Archiv

Thayngen SH, Lenhard, Konrad, Hafnerei

Andreas Heege, Andreas Kistler, 2023

Konrad Lenhard-Zürcher (1837-1896), Sohn des Conrad Lenhard (Zimmermann?), wurde am 10.12.1837 in Thayngen getauft. Er erlernte an unbekanntem Ort den Beruf des Hafners. 1857 finden wir ihn als Gesellen bei Hafner Burkhard in Oppligen, 1858 arbeitet er bei Hafner Johann Gasser in Oberwichtrach und von September 1859 bis August 1861 in der Hafnerwerkstatt Grossglauser/Böppli in Oppligen (Fremdenkontrolle Bern). Irgendwann in dieser Zeit wird er die Keramikmalerin (Ausmacherin) Rosina Zürcher (getauft in Amsoldingen 24.Sept. 1837, gestorben im Juli 1898 in Thayngen) kennengelernt haben. Ihr Vater Johann Zürcher (1800-1868; Heimatort Trub) war Käser und mit Elisabeth Trachsel (1804-1870) verheiratet (Stammbaum Zürcher). Konrad und Rosina heirateten am 5. April 1861 in Bern in der Nideggkirche und waren zu diesem Zeitpunkt in Oppligen wohnhaft (Kirchenrödel Trub 26, 176). Vermutlich können wir davon ausgehen, dass auch Rosina in einer der dortigen Hafnerwerkstätten Arbeit hatte.

Offenbar kehrte das Paar relativ bald nach Thayngen zurück, denn 1865 finden wir Konrad Lenhard als Hafner im Adressbuch des Kantons Schaffhausen verzeichnet.

Kantonale Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Schaffhausen, Katalog der Aussteller, Schaffhausen 1880, 11, Nr. 7.

1880 findet er sich als Aussteller auf der Kantonalen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Schaffhausen, wo er ein schönes Geschirrspektrum ausstellt.

Dies Beteiligung brachte ihm zunächst eine sehr positive Besprechung im «Schaffhauser Intelligenzblatt» (3. August 1880) ein:  «Mit Recht dürfen wir auf die Erzeugnisse des Hrn. Lenhard aufmerksam machen. Wir finden hier die Nachbildung der rühmlich bekannten Heimbergerwaare, der man beginnt, grössere Aufmerksamkeit zu schenken, als dies bislang der Fall war. Wenn Hr. Lenhard nach bestimmten Modellen arbeitet, so wird er ein äusserst lohnendes Arbeitsfeld finden.» Offenbar ergaben sich jedoch auch verschiedene Anfeindungen, denn es wurde bezweifelt, dass er seine Ware selber hergestellt haben könne. Dagegen wehrte er sich am 8. und 10. August 1880 im Schaffhauser Intelligenzblatt: «Da von gewisser Seite Zweifel darüber geäussert und verbreitet werden, dass die von mir ausgestellten Arbeiten wirklich eigenes Fabrikat sind, so lade ich hiemit jeden Interessenten freundlich ein, sich in meiner Werkstatt selbst davon zu überzeugen. Thayngen, im August 1880. K. Lenhard, Hafner» (alle Zitate nach Schiendorfer 2017).

1880 datierte und signierte Fruchtschale von Konrad Lenhard in der Sammlung des Museums Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

Aufgrund erhaltener Originale im Museum Allerheiligen in Schaffhausen kann kein Zweifel bestehen, dass Konrad Lenhard, sicher mit Unterstützung seiner Frau als Keramikmalerin, Keramik im Stil der frühen Thuner Majolika mit Veilchenblüten fertigte (sog. „Pariser Geschirr“), wie es die Heimberger Hafner 1878 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt hatten.

Milchkännchen aus dem Museum Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

Erst 1889 hören wir unter dem Titel „Einheimisches Kunstgewerbe“ erneut von der Werkstatt (Schaffhauser Intelligenzblatt vom 20. August 1889): „Dieser Tage habe ich nun dem Meister bei passender Gelegenheit einen Besuch machen können und denselben sammt seiner kunstgeübten Frau und Gehülfin in der Werkstatt bei der Arbeit gesehen. Es ist der treffliche Hafnermeister Konrad Lenhard in Thayngen, dessen Töpfergeschirr wegen seiner Güte und Haltbarkeit schon länger in bestem Rufe steht. Weniger bekannt ist aber eben die Thatsache, dass derselbe auch sehr schöne und vorzüglich gebrannte Schauwaare, wie Vasen aller Art, Platten, zierliche Krüge, ganze bemalte und verzierte Kaffeeservice und dergleichen mehr zu fertigen versteht, deren Zeichnung und Bemalung von der Hand der Frau Lenhard, einer geborenen Heimbergerin, herrührt. … Kurzum, die Erzeugnisse der kunstfertigen Hände unseres Hafnermeisters und seiner Frau sind wohl werth, dass man einmal extra in Thayngen einen Besuch macht.“ Die Hafnerei stand laut  Andreas Schiendorfer in Thayngen an der Biberstrasse.

Kanne aus dem Museum Allerheiligen in Schaffhausen (Foto Daniel Grütter).

 Keramik von Konrad Lenhard ist im Museum Allerheiligen (u.a. Malhörnchen von Rosina Lenhard von 1895, Inv. H17499), Schaffhausen (Inv. H6186, H17102, H17500, H17502-17507, H17690, H17691, H19681, H20287, H22984, H52002, H53203, H53204, H53206-H53209, H53211), im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich (Inv. LM-50236, 50237) und im Reiatmuseum in Thayngen erhalten.Konrad und Rosina hatten einen Sohn Fritz, der ebenfalls Hafner war und die Hafnerei sicher noch 1915 betrieb (Moser 1979; Schiendorfer 1979, 8-9). Wann die Produktion genau eingestellt wurde, ist im Augenblick nicht bekannt.

Bibliographie:

Moser 1979
Kuno Moser, Jakob Spühler, der Töpfer von Wil/Buchenloo, in: Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 92, 1979, 9-11.

Schiendorfer 2017
Andreas Schiendorfer, Thaynger Keramik im Berner Oberländer Stil. THAYNGER Anzeiger, 14. NOVEMBER 2017.

Thun BE, Hafnerei Gebrüder Lanz

Keramik der Gebrüder Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei der Gebrüder Lanz an der Krankenhausstr. 24 in Thun ist nicht aufgearbeitet. Die Produktionszeit umfasst vermutlich die späten 1920er-Jahre.

Erster Hinweis Oberländer Tagblatt 4. September 1926.

Eintragung der Firma ins Handelsamtsblatt 30. Mai 1932 (SHAB 50, 1932, 1342).

Nach dem Tod von  Adolf Ernst Lanz Im Jahr 1975  wurde der Betrieb aufgelöst (SHAB 93, 1975, 2236, 5. August 1975).

Die Hafnerei Lanz in Thun-Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun, sind nicht dasselbe.

 

Thun BE, Musée céramique (Keramikgrosshandel)

Andreas Heege, Pierre-Yves Tribolet, 2026

Keramik des Musée céramique in CERAMICA CH

Einleitung

Die Geschichte des „Musée céramique“ kann nicht ohne die Vorgeschichte der Weltausstellung in Paris 1878 erzählt werden.

Auf diplomatischen Druck aus Frankreich beschloss der Schweizerische Bundesrat eine Teilnahme an der Weltausstellung 1878 in Paris.

Zur Vorbereitung bereiste 1877 Eduard Guyer-Freuler (1839-1905), der Schweizerische Generalkommissar für die Weltausstellung, das Berner Oberland. Sein Augenmerk galt dabei der Holzschnitzerei und der Heimberger Töpferei, die – Zitat -: «seit zwei Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen» habe  (Protokoll des Grossen Rates des Kantons Bern, Beratung 1877 über den Kredit für die Weltausstellung). Mit Hilfe des Thuner Ziegeleibesitzers Oberst Karl Schrämli (1831-1899, zur Person siehe Artikel im HLS) gelang es, die drei innovativen Hafner Bendicht Küenzi, Christian Eyer und Johann Schenk-Trachsel zur Teilnahme zu bewegen.

Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Paris 1878.

Die Ausstellung wurde für die Töpfer zu einem grossen Erfolg. Die drei Hafner fuhren nicht persönlich nach Paris, sondern liessen sich dort von dem von dem Kaufmann Johann Heinrich Schoch-Läderach (21.3.1839-1.6.1911, Heimatort Utzwil-Henau SG) als Kommissionär vertreten. Dessen besonderer Verdienst war es laut Karl Huber (1906, 279), dass er die richtigen Verbindungen mit nachhaltiger Wirkung anzuknüpfen vermochte (TAT,  4.9.1878, Bd. 2, No. 209). Von Schoch-Läderach, der später die bedeutende Thuner Handelsfirma «Musée céramique» führte, hören wir hier zum ersten Mal. In den Quellen und Archivalien bleibt seine Person merkwürdig «farblos» und unbestimmt. Johann Heinrich Schoch wurde im Dezember 1872 die Niederlassungsbewilligung in St. Gallen als Kaufmann erteilt (Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 11. Dezember 1872). Wann und warum er nach Thun kam und wie er zum Kommissionär der Hafner wurde, ist unbekannt. Er heiratete am 10.2.1876 in St. Gallen Emilie Theresia Läderach (3.1.1855-1.11.1924, Heimatort Bolligen BE). Das Paar bekam zwei Töchter (Emilie Helene Leonora, 10.3.1878-25.4.1902, getauft in Münsingen, und  Sophie Amalie Helena, 31.3.1881-?, getauft in Thun).


Mit der Marke Schoch-Läderach (Vogel, P[oterie], SL) versehene Keramik. ab 1878 (SST-05185, SST-14631, SST-14178). Es ist nicht klar, wann diese Stücke genau gefertigt wurden und wie lange Schoch-Läderach diese Marke anbringen liess. Stücke die eindeutig 1878 in Paris gekauft wurden, besitzen heute nur das Victoria& Albert Museum in London (V&A Inv. 712-1878 bis 718-1878, 736-1878, 737-1878), das Nationalmuseum in Oslo (OK-00358 und OK-00359) und das Gewerbemuseum in Winterthur (Inv. 554, 576). Erstaunlicherweise gibt es keinen einzigen Vedutenteller von Schoch-Läderach (siehe unten Landesausstellung 1883) mit dieser Marke.

Im Ausstellungsraum des Kantons Bern im Schweizer Pavillon stellten die Hafner 333 Stücke aus, die sich bis zu 30fach verkauften ( TAT 4.9.1878, Bd. 2, No.  209: „Künzi hat ausgestellt 170 Stück, Schenk 88 und Eier 75“). Schoch-Läderach bewegte die Hafner dazu, die Keramik mit seiner Marke zu versehen. Der deutsche Kunstkritiker Friedrich Pecht urteilte: «So sind die emaillierten Fayencen der Fabrik in Heimberg bei Thun eine charmante Specialität, die das Princip der Ornamentation indischer Shawls mit viel Glück auf diese Thongefäβe übertragen, Blumenformen dicht gedrängt aus einem dunklen Grund herausschimmern lassen» (Neue Zürcher Zeitung, 15 August 1878). Laut dem Besucherbuch von 1878 (heute im Bundesarchiv in Bern) besuchten nach Auskunft des General-Kommissars etwa 24.000 Personen den Schweizer Pavillon.

Urkunde zur Silbermedaille für die Bendicht Künzi (1822–9.3.1878), Oppligen bei der Rotachenbrücke. Diese konnte nur noch durch seine Witwe entgegengenommen werden, da Künzi schon vor Eröffnung der Ausstellung verstarb (SST-07168).

Bericht über die Ausstellungsmedaillen Paris 1878, NZZ 27.10.1878.

Die Heimberger Keramiker erhielten an der Weltausstellung eine Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Schoch-Läderach nutzte die Gunst der Stunde und eröffnete in Paris ein Ladengeschäft, wo er die Heimberger Ware auch nach Ende der Ausstellung unter seinem Namen weiterhin verkaufte. Vom 15.6. bis 2.11.1878 fanden sich Anzeigen für einen Salesroom in der Avenue de l’Opéra 17 im „American register for Paris and the continent, Bd. XI“.

Am 8. Dezember 1878 konnte man in Paris im Journal «L’Europe Artiste» nachlesen, dass Schoch-Läderach «…aujourd’hui son dépôt de l’Avenue de la Bourdonnaye, 43, en face la porte Rapp…» hatte. Das Blatt führte weiter aus: «Wir glauben die Ansicht aller Künstler und Kenner auszusprechen, wenn wir den bemerkenswerthen, in Paris vertretenen schweizerischen Töpferei-Produkten eine dauerhafte Beliebtheit versprechen, wozu ihr Werth und ihre künstlerischen Vorzüge sie in jeder Beziehung berechtigen.»

Der «Annuaire-almanach du commerce, de l’industrie, de la magistrature et de l’administration» aus den Jahren 1880 und 1881 verzeichnete Schoch Läderach schliesslich in Paris in der Rue des Petites-Ecuries 45 und gibt zusätzlich an: «médaille argent Paris 1878; Manufacture à Thoune, Majoliques Suisses et Faïences d’art,  Dépôt à Paris». Schoch-Läderach war also offenbar umgezogen. Spätere Standorte eines Ladens lassen sich für Paris nicht mehr nachweisen. Eine von Schoch-Läderach in seiner Werbeanzeige zur Landesausstellung 1883 und in seiner Standdekoration behauptete «Goldmedaille» für die Weltausstellung von 1878 ist erfunden.

Eine weitere Silbermedaille will Schoch-Läderach laut seiner Anzeige von 1883 auch in Brüssel erhalten haben, ohne dass für die Ausstellung ein Jahr angegeben wird. Möglicherweise handelt es sich um die «Exposition nationale de 1880 Bruxelles» oder eine damit verbundene Industrie-Ausstellung, mit der der belgische Staat seinen 50. Geburtstag feierte (Bericht im Zuger Volksblatt 20, No. 3, 10. Januar 1880). Eine Medaillenmeldung fand in der schweizerischen Presse offenbar nicht statt. Ein Eintrag im offiziellen Ausstellerkatalog fand sich nicht.

Schoch-Läderach stellte auch auf der Allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz- und der Local-Gewerbe-Ausstellung zu Frankfurt a.M. aus, die am 10. Mai 1881 eröffnet wurde und bis zum September dauerte. Dort erhielt er tatsächlich eine Silbermedaille, wie Der BUND am 28.9.1881 berichtete.

Am 23. Dezember 1880 (Intelligenzblatt der Stadt Bern) annoncierte Schoch-Läderach einmalig: «Schöne Festgeschenke! Schweizer-Majolika! von Schoch-Läderach in Thun. Dépôt: Bern Amthausgasse 70, 1. Stock». Auch diese Anzeige fand keine spätere Fortsetzung, sodass wir nicht wissen, ob Schoch-Läderach in Bern tatsächlich längerfristig ein Ladenlokal unterhielt oder seine Ware später vornehmlich über bernische Geschirrhändler absetzte.

Das Musée céramique unter  Johann Heinrich Schoch-Läderach 1882-1890

Aufgrund eines familiären Unglücksfalls erfahren wir, dass er spätestens im März 1882 in Thun im Haus neben der Plätzliterrasse wohnte. Seine vierjährige Tochter Emilie Helene Leonora fiel vom Balkon und erlitt einen Schädelbruch (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, Bd. 29, No. 25, 29.3.1882), den sie überlebte. Es dürfte sich um das heutige Gebäude Freienhofgasse 1 handeln.

Musée céramique in Thun, undatierte Aufnahme (Schweizerisches Nationalmuseum, SNM LM-75640-19).

Schoch-Läderachs eigentliches Verkaufsgeschäft lag jedoch auf der anderen Strassenseite der heutigen Oberen Hauptgasse und trug laut dem Fremdenführer von A. de Baroncelli, «Jura&Suisse, l’Oberland bernois» (Paris, undatiert, S. 126) die Bezeichnung «Musée céramique de majoliques de Thoune».

 Musée céramique, Hofstettenstrasse 4 (Quelle: Thunensis.com)

Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde das Musée céramique in das heutige Gebäude Hofstettenstrasse 4 verlegt.

Schweizerisches Handelsamtsblatt SHAB 1, No64, 511, 30.3.1883.

Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883,  No. 1&2, Seite 6, vom  November 1882.

Wann Schoch-Läderach das Geschäft bezog und vor dem Jahr 1883 so taufte, ist unbekannt, denn bei der Geschäftsanmeldung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) vom 30. März 1883 wurde die Firma nur mit seinem Namen bezeichnet. Gleichzeitig wurde angegeben, dass er sein Geschäftslokal in Thun am Plätzli habe. Als Geschäftszweck wurde eingetragen: «Poterie artistique majolique».

Schoch-Läderach liess seine Fabrikmarke («Vogel über einem P [oterie] und daneben die ligierten Buchstaben SL») 1883 nicht im Schweizerischen Handelsregister eintragen. Sie findet sich, als einzige Quelle, in Schochs Werbeanzeige  in der Offiziellen Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883,  No. 1&2, Seite 6, vom  November 1882. Dort zeigt er auch die ihm angeblich verliehene Goldmedaille der Weltausstellung Paris 1878 und verweist auf die Silbermedaillen von Brüssel (?) und Frankfurt 1881.

Kuchenplatte mit Papieraufkleber, bald nach 1878. Privatbesitz Schweiz.

Es existieren wenige Keramiken, die die Fabrikmarke von Schoch-Läderach auch als Papieraufkleber tragen. Vermutlich erklärt dies zusammen mit den übrigen bekannten Aufklebern , warum wir aus der Frühphase des Musée céramique so wenig gemarkte Stücke und überhaupt keine gemarkten Vedutenteller kennen. Möglicherweise stellte er bald nach 1878 vollständig auf Papieretiketten um, da ihm dies ermöglichte problemlos Ware verschiedenster Hersteller für sein Musée céramique zu beziehen.

Aufkleber des Musée céramique unter Schoch-Läderach. Fotos Internet.

Offizieller Ausstellungskatalog zur Landesausstellung 1883.

Die nächsten, wichtigen Informationen zu Schoch-Läderach und seinem Musée céramique erhalten wir im Zusammenhang mit der Landesausstellung in Zürich, die am 1. Mai 1883 ihre Tore öffnete.

Keramik-Pavillon auf der Landesausstellung in Zürich 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich).

Dort stellte er im Keramik-Pavillon neben verschiedenen anderen Keramikproduzenten eine Kollektion Thuner und Heimberger Majolika aus: Samuel Born-Straub (Heimberger Majolika, Aussteller Nr. 1376), der Kollektivausstellung der Heimberger Hafner (Gewöhnliches Gebrauchsgeschirr, Aussteller Nr. 1383), der Fabrik von Johannes Wanzenried (Majolika, Vasen, Platten, Services, Intarsien für Möbel, Vertäfelungen, Zimmerdekoration, Kunst- und Gebrauchskeramik, Aussteller Nr. 1391), Richard Grüninger, Hafner, Berneck (Kollektion Töpferwaren, Austeller Nr. 1397), H. Hanhart, Winterthur (Decorierte Fayencen, Aussteller Nr. 1399), A. Krebser & Co., Heimberg (Platten, Vasen, Krüge, überhaupt Decorationsgegenstände in schöner antiker Facon, Aussteller Nr. 1405), Pflüger, frères, Lausanne, Fabrique à Nyon (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1417-1), Jules Michaud, Manufacture des poterie à Nyon (Poteries blanche, Aussteller Nr. 1417-2), Picolas & Degrange, Carouge (Echantillons des faïences fines, Aussteller Nr. 1418), Alexander Schwartz, Genf (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1429) und Ziegler’sche Thonwaarenfabrik Schaffhausen (Feuerfestes Kochgeschirr, Fayence, Steingut, Aussteller 1443).

Stand auf der Landesausstellung 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich). Im zentralen Blickpunkt des Standes die erstmals gezeigten Vedutenteller.

Vedutenteller, zentrale Ölmalerei, Tellskapelle am Vierwaldstättersee. Auf der Fahne das 1883 erstmals gemalte Edelweiss. Entgegen Messerli (1995) gibt es bislang keine Hinweise auf eine frühere Verwendung des Edelweiss auf Keramik.

Dass auf dieser Ausstellung erstmals Keramik mit dem später so bedeutenden Edelweiss (Leontopodium alpinum) gezeigt wurde, erwähnen die zahlreichen veröffentlichten Rundgänge durch die Ausstellung ebensowenig, wie die Tatsache, dass Schoch-Läderach auch zum ersten Mal Vedutenteller mit Ölmalerei im Zentrum präsentierte (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 141, 21. Mai 1883; La Suisse Liberté 20, No. 122, 26. Mai 1883; Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, No. 157, 5. Juli 1883; Courierde l’art 3, Num. 31, 2. August 1883; Hinkende Bote, 157, 1884, besonders Seite 55; Le National Suisse – Journal Neuchatelois 28, 1883, No. 181, 4. August 1883; so auch: Ziegler 1883, 5-6). Spätestens seit 1869 Elijah Walton’s „Flowers From The Upper Alps With Glimpses of Their Homes“ mit der Chromolithographie eines Edelweiss erschienen war, hatte diese Pflanze, stellvertretend für die übrigen Alpenpflanzen bei den vor allem englischen Touristen der Schweiz extrem an Beliebtheit gewonnen.

Edelweiss, Leontopodium alpinum, Fluhalp, Oberrothorn VS. Foto Andreas Heege. 

Das Edelweiss tauchte jedoch bereits 1860 in den romantischen Bergsteiger-, Förster- und Liebesgeschichten des deutschen Lyrikers Christian Hoeppl (1826-1862) auf, die auch in der Schweiz nachgedruckt wurden (Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 22, 1. Juni 1860). Es avancierte zur Bergsteiger und Romantik-Blume. Weitere deutsche und schweizerische „Volksschriftsteller“ folgten mit ihren Romanen und Lyrikbänden (siehe https://www.e-newspaperarchives.ch, Suche nach „Edelweiss“). Zusammen mit der Alpenrose wurde das Edelweiss Symbol für die schweizerischen Nationalfarben (Der Bund, Band 16, Nummer 99, 10. April 1865), Gedichtbände und Sonntagszeitungen erschienen unter dem Titel „Edelweiss“, Theaterstücke wurden aufgeführt („Almenrausch und Edelweiss“ – Häusliches Charackter-Gemälde aus dem Bayerischen Hochgebirge“), Hotels nach der Blume benannt.  Edelweiss sammelte man schliesslich hemmungslos und verkaufte die Blume auch getrocknet zu horrenden Preisen an Touristen. Ab 1871 finden sich dann die ersten Presseaufrufe zum Schutz der einheimischen Flora: „La destrucziun da nossa Flora engiadinaisa.“ (Fögl d’Engiadina, Band 14, Nummer 37, 9. September 1871), denen sich der Schweizerische Alpenklub (SAC) 1878 anschloss, nachdem bereits 1874 der Deutsch-Österreichische Alpenverein zum Schutz des Edelweiss aufgerufen hatte. Zur Popularisierung trugen die breit ausgestreuten Pressenachrichten von „Todesstürzen beim Edelweiss-Suchen“ nicht wenig bei. So verwundert es nicht, dass 1873 erste Werbungen für deutsche Porzellanmalereien von Alpenblumen zu Dekorationszwecken erschienen (Der Bund, Band 24, Nummer 18, 19. Januar 1873). Bereits 1875 verkauft die Fleuristin Witwe Stämpfli in Bern „künstliche Alpenrosen und Edelweiss“ (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1875). Und in den späten 1870er-Jahren beschlossen verschiedene Kantone und Gemeinden, das Ausreissen des Edelweiss unter Strafe zu stellen. So ist es denn wohl kein Wunder, dass die Blume nicht nur die neue schweizerische Banknotenserie von 1883 zierte sondern auf der Landesausstellung 1883, neben den St. Galler Spitzen und Stickereien bzw.  in Form von Brienzer Schnitzereien oder als Silber-Filigranschmuck und Göllerketten, schliesslich auch die Keramik eroberte.

Ausgelöst durch einen Korrespondentenbericht der Basler Nachrichten kam es rund um Schoch-Läderach zu einer „Presseschlacht“ (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 42, 26. Mai 1883). Dabei wurde ihm vorgeworfen, dass er reglementswidrig seinen Stand erst nach allen Konkurrenten bis zum 23. Mai abschliessend eingerichtet habe, dass die auf dem Stand plakativ präsentierten Medaillen möglicherweise gar nicht ihm verliehen worden seien, dass er nur Zwischenhändler und nicht Produzent sei und dass die auf seinem Stand 1883 erstmals gezeigten „flachen Teller mit farbenleuchtenden Landschaften“ (Vedutenteller) nicht unter die Gruppe Keramik, „speziell Majolika“ sondern weit eher zu den Ölgemälden gehören würden. Ausserdem wurde ihm vorgeworfen, er würde 75% des Gewinns aus dem Keramikverkauf für sich verbuchen.

Diese Vorwürfe waren denn doch wohl so schwerwiegend, dass sich Schoch-Läderach zu einer Gegendarstellung entschloss, die uns verschiedene wichtige Informationen liefert (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 44, 2. Juni 1883). Er gab vor, für jede der Medaillen die entsprechenden Original-Diplome vorweisen zu können (Kommentar: Was nicht stimmen kann, s.o.). Dass er als Zwischenhändler berechtigt sei an der Ausstellung teilzunehmen, begründete er mit der Tatsache, dass er seit 5 Jahren (also seit 1878) sechs Töpferwerkstätten mit 25 Arbeitskräften beschäftigen würde, die ausschliesslich für ihn und nach seinen Mustern arbeiten würden. Zu den weiteren Vorwürfen nahm er nicht Stellung. Die Redaktion merkte in Bezug auf die Medaillen noch an, dass Schoch-Läderach auf die Silber und Bronzemedaillen der Weltausstellung 1878 Anspruch erheben würde und die Goldmedaille nicht der Weltausstellung Paris 1878 sondern einer weiteren französischen Ausstellung in den Champs Elisées in Paris im Jahr 1879 zuzurechnen sei (Kommentar: hierfür haben sich bislang keine Quellen finden lassen).

Der Korrespondent der Basler Nachrichten nahm am 9. Juni ebenfalls Stellung (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 46) und verteidigte seinen Bericht, wobei er noch einmal drastisch mit dem Zwischenhandel ins Gericht ging und den Ausstellungsorganisatoren im Bereich der Gruppe 17-Keramik mangelndes Problembewusstsein und fehlendes Durchgreifen vorwarf. In einer Replik der Redaktion wurde noch einmal scharf gegen die Vedutenteller mit ihrer Ölmalerei geschossen, weil diese das Publikum in Bezug auf die malerische Qualität in die Irre führen würden und so die konkurrierenden Produzenten, die bei ihrem keramischen Handwerk und seinen Möglichkeiten blieben, schädigen würde. Die Redaktion forderte einen Ausschluss der Vedutenteller aus dem keramischen Pavillon.

Weitere Informationen zum Streit gibt es in der lokalen Presse nicht. Ein Ausstellungsrundgang vom 7. Juli 1883 (Thuner Wochenblatt 46, Num. 54) hebt die hervorragende Arbeit von Schoch-Läderach hervor und schreibt die Vorliebe des Publikums für Schoch-Läderachs Stand der Tatsache zu, dass dessen liebenswürdiger Vertreter E. Simsky täglich vor Ort sei und Auskunft geben könne. Ein Bericht der „Berner Post und Tagblatt der Stadt Bern“ vom 17. Juli 1883 würdigt die Keramikausstellung sehr umfassend und unterstreicht noch einmal kritisch die Überraschung unter der Keramik auch solche mit vermutlich wenig haltbarer Ölmalerei vorzufinden, die als „nichtkeramische“ Modeerscheinung längerfristig der Heimberger Keramikproduktion nachteilig werden könne.

Schoch-Läderach erhielt wohl wegen dieser Anfeindungen und einer eindeutigen Stellungnahme der Jury (Koch 1884) im Gegensatz zu Samuel Born-Straub, Johann Wanzenried, Heinrich Hanhart  und der Ziegler’schen Thonwaarenfabrik in Schaffhausen kein Ausstellungs-Diplom (Schweizerische Bauzeitung, Bd. II, Nr. 8, 1883, 49-50).

Vedutenplatte mit Ansicht des Uri-Rotstocks über dem Vierwaldstätter-See. Privatbesitz Schweiz.

Alexander Koch (1848-1911), Architekt und späthistoristischer Stilpluralist, der Berichterstatter zur Gruppe 17-Keramik urteilte (Koch 1884, 46-47, vgl. auch Messerli Bolliger 1991, 70): «Neben diesen im Prinzip verfehlten Versuchen, die Ölfarbeneffekte auf keramischem Wege herzustellen, waren Objekte ausgestellt, bei denen nur ein Theil mit ächtem Decor, der andere Theil dagegen vermittelst Bemalung mit wirklicher Ölfarbe kolorirt war. Hauptsächlich waren Teller vertreten, in deren Fond eine Schweizerlandschaft gemalt, der Rand aber mit ächter Malerei und Glasur versehen war, wenn nicht auch dieser hatte herhalten müssen, um die Nationaltrachten in Öl aufzunehmen. So lange die Jury amtete, wagte es zwar keiner der Fabrikanten, solch elendes Machwerk, in welchem die Keramik prostituirt wird, zum Vorschein zu bringen, im Verlauf jedoch erschien es auf mehreren Tischen. Den Sachverständigen gegenüber entschuldigten die betreffenden Aussteller diese Gegenstände, indem sie erklärten, dass nur Rücksichten auf die Forderungen des Verkaufs sie hätten bewegen können, ihren ächten Sachen derartigen Schund beizufügen. Ich glaube auch zur Ehre unserer keramischen Fabrikanten versichern zu können, dass die Idee dieser traurigen Dekorationsweise nicht von ihnen ausgegangen, sondern jedenfalls der emsigen Geschäftsdurstigkeit einer edlen Krämerseele zu verdanken ist.»

Gleichwohl kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Vedutenteller auch für die kommenden Jahrzehnte bei den finanzstarken Touristen ein voller Erfolg waren, dem sich längerfristig auch die Manufaktur Wanzenried und andere Heimberger Hafner nicht verschliessen konnten, wie die erhaltenen signierten Vedutenteller vor allem auch der Sammlung der Stiftung Schloss Thun zeigen.

Ein Zürcher Hotelier war offenbar so beeindruckt, dass er Ende 1883 den Speisesaal seines „Hotel Habis“ mit Tellern und Platten von Schoch-Läderach ausstatten lies (Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, Num. 298, 16. Dezember 1883).

Die Landesausstellung 1883 wurde zwischen dem 1. Mai und dem 30. September von 1.698.756 Personen besucht und war ein grosser Erfolg (Offizielle Ausstellungszeitung No. 38, 10.10.1883, S. 356).

Wohl französische „Majolika“-Platte mit dem Aufkleber von Schoch-Läderach, Fotos Internet.

Schoch-Läderach war ein Keramikhändler. Es erstaunt daher nicht, dass er auch andere Keramik als die in Heimberg hergestellte Thuner Majolika verkaufte und diese mit seinem Aufkleber versah.

Katalog Schoch-Läderach für Keramiken der Firma Wilhelm Schiller und Sohn, Bodenbach, Böhmen. Keramikbeispiele aus der Stiftung Schloss Thun (SST-13706, SST-13707) und aus der Privatsammlung Humbert in Paris.

Für die von ihm verkauften Produkte der «Siderolith»-Fabrik von Wilhelm Schiller und Sohn aus Böhmen lies Schoch-Läderach sogar einen eigenen Fotokatalog drucken. Der Katalog gibt keinen Hinweis auf WS & S als Hersteller. Der Katalog hat nur in Form von Fotokopien vorgelegen. Der Umschlag preist an: «Manufacture de poteries artistiques – Copies des formes découvertes aux ruines de Troie par le célèbre archeologue Dr. Schliemann – Décors égyptiens et mauresques». Die «trojanischen» Keramikformen (wohl am ehesten die Kannenformen; vgl. Schliemann 1874) befinden sich auf der ersten Katalogtafel, die mauresken Dekormotive auf der ersten und zweiten Tafel, die «ägyptischen» auf der dritten erhaltenen Tafel. Tafel 2 beinhaltet darüber hinaus eine mit einem Fisch verzierte Säule für einen grossen Neo-Renaissance-Blumentopf, die stark an ähnliche Arbeiten der südfranzösischen Kunstkeramikerdynastie Massier in Vallauris erinnert (Benadretti-Pellard 2009; Decker 2000; Forest/Lacquemant 2000).

Das wohl von Schoch-Läderach in Auftrag gegebene Titelblatt weckt die falsche Erwartung (Messerli 1995, 98 Anm. 14), dass man es hier mit Heimberg-Steffisburger Produkten aus der Zeit der Thuner Majolika zu hätte. Dem ist jedoch mitnichten so. Für eine grössere Anzahl der Gefässe lässt sich dagegen aufgrund von Objekten aus dem Kunsthandel der Nachweis erbringen, dass sie in der zwischen 1850 und etwa 1910 produzierenden böhmischen Fabrik von Wilhelm Schiller & Sohn in Obergrund bei Bodenbach auf dem Nordufer der Elbe, kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze (heute Horní Žleb Ortsteil der Stadt Děčín (Děčín XIV) gefertigt wurden (zur Fabrik Zühlsdorff 1994, 476 mit falschen Firmendaten; teilweise korrekte Daten zur Firmengeschichte: https://www.porcelainmarksandmore.com/
related/bohemia/obergrund-01/   basierend auf: Cilek/Němec 2004).

Ein inoffizieller Firmenbetrieb erfolgte in Obergrund ab etwa 1850 noch unter dem vorhergehenden Firmennamen Schiller&Gerbing. Am 1.3.1852 wurde an Wilhelm Leberecht Schiller (15.8.1798-26.11.1863) die einfache Fabrikbefugnis erteilt: „Fabrikmässige Erzeugung von Thonwaaren unter dem Namen Sydrolith“. Nach der Einführung der Gewerbefreiheit im Kaisertum Österreich im Jahr 1863 wurde die Firma Wilhelm Schiller & Sohn in das Firmenregister im Staatlichen Gebietsarchiv Litomerice Inv. 973 eingetragen: Ab dem 12.10.1863 lautete der Firmenname aufgrund eines Gesellschaftervertrages vom 4. März 1859, Wilhelm Schiller & Sohn. Am 5. Oktober 1868 wurde er in Wilhelm Schiller Sohn abgeändert, nachdem Wilhelm Leberecht Schiller bereits 1863 verstorben war. Der Sohn Gustav Eduard Schiller (9.1.1828-8.11.1876) führte jetzt die Firma alleine. Nach seinem Tod gelangte die Firma am 12.1.1877 im Erbgang an seine Zwillingsschwester Luisa Marie Schiller (9.1.1828 – ?) – die mit dem K. und K. Notar Friedrich Seidel aus Bensen (Benesov nad Ploucnici) verheiratet war – und ihren Sohn Friedrich Seidel jun. (3.10.1854-7.6.1909) sowie dessen Schwester Anna, verh. Böhm. Als Friedrich Seidel jun. starb, wurde die Firma am 21.12.1910 wegen „Ableben des Inhabers“ aus dem Firmenregister gelöscht. Aufgrund von Zeitungsberichten wissen wir, dass die Firma tatsächlich geschlossen und ihre Gipsmodel als Baustellenschotter verwendet wurden (Ich danke Petr Joza und Jan Němec, Staatliches Kreisarchiv Děčín, sehr herzlich für Auskünfte).

 

WS & S No. 836  im Vergleich mit Musée céramique Nr. 665. Fotos Internet bzw. Privatbesitz Schweiz.

Die im Katalog eingetragenen Nummern entsprechen den eingestempelten Nummern der bekannten Originale. Vermutlich ist die vollständig fremde Herkunft der Grund, warum Schoch-Läderach auf dem Titel keine seiner Medaillen erwähnt. Leider ist damit immer noch unklar, wann der Katalog entstand. Vor allem die mauresken oder orientalisierenden Dekore dieser Keramik blieben nicht ohne Einfluss auf die Thuner Majolika.

Johann Heinrich Schoch-Läderach verkaufte sein Geschäft im Februar 1890, vermutlich auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Erfolges, an Samuel Mack (Heimatort Vevey) in Thun (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Er zog sich als Privatier nach Sigriswil BE zurück, wo er am 1. Juni 1911 starb (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1911). Seine Frau Therese Emilie Läderach starb am 1. November 1924 in Bern (Berner Tagwacht, Band 32, Nummer 258, 4. November 1924).

Das Musée céramique unter Samuel Mack, 1890-1898

Samuel Mack (Heimatort Vevey, 1840-1912) über nahm das Musée céramique 1890 von Johann Heinrich Schoch-Läderach  (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Prokura vor Ort erhielt dessen Sohn Rodolphe Mack. Das Geschäftslokal befand sich in Hofstetten und als Geschäftszweck wurde angegeben «Poterie artistique majolique».  Im Mai 1891 erhielt auch Georges-Louis Arlaud von Genf, Samuels Schwiegersohn, Procura (SHAB 9, 1891, No. 12, 8. Mai 1891).

Samuel Mack (1840-1912) war ein Enkel des Deutschen Gottlieb Mack (1783-1848) aus Sontheim an der Brenz in Württemberg. Dieser hatte sich am 26. März 1819 in Vevey, Kanton Waadt, einbürgern lassen. Sein Sohn Amédée François Louis Mack („François“, 1811-1857) hatte mit Rose Faucherre (?-1889) neun Kinder, darunter sieben Söhne. Der Zweitgeborene war (Auguste Jean François) Samuel. François gründete 1834 ein Schreibwarengeschäft/Papeterie nebst Buchhandlung. Samuel bildete sich zur Erlernung der deutschen Sprache nach seiner Schulzeit in Heilbronn, heute Baden-Württemberg, fort. Nach dem Tod des Vaters übernahm Samuel am 1. Mai 1863 (Feuille d’avis d’Aigle, 10. Mai 1863) das Geschäft zusammen mit seiner Mutter und später mit seinem Bruder Edouard (1846-1919). Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Geschäft in der Rue du Lac, 17 in Vevey. Wenig später heiratete Samuel Mack  Fanny Thury (?-1877) von Morges VD. Am 2. Dezember wurde Jean Rodolphe Mack (1864-?), das erste Kind von Samuel Mack geboren. Das Geschäft wurde 1864 an die Adresse Rue du Lac, 7 und 9 verlagert und vergrössert, das Sortiment um Kinderspielzeug und vieles mehr  erweitert und im Mai 1865 als Magasin neu eröffnet. Ab 1868 wurden auch Früchte verkauft und ab 1870 Schönheits- und Körperpflegeprodukte.

Der Name „Grand Bazar F. Mack“  erscheint erstmals 1871. Etwa zur selben Zeit eröffnete Samuels Bruder Henri (1844-1919) 66, Rue d’Italie in Vevey einen „Bazar Suisse“, der etwa dieselben Waren führte wie Samuels Geschäft und 1872-1879 eine Filiale in Evian-les-Bains hatte. Beide wurden 1879 von Samuel übernommen.

Wenig später führte Samuel auch „Poteries suisses“.

In Vevey wurde der Kauf des „Musée céramique de Thoune“ durch Samuel Mack schon am 12. Dezember 1889 in einer Werbeanzeige in der Zeitung mitgeteilt. Gleichzeitig eröffnete er in der Rue d’Italie 54 ein „Magasin céramique“, das bis 1895 bestand.

Samuel Mack ging in der Folge sehr zielgerichtet vor. Im September 1890 liess er eine Firmenmarke des „Musée céramique“, selbstverständlich mit Edelweiss, entwerfen und im Handelsregister eintragen, was unter Schoch-Läderach vorher offenbar nicht geschehen war. Wir können also begründet vermuten, dass alle Keramiken mit dieser Marke erst unter Samuel Mack oder seinen Nachfolgern (bis 1907) entstanden sind, da diese keine Markenänderung vornahmen.

Am 20. November 1890 erfahren wir, dass ein kompletter Muster-Katalog zur Thuner Majolika existiert und an alle Interessenten abgegeben wird. Vermutlich handelt es sich dabei um den erhaltenen Katalogrest. Es handelt sich um einen Fotokatalog. Jedem Objekt war eine Bestellnummer zugeordnet. Die höchste bei Mack nachweisbare Nummer lautet 556. Die Nummern wurden auch unter seinem Nachfolger L. Hahn beibehalten bzw. fortgesetzt und von den für Mack arbeitenden Hafnern teilweise auf die Gefässböden aufgemalt oder eingeritzt.

Tasse mit Stielgriff und Untertasse, Katalog S. MAck „478“.

1894 stiftet Samuel Mack für das Bernische Kantonalschützenfest in Thun eine „Fayenceplatte mit der Ansicht von Thun“ im Wert von 37 Fr. (TAA,  30.5.1894).

Im selben Jahr gab es eine grosse Weihnachtsausstellung in Bern mit Neuheiten in Thuner Majolika (Der Bund, Band 45, Nummer 344, 12, 12.12.1894) sowie ebenfalls eine grosse Weihnachtsausstellung in Vevey (Werbeanzeige 4.12.1894).

In Vorbereitung der Schweizerischen Landesausstellung 1896 in Genf wurde S. Mack Mitglied des organisierenden  Gruppenkomitees „Gruppe 36: Keramik und Cementarbeiten“ (SHAB 12, No. 99, 20. April 1894; auch Der Bund 20./21. April 1894)

 

Maison, F. Mack, Interlaken, Ansichtkarte bald nach 1898, Foto Internet.

Am 1. Januar 1898, gleichzeitig mit dem Verkauf des Musée céramique an Ludwig Hahn, eröffnete Samuel Mack in Interlaken am Höheweg eine Zweigniederlassung, die ebenfalls von seinem Sohn Rodolphe geführt wurde. Als Geschäftszweck nennt das SHAB (27, 1898, S. 1085): Bazar, Reiseartikel und Papeterie. Rodolphe leitete die Zweigniederlassung mindestens bis August 1922 (SHAB No. 184, 1922, S. 1549).

Am 15. November 1901 eröffnete Samuel Mack auch eine Zweigniederlassung in Montreux, Kursaal 15. Ein Briefkopf von 1909 zeigt alle drei Geschäfte und gibt an, dass trotz des Verkaufs des Musée céramique immer noch auch Keramik verkauft wird. Samuel Mack starb am 5. Oktober 1912 im Alter von 73 Jahren, nachdem er bereits am 2. Februar 1912 das Geschäft an seine Sohn Rodolphe übergeben hatte (Necrolog Samuel Mack im Feuille d’avis de Vevey, 8. Oktober 1912). Der Grand Bazar von Vevey wurde 1933-1934 abgebrochen.

 

 

Das Musée céramique unter Ludwig Hahn, 1898-1905

Bereits im Januar 1898 kaufte Ludwig Hahn (Heimatort Elgg ZH), das «Musée céramique», dessen Zweck mit «Fabrikation und Handlung en gros und en detail in Kunsttöpferei» angegeben wurde (SHAB 16, No. 20, 19. Jan. 1898; Thuner Wochenblatt 61, No. 9, 29. Januar 1898).

Das Musée céramique unter Gottfried Beutter, 1905-1907

Bereits sieben Jahre später wurde das «Musée céramique» erneut verkauft. Diesmal an Gottfried Beutter (Heimatort Luzern), wohnhaft in Kehrsatz. Als Geschäftsadresse erscheint jetzt, bei gleichgebliebenem Geschäftszweck, die Hofstettenstrasse Nr. 13 in Thun (SHAB 23, No. 467, 25.11.1905; TAT 29, No. 286, 2. Dezember 1905). Über Gottfried Beutter wurde am 12. November 1907 der Konkurs eröffnet und die Firma am 28. Oktober 1907 aus dem Handelsregister gestrichen (SHAB 25, No. 270, S. 1873; Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 54, No. 83, 16. November 1907).

Das Musée céramique unter Emil Leopold Born bzw. Max Leopold

Es gibt ein Nachleben des Geschäftsnamens, denn unter dem 30. September 1911 wurde im Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Musée céramique de Thoune, E. Leopold-Born in Thun ist Emil Leopold, allieé Born, von und in Thun, Kunsttöpferei Lauitor (SHAB 29, No. 245, S. 1650, 30. September 1911). Am 7. Februar ging die Firma an die beiden Söhne Fritz Leopold und Max Leopold über (SHAB 32, No. 33, S. 222) und wurde am 11. Oktober 1920 wegen dem Tod von Emil Leopold-Born aus dem Handelsregister gelöscht (SHAB 38, No. 261, S. 1962).

Bibliographie:

Benadretti-Pellard 2009
Sandra Benadretti-Pellard, Les Massier – côté cour, côté jardin : Musée Magnelli, Musée de la Céramique de Vallauris du 4 juillet au 2 novembre 2009, Musée Magnelli (Vallauris) (Hrsg.) (Mailand 2009).

Cílek/Němec 2004
Vaclav Cílek/Jan Němec, Skryté poklady ústecké terakoty : o trpaslících v°ubec a jejich výrobě na Ústecku Memorabilia ustensis 6 (Ústí nad Labem 2004).

Decker 2000
Émile Decker, Majolique et faïence artistiques à a fin du XIXe siècle. In: Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000), 35-43.

Forest/Lacquemant 2000
Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000).

Huber 1906
Karl Huber, Thuner Majolika. Illustriertes Fremdenblatt von Thun und Umgebung, 1906, 258-259, 278-279, 294-296.

Koch 1884
Alexander Koch, Schweizerische Landesausstellung, Zürich 1883 : Bericht über Gruppe 17: Keramik (Zürich 1884).

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen. Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Messerli 1995
Barbara E. Messerli, Von der Exotik des Edelweiss, in: Eberhard Grunsky/Bendix Trier (Hrsg.), Zur Regionalität der Keramik des Mittelalters und der Neuzeit. Beiträge des 26. Internationalen Hafnerei-Symposiums, Soest 5.10.-9.10.1993 Denkmalpflege und Forschung in Westfalen 32 (Bonn 1995) 93-100.

Schliemann 1874
Heinrich Schliemann, Atlas trojanischer Alterthümer. Photographische Abbildungen zu dem Berichte über die Ausgrabungen in Troja (Leizpzig 1874).

Ziegler 1883
G. Ziegler, Briefe von der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich 1883. Auf Veranstaltung des Schweizerischen Gewerbevereins aus dem „Landboten und Tagblatt der Statdt Winterthur“ abgedruckt (Winterthur 1883).

Zühlsdorff 1994 Dieter Zühlsdorff, Keramik-Marken Lexikon. Porzellan- und Keramik Report 1885-1935 Europa (Festland) (Stuttgart 2 Auflage 1994).

 

 

 

Thun-Gwatt BE, Willy und Peter Lanz, Hafnerei

Keramik von Willy und Peter Lanz in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2024

Die Geschichte der Hafnerei in Gwatt ist nicht umfassend recherchiert. Alle bisherigen Informationen basieren auf Antik und Rar. Die Hafnerei Lanz in Gwatt und die Hafnerei der Gebrüder Lanz in Thun sind nicht dasselbe.

1938 Willy Lanz, eröffnet Töpferei an der Spiezstrasse 41 in Gwatt (Thuner Tagblatt, 12.09.1988)

1964 Peter Lanz übernimmt die Töpferei seines Vaters Willy, der Betrieb beschäftigt 5 Personen (Thuner Tagblatt, 12.09.1988)

1981 Eintrag der Firma in Spiez

1988 Peter Lanz arbeitet nur noch mit seiner Ehefrau Dora und seinem Sohn Theophil

2004 Theophil Niederhauser übernimmt das Geschäft.

Thuner Majolika, Region Heimberg-Steffisburg BE (etwa 1870 bis 1914)

Im Spiegel Wappen mit Schweizerkreuz, darüber Datum 1307 (mythisches Gründungsdatum der Eidgenossenschaft nach Ägidius Tschudi, Chronicon Helveticum 1550), darunter Spruchband „Heil dir Helvetia!“ Auf dem Rand Wappen der Eidgenossenschaft. Rückseite Herstellermarke „Fabrique céramique Thoune E.F.“ (Keramikmaler Friedrich Ernst Frank, 1862-1920). Rätisches Museum Chur, Inv. H1972.1097.

Thuner Majolika in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die sog. «Thuner Majolika» ist, anders als ihr Name vermuten lässt, in der Realität eine polychrom glasierte Irdenware und keine Majolika, also keine Keramik mit einer einseitigen Blei-Zinn-Glasur und Inglasurmalerei.  Zahlreiche Fabriken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnen ihre oft mit historisierenden Renaissancedekoren polychrome bemalten, bleiglasierten Irdenwaren fälschlicherweise als «Majolika».

«Thuner Majolika» wurzelt  in der lokalen  Keramikproduktion der Region Heimberg-Steffisburg und ist ein Phänomen des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, d.h. des Historismus in allen seinen Ausprägungen.  Die Anfänge dieser Keramikgattung liegen in den 1870er-Jahren. Die Entwicklung erfolgte  nach der erfolgreichen Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1878 rasant und wurde vor allem auch durch die Gründung der Manufaktur Wanzenried in Steffisburg (im Jahr 1878) beflügelt.

Oscar Blom, der Direktor des Gewerbemuseums in Bern schrieb 1908:
„Bis in die Mitte der neunziger Jahre war [in Heimberg-Steffisburg] auch nicht daran zu denken, eine neue dekorative Ausstattung der Gefässe anzustreben. Die vom Karlsruher Künstler Keller-Leuzinger in den siebenziger Jahren eingeführten Geschirrformen und deren Verzierungsweisen, wie man sie heute noch unter dem Ausruck – Pariser Waren – kennt, waren derart in Übung und so auf dem Markt begehrt, dass es vermessen gewesen wäre, Neuerungen vorzuschlagen. In der Architektur und im Kunstgewerbe wurde in damaliger Zeit nur die Wiederholung vergangener und orientalischer Stilrichtungen geübt. Eine eigene Sprache kannte die angewandte Kunst noch nicht. Auch Keller-Leuzinger, der sich übrigens grosse Verdienste um die Hebung der Heimberger-Industrie erworben hat, verwendete in seiner Ornamentik lediglich indisch-persische Formen; nur setzte er an Stelle der indischen Pflanzenwelt die Alpenrose und das Edelweiss, womit er ganz neue Effekte und für viele Jahre einen gesteigerten Absatz für die Majoliken zu erzielen wusste. Die Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 brachte dann den Umschwung in der dekorativen Ausgestaltung der kunstgewerblichen Erzeugnisse und einen Wandel im Geschmack. Neue Ansprüche: Zweckdienlich, materialecht, solid und einfach im Ausdruck sollten die Objekte sein“. Diesen Anspruch erfüllte die Thuner Majolika nicht mehr. In der Folge ging der Absatz zurück und zahlreiche Hafnereien, die auch Thuner Majolika hergestellt hatten, schlossen für immer. Blom gibt an, dass zwischen 1887 und 1907 die Zahl der Betriebe von 74 auf 47 zurückgegangen sei.  So hatte sich der Historismus-Stil der Thuner Majolika bereits deutlich vor dem ersten Weltkrieg überlebt.

Als Abschluss kann man den Verkauf der Manufaktur Wanzenried im Jahr 1918 an Emil Loder und Adolf Schweizer betrachten. Hinzu kommt der Tod des wichtigsten Keramikers der Manufaktur, Friedrich Ernst Frank, der im Jahr 1920 starb.  Dekorative Elemente und Motive der Thuner Majolika wurden in den Folgejahren jedoch in zahlreichen handwerklich arbeitenden Betrieben der Region Heimberg-Steffisburg bzw. in Luzern (Emil Loder,  KeraLuz) weiter tradiert. Hierzu gehört vor allem das „Chrutmuster“, das auch als Muster „Alt-Thun“ bezeichnet wird. Keramik in der „Art der Thuner Majolika“ wurde in unterschiedlichen Qualitätsabstufungen auch an anderen Orten, z.B. in Berneck  SG, Thayngen SH (Töpferei Fritz Lenhard) und Wil-Buchenloo  ZH (Töpferei Jakob Spühler), produziert.

Bibliographie:

Blom 1908
Oscar Blom, Die Förderung der Majolika-Industrie in Heimberg-Steffisburg-Thun durch das kantonale Gewerbe-Museum in Bern, in: Jahresbericht pro 1907 des kantonalen Gewerbemuseums Bern, 1908, 1-9.

Buchs 1980
Hermann Buchs, Die Thuner Majolika des Johannes Wanzenried und des Zeichners Friedrich Ernst Frank, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloss Thun, 1980, 5-43.

Buchs 1988
Hermann Buchs, Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017, 489-501.

Schnyder 1979
Rudolf Schnyder, Jakob Spühler, der Töpfer von Wil/Buchenloo, in: Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 92, 1979, 9-11.

Uster ZH, Haussmann, Fritz und Helene (Atelier Alsiko)

Keramik von Fritz und Helen Haussmann in CERAMICA CH

Roland Blaettler, Andreas Heege 2021

Fritz Haussmann (1900–1968) und seine aus Basel stammende Frau Helene, geborene Frey (1905–1989), gründeten 1928 das Atelier Alsiko in Niederuster, Kanton Zürich. Beide hatten ihr Handwerk in Deutschland erlernt. Das Unternehmen lautete zunächst auf den Namen von Fritz Haussmann (Schweizerisches Handelsamtsblatt [SHAB], Bd. 46, 1928, S. 2351). Am 16. Februar 1929 wurde eine erste Marke in Form eines Dachsparrens mit gebogenen Schenkeln eingetragen (SHAB, Bd. 47, 1929, S. 516). Die Marke mit diesem Symbol wurde während der gesamten Tätigkeit des Ateliers verwendet, später kam der Zusatz «Haussmann Uster» hinzu (MHL AA.MI.1835 und 1838).

Im darauffolgenden Jahr entschied sich das Paar für die Gütertrennung (SHAB, Bd. 48, 1930, 2634).

1933 wurde durch den Architekten Max Ernst Haefeli BSA in Uster ein moderner Werkstattneubau, nebst Verkaufsladen und Wohnung erstellt (umfassender Bericht zum Neubau und zur Töpferei (Das Werk 22, 1935, Heft 12, 397-406).

Das Ehepaar Haussmann leistete mit der Produktion schlichter, rationaler Formen einen bemerkenswerten Beitrag zur Modernisierung der in der Schweiz hergestellten Gebrauchskeramik. In der Arbeitsweise der beiden überwachte Helen die Dekore, verarbeitete Glasuren und Emails. Ihre Ausbildung im Westen Deutschlands an der Keramikschule in Höhr-Grenzhausen, L’Ecole de céramique de Höhr-Grenzhausen, im Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, war prägend für ihre Tätigkeit.

Die grossen Haushaltswarengeschäfte, in diesem Fall Steiger in Bern und Kiefer in Zürich, waren von grosser Bedeutung für den Verkauf der Produktion (NZZ, 1935).

Renommierte Dekorateurinnen wie Bertha TappoletLuise StrasserCornelia Forster oder Amata Good fertigten ihre keramischen Kreationen in der Werkstatt in Uster mit der technischen Unterstützung der Haussmanns an. Diese schlossen sich 1937 mit dieser Gruppe von Künstlerinnen zusammen und gründeten im „Cornelius“ Oberdorfstrasse 3  in Zürich einen Verkaufsladen,  der zum wichtigen Ort für die Vermarktung ihrer Produkte wurde.

Keramiksouvenirs von Bertha Tappolet/Fritz Uster waren auf der Schweizerischen Landesausstellung 1939, l’Exposition nationale suisse de 1939, in Zürich zu bewundern.

 

Signierte Figurinen von Fritz Haussmann, Uster. Oben: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 23,0 cm; Mitte: Statuette eines nackten Mädchens, Höhe: 18,0 cm; unten: Statuette, die eine Mutter mit ihrem Kind darstellt, Höhe: 12,0 cm (Fotos von Angello Steccanella, « Antik und Rar »)

Ab den 1940er-Jahren galt Fritz Haussmann auch als einer der landesweiten Pioniere der neuen künstlerischen Keramik. Bei seiner Arbeit bevorzugte er künftig das Medium Steinzeug und Hochtemperaturglasuren (Das Werk/L’Œuvre 31, 1944, Abb. S. 359). 1945 beschäftigte das Unternehmen rund 15 Personen, darunter Ernst Fehr, den späteren Lehrer an der Keramikschule in Bern (Fehr 2003, S. 8–10).

1946 wurde der Firmenname «Fritz Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik – Atelier de céramiques Alsiko» gelöscht, wobei die Aktiven und Passiven von der neuen Firma seiner Frau mit Namen «Helen Haussmann, Alsiko Werkstätte für Keramik» übernommen wurden (SHAB, Bd. 64, 1946, S. 235). Der Grund dafür war die gerichtliche Ausweisung von Fritz Haussmann (10. Oktober 1945 bis 1957, 1962 widerrufen). Seit 1937 stand Fritz Haussmann der NSDAP (Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei nahe, einer antiliberalen, antisemitischen und gegen den Bolschewismus gerichteten politischen Partei, deren Ziel es war, die Schweiz mit dem Deutschen Reich zu vereinen. Seit 1939 war er Mitglied der Partei (Fehr 2003, S. 8–10; Schulthess 2017). Helene Haussmann und zwei ihrer Kinder durften in der Schweiz bleiben. Das Unternehmen wurde unter ihrer Leitung weitergeführt, unterstützt von Töpfermeister Biedermann und anderen Führungskräften.

Der Firmenname wurde 1978 endgültig gelöscht (SHAB, Bd. 96, 1978, 2238).

Übersetzung Stephanie Tremp

Objekte von Fritz und Helene Haussmann finden sich im Archiv des Museums für Gestaltung, Zürich Museum für Gestaltung – Musée du design, Zurich

Archiv Zürcher Hochschule für Künste: Archives de la Haute école des arts de Zurich

Weitere Informationen über Fritz und Helen Haussmann sind auf der Webseite « Antik und Rar » verfügbar.

Einige Keramiken werden im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich verwahrt  Musée national suisse à Zurich.

Bibliographie :

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Peter Schulthess 2017
Peter Schulthess, Keramische Werkstätte, Helen und Fritz Haussmann, 1928 bis 1968, in: Heimatspiegel, Illustrierte Beilage im Verlag von „Zürcher Oberländer“, August 2017, 58-63.

 

Villeneuve VD, Dusserre-Duflon, Edith (1898-1992)

Roland Blaettler 2019

Keramik von Edith Dusserre-Duflon in CERAMICA CH

Das Historische Museum in Lausanne bewahrt rund 50 Keramiken aus dem Atelierbestand von Edith Dusserre-Duflon, einer Keramikerin, die bis heute praktisch unbekannt ist, obwohl sie in der Schweizer Kunstszene der 1920er- und 1930er- Jahre einen originellen Ansatz verfolgte. Ebenfalls bemerkenswert ist ihre Rolle als Pionierin bei der Erforschung des mit hohen Temperaturen gebrannten Steinzeugs.

Edith Duflon (1898–1992) war die Tochter von Louis Duflon (1860–1930), einem am Polytechnikum Zürich ausgebildeten Ingenieur, der in der Elektroindustrie in Paris (Maison Breguet) arbeitete, bevor er 1886 nach St. Petersburg geschickt wurde, um dort vier Jahre lang eine Niederlassung seines Pariser Arbeitgebers zu leiten. Ab 1890 stand er in derselben Stadt an der Spitze der Firma Prince Tenicheff und Co., bevor er sich 1894 an der Gründung der Kommanditgesellschaft Duflon, Constantinovitch und Co. beteiligte, deren geschäftsführender Gesellschafter er bis 1915 blieb. Nachdem sich Duflon ab 1908 teilweise aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, liess er sich in seinem Heimatdorf Villeneuve nieder und bezog das schöne Haus, das er sich im Viertel La Muraz hatte bauen lassen. Kurz nach seiner Ankunft zog er in den Gemeinderat ein und 1916 wurde er zum Syndikus gewählt, ein Amt, das er bis 1925 innehatte (Tribune de Lausanne vom 13. November 1930, 2 – Revue polytechnique suisse vom 25. April 1931, 221).

Edith wurde demnach in Sankt Petersburg geboren, aber wir wissen nur wenig über ihren Werdegang, ausser dass sie zwischen 1919 und 1923 von Eugène Gilliard an der École des beaux-arts in Genf und/oder in der 1915 von Gilliard unter dem Namen «La Renaissance» gegründeten Privatakademie unterrichtet wurde.

In einem kurzen, handgeschriebenen Lebenslauf (Archive des Musée historique de Lausanne [AMHL], F.Privé.33) datiert sie den Bau ihres mit Holz und Kohle befeuerten Keramikbrennofens in das Jahr 1923, obwohl ihre keramische Tätigkeit bereits 1921 dokumentiert ist, als sie bei Émile Gos in Lausanne «rustikale Töpferwaren […] inspiriert von populären Töpferschulen wie jene in Thun» ausstellte (Tribune de Lausanne vom 4. Oktober 1921, 5, und vom 6. Oktober, 4, Feuille d’avis de Lausanne vom 13. Oktober, 8). Im Jahr 1922, anlässlich der Exposition nationale d’art appliqué in Lausanne, präsentierte Duflon eine Bonbonniere aus Keramik: Es ist das einzige Objekt, das unter ihrem Namen im Katalog dieser wichtigen Veranstaltung aufgeführt ist (S. 43). Diese ersten Töpferwaren wurden vermutlich bei einem Töpferkollegen hergestellt.

1924 hielt sich Edith Duflon für längere Zeit in Paris auf, um sich im Bereich der Keramik weiterzubilden (Plüss und von Tavel 1961). In ihrem Lebenslauf präzisiert sie, dass der Fokus dieser Weiterbildung hauptsächlich auf dem Modellieren und Dekorieren lag (AMHL, ebd.). Anlässlich der Ausstellung für dekorative Kunst, die im Dezember 1924 im Musée Jenisch stattfand, zeigte sie erneut mehrere Keramikarbeiten (Feuille d’avis de Vevey vom 22. Dezember 1924, 7–8), die möglicherweise in ihrem persönlichen Atelier entstanden sind.

Edith Duflon richtete tatsächlich ein Atelier in Villeneuve ein, in einem Nebengebäude ihres Elternhauses in La Muraz. Die Produktion nahm dort wahrscheinlich ab 1925, nach ihrer Rückkehr aus Paris, ihren eigentlichen Aufschwung. In einem kleinen Notizbuch, in dem die Keramikerin ihre Beobachtungen zum Verlauf verschiedener Brände festhielt, trägt die erste Seite den Titel «Erster Brand vom 21. August 1925» (AMHL, ibidem).

Bevor sie sich voll und ganz der Keramik widmete, interessierte sich Duflon auch für die Textilgestaltung. Unter den im Historischen Museum hinterlegten Papieren befinden sich eine Reihe von Zeichnungen, die Dekorentwürfe für die Textilindustrie zeigen, sowie ein Diplom von der Internationalen Ausstellung für moderne dekorative und industrielle Künste in Paris 1925, das belegt, dass die Künstlerin dort mit einer Silbermedaille in der Klasse 13 (Textilkunst und -industrie) ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung wurde ihr wahrscheinlich für die von ihr entworfenen Batiken verliehen.

Für einige Zeit teilte Edith Duflon ihr Atelier mit der Genfer Keramikerin armenischer Herkunft Thagouhi Beer-Zorian (1901–1982), wie eine Werbeanzeige für die Töpferei «La Muraz» im Katalog der Schweizer Keramikausstellung im Musée d’art et d’histoire de Genève von 1927 (Genève 1927, 12) belegt. Darin sind die Namen der beiden Künstlerinnen aufgeführt, jeweils mit ihren Adressen, die eine in Villeneuve, die andere in Genf. Unter den Keramiken, die dem Musée historique de Lausanne im Rahmen des Dusserre-Nachlasses übergeben wurden, sind auch einige Fayencen, die eine Marke von Beer-Zorian mit der Erwähnung «Muraz» tragen (MHL AA.VL 2002 C 5508-16; MHL AA.VL 2002 C 5508-15).

Auf der Genfer Ausstellung für Schweizer Keramik im Jahr 1927 zeigte Duflon sechzehn Fayencen («zinnglasierte Töpferwaren»): Vasen, Schalen, Schüsseln und Bonbonnieren (Kat. Nr. 261–276). Einige Wochen später, vom 29. Oktober bis 23. November, fand im Musée Rath die Ausstellung der Genfer Sektion der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen statt, an der die Künstlerin ebenfalls mit Keramiken teilnahm (Katalog, S. 8).

Duflon war assoziiertes Mitglied von L’Œuvre, der Westschweizer Sektion des Schweizerischen Werkbunds, und in dieser Rolle stellte sie zwei Vasen im Rahmen des Salons von 1928 aus. Anlässlich der Saffa, der grossen Schweizer Landesausstellung für Frauenarbeit, die im selben Jahr in Bern stattfand, zeigten Duflon und Beer-Zorian ihre Arbeiten an einem eigenen Stand mit dem Namen «La Muraz – Poterie artistique», den sie eigens von einem Architekten entwerfen liessen (Saffa 1928, Ausstellernummer 1303 – Standpläne: AMHL, ibidem).

Am 3. März 1929 verwüstete ein Brand «die Kunsttöpferei von Mlle Duflon […], die in einem Nebengebäude der Villa La Muraz in Villeneuve untergebracht war, bestehend aus dem Töpferatelier mit Drehscheiben, Dekorationssaal, einem Brennofen usw.» (Gazette de Lausanne vom 4. März 1929, 6). In den folgenden Monaten wurden die Einrichtungen wieder in Stand gesetzt. Im Herbst desselben Jahres, vom 1. bis 23. Oktober, präsentierte die Genfer Sektion der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen eine neue Ausstellung im Musée Rath. Edith Duflon gehörte zu den Mitgliedern der Jury für dekorative Künste und stellte etwa 15 Stücke aus: sieben Keramiken aus der «Serie Muraz» (wahrscheinlich Fayencen) und acht Werke aus Steinzeug – diese Keramikart wird in diesem Rahmen zum ersten Mal erwähnt (Genf 1929, Kat. Nr. 202-216). Thagouhi Beer-Zorian zeigte drei Batiken und zwölf Töpferarbeiten, von denen sechs ebenfalls die Bezeichnung «Serie Muraz» trugen (ebenda, Nr. 172–186). Der Bericht im Journal de Genève vom 5. Oktober (S. 5–6) hob die «neuen Formen und schönen Glasuren der Töpferwaren aus La Muraz der Damen Duflon und Beer-Zorian» hervor.

Man beachte übrigens, dass Edith Duflon spätestens ab Herbst 1929 Keramiken aus Steinzeug präsentierte. Das oben erwähnte Notizbuch hält Einträge von mehreren Steinzeugbränden fest. Der einzige datierte Brand ist der sechste seiner Art: Ausgeführt wurde er am 12. August 1934.

Von 1930 bis 1934 hielt sich Edith regelmässig in Paris auf, übrigens zur gleichen Zeit wie Maurice Dusserre (1899–1996), ihr zukünftiger Ehemann, der als Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Regisseur tätig war. Das Eheversprechen zwischen Edith und Maurice wurde ordnungsgemäss in der Tribune de Lausanne vom 9. Februar 1930 (S. 2) veröffentlicht, die Hochzeit wurde jedoch in der französischen Hauptstadt gefeiert (Plüss und von Tavel 1961). Nach Rückkehr in die Schweiz liess sich das Paar endgültig auf dem «Landgut Dusserre» im Bois-de-Vaux-Viertel in Vidy nieder, nachdem Charles Dusserre, der Vater von Maurice, 1934 verstorben war. Edith nutzte weiterhin die Einrichtungen in La Muraz, da das Anwesen nach dem Tod von Louis Duflon im Jahr 1930 in der Familie blieb. Die ihr gewidmete Notiz im Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler (S. 94) erwähnt übrigens einen «Zweitwohnsitz» in Villeneuve.

Die Zusammenarbeit mit Thagouhi Beer-Zorian hingegen scheint Ediths lange Abwesenheit und Heirat nicht überlebt zu haben. «Tatougue» – wie Duflon ihre Arbeitskollegin liebevoll nannte – erscheint ab Ende 1929 nicht mehr in den Rechnungsbüchern bzw. Entwürfen dazu, die wir in den Papieren des Dusserre-Nachlasses gefunden haben.

An der Exposition nationale d’art appliqué von 1931 in Genf zeigte Duflon nur drei Keramiken (Kat. Nr. 87-89), die wahrscheinlich vor ihrer Abreise nach Paris entstanden waren. Im folgenden Jahr, anlässlich der 12. Ausstellung der Schweizerischen Gesellschaft der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen, die in Neuchâtel und Genf stattfand, nahm Dusserre mit Werken aus Steinzeug teil, wie eine Aufnahme in der damaligen Presse belegt (Jeanneret 1932 – Darauf ist übrigens eine Vase zu erkennen, die heute im Musée historique de Lausanne aufbewahrt wird, MHL AA.VL 2002 C 5508-44). In den 1930er- und 1940er-Jahren war sie regelmässig mit Arbeiten an den Ausstellungen der Gesellschaft vertreten. Im Jahr 1937 zeigte sie ihre Werke in der Galerie du Lion in Lausanne zusammen mit der Malerin Germaine Ernst: «Keramiken mit frischen Farben» und «schönes Steinzeug, dessen körnige Beschaffenheit des Tons wir lieben» (Gazette de Lausanne vom 25. März 1937, 3). Viel später, 1961, nahm Edith Dusserre-Duflon auch an der Ausstellung «Eugène Gilliard et ses élèves» im Musée Rath in Genf teil. Von ihr waren zwei Gefässe und sieben Exponate aus Steinzeug zu sehen (Katalog Nr. 100-108).

Den Berichten in der Lausanner Presse über ihre Ausstellung bei Gos im Jahr 1921 kann entnommen werden, dass sich Edith Duflon zunächst an der «rustikalen Töpferei» nach Thuner Art versuchte, wahrscheinlich Arbeiten in der Technik der engobierten Irdenware, von der wir keine Exemplare kennen. Einige Jahre später, nachdem sie in Paris neue Verfahren kennengelernt hatte, entschied sie sich in ihrem Atelier in La Muraz für die Fayencetechnik mit polychromen Dekoren in Scharffeuermalerei (im Genfer Katalog von 1927 als «zinnglasierte Töpfereien» bezeichnet). Für ihre geometrischen Dekore mit oft sehr leuchtenden Farben verwendete Duflon Industrieglasuren, die sie aus Frankreich oder England importieren liess (MHL AA.VL 2002 C 5508-22; MHL AA.VL 2002 C 5508-26; MHL AA.VL 2002 C 5508-16; MHL AA.VL 2002 C 5508-14; MHL AA.VL 2002 C 5508-17; MHL AA.VL 2002 C 5508-23). Was die Formen angeht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie diese von einem in La Muraz tätigen Hafner herstellen liess. Die sehr lückenhaften Buchhaltungsunterlagen, die in den Papieren des Dusserre-Nachlasses gefunden wurden, erwähnen beispielsweise unter den Kosten der Werkstatt die Kosten für das «Drehen der vier letzten Brände». Weiter unten wird vermerkt, dass Duflon einen gewissen A. Roth regelmässig entlöhnte. Handelt es sich dabei um den Dreher?

In der Gruppe der Stücke, die dem Musée historique Lausanne im Rahmen des Dusserre-Nachlasses im Jahr 2002 übergeben wurden und von denen wir eine Auswahl von etwa 20 Beispielen für das vorliegende Inventar ausgewählt haben, befinden sich zwei Fayenceplatten, die zwei Marken tragen: die Pinselmarke von Duflon mit dem Vermerk «Muraz» und eine Blindmarke der Poterie du Léman in Lausanne (MHL AA.VL 2002 C 5508-19; MHL AA.VL 2002 C 5508-18). Diese Fabrik wurde 1934 gegründet, was uns klar einen Terminus post quem für die Datierung der beiden Platten liefert. Es könnte auch sein, dass Duflon gelegentlich Schrühbrände glasierte und verzierte, die in einer anderen Werkstatt hergestellt wurden.

Die vom Museum aufbewahrten Papiere enthalten eine Reihe von bemassten Formzeichnungen, die sorgfältig angefertigt wurden und offensichtlich für einen Dreher oder einen Modelleur bestimmt waren. Besonders auffällig ist ein grosses, aufgefaltetes Blatt in einer Art Kraftpapier, dessen eine Seite mit einem Dutzend Zeichnungen von Vasen und Schalen unter dem Titel «Pour La Muraz, des séries» versehen ist. Auf der anderen Seite steht die Adresse von Duflon in Villeneuve und die Angabe des Absenders, bei dem es sich um niemand anderen als Charles Beer, den Ehemann von Thagouhi Beer-Zorian, in Genf handelt. Über der Adresse befindet sich ein Poststempel mit dem Datum 27. Mai 1927. Diese Formen entsprechen höchstwahrscheinlich den Fayencen der sogenannten «Serie La Muraz», die von Beer-Zorian und Duflon 1927–1929 ausgestellt wurden (siehe oben). Man erkennt insbesondere die Zeichnung, die einer von Beer-Zorian in La Muraz hergestellten Dose entspricht (MHL AA.VL 2002 C 5508-54). Die beiden Künstlerinnen haben sicherlich ein und denselben Formenkorpus verziert.

Was die eigentlichen Formen betrifft, sind wir versucht zu glauben, dass sie nicht von den Keramikerinnen selbst entworfen wurden. Wurden sie von Charles Beer oder einem anderen Designer mit Wohnsitz in Genf entworfen?

Spätestens ab 1929, wie der Katalog der Ausstellung der Malerinnen, Bildhauerinnen und Dekorateurinnen in Genf belegt, übte Edith Duflon die anspruchsvolle Technik der Steinzeugproduktion aus. Diese Technik, die in der Schweiz um 1913 an der Keramikschule in Chavannes-près-Renens eingeführt worden war, wurde von Paul Bonifas zwischen 1915 und 1919 in seinem Atelier in Versoix weiterentwickelt. Dieser setzte seine Forschungen auf diesem Gebiet ab 1922 in seinem Atelier in Ferney-Voltaire fort. In den 1920er-Jahren war Edith Duflon jedoch wahrscheinlich die einzige selbständige Keramikerin, die sich in unserem Land der Herausforderung des Steinzeugs stellte.

Auch bei dieser Produktion wurden die Gefässrohlinge von einem Dreher hergestellt. Mehrere Zeichnungen, die eindeutig mit «Steinzeug» gekennzeichnet sind, sind mit von Duflon hinzugefügten Anweisungen versehen, wie z.B. «dick drehen». Die Keramikerin hingegen war für die Herstellung der Dekore zuständig, die gemalt oder in den feuchten Ton eingeritzt wurden, sowie für das Engobieren, Glasieren und Brennen. Notizen aus der Fachliteratur – oder Kursen – belegen, dass sie sich mit der Technik des Hochtemperaturbrennens und der Zusammensetzung von Steinzeugglasuren befasste. In ihrem Bericht über den Brand in La Muraz schreibt Le Confédéré vom 4. März 1929 (S. 2–3), dass «der Ofen auf 1200 Grad, seine Höchsttemperatur, gebracht worden war». Der unglückliche Unfall ereignete sich also beim Brennen von Steinzeug, wobei die erwähnte Temperatur für Fayence grundsätzlich zu hoch und für Steinzeug gerade ausreichend ist.

Die von der Keramikerin angebrachten Marken – Pinselmarken auf den Fayencen sowie Pinsel- oder Ritzmarken auf Steinzeug– enthalten den Namen der Künstlerin («E. Duflon») oder ihre Initialen («ED»). Die meisten Fayencen tragen ferner die Bezeichnung «Muraz».

Drei Stücke tragen zudem ein Ausstellungsetikett mit dem Namen der Künstlerin und der Adresse «Bois-de-Vaux Lausanne» (MHL AA.VL 2002 C 5508-9, MHL AA.VL 2002 C 5508-1, MHL AA.VL 2002 C 5508-23).

Übersetzung Stephanie Tremp

Quellen

 Archives du Musée historique Lausanne, F.Privé.33 (Succession Dusserre)

La presse vaudoise et genevoise, consultées sur les sites du journal Le Temps et Scriptorium (Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne)

Bibliographie

Genève 1927
Exposition de céramique suisse. Cat. d’exposition, Musée d’art et d’histoire. Genève 1927.

Genève 1929
Exposition, section de Genève de la Société suisse des femmes peintres, sculpteurs, décorateurs. Cat. d’exposition, Musée Rath. Genève 1929.

Jeanneret 1932
Maurice Jeanneret, XIIe Exposition de la Société suisse des Femmes peintres, sculpteurs et décorateurs. Neuchâtel 1er octobre-4 novembre, Genève 5-27 novembre. Revue CFF 6/10, 35-36.

Plüss et von Tavel 1961
Eduard Plüss et Hans Christoph von Tavel, Künstler-Lexikon der Schweiz. XX. Jahrhundert. Bd. 1. Frauenfeld 1961.

Saffa 1928
Saffa. Schweiz. Ausstellung für Frauenarbeit – Exposition nationale suisse du travail féminin. Catalogue principal. Berne 1928.

Vogelsang-Eymann, Clara, Keramikmalerin (1892-1984)

Clara Eymann (wohl um 1914) mit einer Vase mit bernischem Malhorndekor.

Andreas Heege mit Unterstützung von Anna Stuby, 2024

Geboren in Langenthal (∗ 11.10.1892 Langenthal, † 23.2.1984 Zürich). Die Eltern Robert und Anna Eymann-Sommer führten in der zweiten Generation den renommierten Langenthaler Gasthof «Bären».

Clara hatte zwei Schwestern. Von diesen war Lydia Eymann ( 14.6.1901 – 1.3. 1972) eine stadtbekannte Langenthaler Malerin, Karikaturistin und Persönlickeit.

Claras künstlerische Begabung im Malen wurde früh erkannt und gefördert.

 

1908 besuchte sie die Ecole d’Arts et Métiers in Lausanne und wurde von der Keramikerin Nora Gross  ausgebildet.

1912 genoss sie eine künstlerische Weiterbildung (Öl- und Landschaftsmalerei) an der Polytechnical School of Art in London.

Clara Eymann im Atelier von Ernst Linck.

Später wird sie Schülerin des Malers Ernst Linck (1874-1935) in Bern. Linck war eng mit Ferdinand Hodler (1853-1918) befreundet und bildete zusammen mit ihm einen Teil der „Berner Schule“.

Sehr früh kam Clara als Künstlerin bereits mit verschiedenen künstlerischen Grössen der damaligen Schweiz in persönlichen Kontakt (Expresskarte zu einem Gesellschaftstreffen, unterzeichnet u.a. von Ferdinand Hodler, Christian Conradin, Willy Fries und Sigismund Righini).

1915 heiratete sie den Solothurner Constanz Amanz Vogelsang, Direktor der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG in Zürich, der selber ein grosser Kunstförderer und -freund war. Das Paar lebte in Zürich und besass dort ein Haus an der Klusstrasse. Beide pflegten den Kontakt zu zahlreichen Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, die in Zürich immer ein offenes Haus fanden. 1925 gehört Clara zu den Mitbegründerinnen der Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Keramikerinnen GSMBK, Sektion Zürich, nachdem sie wohl vorher bereits Mitglied des schweizerischen Dachverbandes der GSMB+K war. Ausserdem war sie Mitglied des Schweizerischen Werkbundes (SWB).

1915 Aus ihrem Hochzeitsjahr gibt es eine kleine Serie bemalter Koppchen und Untertassen aus Langenthaler Porzellan.

Clara Vogelsang besass zeitlebens keine eigene Werkstatt sondern arbeitete zuhause in ihrem Atelier oder in und mit den Werkstätten Wächter/Zürich bzw. Feldmeilen und Haussmann/Uster (Die Tat, 6. Oktober 1972). Nach der Heirat änderte sie Ihre Signatur auf „CVE“ oder gelegentlich nur „CV“. Aus der Zeit ihrer Zusammenarbeit mit Wächter in Feldmeilen könnten drei erhaltene Keramiken stammen.

Nach einer Familientradition entstand diese unsignierte grosse Kuchenplatte in der Werkstatt Wächter und wurde von Clara Vogelsang-Eymann bemalt.

Werke nach 1915 tragen die Signatur „CVE“.

1916 zeigte sie neben dem Keramikfachlehrer J. Hermanns Keramiken im Kunstsalon Ferd. Wyss im Stadttheater in Bern (Das Werk: Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, Bd. 3, 1916; XV).

Blumentopf der Zeit um 1917, in Familienbesitz.

1917 beteiligte sie sich an der XIII. Schweizerischen Kunstausstellung in Zürich, Abteilung für angewandte Kunst (Das Werk, Bd. 4, 1917, XIX), mit einem sehr positiv besprochenen Blumen-Übertopf.

1918 erwarb das Kunstgewerbemuseum in Zürich von ihr eine „Hübsche Vase“ (Schweizer Kunst = Art suisse = Arte svizzera = Swiss art 1918, 25).

1919 bemalte sie Ofenkacheln für einen neuen Kachelofen von Dr. Rickli, Langenthal, Friedhalde. Die Kacheln wurden von Hafnermeister Hünig aus Langenthal gefertigt und in der Firma Gebr. Mantel in Elgg. gebrannt (Das Werk : Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, Band 6, 1919, 92).

1924 war sie mit Keramik an der Ausstellung „Arts décoratifs“ in Neuenburg beteiligt (FAN – L’express, 27. November 1924).

Aus den 1920er- oder frühen 1930er-Jahren sind bislang nur wenige signierte Keramiken bekannt.

1925 Die NZZ schrieb am 13. Oktober: „Die Räume der Kunsthalle [Bern] sind mit den Werken unserer in der Gesellschaft Schweiz. Malerinnen und Bildhauerinnen vereinigten Künstlerinnen geschmückt. Mit sicherer Hand hat die Jury Akzente von eindringlicher Kraft gesetzt… Auch in der Keramik sind große Fortschritte festzustellen. Ich erinnere nur an die schöngeformten Schalen und Teller von G. Meister-Zingg, an Clara Vogelsangs technisch vollendete Krüge und Schalen. Von Adele Schwander sind hübsche und brauchbare Tassen und Schalen da…“.

1925 Beteiligung an der Weihnachtsausstellung der bernischen Ortsgruppe des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum Bern (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2017, 17. Dezember 1925).

1927 stellt sie auf der grossen Ausstellung „Céramique suisse“ in Genf Geschirrkeramik aus (Besprechung der Ausstellung: Der Bund, Band 78, Nummer 395, 14. September 1927 Ausgabe 02).

1927 Beteiligung an der Weihnachtsausstellung des Werkbundes im Gewerbemuseum Bern (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2173, 16. Dezember 1927 Ausgabe 02).

1928 Ausstellung an der Saffa – Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (Berner Tagwacht, Band 36, Nummer 218, 17. September 1928).

Clara wurde Mutter von zwei Kindern, verlor jedoch bereits 1930 ihren Ehemann nach einer Tuberkuloseerkrankung. CVE, so die Signatur ihrer Werke, lebte nun ganz in ihrer künstlerischen Passion. Mit dem Auto fuhr sie auf Motivsuche und zum Malen, alleine oder mit befreundeten Malerinnen, in die nähere und weitere Umgebung des Oberaargaus. Sie unternahm aber auch längere Reisen in die Bretagne, nach Ischia, Ägypten und Tunesien. Neben vollen Skizzenbüchern entstanden in den folgenden Jahren vor allem Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle.

Diese einfarbig glasierten Keramiken entstanden möglicherweise in den 1930er- oder 1940er-Jahren. Ob diese Stücke schon bei Haussmann in Uster gefertigt wurden, ist unklar.

1930 Auf der Weihnachtsaustellung des Werkbundes im Zürcher Kunstgewerbemuseum zeigte Clara Vogelsang-Eymann „sympathische Vasen und Schalen“ (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 2350, 3. Dezember 1930 Ausgabe 03).

1932 beteiligte sie sich an der XII. Ausstellung der GSMBK in Neuchâtel und Genf (Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986, 452).

1940 verkaufte sie neben Amata Good, Fritz Haussmann,  Margrit Linck-Daepp, Meister&Cie, Luise Meyer-Strasser,  Hanna Nencki und Berta Tappolet Keramiken auf einer Weihnachtsausstellung der Ortsgrupe Zürich des SWB (Das Werk : Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art, 27, 1940, XXIV).

Tasse aus der Produktion von Haussmann/Uster, wohl nach dem 2. Weltkrieg, bemalt von Carla Vogelsang-Eymann, signiert „C.V.“.

1947 aus diesem Jahr haben sich Platten des Keramikherstellers „Noranco“  aus Pambio-Noranco bei Lugano erhalten,  die von CVE bemalt wurden.

1955 beteiligte sie sich an einer Kunstgewerbeausstellung der Schweizerischen Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen im Strau-Hoff in Zürich mit „fein bemalten Schalen und Platten“ (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 3381, 8. Dezember 1955).

Ihr keramisches Spätwerk scheint vor allem Inglasurmalereien auf Fayenceglasur zu umfassen, wobei sie auch Skizzen und Bilder aus ihren Aufenthalten am Mittelmeer umsetzte. Ein leider undatierter Illustriertenbericht informiert über diese Schaffensphase.

Clara Vogelsang-Eymann beim Bemalen von Keramik.

1956 zeigte sie „moderne Keramiken“ auf einer Ausstellung des Lyceumclubs Bern (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur, Band 38, 1956).

1958 finden wir Clara Vogelsang-Eyman auch als Teilnehmerin an der XXII. Ausstellung der GSMBK anlässlich der SAFFA in Zürich (Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986, 453).

1965 werden ihre mit Küsten- und Ischia-Motiven bemalten Keramiken an der Weihnachtsausstellung im Lyceumsclub Zürich lobend hervorgehoben (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur Band 49 [i.e. 47], 1965, 4).

1970 waren Ihre Keramiken zusammen mit Aquarellen und selbstgefertigten Schmuck auf einer Ausstellung des Lyceumclubs Zürich zu sehen und wurden sehr positiv besprochen (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur, 52, 1970, 3).

1972 zu Clara Vogelsangs 80. Geburtstag erschienen verschiedene Zeitungsberichte (Schweizer Frauenblatt : Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur 54, 1972, 6).

Sie war eine warmherzige und wache Gastgeberin und führte in Zürich bis zu ihrem Tod 1984 ein offenes Haus für Künstlerfreunde und -freundinnen wie Bekannte aus aller Welt.

Hinweis: Verschiedene Keramiken von Clara Vogelsang-Eymann befinden sich heute im Museum Langenthal und werden in absehbarer zeit in CERAMICA CH dokumentiert.

Quellen:

Katalog zur Sonderausstellung «Frauenpower – Starke Frauen
aus dem Oberaargau» (2015/16) im Museum Langenthal;

Informationen von Anna Stuby (Enkelin von Clara Vogelsang-Eymann).

Wangen an der Aare BE, Hafnerei Anderegg


Wappen der Hafnerfamilie  Anderegg aus dem Hafnerhaus Wangen, Vorstadt 18, abgebrochener Kachelofen.

In Bearbeitung

Andreas Heege, Andreas Kistler, 2025
basierend auf Mühletaler 1983 und Unterlagen aus dem Museum in Wangen a.A.

Stammbaum der Hafner Anderegg

Genealogische Daten der Hafner Anderegg

In Wangen an der Aare, im 16. Jahrhundert der kleinsten Stadt im Kanton Bern mit nur ca. 110 Einwohnern, lässt sich erstmals zwischen 1634 und 1638 ein Hafner Martin Hartmann nachweisen, der der Burgergemeinde für einen Brennofen Zins zahlt. 1634/35 setzte er einen Ofen im Zollhaus Wangen und 1635/36 einen Ofen im Schloss (Landvogtei). Für ihn galt, wie für die Hafner der Landvogteien Aarwangen und Bipp, eine 1636 erlassene Handwerksordnung (Schwab 1921, 14-16). 1658/59 gibt es Hinweise auf einen Hafner Bendicht Burckhardt (vorher ab 1641 in Walliswil bei Wangen). Er setzte Öfen im Schloss und arbeitete vermutlich bis 1685/86 in Wangen (alle nachfolgenden Informationen, soweit nicht anders belegt, nach Mühletaler 1983, basierend auf Informationen von K.H. Flatt, 1982). Vor 1757 lässt sich auch noch ein Abraham Rikli (1688-1757) als Hafner nachweisen, der zugleich Werkmeister und Feuerschauer war.

Vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert sind es dann aber vor allem die Hafner Anderegg, die lokal Kachelöfen und Geschirr produzierten. 1798 lassen sich im Helvetischen Eidregister für Wangen noch weitere Hafner nachweisen: Johannes Arn aus Wangen (1768-1834), Ludwig Kräuchi aus Bäriswil (1770-1851) und Johannes Berchtold aus Safenwil AG (1752-?), der zu diesem Zeitpunkt jedoch in Inkwil lebte (und arbeitete?).

Hafner in Wangenried bei Wangen a.A.

Die Andereggs sind eine 1622 aus Oberbipp nach Wangen a.A. zugewanderte und anschliessend eingebürgerte Familie. Der erste Hans Anderegg (1601-1664?) war Wirt und Burgermeister. Der zweite Hans Anderegg (1668-vor 1737, vgl. Stammbaum) war Metzger und zeitweise Lehenwirt im Gasthof Rössli. Er war zweimal verheiratet. Zunächst seit 1694 mit Elisabeth Kuhn aus Steckholz, mit der er einen Sohn Jakob (1695-1773) bekam.  Aus der zweiten im November 1706 mit der bereits 49jährigen Verena Rikli (1657-?) geschlossenen Ehe gingen erstaunlicherweise zwischen 1709 und 1713  noch drei weitere Söhne hervor, u.a. der erste Hafner Hans Ulrich Anderegg (1709-1776). Dieser kaufte bei seiner Hochzeit 1736 Land im Ried (Wangenried, ein kleines Dorf, 3 km südlich von Wangen a.A.) und übernahm 1737 zusammen mit seinem Bruder Josef (1713-1802), der Landwirt war, ein halbes Haus von seiner Mutter Verena Rikli (Grundstück unbekannt). Josef verkaufte ihm 1739 sein Hausviertel und erwarb dafür das spätere Hafnereigrundstück Wangen, Vorstadt 18/20.

Grundbuchinformationen zu Liegenschaftschaftsaktivitäten der Anderegg

Grundstück Wangen, Vorstadt 18/20

Hans Ulrich Anderegg und sein Sohn Johann Anderegg (1740-1795) werden erstmals 1769 und 1762 als Hafner im Ried bezeugt. Hans Ulrich reparierte 1765/66 den Schulhausofen in Wangen.

Johann Anderegg übernahm 1774 die Haushälfte seines Vater, die andere Haushälfte gehörte einem Jakob Rikli, vielleicht einem Verwandten seiner Mutter. Johann Anderegg blieb kinderlos. Kachelöfen oder Geschirrkeramik von den beiden Hafnern im Wangenried sind unbekannt.

Zwischen 1817 und 1832 finden sich dann erneut Hafner im Wangenried (Hafnermeister Jäger, 1821; sowie Joseph Wyss, 1824-1825, Hintersasse aus Subingen, Kanton Solothurn, bei denen sich Gesellen anmeldeten (Gesellenanmeldungen). Ein Hafnergeselle Maximilian Teptor aus Mössingen in Württemberg, schwängerte 1813 eine Elisabeth Rikli, Tochter von Alt-Chorrichter Jakob Rikli (1760-1833) und heiratete diese 1814. 1817 wurde er dann auch als Hintersasse in die Liste der Gesellenanmeldungen eingetragen, weitere Kinder wurden 1817 und 1820 in Wangen a.A. getauft. Ob Maximilian Teptor von vornherein als selbständiger Hafner (Mieter?) in der Werkstatt Alt-Chorrichter Jakob Rikli arbeitete oder (ab 1813) bei einem unbekannten Hafner bzw. den beiden oben genannten Hafnern ist unklar. Es kann auch nur vermutet werden, dass es sich um dieselbe Hafnerwerkstatt gehandelt hat, in der bis 1795 Johann Anderegg gearbeitet hatte. 1831 bis 1833 meldete sich bei ihm in Wangenried jedoch der Geselle Sebastian Teptor aus Mössingen an (ein Verwandter,  jüngerer Bruder, Neffe?), sodass Maximilian Teptor zu diesem Zeitpunkt die Werkstatt wahrscheinlich selbständig führte. Erstaunlicherweise finden wir ihn dann 1840-1841 wieder als Gesellen bei Hafner Kaspar Studer in Safnern zwischen Biel und Büren a.A., 1842 bei Hafner (?) Biedermann in Nidau und 1842 bei Pintenwirt Schmalz in Nidau, 1843 Badewirt Roth in Worben und 1843 bei einem Johann Stämpfli (Hafner?) in Grossaffolter-Kosthofen. Was er an seinen drei letzten Arbeitsstellen gemacht hat, ist so unklar wie sein Todesdatum oder der Verbleib seiner Ehefrau.

Rikli_Teptor Wangenried_genealogische Daten        Stammbaum Rikli-Teptor

Hafner in Wangen a.A.

Der Landwirt Josef Anderegg, älter (1713-1802) heiratete eine entfernte Verwandte, Anna Maria Anderegg, und bekam mit ihr sechs Kinder, von denen ein Sohn Josef Anderegg, jünger (1752-1831) nach einer Ausbildung bei seinem Onkel oder Vetter im Ried, ebenfalls Hafner wurde (Stammbaum). 1777 erhielt er die Konzession für den Bau einer „Hafnerhütte mit Brennofen in der Vorstadt Wangen„, wo auch sein Vater wohnte (Urbar Wangen Nr. 7, S. 38, 22.3.1777). Dieses Datum kann als  Beginn der Anderegg-Keramikproduktion in Wangen angesehen werden. 1784 heiratete Josef Anderegg, jünger Anna Geiser (1759-1829, Heimatort Leuzigen). Das Paar bekam drei Kinder. Josef Anderegg, jünger war von 1797-1817 auch Gerichtssäss und von 1803-1817 zusätzlich Chorrichter.

Es ist mangels signierter Keramik bzw. Kachelöfen völlig unklar, was Josef Anderegg, jünger auf seinem Grundstück in der Vorstadt produzierte oder wer zwischen 1777 und ca. 1825 die Öfen bemalte, er selbst oder ein spezialisierter Ofenmaler? Für das Jahr 1787/88 lässt sich eine Ofenreparatur durch Josef im Schulhaus in Wangen nachweisen. 1792/93 haben wir immerhin einen Hinweis, dass er im Pfarrhaus im 1. Stock einen neuen Ofen setzen durfte. Zwei 1816 und 1817 datierte Öfen im zweiten Obergeschoss des Hauses von Schiffmeister, Handelsmann und Amtsstatthalter Johann Rudolf Vogel, Wangen, Vorstadt 17 (erbaut ab 1813), könnten aus der Werkstatt von Josef Anderegg, jünger oder seinem Sohn Johannes  Anderegg 1785-1860) stammen, jedoch tragen sie weder eine Hersteller- noch eine Malersignatursignatur.

Der Sohn Johannes Anderegg (1785-1860), heiratete 1807 eine Elisabeth Schneider (1784-1831). Er war Stadtrat und Gerichtssäss. Das Paar bekam drei Kinder. 1837 erhielten die beiden Söhne Johann Jakob, älter (1809-1875) und Johannes (1814-1846), die beide Hafner wurden (Stammbaum) bereits einen Teil des väterlichen Besitzes in Wangen. Sie durften ihren Ton in der Riedmatt und dem Acker Tonen in Wiedlisbach graben (beide Orte nicht lokalisiert).

Für Johann Jakob, älter (1809-1875) ist ein Wanderbuch aus der Zeit 1825-1829 überliefert (Mühletaler 1983, 156-157), d.h. er begab sich mit nur 16 Jahren ungewöhnlich früh auf eine Gesellenwanderung, die ihn bis nach Mecklenburg führte.

Der Ofenmaler Johann Heinrich Egli aus Aarau arbeitete 1829 und 1832 auch für die Hafner Anderegg in Wangen a.A. (noch stehender Ofen im Haus Wangen a.A., In der Gass 9). Vermutlich hatte zu dieser Zeit bereits Johannes Anderegg (1785-1860) die Werkstatt von seinem Vater Josef (1752-1831) übernommen.

1840 teilten die beiden Söhne den Besitz und Johann Jakob erhielt das Recht auf demselben Grundstück ein neues Haus zu erbauen. Johannes (1814-1846) heiratete 27.1.1843 in Wynigen Anna Barbara Herzig aus Steckholz bei Lotzwil (vgl. Stammbaum). Bei einer ersten Kindstaufe am 31.12.1843 wurde er als „Hafner im Steckholz“ bezeichnet, hatte dort also offensichtlich eine Werkstatt eröffnet. Er starb dort nur 3 Jahre später. Produkte aus seiner Werkstatt sind nicht bekannt.

GBWangen_Hafner_Anderegg_2 Wangen_Vorstadt 18_20

Signierte und 1847 datierte Ofenkacheln von Johann Jakob, Anderegg, älter (1809–1875), Herzogenbuchsee, Gasthof Sternen, Ofenmaler möglicherweise H.F. Lanz.

Johann Jakob Anderegg der Ältere (1809–1875), der seit 1834 mit Anna Barbara Ingold (1813-1902, Heimatort Heimenhausen) verheiratet war,  übernahm die Werkstatt von seinem Vater Johannes  (1785–1860) kurz vor dessen Tod. Das Paar bekam sieben Kinder (vgl. Stammbaum). Zwei Söhne – Johann Jakob, 1834-1894, und Johann Gottfried, 1846-1927 – wurden ebenfalls Hafner. Sie bildeten die fünfte und letzte Hafnergeneration Anderegg in Wangen. Von Johann Jakob (Rufname Jakob) wissen wir, dass er 1860 auf der Gesellenwandung bis nach Rügen gelangte. In einem Brief schrieb Johann Jakob Anderegg der Ältere (1809–1875) 1860 an seinen Sohn, dass der vierzehnjährige Bruder Gottfried dem Grossvater (Johannes Anderegg , 1785-1860) in der Werkstatt helfe, den Ton aufbereite und schon ganz ordentlich Teller und Kaffeebeckli drehe. Von dem Bruder Adolf Anderegg (1843-1893), der eigentlich Spengler wurde, erfahren wir, dass er 1860 in der Werkstatt arbeitete und sehr schön die Kacheln bemalte (Mühletaler 1983, 137).

Kachelbilder-Vorlagenbüchlein 1855-1866, Beispielseite, Privatbesitz, Kopien im Museum Wangen a.A.

Johann Jakob Anderegg (1834-1894) hinterliess eine 124seitige Entwurfsmappe aus den Jahren 1845-1851, ausserdem existiert ein Kachelbilder-Vorlagenbüchlein mit Datierungen von 1855-1866 (Inhalt Mühletaler 1983, 141-144).

Schloss Bipp, Kachelofen von 1861 im Museum im Kornhaus Wiedlisbach (vgl. vorhergehende Vorlage).

Der Liegenschaftsteil Vorstadt 20 brannte 1902 ab. Im stark umgebauten Liegenschaftsteil Vorstadt 18, aus der Zeit um 1840, wurden in den 1970er-Jahren Reste eines Töpferofens gefunden (nicht dokumentiert). Mit dem Tod von Johann Gottfried Anderegg endete die Keramikproduktion auf dem Grundstück Wangen, Vorstadt 18/20.

Von der regionalen Bedeutung der Hafnerei Anderegg zeugen die über 100 Gesellenanmeldungen zwischen 1820 und 1899.

In der Sammlung Felchlin, Matzendorf hat sich ein sehr seltener Blumenkasten der  Hafnerei Anderegg erhalten (SFM 31).

Auf der Schauseite trägt er eine beschriftete Ansicht von Schloss Bipp nach einem Stich von David Herrliberger (1697–1777; «Neue und vollständige Topografie der Eydgnoschaft», 1754–1758, Taf. 70). Das vorliegende Stück dürfte wohl Johann Jakob der Jüngere (1834–1894) gemalt haben (siehe Vorlagenbüchlein).

Ofenkachel von Johann Jakob Anderegg (1834–1894), signiert und datiert 1861, Kachelofen im Kornhaus Wiedlisbach.

Eine überregionale Bearbeitung der Kachelöfen und der Geschirrkeramik der Hafner Anderegg steht bis heute aus (Hinweise auf verschiedene Öfen: Heege 2011, Heege 2015; Leuenberger 1957; Leuenberger 1959; Mühletaler 1983). Das „Städtli-Museum“ in Wangen a.A. bewahrt eine grosse Ofenkachelsammlung der Hafner Anderegg.

Bibliographie:

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950). Sulgen 2014, 72.

Heege 2011
Andreas Heege, Langenthal, St. Urbanstrasse 40–44. Die Hafnerei Staub und ihre Werkstatt, in: Archäologie Bern/Archéologie bernoise. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, 2011, 209–287.

Heege 2015
Andreas Heege, Die Hafnerei Staub in Langenthal, Kanton Bern, 1730 bis 1870, in: Silvia Glaser, Keramik im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Kunst. Beiträge des 44. Internationalen Symposiums Keramikforschung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, 19.-23. September 2011 (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 40), Nürnberg 2015, 125-145.

Leuenberger 1957
Walter Leuenberger, Alte Ofensprüche aus dem Oberaargau, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 1957, 80-92.

Leuenberger 1959
Walter Leuenberger, Ofensprüche, in: Jahrbuch des Oberaargaus 2, 1959, 117-129.

Leuenberger 1993
Walter Leuenberger, Ofensprüche, in: Hanspeter Bögli/Anita M. Friedli-Jenzer/Markus Friedli u.a., Bannwil. Ein Dorf im Oberaargau, Bannwil 1993, 243-259.

Mühletaler 1983
Hans Mühletaler, Die Hafner Anderegg. Eine Ofenbauer-Dynastie in Wangen an der Aare. Jahrbuch des Oberaargaus 26, 1983, 129–158.

Schwab 1921
Fernand Schwab, Beitrag zur Geschichte der bernischen Geschirrindustrie (Schweizer Industrie- und Handelsstudien 7), Weinfelden/Konstanz 1921.

 

Wichtrach BE, Töpferei Maurachern

Töpferei Maurachern um 1950

Keramik in CERAMICA CH

Andreas Heege, Andreas Kistler 2019

Die Töpferei Maurachern  liegt auf dem heutigen Grundstück Thunstrasse 72 in Wichtrach, Ortsteil Maurachern, Kanton Bern. Zacharias Steiner von Fahrni, „dato auf dem Beumberg, Steffisburg, sässhaft“ erwarb am  6.10.1811 die Liegenschaft. Zu diesem Zeitpunkt scheint keine Hafnerei eingerichtet gewesen zu sein.  Beim Tod von Elisabeth Steiner-Neuenschwander, Zacharias Steiners Witwe (17.1.1862) erfahren wir am 11.12.1863, dass Zacharias Hafner ist, und dass in Folge Erbteilung sein Sohn Christian folgende Liegenschaften übernahm: „Heimwesen in der Muracheren: 1. Haus Nr. 141 für Fr. 3’500 brandversichert mit Hausbrunnen 2. Hausmatte samt dem Hubel von etwa 8 Jucharten. 3. Einem Mööslein samt dem Rainli. 4. Ein Wohnstöcklein mit zwei Hafnerwerkstätten und doppelter Wohnung unter Nr. 144 für Fr. 2’000 brandversichert, von Zacharias Steiner neu erbaut. 5. Hälismatt, in der Gemeinde Kiesen. 6. Ein halbes Schupposenrecht in Holz und Feld. Weiterer Besitz an Land und Wald aufgeführt.“ Am 2.11.1874 verkaufte  Christian Steiner das Wohnstöcklein mit den beiden Werkstätten an: Gottfried Grognuz-Gerber von Poliez-Pittet VD, Hafnermeister in der Muracheren. Bereits am 18.10.1876 verkaufte Anna Elisabeth Grognuz-Gerber, Gottfried Grognuzs sel. Witwe, die Liegenschaft weiter an:  Rudolf Moser von Arni (1840-1877), Hafnermeister im Heimberg. Am 20.10.1904 verkaufte  Rudolfs Witwe Anna Maria Moser-Aeschlimann (1844-?), die Liegenschaft mit den zwei Werkstätten und zwei Wohnungen an ihren gemeinsamen Sohn Gottfried Moser, Hafnermeister (30.12.1873-4.5.1949).

Preisliste, undatiert.

Die Werkstatt-„Chefs“ (von oben links nach unten rechts):
Gottfried Moser 1873-1949, Martha Moser-Waber 1883-1973, Armin Stucki 1920-1980, Emma Martha Stucki-Moser 1914-2004.

Nach Gottfrieds Tod führte die Tochter Emma Martha Stucki-Moser (1914-2004) den Betrieb zusammen mit ihrem Mann Armin Stucki (1920-1980) weiter. Die Schwester Elisabeth Moser war Teilhaberin. Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete das Grundbuch nur noch „1 Wohnhaus mit Hafnerei“.  1945 wurde der holzbeheizte Töpferofen durch einen Elektroofen ersetzt. Nach einem Brand 1985 wurde die Werkstatt teilrenoviert und schliesslich 1992 an Peter Kupferschmied (Jg. 1960,  Lehre bei Martha Stucki-Moser von 1988 bis 1990) und seine Frau Kathrin verkauft.

1996 erfolgte noch ein Um- und Anbau. Bis 2017 arbeitete auch noch die Keramikerin Cornelia Rubin in der Werkstatt mit. Zum 1. Oktober 2017 wurde die Töpferei geschlossen.

Quellen zur Liegenschaft

Vgl. auch: https://www.antik-und-rar.ch/maurachern.html