Regionalmuseum Langnau (RML)

Regionalmuseum Chüechlihus
Bärenplatz
CH-3550 Langnau
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Keramik des Regionalmuseums Langnau in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die Sammlung des Regionalmuseums Langnau ist bis heute nur für den Bereich der Langnauer und Bäriswiler Keramik wissenschaftlich aufgearbeitet worden, wobei dies allerdings den Hauptteil der Sammlung ausmacht (vgl. auch zum Folgenden Heege/Kistler 2017, 29-40).

Die Vorgeschichte des Museums und der Sammlungen reicht bis in die Zeit um den 1. Weltkrieg zurück. 1914/15 gelang es Rudolf Wegeli (1877–1956), dem zwischen 1910 und 1948 sehr aktiv sammelnden neuen Direktor des Bernischen Historischen Museums die bedeutende Sammlung des Langnauer Oberlehrers Emil Aeschlimann gegen ausländische Kaufinteressen für sein Museum zu sichern. Mit Unterstützung des Vereins zur Förderung des Bernischen Historischen Museums wurden für 6000 Franken 155 Keramiken und verschiedene Ofenkacheln angekauft. Zum damaligen Zeitpunkt war dies vermutlich die grösste existierende Privatsammlung auf dem Markt.

Emil Aeschlimann (1864–1930), seit 1884 Lehrer in Langnau, sammelte und handelte jedoch nicht nur bernische Keramik, sondern generell auch volkskundliche und historische Objekte aus dem Emmental, die er gerne in einem «emmentalischen Lokalmuseum» untergebracht hätte. Doch fielen seine in den späten 1880er-Jahren im «Emmenthaler-Blatt» veröffentlichten Vorschläge vor Ort nicht auf fruchtbaren Boden (Aeschlimann 1928, 9. Vgl. zu seiner Person den Nachruf im «Emmenthaler Blatt» vom 29.5.1930.). Daher musste er die Sammlung in seiner Wohnung im Ilfis-Schulhaus aufbewahren, wo sie unter anderem die rumänische Königin Marie anlässlich eines Staatsbesuches in der Schweiz am 8. Mai 1924 bewunderte (Aeschlimann 1928, Beilage «Die rumänische Königin im Ilfis-Schulhaus»). Zwischen 1897 und 1908 verkaufte Aeschlimann wiederholt auch Keramiken und Ofenkacheln bzw. 1902 einen Langnauer Kachelofen an das Schweizerische Nationalmuseum. Als damals bester Kenner der Langnauer Keramik unternahm Aeschlimann auf Anregung von Direktor Wegeli 1925 eine erste Bearbeitung des Themas, die 1928 gedruckt erschien (Aeschlimann 1928). Diese basierte vor allem auf den ihm bekannten Sammlungen im Bernischen Historischen Museum, im Schweizerischen Nationalmuseum und wohl auch der Privatsammlung von Fritz Pappé-Schweinfurt aus Bern, auf den noch zurückkommen ist.

Emil Aeschlimanns Wunsch nach einem kulturhistorischen Museum sollte sich erst 1930, im Jahr seines Todes, erfüllen. Der Vorsteher der Sekundarschule Ernst Käser, Dr. Ruchti und Architekt Ernst Mühlemann nahmen 1929 Verhandlungen mit dem damals 65-Jährigen über einen Verkauf seiner Sammlung auf. Das Gründungskomitee eines «Kulturgeschichtlichen Ortsmuseums der Gemeinde Langnau» hatte die Wahl zwischen der ganzen Sammlung im Wert von 40 000 Franken oder aber einer Teilsammlung für 13 000 Franken. Man entschloss sich zu Letzterem. Als Anschauungsmaterial für die Sekundarschule Langnau wurden erworben: 145 Kulturhistorische Objekte (u. a. Gebäckmodel aus Ton und Holz), 19 Objekte Beleuchtung, 36 Objekte Langnau-Töpferei und 25 Ofenkacheln, 16 Möbel, 43 Objekte Schmuck und Uhren, 37 Bilder, Schriften, Bibeln, 33 Tabakpfeifen, 17 unterschiedliche Objekte, u. a. vier Keramiken, total 434 Objekte (Maschinenschriftliches Inventar im Besitz des RML).

Im ehemaligen Gemeindezimmer im alten Gemeindehaus (heute Regionalmuseum Chüechlihaus,) richtete Emil Aeschlimann noch eine erste Ausstellung ein («Emmenthaler Blatt» Nr. 55 vom 13.5.1930 und Nr. 63 vom 31.5.1930 mit Bericht über die Präsentation der aufgebauten Sammlung und erste Öffnung für die Öffentlichkeit.), bevor er am 27. Mai 1930 unerwartet verstarb (Nachruf «Emmenthaler Blatt» vom 29.5.1930 und Bericht über die Beisetzung am 3.6.1930). Nach der Beschreibung im ursprünglichen Inventar ist klar, dass verschiedene angekaufte Keramikobjekte nicht aus Langnauer Produktion stammen. Heute sind im Regionalmuseum in Langnau aus diesem Ankauf noch 13 Geschirrkeramiken sicher belegbar (RML A103, A200, A256, A289, A291, A293, A312, A313, A327, A329, A334 / A339, A335, A349.). Der Rest ist sicher auch vorhanden, jedoch mangels einer detaillierten alten Inventarnummernkonkordanz nicht mehr zuweisbar. Was der nicht angekaufte grössere Teil der Sammlung Aeschlimann beinhaltete und wohin er nach dem Tod des Sammlers verkauft wurde, ist unbekannt. Nur das Inventar des Bernischen Historischen Museums verzeichnet für das Jahr 1930 noch Ankäufe von drei Keramiken aus dem Nachlass (BHM 20824, 20827, 20828).

Am 1. Juni 1930 wurde das Museum offiziell eröffnet («Emmenthaler Blatt» vom 16. Juni 1930 bzw. vom 1. Juli 1930). und noch im selben Monat eine Aufsichtskommission für das Ortsmuseum eingesetzt, der Architekt Ernst Mühlemann, Drechslermeister Ernst Moser, Tierarzt Dr. Widmer, Pfarrer Trechsel, der Schulvorsteher Ernst Käser, die Kaufleute Max Sänger und Jakob Lappert und die Keramikmalerin Frieda Lauterburg angehörten («Emmenthaler Blatt» vom 16. Juni 1930 bzw. vom 1. Juli 1930). Einem Aufruf, dem Museum weitere kulturgeschichtlich relevante Objekte oder Spenden zukommen zu lassen, kam vor allem Jakob Lappert im Jahr 1930 selbst nach (RML A026, A038, A045, A276).

Auf der grossen Keramikausstellung in Jegenstorf wurden im Jahr 1948 auch zahlreiche Langnauer Keramik aus dem Musée d’art et d’histoire de Neuchâtel (Staehelin 1948, Kat. 707, 721, 742, 743, 766, 772, 773 und 776), dem Rittersaalverein Burgdorf (Staehelin 1948, Kat. 771), dem Kantonalen Gewerbemuseum Bern (Staehelin 1948, Kat. 718–720, 730, 735, 737, 740, 749, 751, 755, 756, 759, 767 und 775) und der Sammlung Leemann-Geymüller (Arlesheim, Staehelin 1948, 100 Kat. 745, seit 1970 SNM LM-45839) sowie anderen heute unbekannten Privatsammlungen ausgestellt. Nicht alles, was damals von dem kenntnisreichen Berner Antiquitätenhändler Walther A. Staehelin unter dem Stichwort «Langnau» präsentiert wurde, würden wir heute ebenfalls so zuordnen. So war es damals offenbar z. B. nicht möglich, die Produkte der Hafnerei Vögeli aus Burgdorf auszugliedern (vgl. dazu: Heege 2015) oder Datierungsfälschungen zu erkennen (Z. B. Staehelin 1948, Kat. 707 (MAHN AA-1170).

Es scheint, dass erst die Vorbereitungsarbeiten zur Ausstellung in Jegenstorf erneut auch Schwung in das Museum in Langnau brachten. Das «Emmenthaler Blatt» vom 7. Juni 1948 kündigte eine «Ausstellung von Alt-Langnau-Töpferei» für die Monate August und September 1948 an und bat um Leihgaben. Die Ausstellung wurde schliesslich schon Mitte Juli 1948 vor allem mit Leihgaben des bernischen Sammlers Fritz Pappé-Schweinfurth (1876–1959) eröffnet und bis zum Ausstellungsende von über 1600 Gästen besucht («Emmenthaler Blatt» vom 19.7. und 3.9.1948.).

Fritz Pappé-Schweinfurt führte zusammen mit seinem Bruder ein Pianogeschäft an der Kramgasse 54 in Bern und handelte gleichzeitig offenbar mit Antiquitäten. Er muss eine eher verschwiegene Sammlerpersönlichkeit gewesen sein, denn es liessen sich über ihn, seine Tätigkeit als Händler und seine Sammlung keine weitergehenden Informationen finden. Seine Sammlertätigkeit muss bereits sehr früh begonnen haben, denn bereits 1907 schenkte er zum ersten und einzigen Mal eine Bäriswiler Schüssel an das Bernische Historische Museum (BHM 6110).

Der Erfolg der Ausstellung in Langnau, zusammen mit einem altersbedingten Verkaufsangebot von Fritz Pappé, bewogen Jakob Lappert im Oktober 1948 zu einem Aufruf im «Emmenthaler Blatt», bei dem er für einen Ankauf der Sammlung warb. In Langnau war die öffentliche Meinung offenbar geteilt, doch gab eine glückliche Unterstützungszusage von Fabrikant Nyffeler aus Kirchberg letztlich den Ausschlag (zur Erwerbungsgeschichte: Zbinden/Pfister 1977, 19–20). Laut einer im Regionalmuseum Langnau existierenden Inventarliste wurden im Februar 1949 239 keramische Objekte für den Preis von 30 000 Franken angekauft (Emmenthaler Blatt vom 14.2.1949). Der vollständige Empfang der Sammlung wurde am 4. August 1949 von Jakob Lappert als Mitglied der Museumskommission bestätigt. 220 Objekte wurden direkt inventarisiert und sind heute eindeutig nachweisbar, während eine Nachlieferung von zwanzig Stücken, meist Deckeln, nicht inventarisiert wurde und daher heute aus den Sammlungsbeständen nicht mehr eindeutig ausgegliedert werden kann. Zu den herausragenden Stücken der Sammlung Pappé gehörte auch eine Langnauer «Hochzeitsschüssel», die dieser 1917 anlässlich der Versteigerung des Nachlasses aus Schloss Schadau bei Thun (Besitz de Rougemont) erworben hatte (Aeschlimann 1928, Umschlagbild; Staehelin 1950, 11. Auktionskatalog «Antiquitäten und Kunstsachen aus Schloss Schadau bei Thun», Versteigerung durch Hans Thierstein, ab dem 11.10.1917 im Saal des Hotel Emmental (zitiert nach Staehelin 1949, 13). Der Auktionskatalog ist in der Schweizerischen Nationalbibliothek vorhanden, Signatur: Nq 16600/1). Auch im Nachhinein muss die Entscheidung der Gemeinde für den Ankauf immer noch als ausgesprochen glücklich bezeichnet werden. Nach diesem Zeitpunkt ergab sich für keines der schweizerischen Museen mehr die Gelegenheit, eine Sammlung mit einem solchen Umfang und einer vergleichbaren Qualität zu erwerben.

Jakob Lappert war offenbar ebenfalls ein begeisterter Langnau-Sammler und zugleich aktiver Förderer des Regionalmuseums, denn nach seinem Tod gelangten 1956 26 weitere Langnauer Keramiken in den Museumsbestand (Zum Langnauer Museum und der Keramiksammlung vgl. auch: Moser 1958).

In den folgenden Jahren wuchs die Sammlung vor allem durch Schenkungen und wenige gezielte Ankäufe, wobei vor allem auch Objekte anderer Langnauer Keramiker wie:

Adolf Gerber und Jakob Stucki

sowie der Hafner Aegerter und Röthlisberger oder

der Keramikmalerin Frieda Lauterburg ins Museum gelangten.

Diese gilt es in den kommenden Jahren noch systematisch wissenschaftlich zu erschliessen. Heute besitzt das Regionalmuseum neben dem Bernischen Historischen Museum die grösste Langnau-Sammlung, der damit nationale Bedeutung zukommt.

Bibliographie

Aeschlimann 1928
Emil Aeschlimann, Alt-Langnau-Töpferei. Ein Beitrag zur Volkskunde. Beilage: Die rumänische Königin im Ilfis-Schulhaus, 8. Mai 1924, Bern 1928.

Heege 2015
Andreas Heege, Die Hafnereien Vögeli in der Burgdorfer Unterstadt, in: Burgdorfer Jahrbuch 83, 2015, 41-68.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Moser 1958
Andreas Moser, Aus dem Museum in Langnau, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 20, 1958, 14-19.

Staehelin 1948
Walter A. Staehelin, Ausstellung Schweizerische Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts. Schloß Jegenstorf, Jegenstorf 1948.

Staehelin 1949
Walter A. Staehelin, Unbekannte Öfen aus der Frischingschen Fayencemanufaktur bei Bern, in: Keramikfreunde der Schweiz,  Mitteilungsblatt 14, 1949, 12-14.

Staehelin 1950
Walter A. Staehelin, Eine Langnauer Hochzeitsschüssel von Meister Daniel Herrmann, in: Freunde der schweizerischen Keramik, Mitteilungsblatt 16, 1950, 11-12.

Zbinden/Pfister 1977
Rudolf Zbinden/Max Pfister, Langnau i. E., Bd. 89, Bern 1977.