich oder England importieren liess (MHL AA.VL 2002 C 5508-22; MHL AA.VL 2002 C 5508-26; MHL AA.VL 2002 C 5508-16; MHL AA.VL 2002 C 5508-14; MHL AA.VL 2002 C 5508-17; MHL AA.VL 2002 C 5508-23). Was die Formen angeht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie diese von einem in La Muraz tätigen Hafner herstellen liess. Die sehr lückenhaften Buchhaltungsunterlagen, die in den Papieren des Dusserre-Nachlasses gefunden wurden, erwähnen beispielsweise unter den Kosten der Werkstatt die Kosten für das «Drehen der vier letzten Brände». Weiter unten wird vermerkt, dass Duflon einen gewissen A. Roth regelmässig entlöhnte. Handelt es sich dabei um den Dreher?

In der Gruppe der Stücke, die dem Musée historique Lausanne im Rahmen des Dusserre-Nachlasses im Jahr 2002 übergeben wurden und von denen wir eine Auswahl von etwa 20 Beispielen für das vorliegende Inventar ausgewählt haben, befinden sich zwei Fayenceplatten, die zwei Marken tragen: die Pinselmarke von Duflon mit dem Vermerk «Muraz» und eine Blindmarke der Poterie du Léman in Lausanne (MHL AA.VL 2002 C 5508-19; MHL AA.VL 2002 C 5508-18). Diese Fabrik wurde 1934 gegründet, was uns klar einen Terminus post quem für die Datierung der beiden Platten liefert. Es könnte auch sein, dass Duflon gelegentlich Schrühbrände glasierte und verzierte, die in einer anderen Werkstatt hergestellt wurden.

Die vom Museum aufbewahrten Papiere enthalten eine Reihe von bemassten Formzeichnungen, die sorgfältig angefertigt wurden und offensichtlich für einen Dreher oder einen Modelleur bestimmt waren. Besonders auffällig ist ein grosses, aufgefaltetes Blatt in einer Art Kraftpapier, dessen eine Seite mit einem Dutzend Zeichnungen von Vasen und Schalen unter dem Titel «Pour La Muraz, des séries» versehen ist. Auf der anderen Seite steht die Adresse von Duflon in Villeneuve und die Angabe des Absenders, bei dem es sich um niemand anderen als Charles Beer, den Ehemann von Thagouhi Beer-Zorian, in Genf handelt. Über der Adresse befindet sich ein Poststempel mit dem Datum 27. Mai 1927. Diese Formen entsprechen höchstwahrscheinlich den Fayencen der sogenannten «Serie La Muraz», die von Beer-Zorian und Duflon 1927–1929 ausgestellt wurden (siehe oben). Man erkennt insbesondere die Zeichnung, die einer von Beer-Zorian in La Muraz hergestellten Dose entspricht (MHL AA.VL 2002 C 5508-54). Die beiden Künstlerinnen haben sicherlich ein und denselben Formenkorpus verziert.

Was die eigentlichen Formen betrifft, sind wir versucht zu glauben, dass sie nicht von den Keramikerinnen selbst entworfen wurden. Wurden sie von Charles Beer oder einem anderen Designer mit Wohnsitz in Genf entworfen?

Spätestens ab 1929, wie der Katalog der Ausstellung der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen in Genf belegt, übte Edith Duflon die anspruchsvolle Technik der Steinzeugproduktion aus. Diese Technik, die in der Schweiz um 1913 an der Keramikschule in Chavannes-près-Renens eingeführt worden war, wurde von Paul Bonifas zwischen 1915 und 1919 in seinem Atelier in Versoix weiterentwickelt. Dieser setzte seine Forschungen auf diesem Gebiet ab 1922 in seinem Atelier in Ferney-Voltaire fort. In den 1920er-Jahren war Edith Duflon jedoch wahrscheinlich die einzige selbständige Keramikerin, die sich in unserem Land der Herausforderung des Steinzeugs stellte.

Auch bei dieser Produktion wurden die Gefässrohlinge von einem Dreher hergestellt. Mehrere Zeichnungen, die eindeutig mit «Steinzeug» gekennzeichnet sind, sind mit von Duflon hinzugefügten Anweisungen versehen, wie z.B. «dick drehen». Die Keramikerin hingegen war für die Herstellung der Dekore zuständig, die gemalt oder in den feuchten Ton eingeritzt wurden, sowie für das Engobieren, Glasieren und Brennen. Notizen aus der Fachliteratur – oder Kursen – belegen, dass sie sich mit der Technik des Hochtemperaturbrennens und der Zusammensetzung von Steinzeugglasuren befasste. In ihrem Bericht über den Brand in La Muraz schreibt Le Confédéré vom 4. März 1929 (S. 2–3), dass «der Ofen auf 1200 Grad, seine Höchsttemperatur, gebracht worden war». Der unglückliche Unfall ereignete sich also beim Brennen von Steinzeug, wobei die erwähnte Temperatur für Fayence grundsätzlich zu hoch und für Steinzeug gerade ausreichend ist.

Die von der Keramikerin angebrachten Marken – Pinselmarken auf den Fayencen sowie Pinsel- oder Ritzmarken auf Steinzeug– enthalten den Namen der Künstlerin («E. Duflon») oder ihre Initialen («ED»). Die meisten Fayencen tragen ferner die Bezeichnung «Muraz».

Drei Stücke tragen zudem ein Ausstellungsetikett mit dem Namen der Künstlerin und der Adresse «Bois-de-Vaux Lausanne» (MHL AA.VL 2002 C 5508-9, MHL AA.VL 2002 C 5508-1, MHL AA.VL 2002 C 5508-23).

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen

 Archives du Musée historique Lausanne, F.Privé.33 (Succession Dusserre)

La presse vaudoise et genevoise, consultées sur les sites du journal Le Temps et Scriptorium (Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne)

Bibliographie

Genève 1927
Exposition de céramique suisse. Cat. d’exposition, Musée d’art et d’histoire. Genève 1927.

Genève 1929
Exposition, section de Genève de la Société suisse des femmes peintres, sculpteurs, décorateurs. Cat. d’exposition, Musée Rath. Genève 1929.

Jeanneret 1932
Maurice Jeanneret, XIIe Exposition de la Société suisse des Femmes peintres, sculpteurs et décorateurs. Neuchâtel 1er octobre-4 novembre, Genève 5-27 novembre. Revue CFF 6/10, 35-36.

Plüss et von Tavel 1961
Eduard Plüss et Hans Christoph von Tavel, Künstler-Lexikon der Schweiz. XX. Jahrhundert. Bd. 1. Frauenfeld 1961.

Saffa 1928
Saffa. Schweiz. Ausstellung für Frauenarbeit – Exposition nationale suisse du travail féminin. Catalogue principal. Berne 1928.

Vogelsang-Eymann, Clara, Keramikmalerin (1892-1984)

Clara Eymann (wohl um 1914) mit einer Vase mit bernischem Malhorndekor.

Andreas Heege mit Unterstützung von Anna Stuby, 2024

Geboren in Langenthal (∗ 11.10.1892 Langenthal, † 23.2.1984 Zürich). Die Eltern Robert und Anna Eymann-Sommer führten in der zweiten Generation den renommierten Langenthaler Gasthof «Bären».

Clara hatte zwei Schwestern. Von diesen war Lydia Eymann ( 14.6.1901 – 1.3. 1972) eine stadtbekannte Langenthaler Malerin, Karikaturistin und Persönlickeit.

Claras künstlerische Begabung im Malen wurde früh erkannt und gefördert.

 

1908 besuchte sie die Ecole d’Arts et Métiers in Lausanne und wurde von der Keramikerin Nora Gross  ausgebildet.

1912 genoss sie eine künstlerische Weiterbildung (Öl- und Landschaftsmalerei) an der Polytechnical School of Art in London.

Clara Eymann im Atelier von Ernst Linck.

Später wird sie Schülerin des Malers Ernst Linck (1874-1935) in Bern. Linck war eng mit Ferdinand Hodler (1853-1918) befreundet und bildete zusammen mit ihm einen Teil der „Berner Schule“.

Sehr früh kam Clara als Künstlerin bereits mit verschiedenen künstlerischen Grössen der damaligen Schweiz in persönlichen Kontakt (Expresskarte zu einem Gesellschaftstreffen, unterzeichnet u.a. von Ferdinand Hodler, Christian Conradin, Willy Fries und Sigismund Righini).

1915 heiratete sie den Solothurner Constanz Amanz Vogelsang, Direktor der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG in Zürich, der selber ein grosser Kunstförderer und -freund war. Das Paar lebte in Zürich und besass dort ein Haus an der Klusstrasse. Beide pflegten den Kontakt zu zahlreichen Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, die in Zürich immer ein offenes Haus fanden. 1925 gehört Clara zu den Mitbegründerinnen der Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Keramikerinnen GSMBK, Sektion Zürich, nachdem sie wohl vorher bereits Mitglied des schweizerischen Dachverbandes der GSMB+K war. Ausserdem war sie Mitglied des Schweizerischen Werkbundes (SWB).

1915 Aus ihrem Hochzeitsjahr gibt es eine kleine Serie bemalter Koppchen und Untertassen aus Langenthaler Porzellan.

Clara Vogelsang besass zeitlebens keine eigene Werkstatt sondern arbeitete zuhause in ihrem Atelier oder in und mit den Werkstätten Wächter/Zürich bzw. Feldmeilen und Haussmann/Uster (Die Tat, 6. Oktober 1972). Nach der Heirat änderte sie Ihre Signatur auf „CVE“ oder gelegentlich nur „CV“. Aus der Zeit ihrer Zusammenarbeit mit Wächter in Feldmeilen könnten drei erhaltene Keramiken stammen.

Nach einer Familientradition entstand diese unsignierte grosse Kuchenplatte in der Werkstatt Wächter und wurde von Clara Vogelsang-Eymann bemalt.

Werke nach 1915 tragen die Signatur „CVE“.

1916 zeigte sie neben dem Keramikfachlehrer J. Hermanns Keramiken im Kunstsalon Ferd. Wyss im Stadttheater in Bern (Das Werk: Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, Bd. 3, 1916; XV).

Blumentopf der Zeit um 1917, in Familienbesitz.

1917 beteiligte sie sich an der XIII. Schweizerischen Kunstausstellung in Zürich, Abteilung für angewandte Kunst (Das Werk, Bd. 4, 1917, XIX), mit einem sehr positiv besprochenen Blumen-Übertopf.

1918 erwarb das Kunstgewerbemuseum in Zürich von ihr eine „Hübsche Vase“ (Schweizer Kunst = Art suisse = Arte svizzera = Swiss art 1918, 25).

1919 bemalte sie Ofenkacheln für einen neuen Kachelofen von Dr. Rickli, Langenthal, Friedhalde. Die Kacheln wurden von Hafnermeister Hünig aus Langenthal gefertigt und in der Firma Gebr. Mantel in Elgg. gebrannt (Das Werk : Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, Band 6, 1919, 92).

1924 war sie mit Keramik an der Ausstellung „Arts décoratifs“ in Neuenburg beteiligt (FAN – L’express, 27. November 1924).

Aus den 1920er- oder frühen 1930er-Jahren sind bislang nur wenige signierte Keramiken bekannt.

1925 Die NZZ schrieb am 13. Oktober: „Die Räume der Kunsthalle [Bern] sind mit den Werken unserer in der Gesellschaft Schweiz. Malerinnen und Bildhauerinnen vereinigten Künstlerinnen geschmückt. Mit sicherer Hand hat die Jury Akzente von eindringlicher Kraft gesetzt… Auch in der Keramik sind große Fortschritte festzustellen. Ich erinnere nur an die schöngeformten Schalen und Teller von G. Meister-Zingg, an Clara Vogelsangs technisch vollendete Krüge und Schalen. Von Adele Schwander sind hübsche und brauchbare Tassen und Schalen da…“.

1925 Beteiligung an der Weihnachtsausstellung der bernischen Ortsgruppe des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum Bern (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2017, 17. Dezember 1925).

1927 stellt sie auf der grossen Ausstellung „Céramique suisse“ in Genf Geschirrkeramik aus (Besprechung der Ausstellung: Der Bund, Band 78, Nummer 395, 14. September 1927 Ausgabe 02).

1927 Beteiligung an der Weihnachtsausstellung des Werkbundes im Gewerbemuseum Bern (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2173, 16. Dezember 1927 Ausgabe 02).

1928 Ausstellung an der Saffa – Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (Berner Tagwacht, Band 36, Nummer 218, 17. September 1928).

Clara wurde Mutter von zwei Kindern, verlor jedoch bereits 1930 ihren Ehemann nach einer Tuberkuloseerkrankung. CVE, so die Signatur ihrer Werke, lebte nun ganz in ihrer künstlerischen Passion. Mit dem Auto fuhr sie auf Motivsuche und zum Malen, alleine oder mit befreundeten Malerinnen, in die nähere und weitere Umgebung des Oberaargaus. Sie unternahm aber auch längere Reisen in die Bretagne, nach Ischia, Ägypten und Tunesien. Neben vollen Skizzenbüchern entstanden in den folgenden Jahren vor allem Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle.

Diese einfarbig glasierten Keramiken entstanden möglicherweise in den 1930er- oder 1940er-Jahren. Ob diese Stücke schon bei Haussmann in Uster gefertigt wurden, ist unklar.

1930 Auf der Weihnachtsaustellung des Werkbundes im Zürcher Kunstgewerbemuseum zeigte Clara Vogelsang-Eymann „sympathische Vasen und Schalen“ (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2350, 3. Dezember 1930 Ausgabe 03).

1932 beteiligte sie sich an der XII. Ausstellung der GSMBK in Neuchâtel und Genf (Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986, 452).

1940 verkaufte sie neben Amata Good, Fritz Haussmann,  Margrit Linck-Daepp, Meister&Cie, Luise Meyer-Strasser,  Hanna Nencki und Berta Tappolet Keramiken auf einer Weihnachtsausstellung der Ortsgrupe Zürich des SWB (Das Werk : Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, 27, 1940, XXIV).

Tasse aus der Produktion von Haussmann/Uster, wohl nach dem 2. Weltkrieg, bemalt von Carla Vogelsang-Eymann, signiert „C.V.“.

1947 aus diesem Jahr haben sich Platten des Keramikherstellers „Noranco“  aus Pambio-Noranco bei Lugano erhalten,  die von CVE bemalt wurden.

1955 beteiligte sie sich an einer Kunstgewerbeausstellung der Schweizerischen Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen im Strau-Hoff in Zürich mit „fein bemalten Schalen und Platten“ (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 3381, 8. Dezember 1955).

Ihr keramisches Spätwerk scheint vor allem Inglasurmalereien auf Fayenceglasur zu umfassen, wobei sie auch Skizzen und Bilder aus ihren Aufenthalten am Mittelmeer umsetzte. Ein leider undatierter Illustriertenbericht informiert über diese Schaffensphase.

Clara Vogelsang-Eymann beim Bemalen von Keramik.

1956 zeigte sie „moderne Keramiken“ auf einer Ausstellung des Lyceumclubs Bern (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur, Band 38, 1956).

1958 finden wir Clara Vogelsang-Eyman auch als Teilnehmerin an der XXII. Ausstellung der GSMBK anlässlich der SAFFA in Zürich (Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986, 453).

1965 werden ihre mit Küsten- und Ischia-Motiven bemalten Keramiken an der Weihnachtsausstellung im Lyceumsclub Zürich lobend hervorgehoben (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur Band 49 [i.e. 47], 1965, 4).

1970 waren Ihre Keramiken zusammen mit Aquarellen und selbstgefertigten Schmuck auf einer Ausstellung des Lyceumclubs Zürich zu sehen und wurden sehr positiv besprochen (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur, 52, 1970, 3).

1972 zu Clara Vogelsangs 80. Geburtstag erschienen verschiedene Zeitungsberichte (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur 54, 1972, 6).

Sie war eine warmherzige und wache Gastgeberin und führte in Zürich bis zu ihrem Tod 1984 ein offenes Haus für Künstlerfreunde und -freundinnen wie Bekannte aus aller Welt.

Hinweis: Verschiedene Keramiken von Clara Vogelsang-Eymann befinden sich heute im Museum Langenthal und werden in absehbarer zeit in CERAMICA CH dokumentiert.

Quellen:

Katalog zur Sonderausstellung «Frauenpower – Starke Frauen
aus dem Oberaargau» (2015/16) im Museum Langenthal;

Informationen von Anna Stuby (Enkelin von Clara Vogelsang-Eymann).

Wangen an der Aare BE, Hafnerei Anderegg


Wappen der Hafnerfamilie  Anderegg aus dem Hafnerhaus Wangen, Vorstadt 18, abgebrochener Kachelofen.

In Bearbeitung

Andreas Heege, Andreas Kistler, 2025
basierend auf Mühletaler 1983 und Unterlagen aus dem Museum in Wangen a.A.

Stammbaum der Hafner Anderegg

Genealogische Daten der Hafner Anderegg

In Wangen an der Aare, im 16. Jahrhundert der kleinsten Stadt im Kanton Bern mit nur ca. 110 Einwohnern, lässt sich erstmals zwischen 1634 und 1638 ein Hafner Martin Hartmann nachweisen.  Für ihn galt, wie für die Hafner der Landvogteien Aarwangen und Bipp, eine 1636 erlassene Handwerksordnung (Schwab 1921, 14-16). 1658/59 gibt es Hinweise auf einen Hafner Bendicht Burckhardt, der vermutlich bis 1685/86 in Wangen arbeitete (alle nachfolgenden Informationen, soweit nicht anders belegt, nach Mühletaler 1983). Vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert ist es dann aber vor allem die Dynastie der Hafner Anderegg, die lokal Kachelöfen und Geschirr produzierte. 1798 lassen sich im Helvetischen Eidregister für Wangen jedoch noch weitere Hafner nachweisen: Johannes Arn aus Wangen (1768-1834), Ludwig Kräuchi aus Bäriswil (1770-1851) und Johannes Berchtold aus Safenwil AG (1752-?), der zu diesem Zeitpunkt jedoch in Inkwil lebte (und arbeitete?).

Hafner in Wangenried bei Wangen a.A.

Die Andereggs sind eine 1622 aus Oberbipp nach Wangen a.A. zugewanderte und anschliessend eingebürgerte Familie. Der erste Hans Anderegg (1601-1664?) war Wirt und Burgermeister. Der zweite Hans Anderegg (1668-vor 1730, vgl. Stammbaum) war Metzger und Wirt. Er war zweimal verheiratet. Aus der zweiten Ehe ging der erste Hafner Hans Ulrich Anderegg (1709-1776) hervor, der bei seiner Hochzeit 1736 Land im Ried (Wangenried, ein kleines Dorf, 3 km südlich von Wangen a.A.) erwarb und 1737 zusammen mit seinem Bruder Josef (1713-1802), der Landwirt war, ein halbes Haus von seiner Mutter Verena Rikli übernahm (Grundstück unbekannt). Dieser verkaufte ihm 1739 sein Hausviertel und erwarb dafür das spätere Hafnereigrundstück Wangen, Vorstadt 18/20. Hans Ulrich Anderegg und sein Sohn Johann Anderegg (1740-1795) werden erstmals 1769 und 1762 als Hafner im Ried bezeugt. Johann Anderegg übernahm 1774 die Haushälfte seines Vater, die andere Haushälfte gehörte einem Jakob Rikli, vielleicht ein Bruder oder zumindest Verwandter von Verena Rikli). Johann Anderegg blieb kinderlos.

Zwischen 1817 und 1832 finden sich dann erneut Hafner im Wangenried (Hafnermeister Jäger, 1821; sowie Joseph Wyss, 1824-1825, Hintersasse aus Subingen, Kanton Solothurn, bei denen sich Gesellen anmeldeten (Gesellenanmeldungen). Ein Hafnergeselle Maximilian Teptor aus Mössingen in Württemberg, schwängerte 1813 eine Elisabeth Rikli, Tochter von Alt-Chorrichter Jakob Rikli (1760-1833) und heiratete diese 1814. 1817 wurde er dann auch als Hintersasse in die Liste der Gesellenanmeldungen eingetragen, weitere Kinder wurden 1817 und 1820 in Wangen a.A. getauft. Ob Maximilian Teptor von vornherein als selbständiger Hafner (Mieter?) in der Werkstatt Alt-Chorrichter Jakob Rikli arbeitete oder (ab 1813) bei einem unbekannten Hafner bzw. den beiden oben genannten Hafnern ist unklar. Es kann auch nur vermutet werden, dass es sich um dieselbe Hafnerwerkstatt gehandelt hat, in der bis 1795 Johann Anderegg gearbeitet hatte. 1831 bis 1833 meldete sich bei ihm in Wangenried jedoch der Geselle Sebastian Teptor aus Mössingen an (ein Verwandter,  jüngerer Bruder, Neffe?), sodass Maximilian Teptor zu diesem Zeitpunkt die Werkstatt wahrscheinlich selbständig führte. Erstaunlicherweise finden wir ihn dann 1840-1841 wieder als Gesellen bei Hafner Kaspar Studer in Safnern zwischen Biel und Büren a.A., 1842 bei Hafner (?) Biedermann in Nidau und 1842 bei Pintenwirt Schmalz in Nidau, 1843 Badewirt Roth in Worben und 1843 bei einem Johann Stämpfli (Hafner?) in Grossaffolter-Kosthofen. Was er an seinen drei letzten Arbeitsstellen gemacht hat ist so unklar wie sein Todesdatum oder der Verbleib seiner Ehefrau.

Rikli_Teptor Wangenried_genealogische Daten        Stammbaum Rikli-Teptor

Hafner in Wangen a.A.

Der Landwirt Josef Anderegg (1713-1802) heiratete eine entfernte Verwandte, Anna Maria Anderegg, und bekam mit ihr sechs Kinder, von denen ein Sohn Josef Anderegg, jünger (1752-1831) nach einer Ausbildung bei seinem Onkel oder Vetter im Ried, ebenfalls Hafner wurde (Stammbaum). 1777 erhielt er die Konzession für den Bau einer „Hafnerhütte mit Brennofen in der Vorstadt Wangen“, wo auch sein Vater und später sein Bruder Johannes wohnten. 1784 heiratete er Anna Geiser (1759-1829, Heimatort Leuzigen). Das Paar bekam drei Kinder. Josef Anderegg, jünger war von 1797-1817 auch Gerichtssäss und von 1803-1817 zusätzlich Chorrichter.

Grundbuchinformationen zu Liegenschaftschaftsaktivitäten der Anderegg

Grundstück Wangen, Vorstadt 18/20

Der Sohn Johannes Anderegg (1785-1860), heiratete eine Elisabeth Schneider (1784-1831). Er war Stadtrat und Gerichtssäss. Das Paar bekam drei Kinder. 1837 erhielten die beiden Söhne Johann Jakob (1809-1875) und Johannes (1814-1846), die beide Hafner wurden (Stammbaum) bereits einen Teil des väterlichen Besitzes in Wangen. Sie durften ihren Ton in der Riedmatt und dem Acker Tonen in Wiedlisbach graben (beide Orte nicht lokalisiert). Für Johann Jakob, älter (1809-1875) ist ein Wanderbuch aus der Zeit 1825-1829 überliefert (Mühletaler 1983, 156-157). Der Ofenmaler Johann Heinrich Egli aus Aarau arbeitete 1829 und 1830 auch für die Hafner Anderegg in Wangen a.A. (Ofen für H. Anderegg-Bösiger, im Haus Alfred Vogel, Gasse, Wangen a.A.).

GBWangen_Hafner_Anderegg_2 Wangen_Vorstadt 18_20

1840 teilten die beiden Söhne den Besitz und Johann Jakob erhielt das Recht auf demselben Grundstück ein neues Haus zu erbauen. Johannes (1814-1946) heiratete 1843 Anna Barbara Herzig und zog mit ihr nach Steckholz bei Lotzwil und eröffnete dort eine Hafnerei.

Signierte und 1847 datierte Ofenkacheln von Johann Jakob, Anderegg, älter (1809–1875), Herzogenbuchsee, Gasthof Sternen, Ofenmaler möglicherweise H.F. Lanz.

Johann Jakob Anderegg der Ältere (1809–1875), der seit 1834 mit Anna Barbara Ingold (1813-1902, Heimatort Heimenhausen) verheiratet war,  übernahm die Werkstatt von seinem Vater Johannes  (1785–1860) kurz vor dessen Tod. Das Paar bekam sieben Kinder. Zwei Söhne – Johann Jakob, 1834-1894, und Johann Gottfried, 1846-1927 – wurden ebenfalls Hafner. Sie bildeten die fünfte und letzte Hafnergeneration Anderegg in Wangen. Von Johann Jakob (Rufname Jakob) wissen wir, dass er 1860 auf der Gesellenwandung bis nach Rügen gelangte. In einem Brief schrieb Johann Jakob Anderegg der Ältere (1809–1875) 1860 an seinen Sohn, dass der vierzehnjährige Bruder Gottfried dem Grossvater (Johannes Anderegg , 1785-1860) in der Werkstatt helfe, den Ton aufbereite und schon ganz ordentlich Teller und Kaffeebeckli drehe. Von dem Bruder Adolf Anderegg (1843-1893), der eigentlich Spengler wurde, erfahren wir, dass er 1860 in der Werkstatt arbeitete und sehr schön die Kacheln bemalte (Mühletaler 1983, 137).

Kachelbilder-Vorlagenbüchlein 1855-1866, Beispielseite, Privatbesitz, Kopien im Museum Wangen a.A.

Johann Jakob Anderegg (1834-1894) hinterliess eine 124seitige Entwurfsmappe aus den Jahren 1845-1851, ausserdem existiert ein Kachelbilder-Vorlagenbüchlein mit Datierungen von 1855-1866 (Inhalt Mühletaler 1983, 141-144).

Schloss Bipp, Kachelofen von 1861 im Museum im Kornhaus Wiedlisbach (vgl. vorhergehende Vorlage).

Der Liegenschaftsteil Vorstadt 20 brannte 1902 ab. Im stark umgebauten Liegenschaftsteil Vorstadt 18, aus der Zeit um 1840, wurden in den 1970er-Jahren Reste eines Töpferofens gefunden (nicht dokumentiert). Mit dem Tod von Johann Gottfried Anderegg endete die Keramikproduktion auf dem Grundstück Wangen, Vorstadt 18/20.

Von der regionalen Bedeutung der Hafnerei Anderegg zeugen die über 100 Gesellenanmeldungen zwischen 1820 und 1899.

In der Sammlung Felchlin, Matzendorf hat sich ein sehr seltener Blumenkasten der  Hafnerei Anderegg erhalten (SFM 31).

Auf der Schauseite trägt er eine beschriftete Ansicht von Schloss Bipp nach einem Stich von David Herrliberger (1697–1777; «Neue und vollständige Topografie der Eydgnoschaft», 1754–1758, Taf. 70). Das vorliegende Stück dürfte wohl Johann Jakob der Jüngere (1834–1894) gemalt haben (siehe Vorlagenbüchlein).

Ofenkachel von Johann Jakob Anderegg (1834–1894), signiert und datiert 1861, Kachelofen im Kornhaus Wiedlisbach.

Eine überregionale Bearbeitung der Kachelöfen und der Geschirrkeramik der Hafner Anderegg steht bis heute aus (Hinweise auf verschiedene Öfen: Heege 2011, Heege 2015; Leuenberger 1957; Leuenberger 1959; Mühletaler 1983). Das „Städtli-Museum“ in Wangen a.A. bewahrt eine grosse Ofenkachelsammlung der Hafner Anderegg.

Bibliographie:

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950). Sulgen 2014, 72.

Heege 2011
Andreas Heege, Langenthal, St. Urbanstrasse 40–44. Die Hafnerei Staub und ihre Werkstatt, in: Archäologie Bern/Archéologie bernoise. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, 2011, 209–287.

Heege 2015
Andreas Heege, Die Hafnerei Staub in Langenthal, Kanton Bern, 1730 bis 1870, in: Silvia Glaser, Keramik im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Kunst. Beiträge des 44. Internationalen Symposiums Keramikforschung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, 19.-23. September 2011 (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 40), Nürnberg 2015, 125-145.

Leuenberger 1957
Walter Leuenberger, Alte Ofensprüche aus dem Oberaargau, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 1957, 80-92.

Leuenberger 1959
Walter Leuenberger, Ofensprüche, in: Jahrbuch des Oberaargaus 2, 1959, 117-129.

Leuenberger 1993
Walter Leuenberger, Ofensprüche, in: Hanspeter Bögli/Anita M. Friedli-Jenzer/Markus Friedli u.a., Bannwil. Ein Dorf im Oberaargau, Bannwil 1993, 243-259.

Mühletaler 1983
Hans Mühletaler, Die Hafner Anderegg. Eine Ofenbauer-Dynastie in Wangen an der Aare. Jahrbuch des Oberaargaus 26, 1983, 129–158.

Schwab 1921
Fernand Schwab, Beitrag zur Geschichte der bernischen Geschirrindustrie (Schweizer Industrie- und Handelsstudien 7), Weinfelden/Konstanz 1921.

 

Wichtrach BE, Töpferei Maurachern

Töpferei Maurachern um 1950

Keramik in CERAMICA CH

Andreas Heege, Andreas Kistler 2019

Die Töpferei Maurachern  liegt auf dem heutigen Grundstück Thunstrasse 72 in Wichtrach, Ortsteil Maurachern, Kanton Bern. Zacharias Steiner von Fahrni, „dato auf dem Beumberg, Steffisburg, sässhaft“ erwarb am  6.10.1811 die Liegenschaft. Zu diesem Zeitpunkt scheint keine Hafnerei eingerichtet gewesen zu sein.  Beim Tod von Elisabeth Steiner-Neuenschwander, Zacharias Steiners Witwe (17.1.1862) erfahren wir am 11.12.1863, dass Zacharias Hafner ist, und dass in Folge Erbteilung sein Sohn Christian folgende Liegenschaften übernahm: „Heimwesen in der Muracheren: 1. Haus Nr. 141 für Fr. 3’500 brandversichert mit Hausbrunnen 2. Hausmatte samt dem Hubel von etwa 8 Jucharten. 3. Einem Mööslein samt dem Rainli. 4. Ein Wohnstöcklein mit zwei Hafnerwerkstätten und doppelter Wohnung unter Nr. 144 für Fr. 2’000 brandversichert, von Zacharias Steiner neu erbaut. 5. Hälismatt, in der Gemeinde Kiesen. 6. Ein halbes Schupposenrecht in Holz und Feld. Weiterer Besitz an Land und Wald aufgeführt.“ Am 2.11.1874 verkaufte  Christian Steiner das Wohnstöcklein mit den beiden Werkstätten an: Gottfried Grognuz-Gerber von Poliez-Pittet VD, Hafnermeister in der Muracheren. Bereits am 18.10.1876 verkaufte Anna Elisabeth Grognuz-Gerber, Gottfried Grognuzs sel. Witwe, die Liegenschaft weiter an:  Rudolf Moser von Arni (1840-1877), Hafnermeister im Heimberg. Am 20.10.1904 verkaufte  Rudolfs Witwe Anna Maria Moser-Aeschlimann (1844-?), die Liegenschaft mit den zwei Werkstätten und zwei Wohnungen an ihren gemeinsamen Sohn Gottfried Moser, Hafnermeister (30.12.1873-4.5.1949).

Preisliste, undatiert.

Die Werkstatt-„Chefs“ (von oben links nach unten rechts):
Gottfried Moser 1873-1949, Martha Moser-Waber 1883-1973, Armin Stucki 1920-1980, Emma Martha Stucki-Moser 1914-2004.

Nach Gottfrieds Tod führte die Tochter Emma Martha Stucki-Moser (1914-2004) den Betrieb zusammen mit ihrem Mann Armin Stucki (1920-1980) weiter. Die Schwester Elisabeth Moser war Teilhaberin. Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete das Grundbuch nur noch „1 Wohnhaus mit Hafnerei“.  1945 wurde der holzbeheizte Töpferofen durch einen Elektroofen ersetzt. Nach einem Brand 1985 wurde die Werkstatt teilrenoviert und schliesslich 1992 an Peter Kupferschmied (Jg. 1960,  Lehre bei Martha Stucki-Moser von 1988 bis 1990) und seine Frau Kathrin verkauft.

1996 erfolgte noch ein Um- und Anbau. Bis 2017 arbeitete auch noch die Keramikerin Cornelia Rubin in der Werkstatt mit. Zum 1. Oktober 2017 wurde die Töpferei geschlossen.

Quellen zur Liegenschaft

Vgl. auch: https://www.antik-und-rar.ch/maurachern.html

Wimmis BE, Hafnerei Loosli

Orte mit Keramikproduktion im Kanton Bern, 18.-19. Jh.

Andreas Heege, Alfred Spycher,  Andreas Kistler, 2024

Wimmis, am Eingang zum Simmental gelegen, und mit dem Schloss Sitz einer bernischen Landvogtei (bis 1798),  gehört zu den bernischen Hafnerorten über die wir nur unzureichend informiert sind, da es kaum Quellen gibt. Die Landvogteirechnungen für Wimmis belegen, dass der Landvogt in aller Regel Hafner aus Thun für das Neusetzen und die Reparatur von Kachelöfen im Schloss und den umliegenden Pfrund- und Pfarrhäusern beschäftigte (Hans Ulrich und Hans Rudolf Hürner: 1733; Heinrich Engimann: 1734, 1736, 1752; Abraham Engimann: 1735, 1743, 1744, 1747, 1748, 1749; Hafner Engimann: 1765, 1766, 1792; Johannes Engimann: 1769; Johannes Baumann: 1778, 1784, 1789; Caspar Ziro: 1795). Daneben finden sich aber auch die Hafner Melchior Flückiger aus Grosshöchstetten (1718, 1719, 1721, 1728, 1729), Abraham Marti aus Fraubrunnen, später Blankenburg (1748, 1766) und Johannes Fruting aus Bern (1794).

Jacob Kräuchi, der spätestens ab 1758 die Töpferei in seinem Heimatort Bäriswil begründete, lebte und arbeitete offenbar ebenfalls eine etwas längere Zeit als Hintersassse in Wimmis, da er am 16. Februar 1755 hier seine Tochter Salome taufen lies (K Wimmis 5. Taufrodel 1724-1784. Seite 73) und am 10. Mai 1756 einen Ofen auf Landvogteirechnung reparieren durfte. Weitere Ofenreparaturen für die Landvogtei Interlaken (im Schloss, Gasthaus, Zollhaus, Pfisterei und in Unterseen-Neuhaus) im Jahr 1756 dürften bedeuten, dass er zu diesem Zeitpunkt noch in Wimmis wohnte.

Als erste ortsansässige Hafner in Wimmis werden Johannes Stucki (1751, 1753), Conrad Habicht oder Habik (von Schaffhausen, jetzt aber in Wimmis wohnhaft, 1758-1762), Johann Caspar Vogel (Landsase, 1759-1793 durchgehend in Wilderswil nachgewiesen, 1770 angeblich Ortsteil Kapf zwischen Wimmis und Reutigen, laut Eidregister des Kantons Bern lebt er 1798 in Frutigen „aufem Wyde“) und Andreas Schrot (1781) genannt.

Im bernischen Eidregister von 1798 (Rohrbach 1999) lässt sich für Wimmis erstaunlicherweise kein Hafner nachweisen.

Aufgrund des Taufrodels von Wimmis wissen wir aber, dass der Hafner Johannes Kunz aus Wimmis (1771-1835) zwischen dem 3.3.1799 und dem 22.3.1810 acht Kinder in Wimmis taufen lies (KRWimmis_6_49.55.61.64.68.71.77.83). Er hatte am 26.11.1798 in Zweisimmen, wo er Geselle des Blankenburger Hafners  Johann Jakob Hächler war (Rohrbach 1999, Nr. 1404) Katharina Stucki (1766-1838) aus Wimmis geheiratet (KRZweisimmen_14_127), deren Vater Johannes hiess. Ob es sich dabei um eine Tochter des Hafners Johannes Stucki (s.o.) gehandelt hat? Bei allen Kindstaufen wird als Wohnort des Paares der Ortsteil „Brodhüsi“ von Wimmis angegeben. Wir können nur vermuten, dass die Hafnerei Kunz bis zum Tod des Hafners Kunz 1835 in Betrieb war.

Für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt sich aufgrund einer Geldstags-Anzeige im Thuner Wochenblatt im Jahr 1846 weiterhin der Hafner Johannes Fischer aus Brienz in Wimmis nachweisen (Thuner Wochenblatt, Band 9, Nummer 86, 27. Oktober 1846).

Erst für das Jahr 1862 haben wir weitere Hafnernachweise in Wimmis. Für den Hafner Johann Jakob Loosli aus Sumiswald (gestorben 17.1.1897) und seine Frau Maria Tanner aus Langnau (gestorben  9.9.1909) wurde am 16.9.1862 ein totgeborenes Kind im Kirchenrodel von Wimmis eingetragen (KRWimmis_13_71). Zu diesem Zeitpunkt lebte das Paar auf der „Bodenmatte“ in Wimmis. Sie hatten erst kurz vorher in Bümpliz geheiratet (28.6.1862; KRSumiswald:31_9 Eherodel). Zu diesem Zeitpunkt lebte (und arbeitete?) das Paar in Heimberg. Das passt vermutlich zu einem Eintrag in der Fremdenkontrolle nach der der Hafner Jakob Loosli aus Sumiswald BE ab dem 13. Februar 1859 bei den Hafnern Niklaus Frei, Johann Küenzi und Christian Tanner in Heimberg an der Dornhalde arbeitete. Maria Tanner dürfte die Tochter Christian Tanners gewesen sein und war vermutlich in der väterlichen Werkstatt als Keramikmalerin (Ausmacherin) beschäftigt gewesen. Ob Johann Jakobs Vater Jakob oder einer seiner Vorfahren ebenfalls bereits Hafner war, entzieht sich unserer Kenntnis. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass im Eidregister von 1798 ein Hafner Hans Loosli (geb. 1765) von Sumiswald in (Mühle)-Thurnen BE verzeichnet wurde. Der genealogische Bezug zu Johann Jakob Loosli ist im Augenblick jedoch noch unklar.

Dem Hafnerehepaar wurden in Wimmis noch sieben weitere Kinder geboren (Maria 4.7.1864, Jakob Robert 5.10.1866, Alfred 4.7.1868, Karl Friedrich 19.3.1870, Anna Bertha 1872-12.1.1888, Johann Jakob 8.8.1883, Todgeburt 6.8.1888).

Die Bodenmatte befindet sich am östlichen Ortsrand von Wimmis. In welcher Liegenschaft 1862 die Töpferei untergebracht war, entzieht sich unserer Kenntnis. Erst 1892 erfahren wir von einer Hafnereiwerkstatt auf dem Grundstück Bodenmattstrasse 7. Diese hatte der Amtsrichter und Gemeinderatspräsident David Ast aus Wimmis, zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 1851 und vor 1892 errichten lassen (GBWimmis_8_499-501; GBWimmis_20_412-424).


Bodenmattstrasse 7, 1934.


Bodenmattstrasse 7, 1963.

Das Hafnereigebäude existierte in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch, ist heute jedoch abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

Erst 1880 gibt es weitere Hafner-Nachrichten. Unter dem 7. August 1880 vermeldete das Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern (Band 27, Nummer 63) den Tod des Hafners Samuel Tanner von Langnau, Hafner in Wimmis. War das ein Bruder oder Onkel von Maria Tanner, der in Wimmis mitarbeitete?

Am 29. Januar 1881 erfror der kinderlose Hafner Fr. Rüfenacht aus Walkringen in Wimmis im Oberdorf auf dem Rückweg aus Thun (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 28, Nummer 9, 29. Januar 1881). Ob er bei Loosli in Arbeit stand?

1891 suchte Hafner Loosli einen guten Arbeiter (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 38, Nummer 20, 11. März 1891).

1892 heiratete Alfred Loosli, Johann Jakobs Sohn. In diesem Zusammenhang wird er  ebenfalls als Hafner in Wimmis bezeichnet (Thuner Wochenblatt, Band 55, Nummer 84, 19. Oktober 1892). Er führte also offenbar die Werkstatt des Vaters weiter, der am 17. Januar 1897 verstarb (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 44, Nummer 47, 12. Juni 1897).

1912 unterstellte sich Alfred Loosli, Hafnermeister in Wimmis, der Honigkontrolle des Bienenzüchtervereins Niedersimmental (Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 59, Nummer 71, 4. September 1912).

1921 Die letzte Nachricht zu den Hafnern Loosli überliefert uns Fernand Schwab (Schwab 1921, 106, Anm. 72) bei der inhaltlich wohl nicht ganz korrekten Besprechung von Heimberger Geschirr mit kobaltblauer Bemalung und violettbrauner Beschriftung: „Wir haben den Urheber dieser Dekorationsweise in einem Töpfer namens Loosli feststellen können, der jahrelang im Heimberg tätig war und diese Technik aus einer Manufaktur in Neukirch brachte. Loosli hat dann später eine Töpferei in Wimmis gegründet, die noch jetzt von seinen Nachkommen betrieben wird.“ Es dürfte zutreffen, dass Johann Jakob Loosli diese Keramik in Heimberg kennengelernt und mit nach Wimmis genommen haben kann. Der Verweis auf Neukirch ist aber nicht plausibel und der Erfinder oder einzige Verfertiger dieses Dekors ist Loosli auch nicht.

Nur mit verlaufener kobaltblauer Bemalung und dunkelbrauner Beschriftung versehene Keramiken Heimberger Art lassen sich erstmals gesichert ab 1854 nachweisen. Dieser Stil, auch in Kombination mit mehrfarbigem Malhorndekor, wird in der Literatur aufgrund eines signierten Rasierbeckens (SST 649) gerne einer einzigen Werkstatt, d. h. dem Hafner David Anderes in Heimberg (1810–1873; Buchs 1988, 94), zugeschrieben (Wyss 1966, 40; Messerli-Bolliger 1991, 47–48; Roth-Rubi/Schnyder/Egger/Fehr 2000, 6–10; Boschetti-Maradi 2007, 58–59).

Jedoch ist dies aufgrund vorkommender Objektdatierungen dieser Gruppe (bis 1884, also mehr als 11 Jahre nach David Anderes Tod!) so wenig stichhaltig, wie die ausschliessliche Zuweisung zur Werkstatt Loosli in Wimmis durch Fernand Schwab (Schwab 1921, 106 Anm. 72). Es ist in keinster Weise gesichert, dass in Heimberg nur eine einzige Töpferei blau bemaltes Geschirr produzierte. So stellte z. B. Hafnermeister Christen Matthis in Heimberg in der Dornhalde 1872 sehr ähnliche Keramik her (MKB VI-3919).

Auch aus einer Töpferei im benachbarten Steffisburg liegen auf weisser Grundengobe partiell blau dekorierte Gefässfragmente der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor (Heege 2012, Abb. 12). Und für Langnau lässt sich ab 1840 (Heege/Kistler 2017, 117 Abb. 138) und vor allem nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls eine intensive Verwendung blauer, verlaufender Malhornfarbe belegen (Heege/Kistler 2017, 173).

Derzeit ist das Produktionsspektrum der Hafnerei Loosli unbekannt, zumal keine Gefässmarkierungen vorliegen.

Bibliographie:

Boschetti-Maradi 2007
Adriano Boschetti-Maradi, Geschirr für Stadt und Land. Berner Töpferei seit dem 16. Jahrhundert (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 19), Bern 2007.

Buchs 1988
Hermann Buchs, Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988.

Heege 2012
Andreas Heege, Drei neuzeitliche Grubeninventare von Jegenstorf, in: Archäologie Bern/Archéologie bernoise. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, 2012, 159-196.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen, in: Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Rohrbach 1999
Lewis Bunker Rohrbach, Men of Bern: The 1798 Bürgerverzeichnisse of Canton Bern, Switzerland, Rockport 1999.

Roth-Rubi/Schnyder/Egger u.a. 2000
Kathrin und Ernst Roth-Rubi/Rudolf Schnyder/Heinz und Kristina Egger u.a., Chacheli us em Bode… Der Kellerfund im Haus 315 in Nidfluh, Därstetten – ein Händlerdepot, Wimmis 2000.

Wyss 1966
Robert L. Wyss, Berner Bauernkeramik (Berner Heimatbücher 100-103), Bern 1966.

Schwab 1921
Fernand Schwab, Beitrag zur Geschichte der bernischen Geschirrindustrie (Schweizer Industrie- und Handelsstudien 7), Weinfelden/Konstanz 1921.

 

 

Winterthur ZH, Tonwarenfabrik Pfau & Hanhart (1878-1887)

Hanhart-Keramik aus einer Privatsammlung in der Schweiz.

Andreas Heege, 2021

Hanhart-Keramik in CERAMICA CH

Die uns vorliegenden Informationen zur Winterthurer Keramikfirma des (Eisenbahn-) Ingenieurs Heinrich Hanhart (15.10.1844-29.6.1889; Nachruf, auch Schweizerische Bauzeitung 14, Nr. 1, Seite 6), die von 1878 bis  etwa 1887 Bestand hatte, sind wenig umfangreich (Messerli-Bolliger 1991, 18;  Messerli 1995, 7-9). Zusammen mit seinem Cousin dem Architekten und späteren Technikumslehrer Jakob Pfau (1.11.1846-23.8.1923) gründete er 1878 an der Geiselweidstrasse (später Winterthur Mattenbach, Bäckerstrasse 1) eine Keramikfabrik, die 1879 ein erstes Mal erweitert wurde (Frascoli 2004, Taf. 7). Die beiden Cousins waren Söhne kunstinteressierter Winterthurer Familien (siehe eigene Zeitungsbeiträge von Heinrich Hanhart: Hanhart 1876, 1877, 1881). Matthäus Pfau, der Vater von Jakob, war auch Präsident des Kunstvereins Winterthur.

Offenbar war es schwierig 1879/1880 geeignetes Fachpersonal im Grossraum Winterthur-Zürich zu finden. Pfau & Hahnhart annoncierten daher im Täglichen Anzeiger für Thun und im Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, d.h. sie suchten Arbeiter in der Region Heimberg-Steffisburg.

 

1882 oder 1883 trennten sich die beiden Partner und Hanhart führte den Betrieb alleine weiter.  Jakob Pfau betrieb kurzfristig möglicherweise ein Fayence-Atelier in Winterthur und lieferte Entwürfe für Kachelöfen. Die Produkte der beiden waren 1883 getrennt auch auf der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich zu sehen (Katalog zur Landesausstellung 1883, 109 Nr. 1399; Messerli Bolliger 1991, 17 und 18).

Am 4. September 1886 versuchte Hanhart die Töpferei mit Hilfe einer Anzeige in der Zeitschrift „Der Grütlianer“ zu verkaufen.

1889 fungierte Jakob Pfau schliesslich als Liquidator für die Fabrik und versuchte mit unbekanntem Erfolg der Hafnerei Keiser in Zug  „Modelle“ der Keramikfabrik zu verkaufen (Schnyder/Felber/Keller u.a. 1997, 38 Anm. 57).

Welche Keramiker oder Keramikmalerinnen die beiden in der Keramik ungelernten Firmeninhaber beschäftigten, entzieht sich weitgehend unserer Kenntnis. Belegen lässt sich allerdings, dass in Hanharts Betrieb auch ausgebildet wurde. So absolvierte Elisabeth Meier (1866-1938) dort nach der Sekundarschule ab 1879 ihre Lehre als Keramikmalerin und hatte das „Malen auf Ton nach Heimberger Manier“ erlernt. Ausserdem war sie  laut Zeugnis von Heinrich Hanhart „befähigt, brauchbar und im Zeichnen nach Vorbild geschickt“. 1885 wechselte sie zur Hafnerei Keiser in Zug, heiratete 1894 den Betriebsinhaber Josef Anton Keiser und führte den Betrieb allein als Witwe von 1923-1938. Sie war eine hochtalentierte Keramikmalerin (Schnyder/Felber/Keller u.a. 1997,  bes. 38).

Die Produkte der Keramikfabrik von Heinrich Hanhart  „Fabrikant von decorirten Fayencen und Majoliken“ wurden im Bericht zur Landesausstellung 1883 vom Architekten Alexander Koch im Jahr 1884 intensiv besprochen (vgl. auch Messerli Bolliger 1991, 18-20):

„Von der mit reiner Malerei verzierten Keramik nehmen die von Hanhart in Winterthur ausgestellten Gegenstände weitaus den ersten Rang ein. Dieselben zerfielen der Hauptsache nach in drei Gruppen:

  1. Malerei auf weissem Gefässgrund, denselben theilweise sichtbar lassend;
  2. ebensolche, denselben ganz bedeckend;
  3. Malerei mit Emailfarben in der Art der Heimberger Technik, den Grund ganz bedeckend.

Die zwei ersten Gruppen zeigten Zeichnungen im italienischen Renaissancestil, während sich in der letzten Gruppe dieselben mehr der deutschen Renaissance näherten.

Schon im vorhergehenden Kapitel ist auf die Gefässe dieser dritten Gruppe hingewiesen worden, indem dieselben Denjenigen als Vorbild dienen können, welche in der Heimberger Technik wirklich künstlerische Leistungen nicht nur was den Gesammteindruck, sondern auch was das Detail anbelangt, hervorbringen wollen. Diese Technik ist hier mit grossem Verständniss angewandt und paart sich dieses Verdienst mit einer durchaus korrekten Zeichnung.

Auch die Gefässe der andern beiden Gruppen verdienen grosses Lob, wie sich denn überhaupt die Leistungen dieser Fabrik getrost neben diejenigen der ausländischen Konkurrenz stellen können. Nur etwas ist zu bedauern: die ganze Art ist, ohne Kopie zu sein, wenig original und jedenfalls keineswegs national. Diese Objekte sind alle ganz vorzüglich komponirt und ausgeführt, auch das Material ist in jeder Hinsicht tadellos, aber dieselben könnten so ziemlich überall gemacht worden sein, sie haben durchaus nichts spezifisch schweizerisches. Es ist diess zu bedauern, weil dadurch der Erfolg der Waare, die sich ganz unnöthiger Weise auf ein schon vielfach bebautes Feld stellt, trotz ihrer Vorzüglichkeit erschwert wird. Das Geschirr der dritten Gruppe zeigt in dieser Hinsicht noch am meisten Selbständigkeit, wesshalb es auch von der Jury speziell ausgezeichnet wurde.

Um Missverständnisse zu vermeiden, mag übrigens noch ausdrücklich hinzugefügt werden, dass unter „spezifisch schweizerisch“ nicht etwa die Darstellung von Sennen und Kühen etc. verstanden werden darf. Es ist auch nicht einmal gesagt, dass sich die Individualität der Art durch die Zeichnung auszudrücken habe, dieselbe kann überdiess noch im Material und in der Technik gefunden werden. Sind alle drei Faktoren original, so ist es um so besser. Bei der Winterthurer Fabrik, die das sämmtliche Rohmaterial vom Ausland zu beziehen genöthigt ist, wird allerdings der Schwerpunkt der Originalität in der Zeichnung liegen müssen.

Diese Fabrik kann sich überdiess dem Vorwurf nicht entziehen, dass ihre Muster seit ihrem Bestehen wenig variirt haben und wenig mannigfaltig sind, was um so mehr zu bedauern ist, als dieselben überdiess die nahe Verwandtschaft unter einander nicht verleugnen können. Es mag dieser Fehler in der sehr beschränkten Fabrikation liegen, und wäre zu wünschen, dass dieselbe, nachdem die Grundlagen für einen gesunden Fortschritt gefunden sind, baldigst zu einem grössern Betrieb übergehe, und alsdann auch nicht versäume, für den künstlerischen Theil sich angemessen zu vergrössern.

An den Winterthurer Fabrikaten hat man überdiess vorzügliche Gelegenheit, zweierlei Malweisen, die absolut verschieden sind, in mustergültiger Anwendung zu verfolgen. Die Gefässe der dritten Gruppe waren fast ausschliesslich mit opaker Farbe bemalt, während die der andern zwei Gruppen mit transparenten Farben dekorirt waren. Beide Farben haben selbstverständlich ihre Berechtigung, doch ist deren Verwendung an strikte Regeln gebunden. Während die transparenten Farben sich für das Mischen und Abtönen vorzüglich eignen und somit die Wiedergabe jedes beliebigen Farbeneffekts erlauben, bei welchem die Leuchtkraft und Transparenz der Farbe nicht störend wirkt, so ist die Verwendung der opaken Farbe durchaus auf den glatten eintönigen Auftrag beschränkt. Als Ausnahme ist höchstens eine äusserst diskrete Lasur von transparenter auf opaker Farbe gestattet. Opake und transparente Farbe lassen sich auch sehr wohl neben einander anwenden, wie diess die Heimberger Waare beweist, wo insbesondere das Blau bei den bessern Sachen stets transparent ist. Werden dagegen die opaken Farben unter einander oder mit transparenter Farbe vermischt, um Abschattirungen zu erhalten,. oder wird die opake Farbe unglatt aufgetragen, um in die Fläche Zeichnung zu bringen, so wird ein Effekt hervorgebracht, der durchaus unkeramisch ist. Das Resultat ähnelt einem schlechten Oelbilde. Einerseits wird durch dieses Vorgehen die Durchsichtigkeit und Zartheit, die wir an den transparenten keramischen Farben als Eigenthümlichkeit bewundern, zerstört, anderseits die Tiefe und Sattheit der Oelfarbe bei weitem nicht erreicht.“

Museal haben sich in der Schweiz nur wenige Keramiken der Firma Pfau & Hanhart  bzw. Hanhart erhalten.  Den grössten, zugleich auch publizierten Bestand verwahrt das Musée d’art et d’histoire, Neuchâtel (Blaettler/Ducret/Schnyder 2013, 496–499: MAHN AA-1776, AA-1777, AA-1778, AA-2246 bis AA-2253, AA-3290, AA-3291). Zwei Objekte verzeichnet auch der Sammlungskatalog des Schweizerischen Nationalmuseums (SNM LM-75481; LM-95464). Fünf Objekte besitzt das Gewerbemuseum Winterthur (Messerli 1993, 161; Messerli 1995,  76-78,  Inv. 555, 556, 572, 575 und  1559).

Eine sehr schöne Kanne konnte jüngst das Museum Allerheiligen in Schaffhausen erwerben (Inv. 61070).

Aus der Frühphase der Manufaktur gibt es bislang nur einen einzigen gemarkten Teller, der  2012 im Auktionshaus Zofingen (48. Auktion, Los 1685) versteigert wurde. Er trägt die Marke „PFAU & HANHART THONWAARENFABRIK WINTERTHUR“.

 

 

Die Stücke aus dem MAHN stammen möglicherweise überwiegend aus der Zeit nach 1882/83 und vor 1887, da sie „H H WINTERTHUR“ gestempelt oder  mit der Ritzung „H. Hanhart Winterthur“ signiert sind.

Die archäologischen Ausgrabungen, des heute durch moderne Bebauung  weitgehend zerstörten ehemaligen Fabrikareals, haben überwiegend aus einer Abfallgrube ein kleines, teilweise auch gemarktes Produktionsspektrum  aus Irdenware, Steingut und Ofenkeramik ergeben, das uns einen kleinen Einblick gewährt (Frascoli 2004, Taf. 34-38).  Unter der Irdenware befinden sich typische Horizontalstreifendekore der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie Keramik mit beidseitig roter Grundengobe  und Malhorndekor „Heimberger Art“,  Kannen mit Farbkörper in der Grundengobe, Spritzdekor und Springfederdekor. Ausserdem ist Keramik mit beidseitiger Manganglasur  überliefert.

Hanhart-Keramik im Internet

Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Hanhart bei Antik und Rar

Hanhart-Keramik im Schweizerischen Nationalmuseum

Bibliographie

Blaettler/Ducret/Schnyder 2013
Roland Blaettler/Peter Ducret/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH I: Neuchâtel (Inventaire national de la céramique dans les collections publiques suisses, 1500-1950), Sulgen 2013.

Frascoli 2004
Lotti Frascoli, Keramikentwicklung im Gebiet der Stadt Winterthur vom 14. -20. Jahrhundert: Ein erster Überblick, in: Berichte der Kantonsarchäologie Zürich 18, 2004, 127-218.

Hanhart 1876
Heinrich Hanhart, Die Förderung der Töpferkunst in der Schweiz, in: Schweizerisches Gewerbe-Blatt. Organ der Gewerbemuseen Zürich & Winterthur 1, 1876, 93-94.

Hahnhart 1877
Heinrich Hanhart, Fortschritte des Hafner-Handwerks und Wiederaufleben der Ofenmalerei in Winterthur. In: Schweizerisches Gewerbeblatt, Organ der Gewerbemuseen in Zürich und Winterthur 2, 149–151.

Hahnhart 1881
Heinrich Hanhart,  Fortschritte des Hafner-Handwerks und Wiederaufleben der Ofenmalerei in Winterthur. In: Schweizerisches Gewerbeblatt, Organ der Gewerbemuseen in Zürich und Winterthur 2, 36–38.

Koch 1884
Alexander Koch, Schweizerische Landesausstellung, Zürich 1883 : Bericht über Gruppe 17: Keramik, Zürich 1884.

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen, in: Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Messerli Bolliger 1993
Barbara E. Messerli Bolliger, Keramik in der Schweiz. Von den Anfängen bis heute, Zürich 1993.

Messerli 1995
Barbara E. Messerli, Durch Feuer geprüft. Sammlungskatalog Keramik des Gewerbemuseums Winterthur: Gefässkeramik, Keramikplastik und Fliesen, Winterthur 1995.

Schnyder/Felber/Keller u.a. 1997
Rudolf Schnyder/Friederike Felber/Rolf Keller u.a., Die Entdeckung der Stile. Die Hafnerei Keiser in Zug 1856-1938. Ausstellung vom 10. November 1996 bis 1. Juni 1997, Museum in der Burg Zug, in: Keramik-Freunde der Schweiz Mitteilungsblatt 109/110, 1997, 7-57.