Andreas Heege, Pierre-Yves Tribolet, 2026
Keramik des Musée céramique in CERAMICA CH
Einleitung
Die Geschichte des „Musée céramique“ kann nicht ohne die Vorgeschichte der Weltausstellung in Paris 1878 erzählt werden.
Auf diplomatischen Druck aus Frankreich beschloss der Schweizerische Bundesrat eine Teilnahme an der Weltausstellung 1878 in Paris.

Zur Vorbereitung bereiste 1877 Eduard Guyer-Freuler (1839-1905), der Schweizerische Generalkommissar für die Weltausstellung, das Berner Oberland. Sein Augenmerk galt dabei der Holzschnitzerei und der Heimberger Töpferei, die – Zitat -: «seit zwei Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen» habe (Protokoll des Grossen Rates des Kantons Bern, Beratung 1877 über den Kredit für die Weltausstellung). Mit Hilfe des Thuner Ziegeleibesitzers Oberst Karl Schrämli (1831-1899, zur Person siehe Artikel im HLS) gelang es, die drei innovativen Hafner Bendicht Küenzi, Christian Eyer und Johann Schenk-Trachsel zur Teilnahme zu bewegen.

Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Paris 1878.
Die Ausstellung wurde für die Töpfer zu einem grossen Erfolg. Die drei Hafner fuhren nicht persönlich nach Paris, sondern liessen sich dort von dem von dem Kaufmann Johann Heinrich Schoch-Läderach (21.3.1839-1.6.1911, Heimatort Utzwil-Henau SG) als Kommissionär vertreten. Dessen besonderer Verdienst war es laut Karl Huber (1906, 279), dass er die richtigen Verbindungen mit nachhaltiger Wirkung anzuknüpfen vermochte (TAT, 4.9.1878, Bd. 2, No. 209). Von Schoch-Läderach, der später die bedeutende Thuner Handelsfirma «Musée céramique» führte, hören wir hier zum ersten Mal. In den Quellen und Archivalien bleibt seine Person merkwürdig «farblos» und unbestimmt. Johann Heinrich Schoch wurde im Dezember 1872 die Niederlassungsbewilligung in St. Gallen als Kaufmann erteilt (Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 11. Dezember 1872). Wann und warum er nach Thun kam und wie er zum Kommissionär der Hafner wurde, ist unbekannt. Er heiratete am 10.2.1876 in St. Gallen Emilie Theresia Läderach (3.1.1855-1.11.1924, Heimatort Bolligen BE). Das Paar bekam zwei Töchter (Emilie Helene Leonora, 10.3.1878-25.4.1902, getauft in Münsingen, und Sophie Amalie Helena, 31.3.1881-?, getauft in Thun).


Mit der Marke Schoch-Läderach (Vogel, P[oterie], SL) versehene Keramik. ab 1878 (SST-05185, SST-14631, SST-14178). Es ist nicht klar, wann diese Stücke genau gefertigt wurden und wie lange Schoch-Läderach diese Marke anbringen liess. Stücke die eindeutig 1878 in Paris gekauft wurden, besitzen heute nur das Victoria& Albert Museum in London (V&A Inv. 712-1878 bis 718-1878, 736-1878, 737-1878), das Nationalmuseum in Oslo (OK-00358 und OK-00359) und das Gewerbemuseum in Winterthur (Inv. 554, 576). Erstaunlicherweise gibt es keinen einzigen Vedutenteller von Schoch-Läderach (siehe unten Landesausstellung 1883) mit dieser Marke.
Im Ausstellungsraum des Kantons Bern im Schweizer Pavillon stellten die Hafner 333 Stücke aus, die sich bis zu 30fach verkauften ( TAT 4.9.1878, Bd. 2, No. 209: „Künzi hat ausgestellt 170 Stück, Schenk 88 und Eier 75“). Schoch-Läderach bewegte die Hafner dazu, die Keramik mit seiner Marke zu versehen. Der deutsche Kunstkritiker Friedrich Pecht urteilte: «So sind die emaillierten Fayencen der Fabrik in Heimberg bei Thun eine charmante Specialität, die das Princip der Ornamentation indischer Shawls mit viel Glück auf diese Thongefäβe übertragen, Blumenformen dicht gedrängt aus einem dunklen Grund herausschimmern lassen» (Neue Zürcher Zeitung, 15 August 1878). Laut dem Besucherbuch von 1878 (heute im Bundesarchiv in Bern) besuchten nach Auskunft des General-Kommissars etwa 24.000 Personen den Schweizer Pavillon.

Urkunde zur Silbermedaille für die Bendicht Künzi (1822–9.3.1878), Oppligen bei der Rotachenbrücke. Diese konnte nur noch durch seine Witwe entgegengenommen werden, da Künzi schon vor Eröffnung der Ausstellung verstarb (SST-07168).

Bericht über die Ausstellungsmedaillen Paris 1878, NZZ 27.10.1878.
Die Heimberger Keramiker erhielten an der Weltausstellung eine Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Schoch-Läderach nutzte die Gunst der Stunde und eröffnete in Paris ein Ladengeschäft, wo er die Heimberger Ware auch nach Ende der Ausstellung unter seinem Namen weiterhin verkaufte. Vom 15.6. bis 2.11.1878 fanden sich Anzeigen für einen Salesroom in der Avenue de l’Opéra 17 im „American register for Paris and the continent, Bd. XI“.
Am 8. Dezember 1878 konnte man in Paris im Journal «L’Europe Artiste» nachlesen, dass Schoch-Läderach «…aujourd’hui son dépôt de l’Avenue de la Bourdonnaye, 43, en face la porte Rapp…» hatte. Das Blatt führte weiter aus: «Wir glauben die Ansicht aller Künstler und Kenner auszusprechen, wenn wir den bemerkenswerthen, in Paris vertretenen schweizerischen Töpferei-Produkten eine dauerhafte Beliebtheit versprechen, wozu ihr Werth und ihre künstlerischen Vorzüge sie in jeder Beziehung berechtigen.»
Der «Annuaire-almanach du commerce, de l’industrie, de la magistrature et de l’administration» aus den Jahren 1880 und 1881 verzeichnete Schoch Läderach schliesslich in Paris in der Rue des Petites-Ecuries 45 und gibt zusätzlich an: «médaille argent Paris 1878; Manufacture à Thoune, Majoliques Suisses et Faïences d’art, Dépôt à Paris». Schoch-Läderach war also offenbar umgezogen. Spätere Standorte eines Ladens lassen sich für Paris nicht mehr nachweisen. Eine von Schoch-Läderach in seiner Werbeanzeige zur Landesausstellung 1883 und in seiner Standdekoration behauptete «Goldmedaille» für die Weltausstellung von 1878 ist erfunden.
Eine weitere Silbermedaille will Schoch-Läderach laut seiner Anzeige von 1883 auch in Brüssel erhalten haben, ohne dass für die Ausstellung ein Jahr angegeben wird. Möglicherweise handelt es sich um die «Exposition nationale de 1880 Bruxelles» oder eine damit verbundene Industrie-Ausstellung, mit der der belgische Staat seinen 50. Geburtstag feierte (Bericht im Zuger Volksblatt 20, No. 3, 10. Januar 1880). Eine Medaillenmeldung fand in der schweizerischen Presse offenbar nicht statt. Ein Eintrag im offiziellen Ausstellerkatalog fand sich nicht.

Schoch-Läderach stellte auch auf der Allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz- und der Local-Gewerbe-Ausstellung zu Frankfurt a.M. aus, die am 10. Mai 1881 eröffnet wurde und bis zum September dauerte. Dort erhielt er tatsächlich eine Silbermedaille, wie Der BUND am 28.9.1881 berichtete.

Am 23. Dezember 1880 (Intelligenzblatt der Stadt Bern) annoncierte Schoch-Läderach einmalig: «Schöne Festgeschenke! Schweizer-Majolika! von Schoch-Läderach in Thun. Dépôt: Bern Amthausgasse 70, 1. Stock». Auch diese Anzeige fand keine spätere Fortsetzung, sodass wir nicht wissen, ob Schoch-Läderach in Bern tatsächlich längerfristig ein Ladenlokal unterhielt oder seine Ware später vornehmlich über bernische Geschirrhändler absetzte.
Das Musée céramique unter Johann Heinrich Schoch-Läderach 1882-1890
Aufgrund eines familiären Unglücksfalls erfahren wir, dass er spätestens im März 1882 in Thun im Haus neben der Plätzliterrasse wohnte. Seine vierjährige Tochter Emilie Helene Leonora fiel vom Balkon und erlitt einen Schädelbruch (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, Bd. 29, No. 25, 29.3.1882), den sie überlebte. Es dürfte sich um das heutige Gebäude Freienhofgasse 1 handeln.

Musée céramique in Thun, undatierte Aufnahme (Schweizerisches Nationalmuseum, SNM LM-75640-19).
Schoch-Läderachs eigentliches Verkaufsgeschäft lag jedoch auf der anderen Strassenseite der heutigen Oberen Hauptgasse und trug laut dem Fremdenführer von A. de Baroncelli, «Jura&Suisse, l’Oberland bernois» (Paris, undatiert, S. 126) die Bezeichnung «Musée céramique de majoliques de Thoune».
Musée céramique, Hofstettenstrasse 4 (Quelle: Thunensis.com)
Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde das Musée céramique in das heutige Gebäude Hofstettenstrasse 4 verlegt.
Schweizerisches Handelsamtsblatt SHAB 1, No64, 511, 30.3.1883.

Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883, No. 1&2, Seite 6, vom November 1882.
Wann Schoch-Läderach das Geschäft bezog und vor dem Jahr 1883 so taufte, ist unbekannt, denn bei der Geschäftsanmeldung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) vom 30. März 1883 wurde die Firma nur mit seinem Namen bezeichnet. Gleichzeitig wurde angegeben, dass er sein Geschäftslokal in Thun am Plätzli habe. Als Geschäftszweck wurde eingetragen: «Poterie artistique majolique».

Schoch-Läderach liess seine Fabrikmarke («Vogel über einem P [oterie] und daneben die ligierten Buchstaben SL») 1883 nicht im Schweizerischen Handelsregister eintragen. Sie findet sich, als einzige Quelle, in Schochs Werbeanzeige in der Offiziellen Ausstellungszeitung zur Schweizerischen Landesausstellung 1883, No. 1&2, Seite 6, vom November 1882. Dort zeigt er auch die ihm angeblich verliehene Goldmedaille der Weltausstellung Paris 1878 und verweist auf die Silbermedaillen von Brüssel (?) und Frankfurt 1881.

Kuchenplatte mit Papieraufkleber, bald nach 1878. Privatbesitz Schweiz.
Es existieren wenige Keramiken, die die Fabrikmarke von Schoch-Läderach auch als Papieraufkleber tragen. Vermutlich erklärt dies zusammen mit den übrigen bekannten Aufklebern , warum wir aus der Frühphase des Musée céramique so wenig gemarkte Stücke und überhaupt keine gemarkten Vedutenteller kennen. Möglicherweise stellte er bald nach 1878 vollständig auf Papieretiketten um, da ihm dies ermöglichte problemlos Ware verschiedenster Hersteller für sein Musée céramique zu beziehen.

Aufkleber des Musée céramique unter Schoch-Läderach. Fotos Internet.

Offizieller Ausstellungskatalog zur Landesausstellung 1883.
Die nächsten, wichtigen Informationen zu Schoch-Läderach und seinem Musée céramique erhalten wir im Zusammenhang mit der Landesausstellung in Zürich, die am 1. Mai 1883 ihre Tore öffnete.

Keramik-Pavillon auf der Landesausstellung in Zürich 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich).
Dort stellte er im Keramik-Pavillon neben verschiedenen anderen Keramikproduzenten eine Kollektion Thuner und Heimberger Majolika aus: Samuel Born-Straub (Heimberger Majolika, Aussteller Nr. 1376), der Kollektivausstellung der Heimberger Hafner (Gewöhnliches Gebrauchsgeschirr, Aussteller Nr. 1383), der Fabrik von Johannes Wanzenried (Majolika, Vasen, Platten, Services, Intarsien für Möbel, Vertäfelungen, Zimmerdekoration, Kunst- und Gebrauchskeramik, Aussteller Nr. 1391), Richard Grüninger, Hafner, Berneck (Kollektion Töpferwaren, Austeller Nr. 1397), H. Hanhart, Winterthur (Decorierte Fayencen, Aussteller Nr. 1399), A. Krebser & Co., Heimberg (Platten, Vasen, Krüge, überhaupt Decorationsgegenstände in schöner antiker Facon, Aussteller Nr. 1405), Pflüger, frères, Lausanne, Fabrique à Nyon (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1417-1), Jules Michaud, Manufacture des poterie à Nyon (Poteries blanche, Aussteller Nr. 1417-2), Picolas & Degrange, Carouge (Echantillons des faïences fines, Aussteller Nr. 1418), Alexander Schwartz, Genf (Poteries artistiques, Aussteller Nr. 1429) und Ziegler’sche Thonwaarenfabrik Schaffhausen (Feuerfestes Kochgeschirr, Fayence, Steingut, Aussteller 1443).

Stand auf der Landesausstellung 1883 (Foto ETH-Bibliothek, Zürich). Im zentralen Blickpunkt des Standes die erstmals gezeigten Vedutenteller.

Vedutenteller, zentrale Ölmalerei, Tellskapelle am Vierwaldstättersee. Auf der Fahne das 1883 erstmals gemalte Edelweiss. Entgegen Messerli (1995) gibt es bislang keine Hinweise auf eine frühere Verwendung des Edelweiss auf Keramik.
Dass auf dieser Ausstellung erstmals Keramik mit dem später so bedeutenden Edelweiss (Leontopodium alpinum) gezeigt wurde, erwähnen die zahlreichen veröffentlichten Rundgänge durch die Ausstellung ebensowenig, wie die Tatsache, dass Schoch-Läderach auch zum ersten Mal Vedutenteller mit Ölmalerei im Zentrum präsentierte (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 141, 21. Mai 1883; La Suisse Liberté 20, No. 122, 26. Mai 1883; Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, No. 157, 5. Juli 1883; Courierde l’art 3, Num. 31, 2. August 1883; Hinkende Bote, 157, 1884, besonders Seite 55; Le National Suisse – Journal Neuchatelois 28, 1883, No. 181, 4. August 1883; so auch: Ziegler 1883, 5-6). Spätestens seit 1869 Elijah Walton’s „Flowers From The Upper Alps With Glimpses of Their Homes“ mit der Chromolithographie eines Edelweiss erschienen war, hatte diese Pflanze, stellvertretend für die übrigen Alpenpflanzen bei den vor allem englischen Touristen der Schweiz extrem an Beliebtheit gewonnen.

Edelweiss, Leontopodium alpinum, Fluhalp, Oberrothorn VS. Foto Andreas Heege.
Das Edelweiss tauchte jedoch bereits 1860 in den romantischen Bergsteiger-, Förster- und Liebesgeschichten des deutschen Lyrikers Christian Hoeppl (1826-1862) auf, die auch in der Schweiz nachgedruckt wurden (Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 22, 1. Juni 1860). Es avancierte zur Bergsteiger und Romantik-Blume. Weitere deutsche und schweizerische „Volksschriftsteller“ folgten mit ihren Romanen und Lyrikbänden (siehe https://www.e-newspaperarchives.ch, Suche nach „Edelweiss“). Zusammen mit der Alpenrose wurde das Edelweiss Symbol für die schweizerischen Nationalfarben (Der Bund, Band 16, Nummer 99, 10. April 1865), Gedichtbände und Sonntagszeitungen erschienen unter dem Titel „Edelweiss“, Theaterstücke wurden aufgeführt („Almenrausch und Edelweiss“ – Häusliches Charackter-Gemälde aus dem Bayerischen Hochgebirge“), Hotels nach der Blume benannt. Edelweiss sammelte man schliesslich hemmungslos und verkaufte die Blume auch getrocknet zu horrenden Preisen an Touristen. Ab 1871 finden sich dann die ersten Presseaufrufe zum Schutz der einheimischen Flora: „La destrucziun da nossa Flora engiadinaisa.“ (Fögl d’Engiadina, Band 14, Nummer 37, 9. September 1871), denen sich der Schweizerische Alpenklub (SAC) 1878 anschloss, nachdem bereits 1874 der Deutsch-Österreichische Alpenverein zum Schutz des Edelweiss aufgerufen hatte. Zur Popularisierung trugen die breit ausgestreuten Pressenachrichten von „Todesstürzen beim Edelweiss-Suchen“ nicht wenig bei. So verwundert es nicht, dass 1873 erste Werbungen für deutsche Porzellanmalereien von Alpenblumen zu Dekorationszwecken erschienen (Der Bund, Band 24, Nummer 18, 19. Januar 1873). Bereits 1875 verkauft die Fleuristin Witwe Stämpfli in Bern „künstliche Alpenrosen und Edelweiss“ (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1875). Und in den späten 1870er-Jahren beschlossen verschiedene Kantone und Gemeinden, das Ausreissen des Edelweiss unter Strafe zu stellen. So ist es denn wohl kein Wunder, dass die Blume nicht nur die neue schweizerische Banknotenserie von 1883 zierte sondern auf der Landesausstellung 1883, neben den St. Galler Spitzen und Stickereien bzw. in Form von Brienzer Schnitzereien oder als Silber-Filigranschmuck und Göllerketten, schliesslich auch die Keramik eroberte.
Ausgelöst durch einen Korrespondentenbericht der Basler Nachrichten kam es rund um Schoch-Läderach zu einer „Presseschlacht“ (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 42, 26. Mai 1883). Dabei wurde ihm vorgeworfen, dass er reglementswidrig seinen Stand erst nach allen Konkurrenten bis zum 23. Mai abschliessend eingerichtet habe, dass die auf dem Stand plakativ präsentierten Medaillen möglicherweise gar nicht ihm verliehen worden seien, dass er nur Zwischenhändler und nicht Produzent sei und dass die auf seinem Stand 1883 erstmals gezeigten „flachen Teller mit farbenleuchtenden Landschaften“ (Vedutenteller) nicht unter die Gruppe Keramik, „speziell Majolika“ sondern weit eher zu den Ölgemälden gehören würden. Ausserdem wurde ihm vorgeworfen, er würde 75% des Gewinns aus dem Keramikverkauf für sich verbuchen.
Diese Vorwürfe waren denn doch wohl so schwerwiegend, dass sich Schoch-Läderach zu einer Gegendarstellung entschloss, die uns verschiedene wichtige Informationen liefert (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 44, 2. Juni 1883). Er gab vor, für jede der Medaillen die entsprechenden Original-Diplome vorweisen zu können (Kommentar: Was nicht stimmen kann, s.o.). Dass er als Zwischenhändler berechtigt sei an der Ausstellung teilzunehmen, begründete er mit der Tatsache, dass er seit 5 Jahren (also seit 1878) sechs Töpferwerkstätten mit 25 Arbeitskräften beschäftigen würde, die ausschliesslich für ihn und nach seinen Mustern arbeiten würden. Zu den weiteren Vorwürfen nahm er nicht Stellung. Die Redaktion merkte in Bezug auf die Medaillen noch an, dass Schoch-Läderach auf die Silber und Bronzemedaillen der Weltausstellung 1878 Anspruch erheben würde und die Goldmedaille nicht der Weltausstellung Paris 1878 sondern einer weiteren französischen Ausstellung in den Champs Elisées in Paris im Jahr 1879 zuzurechnen sei (Kommentar: hierfür haben sich bislang keine Quellen finden lassen).
Der Korrespondent der Basler Nachrichten nahm am 9. Juni ebenfalls Stellung (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern-30-Num. 46) und verteidigte seinen Bericht, wobei er noch einmal drastisch mit dem Zwischenhandel ins Gericht ging und den Ausstellungsorganisatoren im Bereich der Gruppe 17-Keramik mangelndes Problembewusstsein und fehlendes Durchgreifen vorwarf. In einer Replik der Redaktion wurde noch einmal scharf gegen die Vedutenteller mit ihrer Ölmalerei geschossen, weil diese das Publikum in Bezug auf die malerische Qualität in die Irre führen würden und so die konkurrierenden Produzenten, die bei ihrem keramischen Handwerk und seinen Möglichkeiten blieben, schädigen würde. Die Redaktion forderte einen Ausschluss der Vedutenteller aus dem keramischen Pavillon.
Weitere Informationen zum Streit gibt es in der lokalen Presse nicht. Ein Ausstellungsrundgang vom 7. Juli 1883 (Thuner Wochenblatt 46, Num. 54) hebt die hervorragende Arbeit von Schoch-Läderach hervor und schreibt die Vorliebe des Publikums für Schoch-Läderachs Stand der Tatsache zu, dass dessen liebenswürdiger Vertreter E. Simsky täglich vor Ort sei und Auskunft geben könne. Ein Bericht der „Berner Post und Tagblatt der Stadt Bern“ vom 17. Juli 1883 würdigt die Keramikausstellung sehr umfassend und unterstreicht noch einmal kritisch die Überraschung unter der Keramik auch solche mit vermutlich wenig haltbarer Ölmalerei vorzufinden, die als „nichtkeramische“ Modeerscheinung längerfristig der Heimberger Keramikproduktion nachteilig werden könne.
Schoch-Läderach erhielt wohl wegen dieser Anfeindungen und einer eindeutigen Stellungnahme der Jury (Koch 1884) im Gegensatz zu Samuel Born-Straub, Johann Wanzenried, Heinrich Hanhart und der Ziegler’schen Thonwaarenfabrik in Schaffhausen kein Ausstellungs-Diplom (Schweizerische Bauzeitung, Bd. II, Nr. 8, 1883, 49-50).

Vedutenplatte mit Ansicht des Uri-Rotstocks über dem Vierwaldstätter-See. Privatbesitz Schweiz.
Alexander Koch (1848-1911), Architekt und späthistoristischer Stilpluralist, der Berichterstatter zur Gruppe 17-Keramik urteilte (Koch 1884, 46-47, vgl. auch Messerli Bolliger 1991, 70): «Neben diesen im Prinzip verfehlten Versuchen, die Ölfarbeneffekte auf keramischem Wege herzustellen, waren Objekte ausgestellt, bei denen nur ein Theil mit ächtem Decor, der andere Theil dagegen vermittelst Bemalung mit wirklicher Ölfarbe kolorirt war. Hauptsächlich waren Teller vertreten, in deren Fond eine Schweizerlandschaft gemalt, der Rand aber mit ächter Malerei und Glasur versehen war, wenn nicht auch dieser hatte herhalten müssen, um die Nationaltrachten in Öl aufzunehmen. So lange die Jury amtete, wagte es zwar keiner der Fabrikanten, solch elendes Machwerk, in welchem die Keramik prostituirt wird, zum Vorschein zu bringen, im Verlauf jedoch erschien es auf mehreren Tischen. Den Sachverständigen gegenüber entschuldigten die betreffenden Aussteller diese Gegenstände, indem sie erklärten, dass nur Rücksichten auf die Forderungen des Verkaufs sie hätten bewegen können, ihren ächten Sachen derartigen Schund beizufügen. Ich glaube auch zur Ehre unserer keramischen Fabrikanten versichern zu können, dass die Idee dieser traurigen Dekorationsweise nicht von ihnen ausgegangen, sondern jedenfalls der emsigen Geschäftsdurstigkeit einer edlen Krämerseele zu verdanken ist.»
Gleichwohl kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Vedutenteller auch für die kommenden Jahrzehnte bei den finanzstarken Touristen ein voller Erfolg waren, dem sich längerfristig auch die Manufaktur Wanzenried und andere Heimberger Hafner nicht verschliessen konnten, wie die erhaltenen signierten Vedutenteller vor allem auch der Sammlung der Stiftung Schloss Thun zeigen.

Ein Zürcher Hotelier war offenbar so beeindruckt, dass er Ende 1883 den Speisesaal seines „Hotel Habis“ mit Tellern und Platten von Schoch-Läderach ausstatten lies (Täglicher Anzeiger für Thun und das Berneroberland 7, Num. 298, 16. Dezember 1883).
Die Landesausstellung 1883 wurde zwischen dem 1. Mai und dem 30. September von 1.698.756 Personen besucht und war ein grosser Erfolg (Offizielle Ausstellungszeitung No. 38, 10.10.1883, S. 356).

Wohl französische „Majolika“-Platte mit dem Aufkleber von Schoch-Läderach, Fotos Internet.
Schoch-Läderach war ein Keramikhändler. Es erstaunt daher nicht, dass er auch andere Keramik als die in Heimberg hergestellte Thuner Majolika verkaufte und diese mit seinem Aufkleber versah.




Katalog Schoch-Läderach für Keramiken der Firma Wilhelm Schiller und Sohn, Bodenbach, Böhmen. Keramikbeispiele aus der Stiftung Schloss Thun (SST-13706, SST-13707) und aus der Privatsammlung Humbert in Paris.
Für die von ihm verkauften Produkte der «Siderolith»-Fabrik von Wilhelm Schiller und Sohn aus Böhmen lies Schoch-Läderach sogar einen eigenen Fotokatalog drucken. Der Katalog gibt keinen Hinweis auf WS & S als Hersteller. Der Katalog hat nur in Form von Fotokopien vorgelegen. Der Umschlag preist an: «Manufacture de poteries artistiques – Copies des formes découvertes aux ruines de Troie par le célèbre archeologue Dr. Schliemann – Décors égyptiens et mauresques». Die «trojanischen» Keramikformen (wohl am ehesten die Kannenformen; vgl. Schliemann 1874) befinden sich auf der ersten Katalogtafel, die mauresken Dekormotive auf der ersten und zweiten Tafel, die «ägyptischen» auf der dritten erhaltenen Tafel. Tafel 2 beinhaltet darüber hinaus eine mit einem Fisch verzierte Säule für einen grossen Neo-Renaissance-Blumentopf, die stark an ähnliche Arbeiten der südfranzösischen Kunstkeramikerdynastie Massier in Vallauris erinnert (Benadretti-Pellard 2009; Decker 2000; Forest/Lacquemant 2000).
Das wohl von Schoch-Läderach in Auftrag gegebene Titelblatt weckt die falsche Erwartung (Messerli 1995, 98 Anm. 14), dass man es hier mit Heimberg-Steffisburger Produkten aus der Zeit der Thuner Majolika zu hätte. Dem ist jedoch mitnichten so. Für eine grössere Anzahl der Gefässe lässt sich dagegen aufgrund von Objekten aus dem Kunsthandel der Nachweis erbringen, dass sie in der zwischen 1850 und etwa 1910 produzierenden böhmischen Fabrik von Wilhelm Schiller & Sohn in Obergrund bei Bodenbach auf dem Nordufer der Elbe, kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze (heute Horní Žleb Ortsteil der Stadt Děčín (Děčín XIV) gefertigt wurden (zur Fabrik Zühlsdorff 1994, 476 mit falschen Firmendaten; teilweise korrekte Daten zur Firmengeschichte: https://www.porcelainmarksandmore.com/
related/bohemia/obergrund-01/ basierend auf: Cilek/Němec 2004).
Ein inoffizieller Firmenbetrieb erfolgte in Obergrund ab etwa 1850 noch unter dem vorhergehenden Firmennamen Schiller&Gerbing. Am 1.3.1852 wurde an Wilhelm Leberecht Schiller (15.8.1798-26.11.1863) die einfache Fabrikbefugnis erteilt: „Fabrikmässige Erzeugung von Thonwaaren unter dem Namen Sydrolith“. Nach der Einführung der Gewerbefreiheit im Kaisertum Österreich im Jahr 1863 wurde die Firma Wilhelm Schiller & Sohn in das Firmenregister im Staatlichen Gebietsarchiv Litomerice Inv. 973 eingetragen: Ab dem 12.10.1863 lautete der Firmenname aufgrund eines Gesellschaftervertrages vom 4. März 1859, Wilhelm Schiller & Sohn. Am 5. Oktober 1868 wurde er in Wilhelm Schiller Sohn abgeändert, nachdem Wilhelm Leberecht Schiller bereits 1863 verstorben war. Der Sohn Gustav Eduard Schiller (9.1.1828-8.11.1876) führte jetzt die Firma alleine. Nach seinem Tod gelangte die Firma am 12.1.1877 im Erbgang an seine Zwillingsschwester Luisa Marie Schiller (9.1.1828 – ?) – die mit dem K. und K. Notar Friedrich Seidel aus Bensen (Benesov nad Ploucnici) verheiratet war – und ihren Sohn Friedrich Seidel jun. (3.10.1854-7.6.1909) sowie dessen Schwester Anna, verh. Böhm. Als Friedrich Seidel jun. starb, wurde die Firma am 21.12.1910 wegen „Ableben des Inhabers“ aus dem Firmenregister gelöscht. Aufgrund von Zeitungsberichten wissen wir, dass die Firma tatsächlich geschlossen und ihre Gipsmodel als Baustellenschotter verwendet wurden (Ich danke Petr Joza und Jan Němec, Staatliches Kreisarchiv Děčín, sehr herzlich für Auskünfte).

WS & S No. 836 im Vergleich mit Musée céramique Nr. 665. Fotos Internet bzw. Privatbesitz Schweiz.
Die im Katalog eingetragenen Nummern entsprechen den eingestempelten Nummern der bekannten Originale. Vermutlich ist die vollständig fremde Herkunft der Grund, warum Schoch-Läderach auf dem Titel keine seiner Medaillen erwähnt. Leider ist damit immer noch unklar, wann der Katalog entstand. Vor allem die mauresken oder orientalisierenden Dekore dieser Keramik blieben nicht ohne Einfluss auf die Thuner Majolika.
Johann Heinrich Schoch-Läderach verkaufte sein Geschäft im Februar 1890, vermutlich auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Erfolges, an Samuel Mack (Heimatort Vevey) in Thun (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Er zog sich als Privatier nach Sigriswil BE zurück, wo er am 1. Juni 1911 starb (Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. Juni 1911). Seine Frau Therese Emilie Läderach starb am 1. November 1924 in Bern (Berner Tagwacht, Band 32, Nummer 258, 4. November 1924).
Das Musée céramique unter Samuel Mack, 1890-1898

Samuel Mack (Heimatort Vevey, 1840-1912) über nahm das Musée céramique 1890 von Johann Heinrich Schoch-Läderach (SHAB 8, 1890, No. 18, 3. Februar 1890). Prokura vor Ort erhielt dessen Sohn Rodolphe Mack. Das Geschäftslokal befand sich in Hofstetten und als Geschäftszweck wurde angegeben «Poterie artistique majolique». Im Mai 1891 erhielt auch Georges-Louis Arlaud von Genf, Samuels Schwiegersohn, Procura (SHAB 9, 1891, No. 12, 8. Mai 1891).
Samuel Mack (1840-1912) war ein Enkel des Deutschen Gottlieb Mack (1783-1848) aus Sontheim an der Brenz in Württemberg. Dieser hatte sich am 26. März 1819 in Vevey, Kanton Waadt, einbürgern lassen. Sein Sohn Amédée François Louis Mack („François“, 1811-1857) hatte mit Rose Faucherre (?-1889) neun Kinder, darunter sieben Söhne. Der Zweitgeborene war (Auguste Jean François) Samuel. François gründete 1834 ein Schreibwarengeschäft/Papeterie nebst Buchhandlung. Samuel bildete sich zur Erlernung der deutschen Sprache nach seiner Schulzeit in Heilbronn, heute Baden-Württemberg, fort. Nach dem Tod des Vaters übernahm Samuel am 1. Mai 1863 (Feuille d’avis d’Aigle, 10. Mai 1863) das Geschäft zusammen mit seiner Mutter und später mit seinem Bruder Edouard (1846-1919). Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Geschäft in der Rue du Lac, 17 in Vevey. Wenig später heiratete Samuel Mack Fanny Thury (?-1877) von Morges VD. Am 2. Dezember wurde Jean Rodolphe Mack (1864-?), das erste Kind von Samuel Mack geboren. Das Geschäft wurde 1864 an die Adresse Rue du Lac, 7 und 9 verlagert und vergrössert, das Sortiment um Kinderspielzeug und vieles mehr erweitert und im Mai 1865 als Magasin neu eröffnet. Ab 1868 wurden auch Früchte verkauft und ab 1870 Schönheits- und Körperpflegeprodukte.

Der Name „Grand Bazar F. Mack“ erscheint erstmals 1871. Etwa zur selben Zeit eröffnete Samuels Bruder Henri (1844-1919) 66, Rue d’Italie in Vevey einen „Bazar Suisse“, der etwa dieselben Waren führte wie Samuels Geschäft und 1872-1879 eine Filiale in Evian-les-Bains hatte. Beide wurden 1879 von Samuel übernommen.

Wenig später führte Samuel auch „Poteries suisses“.

In Vevey wurde der Kauf des „Musée céramique de Thoune“ durch Samuel Mack schon am 12. Dezember 1889 in einer Werbeanzeige in der Zeitung mitgeteilt. Gleichzeitig eröffnete er in der Rue d’Italie 54 ein „Magasin céramique“, das bis 1895 bestand.

Samuel Mack ging in der Folge sehr zielgerichtet vor. Im September 1890 liess er eine Firmenmarke des „Musée céramique“, selbstverständlich mit Edelweiss, entwerfen und im Handelsregister eintragen, was unter Schoch-Läderach vorher offenbar nicht geschehen war. Wir können also begründet vermuten, dass alle Keramiken mit dieser Marke erst unter Samuel Mack oder seinen Nachfolgern (bis 1907) entstanden sind, da diese keine Markenänderung vornahmen.

Am 20. November 1890 erfahren wir, dass ein kompletter Muster-Katalog zur Thuner Majolika existiert und an alle Interessenten abgegeben wird. Vermutlich handelt es sich dabei um den erhaltenen Katalogrest. Es handelt sich um einen Fotokatalog. Jedem Objekt war eine Bestellnummer zugeordnet. Die höchste bei Mack nachweisbare Nummer lautet 556. Die Nummern wurden auch unter seinem Nachfolger L. Hahn beibehalten bzw. fortgesetzt und von den für Mack arbeitenden Hafnern teilweise auf die Gefässböden aufgemalt oder eingeritzt.


Tasse mit Stielgriff und Untertasse, Katalog S. MAck „478“.
1894 stiftet Samuel Mack für das Bernische Kantonalschützenfest in Thun eine „Fayenceplatte mit der Ansicht von Thun“ im Wert von 37 Fr. (TAA, 30.5.1894).


Im selben Jahr gab es eine grosse Weihnachtsausstellung in Bern mit Neuheiten in Thuner Majolika (Der Bund, Band 45, Nummer 344, 12, 12.12.1894) sowie ebenfalls eine grosse Weihnachtsausstellung in Vevey (Werbeanzeige 4.12.1894).

In Vorbereitung der Schweizerischen Landesausstellung 1896 in Genf wurde S. Mack Mitglied des organisierenden Gruppenkomitees „Gruppe 36: Keramik und Cementarbeiten“ (SHAB 12, No. 99, 20. April 1894; auch Der Bund 20./21. April 1894)


Maison, F. Mack, Interlaken, Ansichtkarte bald nach 1898, Foto Internet.
Am 1. Januar 1898, gleichzeitig mit dem Verkauf des Musée céramique an Ludwig Hahn, eröffnete Samuel Mack in Interlaken am Höheweg eine Zweigniederlassung, die ebenfalls von seinem Sohn Rodolphe geführt wurde. Als Geschäftszweck nennt das SHAB (27, 1898, S. 1085): Bazar, Reiseartikel und Papeterie. Rodolphe leitete die Zweigniederlassung mindestens bis August 1922 (SHAB No. 184, 1922, S. 1549).

Am 15. November 1901 eröffnete Samuel Mack auch eine Zweigniederlassung in Montreux, Kursaal 15. Ein Briefkopf von 1909 zeigt alle drei Geschäfte und gibt an, dass trotz des Verkaufs des Musée céramique immer noch auch Keramik verkauft wird. Samuel Mack starb am 5. Oktober 1912 im Alter von 73 Jahren, nachdem er bereits am 2. Februar 1912 das Geschäft an seine Sohn Rodolphe übergeben hatte (Necrolog Samuel Mack im Feuille d’avis de Vevey, 8. Oktober 1912). Der Grand Bazar von Vevey wurde 1933-1934 abgebrochen.
Das Musée céramique unter Ludwig Hahn, 1898-1905
Bereits im Januar 1898 kaufte Ludwig Hahn (Heimatort Elgg ZH), das «Musée céramique», dessen Zweck mit «Fabrikation und Handlung en gros und en detail in Kunsttöpferei» angegeben wurde (SHAB 16, No. 20, 19. Jan. 1898; Thuner Wochenblatt 61, No. 9, 29. Januar 1898).
Das Musée céramique unter Gottfried Beutter, 1905-1907
Bereits sieben Jahre später wurde das «Musée céramique» erneut verkauft. Diesmal an Gottfried Beutter (Heimatort Luzern), wohnhaft in Kehrsatz. Als Geschäftsadresse erscheint jetzt, bei gleichgebliebenem Geschäftszweck, die Hofstettenstrasse Nr. 13 in Thun (SHAB 23, No. 467, 25.11.1905; TAT 29, No. 286, 2. Dezember 1905). Über Gottfried Beutter wurde am 12. November 1907 der Konkurs eröffnet und die Firma am 28. Oktober 1907 aus dem Handelsregister gestrichen (SHAB 25, No. 270, S. 1873; Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 54, No. 83, 16. November 1907).
Das Musée céramique unter Emil Leopold Born bzw. Max Leopold
Es gibt ein Nachleben des Geschäftsnamens, denn unter dem 30. September 1911 wurde im Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Musée céramique de Thoune, E. Leopold-Born in Thun ist Emil Leopold, allieé Born, von und in Thun, Kunsttöpferei Lauitor (SHAB 29, No. 245, S. 1650, 30. September 1911). Am 7. Februar ging die Firma an die beiden Söhne Fritz Leopold und Max Leopold über (SHAB 32, No. 33, S. 222) und wurde am 11. Oktober 1920 wegen dem Tod von Emil Leopold-Born aus dem Handelsregister gelöscht (SHAB 38, No. 261, S. 1962).
Bibliographie:
Benadretti-Pellard 2009
Sandra Benadretti-Pellard, Les Massier – côté cour, côté jardin : Musée Magnelli, Musée de la Céramique de Vallauris du 4 juillet au 2 novembre 2009, Musée Magnelli (Vallauris) (Hrsg.) (Mailand 2009).
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Vaclav Cílek/Jan Němec, Skryté poklady ústecké terakoty : o trpaslících v°ubec a jejich výrobě na Ústecku Memorabilia ustensis 6 (Ústí nad Labem 2004).
Decker 2000
Émile Decker, Majolique et faïence artistiques à a fin du XIXe siècle. In: Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000), 35-43.
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Dominique Forest/Karine Lacquemant, Massier – l’introduction de la céramique artistique sur la Côte d’Azur : 7 mai – 27 septembre 2000, Musée Magnelli, musée de la céramique, Vallauris (Paris 2000).
Huber 1906
Karl Huber, Thuner Majolika. Illustriertes Fremdenblatt von Thun und Umgebung, 1906, 258-259, 278-279, 294-296.
Koch 1884
Alexander Koch, Schweizerische Landesausstellung, Zürich 1883 : Bericht über Gruppe 17: Keramik (Zürich 1884).
Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen. Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.
Messerli 1995
Barbara E. Messerli, Von der Exotik des Edelweiss, in: Eberhard Grunsky/Bendix Trier (Hrsg.), Zur Regionalität der Keramik des Mittelalters und der Neuzeit. Beiträge des 26. Internationalen Hafnerei-Symposiums, Soest 5.10.-9.10.1993 Denkmalpflege und Forschung in Westfalen 32 (Bonn 1995) 93-100.
Schliemann 1874
Heinrich Schliemann, Atlas trojanischer Alterthümer. Photographische Abbildungen zu dem Berichte über die Ausgrabungen in Troja (Leizpzig 1874).
Ziegler 1883
G. Ziegler, Briefe von der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich 1883. Auf Veranstaltung des Schweizerischen Gewerbevereins aus dem „Landboten und Tagblatt der Statdt Winterthur“ abgedruckt (Winterthur 1883).
Zühlsdorff 1994 Dieter Zühlsdorff, Keramik-Marken Lexikon. Porzellan- und Keramik Report 1885-1935 Europa (Festland) (Stuttgart 2 Auflage 1994).