Archive

Adligenswil, Tintenfassmuseum (TFMA)

E. J. Durrer
Tintenfassmuseum Adligenswil
Winkelbühl 3
CH-6045 Adligenswil
Tel.: +41 (0)41 371 01 00
erhard.durrer@bluewin.ch

Keramik des Tintenfassmuseums in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das Tintenfass Museum in Adligenswil umfasst eine umfangreiche Sammlung von Handschriften, Schreibzeugen & Tintengefässen. Das Museum ist einzigartig in Europa und dokumentiert mit über 2000 Exponaten die Geschichte des Schreibens von der Antike über das Mittelalter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Aus dem grossen Sammlungsbestand konnten bislang nur Tintengeschirre im  Rahmen der Projekte Bäriswil und Langnau in die Bilddatenbank CERAMICA CH integriert werden.

Aigle, Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (MVVE)

Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (MVVE)
Château d’Aigle
Place du Château 1
1860 Aigle
024 466 21 30

Keramiksammlung des Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette in CERAMICA CH

Roland Blaettler,  2019

Bereits in den 1950er-Jahren entstand die Idee einer Institution, die sich der Geschichte des Weinbaus im Waadtland und der Förderung seiner Produkte widmen sollte, insbesondere im Geist von François Cuénoud, dem Gründer und ersten Gouverneur der Confrérie du Guillon.

Die Sammlungen begannen sich unter der Schirmherrschaft der Weinbruderschaft im folgenden Jahrzehnt durch Ankäufe, Schenkungen und Vermächtnisse zu bilden. Die immer stärker ausgeprägte Mechanisierung des Rebbaus machte die Dringlichkeit deutlich, Zeugen der alten, überlieferten Praktiken sowie Werkzeuge und andere Geräte zu bewahren.

Auf der Suche nach einem idealen Rahmen für die Unterbringung der entstehenden Institution entschied man sich im Jahr 1967 für das Schloss Aigle. Das Musée vaudois de la vigne et du vin wurde 1971 von der Confrérie du Guillon mit der Unterstützung aller Weinbaugemeinden des Kantons gegründet. Um die entstehenden Sammlungen weiter auszubauen, lancierte man eine umfangreiche Sammlung von Gegenständen bei den Winzern. Gleichzeitig weiteten die Initiatoren den Fokus ihres Projekts aus: «Es gibt eine wahre Zivilisation des Weins, die weder Rassen noch Grenzen kennt. Das Musée de la vigne et du vin wird von seinem Standort her waadtländisch sein, aber es wird sich bemühen, den universellen Aspekt der Weinrebe und ihrer Geschichte zu zeigen, indem es Zeugen aller Zeiten und jeder Herkunft aufnimmt und ausstellt.» Es sollte nicht mehr nur der Beruf des Winzers dargestellt werden, sondern auch alle sozialen Praktiken, Traditionen und Vorstellungen, die mit der Welt des Weins und der Rebe verbunden sind.

Das Museum wurde 1975 eröffnet und laufend an die Anforderungen der modernen Museografie und Kulturvermittlung angepasst. Im Jahr 2004 wurden die gehaltvollen Sammlungen des internationalen Etikettenmuseums mit den Beständen des Museums vereint, das sich künftig Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette (Museum für Weinbau, Wein und Weinetiketten) nannte.

Von den 50 untersuchten Keramiken – von denen 36 schliesslich in das vorliegende Inventar aufgenommen wurden – gelangte die Hälfte durch einen Kauf in die Sammlung. Der Bestand ist sehr uneinheitlich und stammt mit einigen wenigen Ausnahmen aus dem 19. Jahrhundert. Es handelt sich vor allem um Gefässe, die zur Aufbewahrung oder zum Trinken von Wein verwendet wurden, darunter zahlreiche Kannen aus Irdenware, elsässischem Steinzeug oder Fayence. Besonders erwähnenswert ist ein Tonkrug, der mit einem Wappenschild des Kantons Waadt verziert ist (MVVE 5244). Das Objekt scheint zu einer Typengruppe zu gehören, die wir bereits bei unseren Untersuchungen angetroffen haben, insbesondere im Musée d’art et d’histoire de Neuchâtel (MAHN AA 1779). Der heraldische Dekor verstärkt die Hypothese einer Herkunft aus dem Waadtland und liefert auf jeden Fall einen Terminus post quem: 1803.

Andere Objekte wurden aufgrund ihres ikonografischen Inhalts in die Sammlung aufgenommen, wie etwa die Backformen in Form von Weintrauben (MVVE 1167; MVVE 1166) oder Figuren, die Weinleser oder Szenen von geselligem Beisammensein darstellen (z. B. MVVE 4220; MVVE 3153; MVVE 2769; MVVE 1719). Das Museum bewahrt auch eine interessante Gruppe von Kannen aus engobierter Irdenware mit einem Reliefdekor aus Weinreben auf, ein Gefässtyp, der in der Genferseeregion zwischen dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und dem frühen 20. Jahrhundert sehr beliebt war, wobei die am weitesten verbreiteten Exemplare die sogenannten «Willkommenskannen» waren, die von den Töpfereien Knecht in Colovrex (GE) und Ferney-Voltaire hergestellt wurden (MVVE 2355; MVVE 2411). Andere Werkstätten, von denen einige bis heute nicht identifiziert werden konnten, haben offensichtlich einen vergleichbaren Stil gefertigt.

Im Schloss Aigle befinden sich zwei Beispiele, die für das Studium der Waadtländer Keramik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts besonders wertvoll sind: Die erste Kanne ist 1888 datiert und ihre Form sowie die Inschrift «Nyon» in ihrem Dekor scheinen sie als Produkt der Nyoner Töpferei von Jean Bœhler zu kennzeichnen (MVVE 1515). Die zweite Kanne trägt eine Marke der Kunsttöpferei von Jules Merminod, die zwischen 1907 und 1912 mehr oder weniger in die Poterie moderne de Chavannes-près-Renens integriert oder mit ihr verbunden war (MVVE 5095).

Übersetzung Stephanie Tremp

Balsthal, Heimatmuseum Schloss Alt-Falkenstein (AF)

Museum Alt-Falkenstein
Postfach 739
CH-4710 Klus / Balsthal
Tel. +41 (0)62 391 54 32
info@museum-alt-falkenstein.ch

Roland Blaettler 2019

1919 gründete eine Handvoll lokalgeschichtlich interessierter Männer unter der Leitung von Anton Nünlist (1885–1937), Kontrolleur bei der Oensingen-Balsthal-Bahn und bekannter Sammler von Versteinerungen, und dem Lehrer Werner Heutschi die «Museumsgesellschaft Thal und Gäu» mit dem Ziel, ein Heimatmuseum zu errichten. Auf Antrieb der beiden Initianten begann man bei den Einwohnern des Dünnerntals alle Art Antiquitäten zu sammeln. 1922 stellte die Gemeinde Balsthal einen Kredit für die Schaffung des Museums zur Verfügung, und nach Prüfung verschiedener Örtlichkeiten stellte man die Sammlungen mit den Mineralien von Nünlist, einem schon recht ansehnlichen Bestand an Waffen und Alltagsgegenständen aus der Region schliesslich im alten Amtshaus Balsthal aus. 1926 wurde das Museum von einer schweren Überschwemmung heimgesucht. Nünlist und seine Gefährten gelangten daher an den Kanton, ob es nicht möglich wäre, das Museum auf die Burg Alt-Falkenstein zu verlegen.

Die Anfrage kam im denkbar besten Moment. Denn 1922 war auf Alt-Falkenstein infolge schlechter Wartung der Turm eingestürzt, und die Besitzer wünschten, die Burg dem Kanton zu schenken, was 1923 akzeptiert wurde. Der Kanton und der Historische Verein stellten die Mittel für die Restaurierung der Burg zur Verfügung, und man war froh, für den Bau nun auch eine sinnvolle Verwendung zu finden. Im August 1929 war es so weit, dass die ersten Säle eröffnet werden konnten (Blaser 1988 und 1989; Rütti-Saner 1997). Die Einrichtung der Ausstellung ist seit 1929 sozusagen gleich geblieben und präsentiert sich vor allem als regionales Wohnmuseum. Bemerkenswert sind sonst aber die Waffensammlung, die alten Kämme von Mümliswil, die Sammlungen der Mineralien und der Keramik von Matzendorf.

Das alte Inventar des Museums ist anscheinend sehr lückenhaft, obwohl Nünlist seine Neuerwerbungen sorgfältig notierte. Wir haben das einzige vorhandene, von ihm verfasste Heft konsultieren können, mit den Erwerbungen der Jahre 1931 bis 1936. Von wenigen Ausnahmen abgesehen kennen wir weder Herkunft noch Datum der Sammlungszugänge. Ein grosser Teil muss von Nünlist selbst in der Gegend mit einem eigenen Talent zusammengetragen worden sein, Besitzer von Objekten von der Wichtigkeit zu überzeugen, diese dem Museum zu schenken. Nünlist scheint auch regelmässig Antiquare in Bern besucht zu haben, von wo er wohl viele der Zürcher Fayencen mitbrachte, die es in der Sammlung gibt (Blaser 1989, 56).

Die Keramiksammlung Alt-Falkenstein zählt 230 Stücke, darunter siebzig von Matzendorf und hundert von Kilchberg und Umgebung. Dieser Bestand ist erstaunlich gross für eine im Verhältnis zu den städtischen Museen doch bescheidene Institution. Nach Kuno Blaser gehörte die Keramik zu den Hauptinteressen von Anton Nünlist. In der Sammlung gibt es nur ein Stück aus Matzendorfer Steingut, das freilich von schöner Qualität ist, nämlich die Bartschale für Niklaus Studer von 1812 (AF 2-001-00). An Fayencen besitzt das Museum zwanzig Objekte aus dem Zeitraum von 1820 bis 1850 und vierzig spätere Exemplare von der «Blauen Familie». In der ersten Gruppe verdient besonders die einzige Suppenschüssel mit Blumendekor von der Art der Bartschalen «Studer 1844», «Bieli» und «Schärmeli 1844» erwähnt zu werden (AF 2-002-00). Was die Stücke der «Blauen Familie» angeht, ist die Bartschale für Urs Jakob Bobst bemerkenswert (AF Nr. 87), den Pfarrer von Matzendorf, einer in der Gegend seinerzeit bekannten Persönlichkeit (Vogt 2003, 474–475). Es gibt hier auch einige Beispiele an weisser, unbemalter Fayence, wie man sie sonst in den Museen nur sehr selten antrifft, weil sie als bescheidenes Gebrauchsgeschirr nicht aufbewahrt wurden (AF 2-041-00; AF 22-047-00; AF 22-045-00; AF 22-046-00). Sie sind kostbare Zeugen für einen wichtigen Teil der geläufigen Produktion einer Manufaktur wie jener von Matzendorf.

In der grossen Gruppe der Zürcher Fayencen gibt es ein fast vollständiges Service von um 1830 (AF Nr. 11; AF Nr. 12; AF Nr. 13; AF Nr. 14; AF Nr. 17) und mehrere Suppenschüsseln, darunter ein 1838 datiertes Exemplar von seltener Form, vielleicht aus der Fabrik von Fehr in Rüschlikon (AF, Nr. 74). Die Solothurner Sammlungen sind reich an Zürcher Fayencen mit interessanten Stücken zum Studium der komplexen Fragen, die sich auf diesem Gebiet stellen. Um nur ein Beispiel zu nennen, kann man auf Alt-Falkenstein durch das Vergleichen von Suppenschüsseln mit dem gleichen Dekor zeigen, worin sich die beiden wichtigsten Kilchberger Manufakturen von Nägeli (AF 2-010-00; AF 2-043-00) und Scheller (AF 2-042-00) unterscheiden.

Abgesehen von den Beständen mit Bezug zur Streitfrage von Matzendorf/Kilchberg, enthält die Sammlung Keramiken verschiedenster Herkunft, die bei der Bevölkerung in der Region in Gebrauch waren, wie glasierte Irdenware wohl auch von Matzendorf/Aedermannsdorf, Keramik «Heimberger Art» aus der Region Heimberg-Steffisburg im Kanton Bern sowie aus Süddeutschland importiertes Steingut der Fabriken Schramberg und Hornberg.

Bibliographie

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950), Sulgen 2014, 34–35.

Blaser 1988
Kuno Blaser, Kondiktör Nünlist. Zum 50. Todestag eines verdienten Solothurner Originals. Solothurner Jahrbuch ’88, 52–60.

Blaser 1989
Kuno Blaser, Eigenartiger Reiz eines Lokalmuseums. Das Lebenswerk von „Kondiktör Anton Nünlist“. Solothurner Jahrbuch ’89, 50–57.

Rütti-Saner 1997
Fränzi Rütti-Saner, Das Balsthaler Heimatmuseum. Jurablätter. Monatszeitschrift für Heimat- und Volkskunde 1997, 33–35.

Vogt 2003
Albert Vogt, Aedermannsdorf. Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur im 19. Jahrhundert. Zürich 2003.

Basel, Museum der Kulturen (MKB)

Museum der Kulturen, Basel
Münsterplatz 20
CH-4051 Basel
Tel.: +41 (0)61 266 56 00
info@mkb.ch

Keramik aus dem Museum der Kulturen in der Bilddatenbank CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das Museum der Kulturen in Basel verfügt über eine der grossen und bedeutenden Keramiksammlungen der Schweiz, da die Grundlagen mit der «Volkskundlichen Abteilung» der «Ethnographischen Sammlung der Universität Basel» bereits sehr früh, d. h. ab dem Jahr 1904 gelegt wurden (zur Sammlungsgeschichte: Posillipo/Wunderlin 2015, 12-17).

Eifrigster Sammler und früher Publizist (Hoffmann-Krayer 1910; Hoffmann-Krayer 1914) war der erste Kurator Eduard Hoffmann-Krayer (1864-1936). Einzelne Keramiken der Sammlung fanden auch Eingang in die volkskundliche Literatur zur Keramik der Schweiz (Sooder 1914; Baud-Bovy 1924; Baud-Bovy 1926; Wildhaber 1955; Wyss 1969; Creux 1970; Bouvier 1991), doch blieben grundlegendere Untersuchungen aus.

Die Sammlung ist bislang nicht umfassend dokumentiert und ausgewertet worden und enthält zahlreiche ungewöhnliche und singuläre Stücke. Im Rahmen dreier Projekte – Bäriswil, Langnau und St. Antönien – konnte die Sammlung durchgesehen werden. Die relevanten Keramiken dieser Herkunftsorte wurden dokumentiert und in die Bilddatenbank CERAMICA CH integriert. Geplant ist in absehbarer Zeit eine Erweiterung der Erfassung auf den ganzen Bereich der schweizerischen Keramik.

Bibliographie:

Baud-Bovy 1924
Daniel Baud-Bovy, L’art rustique en Suisse, London 1924.

Baud-Bovy 1924
Daniel Baud-Bovy, Peasant Art in Switzerland, London 1924.

Baud-Bovy 1926
Daniel Baud-Bovy, Bauernkunst in der Schweiz, Zürich/Leipzig/Berlin 1926.

Bouvier 1991
Nicolas Bouvier, Volkskunst (Ars Helvetica. Die visuelle Kultur der Schweiz 9), Disentis 1991.

Creux 1970
René Creux, Volkskunst in der Schweiz, Paudex 1970.

Hoffmann-Krayer 1910
Eduard Hoffmann-Krayer, Sprüche und Inschriften auf Bauerngeschirr in der Sammlung für Volkskunde in Basel, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 14, 1910, 161-170.

Hoffmann-Krayer 1914
Eduard Hoffmann-Krayer, Heimberger Keramik, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 18, 1914, 94-100.

Posillipo/Wunderlin (Red.) 2015
Tamara Posillipo/Dominik Wunderlin (Red.), Tessel, Topf und Tracht. Europa gesammelt und ausgestellt, Basel 2015.

Sooder 1914
Melchior Sooder, Sprüche auf Berner Bauerngeschirr, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 18, 1914, 188-190.

Wildhaber 1955
Robert Wildhaber, Bauerntöpferei im Schweizerischen Museum für Volkskunde Basel (Wechselausstellung im Schweizerischen Museum für Volkskunde), in: Schweizer Volkskunde 45, 1955, 81-89.

Wyss 1969
Robert L. Wyss, Bernische Bauerntöpferei, in: Robert Wildhaber, Schweizerische Volkskunst. Texte zur Ausstellung der „Pro Helvetia“ und des „Deutschen Kunstrates“ 1967, Zürich 1969, 47-52.

 

 

Baulmes, Musée du Vieux Baulmes (MVB)

Musée du Vieux Baulmes (MVB)
Rue du Theu 7
1446 Baulmes

Die Keramiksammlung in CERAMICA CH

Roland Blaettler,  2019

Die Vereinigung Alt-Baulmes wurde 1950 auf Anregung der Bürgergesellschaft von Baulmes mit dem Ziel gegründet, Zeugnisse aus der Vergangenheit des Ortes zu sammeln: prähistorische Objekte, grafische Dokumente, Möbel, Gegenstände und Werkzeuge, die das häusliche Leben, das Handwerk und die Industrie der Region veranschaulichen.

Zunächst wurden die Sammlungen in einem Raum des Rathauses untergebracht. Im Jahr 1953 erwarb die Vereinigung das ehemalige Maison de la Dîme, das um 1500 erbaut wurde. Das Museum als solches entwickelte sich dort vor allem ab 1977 unter der federführung von Frau Antoinette Ravussin, die in der Folge die erste Konservatorin der Institution wurde.

Die kleine Keramiksammlung, die wir hier erfasst haben, ist repräsentativ für die ländliche Gebrauchskeramik am Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, wie wir sie in einem Verbreitungsgebiet, das von Genf bis zum Kanton Neuenburg reicht, regelmässig gefunden haben. Der in Baulmes vorliegende Korpus fällt typischerweise in die Kategorie der «Engobierten Irdenwaren aus der Genferseeregion» (z.B. MVB No 1; MVB No 2; MVB 380F; MVB 380C – siehe auch das Kapitel über diese Art von Produktion).

Übersetzung Stephanie Tremp

Bergün, Ortsmuseum und Bibliothek (MB)

Veja Alvra 49
CH-7482 Bergün
Tel: +41 (0) 81 407 12 77
www.museum-berguen.com
info@ortsmuseum-berguen.ch

Keramik des Ortsmuseums Bergün in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2021

Das Ortsmuseum ist in einen 400 Jahre alten Haus untergebracht. Das um 1600 entstandene Gebäude widerspiegelt die im oberen Albulatal verbreitete Engadiner Bautradition und zeigt exemplarisch, wie in den letzten drei Jahrhunderten eine Familie in Bergün lebte.  Das Ortsmuseum in Bergün versteht sich vor diesem heimatkundlichen Hintergrund als Begegnungsstätte für das kulturelle Leben der Gegenwart . Das Museum wird heute von einer 1981 begründeten Stiftung getragen.  Das heutige Museum wurde am 20. und 21. September 1991 offiziell eröffnet.

Die kleine Keramiksammlung umfasst 62 Datensätze Keramik aus der Zeit zwischen 1850 und 1950. Es handelt sich um Steingut, Porzellan und Irdenwaren, während Fayencen fehlen und Steinzeug kaum vorhanden ist. Bedauerlicherweise gibt es für die wenigsten Objekte Inventareinträge, die Informationen zur genauen Herkunft der Objekte liefern würden. Wir können aufgrund der Sammlungs- und Entstehungsgeschichte des Museums nur davon ausgehen, dass die meisten Objekte aus dem näheren Umfeld von Bergün stammen.

Bei den Irdenwaren finden sich die in Graubünden üblichen Herkunftsgebiete. Der Anteil lokaler, d.h. bündnerischer Produktion ist marginal, dagegen dominieren die Importe. Hier wären u.a. die typischen bleiglasierten Irdenwaren aus dem süddeutschen Raum zu nennen, die ansonsten auch zahlreich aus Liechtenstein und anderen Bündner Tälern bekannt sind.

Aus dem ehemaligen Deutschen Reich (heute Polen) stammen wohl auch einige wenige Töpfe Braungeschirr mit Lehmglasur des späten 19./frühen 20. Jahrhunderts. Bislang gibt es keine Hinweise, dass diese Art Keramik auch in der Schweiz produziert worden wäre.

Aus schweizerischer Produktion, genauer aus der Region Berneck SG, stammen dagegen verschiedene der charakteristischen, malhornverzierten Rösti-Platten und Schüsseln „Heimberger Art“. Eine ist sogar inschriftlich 1870 datiert.

Manganglasiertes Geschirr, eine typische Keramikvariante der zweite Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, ist mit verschiedenen Gefässformen ebenfalls vertreten. Leider ist keines dieser Stücke gemarkt, der genaue Produktionsort in der Schweiz bleibt daher unklar (Kilchberg-Schooren, Aedermannsdorf, Schaffhausen, Nyon?).

Aus dem zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts stammen zwei Schüsseln, die in den Kontext der häuslichen oder kleinbäuerlichen Milchverarbeitung gehören. Es handelt sich um „Entrahmer“ auf deren spezielle Funktionsweise die Landert-Keramik in Embrach ZH das schweizerische Patent „218880“ besass. Es gibt diese Schüsseln in unterschiedlichen Grössen und Volumina.

Die älteste Keramik der Sammlung ist eine Gebäck- oder Quittenpastenmodel in Krebsform, das wohl noch aus dem 18. Jahrhundert stammt. Leider ist für derartige Model der Herstellungsort unbekannt.

Unter den Irdenwaren befindet sich, wie in den Museen in Ilanz bzw. Poschiavo, auch ein „Fremdling“, vermutlich aus Italien aus der Region Albisola. Wie der Topf (pentola rotonda) ins Museum gelangte (Tourismus-Mitbringsel? Keramik italienischer Gastarbeiter?), ist leider nicht überliefert. Link auf die Produktion von Emanuele Barile in Albisola, um 1900.

Beim Porzellan gibt es als nennenswerte Stücke nur die Reste eines Service im Stil des Neorokoko (ca. 1880-1900). Es wurde möglicherweise im Deutschen Kaiserreich in Schlesien produziert, genauso wie eine Schüssel mit zugehörigen Dessertschälchen.

Hervorzuheben ist unter den wenigen sonstigen Porzellanen ein Teller des Jahres 1927 aus Langenthaler Produktion, dessen Dekor durch das Haushaltswarengeschäft „Lüthi Eichholzer & Cie, Samaden & St. Moritz“ aufgebracht wurde.

Steingut ist mit einem grossen und in Bezug auf die Hersteller sehr variantenreichen Spektrum vertreten. An Gefässformen dominieren die charakteristischen Waschgeschirre des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Vertreten sind sowohl deutsche als auch schweizerische Hersteller (Ziegler’sche Tonwarenfabrik Schaffhausen).

Verschiedene weitere Hersteller sind nur mit unverziertem, weissem Geschirr vertreten, wobei der gemarkte Suppenteller aus Kilchberg-Schooren (Manufaktur Scheller) besonders auffällt, da die Manufaktur eher zurückhaltend markte. Es dominieren Keramiken aus dem deutschen Zell am Harmersbach und Schramberg sowie Mettlach und Wallerfangen. Alle anderen Hersteller (u.a. aus Nyon) sind jeweils nur mit einem Stück vertreten.

 

Steinzeug kommt nur mit einem einzigen Exemplar des „Klassikers“ vor, einem Doppelhenkeltopf, der normalerweise als Vorratsgeschirr für Schmalz oder Sauerkraut Verwendung fand.

Dank

Die CERAMICA-Stiftung dankt Corina Puorger und dem Stiftungsratspräsidenten Reto Barblan für die freundliche und hilfsbereite Unterstützung der Inventarisationsarbeiten.

Bibliographie:

Museumsführer: Museum Bravuogn = Museum Bergün, Graubünden. Bergün 1983

 

Bern und Biel, Schule für Gestaltung (SfGB)

Bericht über die Keramikfachschule in einer unbekannten Illustrierten, zwischen 1945 und 1950.

Schule für Gestaltung Bern und Biel
Schänzlihalde 31
CH-3013 Bern
Tel.: +41 (0)31 337 0 337
office.bern@sfgb-b.ch

Keramik der Schulsammlung der SfGB in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2022

Die Geschichte des Gewerbemuseums und der Keramischen Fachschule in Bern  (heute: Schule für Gestaltung Bern und Biel – in Keramikerkreisen üblicherweise, aber nicht ganz korrekt, abgekürzt SfGB) lässt sich mit folgenden Eckdaten beschreiben (vgl. zur Geschichte dieser Institutionen und der mit ihr später verbundenen Keramikerausbildung  bzw. Keramikfachklasse Haller 1930; Tschabold 1945; Geiger 1952; Fischli/Rotzler 1960; Tschabold 1969; Gerber/Dickerhof 2005 mit kurzer Geschichte der Schule und Liste der Lehrpersonen bis 2005):

1826 Gründung der Handwerker- und Kunstgewerbeschule des städtischen Handwerker- und Gewerbevereins Bern. Diese Schule bestand weitgehend parallel zur Muster- und Modellsammlung bzw. dem Gewerbemuseum.

1869 Gründung der Kantonalen Muster- und Modellsammlung.

(Heinrich Richard) Oskar Blom (1854-1942, Direktor des Gewerbemuseums, 1890-1924) im Jahr 1914.

1890 Aus der Muster- und Modellsammlung wird das Kantonale Gewerbemuseum Bern im Kornhaus Bern unter der Leitung von Direktor Oskar Blum, Architekt.

Das Gewerbemuseum im Kornhaus in Bern, ca. 1930 (StAB BB 1.9.7).

1892 Ankauf von Keramiken der Manufaktur Wanzenried durch das Gewerbemuseum (Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums, StAB BB 1.9.2, 202).

1892 Ankauf der Keramiksammlung des Willisauer Wirtes Kasimir Bühler.

1893 Oskar Blom berichtete über die Weltausstellung in Chicago (Blom 1894) und dabei intensiv über die keramische Industrie. Schweizerische Keramikproduzenten waren in Chicago nicht vertreten. Vier Fayence-Vasen und Kannen der Rookwood Pottery in Cincinnati (früher floraler Jugendstil unter japanischem Einfluss), die Blom in Chicago für das Gewerbemuseum erwarb, sind heute leider nicht mehr erhalten.

1896 Oskar Blom berichtete über die Landesausstellung in Genf. Vertreten waren nur die Firmen Wanzenried und Mack aus Thun, sowie Wittmeyer aus Heimberg (Blom 1898).

1899 Im Zusammenhang mit der Gewerbeausstellung in Thun kauft das Gewerbemuseum drei Vasen der Manufaktur Wanzenried für Fr. 320 (Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums, StAB BB 1.9.2, 353)

1900-1918 am Gewerbemuseum wirkte der Kunstgewerbelehrer Paul Wyss als Zeichner. Er setzte sich intensiv für das Hafnerhandwerk in Heimberg-Steffisburg bzw. Langnau ein (Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums, StAB BB 1.9.2, 365: Die Aufsichtskommission beschliesst am 3. Mai 1900 auf Antrag von Direktor Blom die versuchsweise Anstellung des Zeichenlehrers Paul Wyss). Vor allem aus dem Jahr 1906 sind verschiedene Vorträge von ihm überliefert, in denen er sich mit der Keramikherstellung und dem „Modernen Stil“ beschäftigt (Wyss 1906a; Wyss 1906b).

1904 Weiterbildungs- und Ankaufreise von Oskar Blom: „Der Direktor gedenkt vor allem das Gewerbemuseum in Prag und die Werkstätten in Dresden zu besuchen und je nach dem Ergebnis seiner dortigen Anschaffungen noch die Sammlungen, Werkstätten etc. in Weimar & Stuttgart zu besichtigen. Es sollen für ungefähr Fr. 4000 Gegenstände angeschafft werden.“ (Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums, StAB BB 1.9.2, 474). «… es sind also noch verfügbar Fr. 3480,22. Von dieser Summe kommen wahrscheinlich von vornherein in Abzug 550 Fr., welche für bei den Firmen van der Velde in Weimar und Th. Müller in Dresden letzhin bestellte, aber noch nicht eingetroffenen Gegenstände zu bezahlen sind…» (Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums, StAB BB 1.9.2, 481).

Drei der damals angeschafften Keramiken gefertigt von Renihold Hanke im Westerwald nach Entwürfen der Werkstatt van de Velde und von Erica von Scheel sind in der Sammlung der Schule für Gestaltung erhalten.

Bernische Handwerker- und Kunstgewerbeschule, Berichte und Keramikbeispiel, Schuljahr 1904/1905 (StAB BB 1.9.54).

1904/1905 Oskar Blom beurteilt die Klasse von Ferdinand Huttenlocher „Zeichnen und Entwerfen, Modellieren und Praktikum“ an der Bernischen Handwerker- und Kunstgewerbe-Schulen sehr positiv  (Bericht der Kommissionsmitglieder über das Schuljahr 1904/1905, StAB BB 1.9.54): Eine Anzahl im Praktikum modellierter, glasierter und in unserem kleinen Brennofen gebrannter Tonwaren lassen Gedanken und Wunsch nicht zur Ruhe kommen, es möchte diese keramische Versuchswerkstätte endlich ausgebaut werden können. Es fehlt nur ein geeignetes Lokal, um einen Brennofen und die notwendigen Einrichtungen aufzustellen“.

1905 Gründung einer Fachklasse an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern (auf Antrag von Oscar Blom, Direktor des Gewerbemuseums und mit Unterstützung von Karl Ludwig Born, 1864-1914, Inspektor der Kunstgewerbeschule sowie Fachlehrer Ferdinand Huttenlocher). Arbeitsort für die Fachklasse ist die  Felsenburg, Klösterlistutz 10, dafür Einbau einer dreiteiligen Brennofenanlage (holzbefeuert) durch Hafnermeister Schmid.

1907 Anstellung von (Johann) Jakob Herrmanns (1879-1937) als Techniklehrer für Keramik, neben Ferdinand Huttenlocher als Fachlehrer vor allem fürs Zeichnen und Entwerfen (IX. Bericht über die bernische Handwerker- und Kunstgewerbeschule, Bern 1908, 10-11).  Hermanns hatte in Bonn, Düsseldorf  und Höhr studiert (Nachruf 1938.  In Düsseldorf wirkte er anschliessend als Assistent des deutschen Architekten und Industriedesigners Peter Behrens (1868–1940) . Aus seiner Zeit in Höhr hat sich möglicherweise eine Vase erhalten (Assel/Stalla 1984, Kat. 107).

1907 Die Kunstgewerbeschule, Abteilung Huttenlocher, war auf der Weihnachtsausstellung des Kantonalen Gewerbemuseums Bern mit einer Kollektion Keramik vertreten (Führer zur Ausstellung StAB BB19.53). Keramik stellten auch aus: Bildhauer Karl Hänny, Bern (Majolikafigur), Frau A. Hoffmann aus Biel (Serie griechische Vasen, Imitationen), Frieda Lauterburg, Langnau (verschiedene kunstgewerbliche Arbeiten), Karl Loder-Eyer, Steffisburg (Kollektion Majolika), Bendicht Loder-Walder, Heimberg (Kollektion Majolika), Töpfergenossenschaft Steffisburg (Kollektion Majolika). Möglicherweise gehen die Fotos in der Veröffentlichung von Direktor Blom (1908) auf die Ausstellungsobjekte der Weihnachtsausstellung 1907 zurück.

1908 Oskar Blom schildert im Jahresbericht des Gewerbemuseums die Bemühungen um die Verbesserung der Keramikproduktion in der Region Heimberg-Steffisburg-Thun (Blom 1908).

1909 Keramische Arbeiten der Kunstgewerbeschule.

1910 Übernahme der Fachklasse durch das Bernische Gewerbemuseum, zusammen mit der Kunstgewerbeklasse „Praktikum“ des Lehrers Ferdinand Huttenlocher. Die von Hafnermeister Albert Schmid gemieteten Räumlichkeiten in der Felsenburg werden beibehalten. Die Abteilung „Kunstgewerbe“ verbleibt bei der Gewerbeschule der Stadt Bern. Aufgrund der Übernahme wird ein Inventar angelegt, dass die vorhandene Einrichtung  – Töpferöfen, Maschinen und Geräte, Ausstattung des Malsaales und der örtlich vorhandenen Bibliothek – auflistet (Staatsarchiv Bern BB 1.9.30). Vorhanden sind drei zusammengebaute Muffelöfen, ein Ofen zum Einbrennen von Porzellanmalereien, ein Versuchsofen (Segerofen) und ein Glasurschmelzofen mit Petrolheizung. Ein zweites Inventar stammt aus dem Jahr 1933 (Staatsarchiv Bern BB 1.9.30).

1912 Jakob Hermanns besuchte die Bayerische Gewerbeschau in München und den IV. Internationalen Kongress für Kunstunterricht, Zeichnen und angewandet Kunst in Dresden. Er lieferte darüber einen Bericht an Oskar Blom (StAB  BB 1.9.7).

1913 Gründung des Schweizerischen Werkbundes, Jakob Hermanns war Mitgründer und später Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Bern.

Ausstellungskritik 1913, Basler Volksblatt Nr. 208, 1913, 7. September, (StaB BB 1.9.7, Zeitungsausschnitte).

1913 Im Rahmen einer Ausstellung im Gewerbemuseum in Basel werden die Arbeiten der Keramikfachklasse neben denen von Karl Loder-Eyer und E. Lengacher (ehemalige Manufaktur Wanzenried) sehr positiv besprochen. Kritik ernten dagegen Vasen von Adolf Gerber und Johann Röthlisberger aus Langnau. Die Arbeiten aus der Schweiz stehen in der Ausstellung im Wettbewerb mit Keramiken von Max Läuger, der Karlsruher Majolika-Manufaktur, der Berliner und Kopenhagener Porzellanmanufaktur und Keramik von Wedgwood.

1914 Schülerarbeiten aus der Keramikfachklasse überzeugten beim Wettbewerb für den Bazar der Landesausstellung in Bern (Die Schweizerische Baukunst 6, 1914, 322-328; weitere Arbeiten auch: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten 36, 1915, 349-350). JaKob Hermanns war Mitglied des Bazarkomites für die Landesausstellung der Vereinigung für Heimatschutz.

1914 Jakobs Herrmanns Keramiken zierten auf der Landesausstellung in Bern im Gasthaus Röseligarten  im Dörfli die Wandgestelle, neben Keramiken von Elisabeth Strasser (Rollier 1914, 152 und 156). Seine Eindrücke von der übrigen Keramikausstellung schilderte er in einem bebilderten Artikel in der Schweizer Illustrierten Zeitung 1914.

Keramikentwürfe von Jakob Hermanns 1916 (Beilage 28. Bericht des Kantonalen Gewerbemuseums in Bern, 1916).

1916 Auf Antrag von Rudolf Münger als Mitglied der Aufsichtskommission Ausbau der Fachklasse zur Fachschule, Anstellung von des Keramikers Ernst Tschanz (1880–1943) aus Heimberg als Werkmeister für die Lehrlingsausbildung. Jakob Hermanns wurde Fachlehrer und Schulleiter. Im gleichen Jahr war er mit Keramik an einer Kunstausstellung im Berner Stadttheater vertreten (Die Schweiz, Schweizerische illustrierte Zeitschrift 20, 1916, 238).

1917 Bereits im September 1917 kursierten Gerüchte, die Keramische Fachschule solle von Bern in die Region Heimberg-Steffisburg verlegt werden. Daraufhin bot Frau Wanzenried, durch ihren Schwiegersohn, den Lehrer A. Gertsch, das zu diesem Zeitpunkt angeblich ungenutzte Manufakturgebäude als Töpfereischule an (Brief StAB. BB 1.9.7).

1918 Auf der Zürcher Werkbundausstellung 1918 präsentierte Jakob Hermanns Gebrauchsgeschirr im Themenbereich „Arbeiterwohnung“ (Das Werk 5, 1918, Heft 10, 149).

1918/1919 Jakob Hermanns wurde zum deutschen Kriegsdienst eingezogen kehrt jedoch gesund aus dem Militär zurück.

1920 Wünsche der Ende 1916 gegründeten Genossenschaft bernischer Töpfermeister, die Keramikfachschule nach Steffisburg zu verlegen, wurden von Direktor Blom in einem Bericht diskutiert, aber nach ernsthafter Prüfung verworfen. Stattdessen plädiert er für eine Zusammenlegung der Töpferschule Steffisburg mit der Handwerkerschule Steffisburg, da es sich quasi nur um eine Zeichenschule handele und der derzeitige Fachlehrer Friedrich Ernst Frank grade verstorben sei (StAB BB 1.9.7).

Lehrer der kunstgewerblichen Lehranstalt und keramischen Fachschule Bern, um 1920. Rechts aussen J. Hermanns, in der Mitte der Direktor des Gewerbemuseums Oscar Blom, links aussen der Werkmeister für Keramik (bis 1933) E. Tschanz  (unbekannter Fotograf, aus dem 52. Jahresbericht des Kunstgewerbemuseums Bern für 1920, 1921).

1920, Vase von Jakob Hermanns, veröffentlicht in der Zeitschrift „Das Werk“ (7, 1920, 238). Im selben Artikel werden Arbeiten von Bertha Tappolet, Luise Strasser und Elisabeth Eberhart gezeigt. Bei allen drei Frauen handelt es sich um Werkbundmitglieder.

1921, 1. Januar Verstaatlichung des Gewerbemuseums (und damit auch der Keramikfachschule und ihres Personals), Übernahme durch den Kanton Bern als gewerbliche Bildungsanstalt der Direktion des Innern (Dekret vom 22.11.1920; Bericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1920, 213). Zum Gewerbemuseum gehörte ab 1928 auch die Schnitzlerschule in Brienz.

1921 11988 Personen besuchten die Sammlungen des Gewerbemuseums, 6244 Personen die Bibliothek, die kunstgewerbliche Lehranstalt und die keramische Fachschule wurden 1921/22 von 32 Schülerinnen und Schülern besucht Bericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1921, 162).

1922 Gewerbeausstellung Bern, die Berner Woche in Wort und Bild meldete (leider ohne Bilder): „Die keramische Fachschule des kantonalen Gewerbemuseums erfreut durch saubere, form- und materialechte Arbeiten.“ (Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 12, 1922, 493).

1923 Keramiken von Jakob Hermanns wurden zum ersten Mal umfangreicher von Robert Greuter besprochen und in der Zeitschrift „Das Werk“ (19, 1923, Heft 5, 132-135) abgebildet.

Der neue Direktor des Gewerbemuseums,  Architekt Hans Haller, Foto aus dem Jahr 1932.

1924  Architekt Hans Haller übernahm die Direktion des Gewerbemuseums von Oskar Blom. Zahlreiche Umstrukturierungen und Veränderungen an der Ausstellung und der Sammlung des Gewerbemuseums waren in den kommenden Jahren die Folge. Im Bereich der Keramik bewegte man sich unter W. Kohler, dem Adjunkten am Gewerbemuseum, weg vom Kunstgewerbe hin zur Technologie.

1924 Jakob Hermanns und die Keramikfachschule waren auch an der KABA (Kantonalbernische Ausstellung) in Burgdorf mit Keramikentwürfen vertreten. Ausser der Keramikfachschule waren vertreten: Porzellanfabrik Langenthal;  A. Wild, Poterie, Bonfol;  Adolf Gerber Kunsttöpferei, Langnau; Wilhelm Germann, Kunsttöpferei Bern; Loder & Schweizer, Werkstätte für Kunstkeramik, Steffisburg (StAB BB 1.9.7).

1924 Zusammen mit Oskar Wenker (1894-1929) fertigte Jakob Hermanns nach den Plänen des Architekten O. Ingold einen Brunnen für die Werkbundausstellung auf der KABA (Die Berner Woche in Wort und Bild, Heft 38. 1924, 525-528; vgl. auch Das Werk 11, 1924, Heft 12, 333-335; vgl. auch Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz  3, 1921-1924, 86). Der Brunnen wurde anschliessend möglicherweise auch auf der „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes, Paris, 1925“ gezeigt.

1924 Auf der Schweizerischen Kunstgewerbe-Ausstellung in Stockholm wurden ebenfalls Keramiken von Jakob Hermanns ausgestellt (Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz  3, 1921-1924, 86).

1925 Für den Schweizerischen Werkbund bzw. die Verkaufsgenossenschaft SHS des „Heimatschutz“ amtete Hermanns 1925, wie schon einmal 1917, als Preisrichter für einen Wettbewerb „Künstlerische Reiseandenken“ (Das Werk, 12, 1925, XXII; auch Heimatschutz 20, 1925, 74). Die Ergebnisse wurden 1926 in der Berner Woche besprochen: „Die Keramische Fachschule ist in neuester Zeit zu bunteren Farbgebungen übergegangen. Ganz neu ist ein Goldlüster. Grossen Anklang finden die Kinder-Kaffeeservices, ebenso die Hühnchen aus Keramik und ferner die Leuchter für Geburtstagskerzchen, die Ständer für Tischlampen, die neuen Vasenformen.“ (Die Berner Woche in Wort und Bild: ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 16, 1926, 383).

1925 Im Oktober widmete die Schweizer Illustrierte aus Anlass der „Schweizer Woche“ der Keramikfachschule und dem Kunsthandwerk die Titelseite und einen einseitigen Beitrag.

1925 Die kunstgewerbliche Sammlung des Gewerbemuseums wurde revidiert „… und einige markante Stücke aus verschiedenen Stilepochen wurden zurückbehalten, wogegen eine grosse Zahl Möbel und Gegenstände namentlich aus der Jugendstilepoche zu einer Verkaufsausstellung zusammengestellt wurde…“ (Der BUND 77, 3. August 1926).

1926 Die Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes, Ortsgruppe Bern im Gewerbemuseum Bern wurde in der Zeitschrift „Das Werk“(13, 1926, XXIII) besprochen. Jakob Hermanns stellte neben Magarete Daepp, Amata Good, Wilhelmine Herberger, Robert Schär, Adolf Schweizer und Klara Vogelsang-Eymann aus.

1926 Jakob Hermanns wurde ab Oktober zugleich Lehrer für Materialkunde und Formenlehre für die Gewerbeschule Langenthal und erteilte Unterricht an der Lehrwerkstätte für die Lehrlinge der Porzellanfabrik. Ausserdem Entwürfe und Arbeiten für die Porzellanfabrik in Langenthal (Lanz 2007, 12-15). Verschiedene seiner ausgeführten Porzellanentwürfe besitzt das Musée Ariana in Genf.

1927 Die Keramische Fachschule zeigte im Gewerbemuseum Schülerarbeiten, die in der Presse sehr lobend besprochen werden, u.a. werden „köstliche Tierstücke“ der Bündnerin Annina Vital hervorgehoben (Neue Berner Zeitung 15.11.1927; StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1927 Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum. In den Presseberichten wurden die Keramiken von Jakob Hermanns („Gediegenheit der knappen Formen mit der Gefälligkeit klarer Ringmuster“) und Margrit Linck („robusterer Stil“) hervorgehoben (Der BUND 19.12.1927; StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1928 Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum, die Keramiken von Jakob Hermanns („klare, schmucklose Formen und einfache Farben in schöner Anwendung“) und Helene Walser sowie die Produkte der Porzellanfabrik in Langenthal wurden besprochen (Der BUND 13.12.1928; StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1928/1929 Tätigkeit von Jakob Hermanns und der Keramikfachschule für die Industrie, Beratung und Versuche zur Verbesserung des Irdenware-Scherbens bei einfachen Irdenwaren (Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz 5, 1928-1929, 262-263).

1929 Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum, die Keramiken von Jakob Hermanns („zehn wohlgelungene Fayencen“), Helene Walser und Amata Good („gelungene Hänschenmalerei“) werden genannt (Der BUND 13.12.1929; StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1930 Die Keramikfachschule feierte im Gewerbemuseum ihr 25jähriges Jubiläum mit einer Sonderausstellung der Produkte der Fachklasse (Plakat Direktor H. Haller).

Die Zeitung Der BUND gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Institution (Der BUND 81, 14. Juni 1930; ausserdem Das Werk 17, 1930, XLI mit einer kritischen Besprechung).  Der BUND listete zum Ende der Ausstellung noch einmal die wichtigsten Keramikaussteller auf: Hanni Nencki, Amata Good,  P. Messerli, Porzellanfabrik Langenthal, Frl. E. Majü, Frl. H. Walser, Frl. M. Christen, Frl. L. Bäriswil. „Gangbare Verkaufsware stellen die Kunsttöpfereien Gerber, Langnau und Desalmand (Desa), Steffisburg, aus“ (Der BUND 4.7.1930, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

Auch das „Offizielle Bulletin der Schweizer Mustermesse Basel“ berichtete aus Anlass des Jubiläums am 9. Juli 1930 über die Keramikfachschule und bildete Arbeiten aus den Jahren 1929 und 1930 ab.

Ausserdem hielt aus Anlass des Jubiläums der  Verband der Schweizerischen Töpfermeister und Tonwarenfabrikanten seine Generalversammlung in Bern ab (Der BUND 81, 6. Juni 1930).

1930 Im selben Jahr zeigte Jakob Hermanns an einer Sonderausstellung des Werkbundes „gefällige Fayencen“ (Der BUND 81, 6. August 1930). Ausserdem stellten aus: Fanny Schlatter, Fritz Haussmann, Willy Guhl und Amata Good (Der BUND 81, 15.9.1930). Und im selben Jahr berichtete die NZZ über die Weihnachtsausstellung im Kunstgewerbemuseum Zürich „… Wer macht nicht Halt vor den schönen, zugleich praktischen Vasen, Tellern und Schalen von Jakob Hermanns- Bern, der gerne dunkle braun- und grauschwarze Töne wählt …“ (NZZ 26, Nr. 323, 28.11.1920). „Das Werk“ (17, 1930, Heft 12, XLV) lobt Hermanns „schöne Glasuren“.

1930 Als Kunstgewerbe-Wanderausstellung des S.W.B. waren Hermanns Keramiken auch im Gewerbemuseum in Basel und in Luzern ausgestellt. Sie wurden in der Zeitschrift „Das Werk“ (18, 1931, Heft 1, XXII) als „… nach Form und Farbe vorzügliches Gebrauchsgeschirr …“ gelobt.

 Berner Illustriert 19.12.1931 (StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1931 Weihnachtsausstellung des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum in Bern. Die Berner Illustrierte publizierte einen Bericht mit Fotos, u.a. von Keramiken der Fachklasse unter Jakob Hermanns (19.12.1931, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

Berner Illustrierte 17.12.1932 (StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1932 Jakob Hermanns wurde für seine 25jährige Tätigkeit anlässlich der Weihnachtsausstellung der Ortsgruppe Bern des Schweizerischen Werkbundes im Kornhaus Bern mit einer kleinen Sonderschau und einem biographischen Rückblick durch Direktor Haller im BUND geehrt (Der BUND 83, 18.12.1932, auch Berner Tagblatt 13.12.1932, 20.12.1932 und Neue Berner Zeitung 20.12.1932; Pressespiegel) . Auch die NZZ (Nr. 2413, 20.12. 1932) berichtete und die Berner Illustrierte widmete Jakob Hermanns eine Bildreportage (17.12.1932, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1933 Im Rahmen einer Wohnausstellung der Architekten Scherler und Berger in der Siedlung Bierhübeli, stellte Jakob Hermanns auch Keramik aus (Das Werk 20, 1933, XXXIII).

1933 Das Gewerbemuseum fertigte ein neues Inventar an (Staatsarchiv Bern BB 1.9.30). Unter L1-L744 finden sich Ton- und Glasarbeiten, teilweise mit Konkordanz zu einem älteren Inventar. Für diverse Stücke gibt es Hinweise auf eine „Liquidation“ im Januar 1945. Von späterer Hand sind Fehlbestände verzeichnet. Das Inventar gibt keine Hinweise auf die Herkunft oder den Erwerbungszeitpunkt der Objekte. Ein weiteres Inventar von 1938 verzeichnet die Keramik im Kontext der Technologischen Sammlung (Staatsarchiv Bern BB 1.9.30) und verwendet möglicherweise identische L.-Inventarnummern.

1933 Jakob Herrmanns und die Keramische Fachschule beteiligten sich an einer Verkaufsausstellung des Schweizerischen Werkbundes im Gewerbemuseum (Der BUND 10.12.1933, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1934 Das Kantonale Gewerbemuseum zeigte keramische Schülerarbeiten aus der Fachschule (Das Werk 21, 1934, XXXIII; ausserdem Berner Illustrierte 24.2.1934).

1934 Im Oktober gab es einen grossen Chachelimärit im Gewerbemuseum (StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte). Als Aussteller beschickten ihn Fr. Aebi-Gerber, Hasle, Fr. Gerber, Grünen, Hs. Dietrich, Kiesen, Gottfr. Moser, Wichtrach, Fr. Kunz, Heimberg, Gotffr. Hänni, Steffisburg, Ad. Schweizer, Steffisburg und die Keramische Fachschule Bern (Der BUND 1.11.1934, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1935 Die Keramische Fachschule und andere Keramiker beteiligten sich an einem Chachelimärit im Gewerbemuseum als Sonderveranstaltung der „Schweizerwoche“, veranstaltet vom Bernischen Töpfermeisterverband  (Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst, Band 25, Nr. 44, 1935). Als Aussteller sind zu nennen: Friedrich Aebi-Gerber, Hasle bei Burgdorf, Alb. Aegerter, Bärau, Eduard Bieri, Heimberg, Joh. Dietrich, Kiesen, Friedrich Hänni, Heimberg, Robert Hänni, Steffisburg, Oswald Kohler, Schüpbach, Fritz Kunz, Heimberg, Gottfried Moser, Wichtrach, Johannes Röthlisberger, Langnau, Rudolf Schenk, Heimberg und Adolf Schweizer, Steffisburg-Station (Berner Tagblatt 28.1.1935, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte).

1936 Chachelimärit im Gewerbemuseum (Pressespiegel, StAB BB 1.9.34, Zeitungsausschnitte)

1936/1937 Zunehmende Gesundheitsprobleme  führten schliesslich zur frühzeitigen Pensionierung von Jakob Hermanns im Jahr 1937. Er starb am 19. Dezember 1937 im Alter von nur 57 Jahren (Todesanzeige Der BUND 88, 21.12.1937, Nachruf Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern 85, 10. Januar 1938).

1937 Im Sommer- und Wintersemester besuchten je fünf männliche und drei weibliche Auszubildende die keramische Fachschule (Verwaltungsbericht der Direktion des Innern 1937, 113).

1938 November, anlässlich einer Werkbund-Ausstellung im Kantonalen Gewerbemuseum Bern wurden Hermanns Arbeiten zusammen mit denjenigen weiterer Werkbundmitglieder (Margrit Linck-Daepp, Fernand Giauque und Luise Meyer-Strasser) ein letztes Mal gezeigt. Mangels erhaltener (überhaupt signierter?) Objekte, kann Jakob Hermanns Werk kaum beurteilt werden. In der Sammlung der Schule für Gestaltung befindet sich eine braun glasierte, unsignierte Vase, die der Keramikfachschullehrer Ernst Fehr als Werk von Jakob Hermann inventarisiert hat, ohne dafür Gründe anzugeben. Zwei weitere Vasen zeigen  ähnliche Bodenbildungen und Glasurmaterialien. Vielleicht können sie hier angeschlossen werden. In der Schweiz scheint nur die Zürcher Hochschule der Künste, Museum für Gestaltung Zürich,  über Arbeiten von Hermanns zu verfügen. Das Musée Ariana in Genf und das Schweizerische Nationalmuseum in Zürich verfügen allerdings über Bestände an Langenthaler Porzellan nach Entwürfen von Hermanns.

1939 Oktober, Schliessung der Keramikfachschule, da sich zwei Nachfolger für Hermanns nicht auf einen gemeinsamen Kurs der Schule einigen konnten und weil Finanzen für die technische Modernisierung der Schule fehlten (Messerli 2017, 106). Kündigung des Schullokals auf den 1.4.1940. Die verbliebenen Schüler wurden in Meisterlehren untergebracht.

1940 Die Aufhebung der Schule blieb nicht ohne Widerspruch, z.B. durch den Verband Schweizerischer Töpfermeister und Tonwarenfabrikanten sowie durch Erwin Jeangros (1898–1979), den Vorsteher des bernischen kantonalen Lehrlingsamts (vgl. dazu Jeangros 1940). Dieser Einsatz war erfolgreich (Messerli 2017, 107-108).

1941, 19. Mai, Wiedereröffnung unter Fachlehrer und Schulleiter Benno Geiger (bis 1969/1970, vgl. zur Person Schnyder 1985; Messerli 2017) und Werkmeister Werner Burri (bis 1963, vgl. zur Person Schnyder 1985; Messerli 2017) am alten Standort. Mit der Wahl von Geiger und Burri gelang es dem bernischen Regierungsrat, zwei qualifizierte Fachmänner einzustellen, welche aufgrund ihrer Auslandaufenthalte stilprägende Einflüsse (und spannende Gegensätze!) aus der Wiener Kunstgewerbeschule und der Dornburger Bauhaustöpferei mit sich brachten.

1942, 1. Januar Die Keramische Fachschule erhielt ein eigenes Reglement.

1942 Umzug der Keramischen Fachschule von der Felsenburg in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63 in Bern. Es existiert ein erstes Inventar für Maschinen und Ausstattung aus der Hand von Benno Geiger aus dem Jahr 1943 (StAB BB 1.9.30). Informationsbroschüre 1943.

1944 Das Kantonale Gewerbemuseum wurde 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass erschien eine Erinnerungsschrift (Tschabold 1945). Die Keramikfachklasse und die Schnitzlerschule in Brienz wurden mit aktuellen Fotoaufnahmen gewürdigt.

Werner Burri erteilt Unterricht im Drehen.

Um 1944, Bilder aus der Keramischen Fachschule an der Spitalackerstrasse in Bern, Mal- und Modellierklasse (aus Tschabold 1945).

Zwei Arbeiten von Schülerinnen bzw. Schülern der Keramikfachschule, um 1945.

1947 Das Gewerbemuseum Bern wird in Amt für Gewerbeförderung (Gewerbeausstellungen und Fachbibliothek) umbenannt.

1951 Jubiläum 10 Jahre Wiederaufnahme der Keramikfachschule. Ziele der Keramikausbildung in Bern laut Benno Geiger: „Beide Lehrer waren lange im Ausland tätig gewesen, der eine in Berlin, der andere in Wien und Paris. Wir waren also durchaus moderne alte Praktiker. Trotzdem sagten wir uns: Wir sind hier in Bern; Bern hat eine berühmte keramische Tradition; es ist selbstverständlich, dass wir an diese Tradition anknüpfen. Wir wollten allerdings die alten Heimberger und Langnauer Keramiken nicht sklavisch kopieren, sondern uns von der soliden Handwerklichkeit der Formen, der Leuchtkraft der Farben und der naiven Fröhlichkeit der Darstellungen inspirieren lassen, um mit der Zeit zu eigenen, neuen Lösungen zu kommen. Wir wollten also gewissermassen Pflanzen sein, deren Wurzeln im alten, heimatlichen Boden stecken, deren Blüten aber neue Formen und Farben treiben.“ (Geiger 1952, 8-9).

Arbeiten von Benno Geiger aus der Tonwarenfabrik Aedermannsdorf (vor ca. 1946/47) in der Sammlung der Schule für Gestaltung.

Inwieweit diese Ziele erreicht wurden, liesse sich nur bei einem Abgleich der Schüler/Schülerinnenlisten (in Messerli 2017) mit deren jeweiligem Lebenswerk feststellen (vgl. z.B. Jakob Stucki, Franz Loder und Margret Loder-Rettenmund). Für sich selber ging Benno Geiger mit seinen „Atelierarbeiten“ aber durchaus andere Wege.

Vase von Werner Burri, der im Gegensatz zu Benno Geiger kein eigenes Atelier hatte und seine selten erhaltenen Arbeiten daher immer auch mit „KFB“ (Keramikfachschule Bern) signierte.

1952 Die Geigenbauschule in Brienz wurde ebenfalls verstaatlicht und dem Amt für Gewerbeförderung unterstellt.

1959 Die Keramikfachschule in der Presse.

1960 Die Keramikfachschule und wichtige Schüler der Keramikfachklasse präsentierten sich im Kunstgewerbemuseum in Zürich in Form einer Ausstellung (Fischli/Rotzler 1960).

1963 Nachfolger des pensionierten Werner Burri wurde der Fachlehrer Urs Adolf Gremli (von 1963-1972).

1965 Planungen für eine Übergabe des Kantonalen Amtes für Gewerbeförderung an die Stadt Bern begannen und wurden bis Oktober 1966 zur Beschlussreife gebracht. Die kantonale Keramikfachschule sollte mit der städtischen Gewerbeschule vereinigt werden. Die ursprünglichen Planungen wurden jedoch schliesslich nicht vollumfänglich umgesetzt. Das Gewerbemuseum/Amt für Gewerbeförderung blieb kantonal.

1966 Ausstellung im Gewerbemuseum Bern „Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler 1941-1966„. Mit der Ausstellung wurde auch der 25jährigen Tätigkeit von Benno Geiger als Vorsteher und Fachlehrer der Keramischen Fachschule gedacht. Es stellten 13 aktuelle Schülerinnen und Schüler und 20 Schüler aus der Zeit von 1941 bis 1966 Werke aus.

1966, 28. Dezember, Auf der Sitzung des bernischen Gemeinderates (Beschluss 2473) wurde die Gründung einer städtischen Kunstgewerbeschule Bern und der Neubau eines Kunstgewerbeschulhauses beschlossen. Direktor A. Müller übernahm am 1. April 1967 die Direktionsgeschäfte.

1966, 21. November, Das Kantonale Amt für berufliche Ausbildung verfügte die Zusammenlegung der Töpferfachklassen der Gewerbeschule der Stadt Bern und der Stadt Thun als kantonale Fachklasse in Bern und die künftige Vereinigung mit der Keramikfachschule als Teil der Kunstgewerbeschule der Stadt Bern.

1967 Die Schnitzlerschule und die Geigenbauschule in Brienz wurden, trotz ablehnender Haltung der jeweiligen Direktionen, neu dem Kantonalen Amt für Berufsbildung unterstellt. Die Keramikfachschule verblieb zunächst noch beim Amt für Gewerbeförderung. Sie erhielt ein Imageprospekt.

1968-1971 Neubau Schänzlihalde 31 in Bern für die Kunstgewerbeschule, Entwurf Willy Pfister, Bern, letztmalige Erweiterung/Umbau 1988-1990. Für die Keramik-Fachschule wurden von vornherein neue Räumlichkeiten mit eingeplant.

1970, 13. Januar, Der Gemeinderat der Stadt Bern stimmte der Übernahme der Kantonalen Keramikfachschule in die städtische Kunstgewerbeschule auf Frühjahr 1971 zu (Beschluss Nr. 82).

1970, 1. September, Ernst Fehr (1927-2010) wurde technischer Leiter der Fachklasse für Keramik als Nachfolger von Urs Adolf Gremli (vgl. Fehr 2003; Fehr 2009). Er wurde 1992 pensioniert. Seine Aufgabe war die praktische Ausbildung und die Berufskunde.

1971, 1. Januar, Volker Ellwanger (1933- ) wurde als Nachfolger von Benno Geiger künstlerischer Leiter der Fachklasse für Keramik (1971-1984) . 1984-1999 war Ellwanger Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Fachbereich Bildende Kunst/Keramik.

1971, 1. April, Die Kantonale Fachschule für Keramik wurde in die stadtbernische Kunstgewerbeschule integriert und bezog den Neubau an der Schänzlihalde 31 in Bern. Die beiden Fachlehrer wurden durch die Stadt Bern übernommen. Im Übergabevertrag vom 23. Februar 1971 wurde auch die Übertragung der Keramiksammlung der Kantonalen Keramikfachschule und der Technologiesammlung des ehemaligen Gewerbemuseums an die städtische Kunstgewerbeschule festgelegt. Die tatsächliche Übergabe erfolgte allerdings erst 1975/76.

1972 Die Keramikfachklasse der Kantonalen Gewerbeschule erhielt eine neue Ausbildungsordnung für Töpfer/Töpferinnen, Keramikmaler/Keramikmalerinnen und Keramiker/Keramikerinnen.

1976 Durch ein Organisationsdekret der Volkswirtschaftsdirektion wurde aus dem Amt für Gewerbeförderung (das ehemalige Gewerbemuseum) das Amt für Wirtschafts- und Kulturausstellungen.

1979 Die Kunstgewerbeschule wurde erstmals inoffiziell als „Schule für Gestaltung“ bezeichnet. Auch die kantonale Kunstgewerbeschule in Biel führte ab diesem Jahr in Presseberichten dieselbe Bezeichnung. Die offizielle Umbenennung erfolgte jedoch erst 1984.

1992 Die Keramikfachklasse der Schule für Gestaltung in der Presse.

1992/93 Das „Amt für Wirtschafts- und Kulturausstellungen“ wurde von der Volkswirtschaftsdirektion zur Staatskanzlei verschoben. Der Tätigkeitsbereich wurde eingeschränkt und die Institution in „Fachstelle für das Ausstellungswesen“ umbenannt.

1995 Die „Fachstelle für das Ausstellungswesen“ wurde aufgelöst. Die restlichen Sammlungsbestandteile des alten Gewerbemuseums werden an die Ber­ni­sche Stif­tung für an­ge­wandte Kunst und Ge­stal­tung übergeben (seit 2011 Ber­ner De­sign Stif­tung). Teile des Archivs gelangten in Staatsarchiv des Kantons Bern (StAB BB 1.9). Zu den Verlusten der Fachstellenauflösung zählen u.a. die Original-Inventare des Gewerbemuseums.

2000 Die Schule für Gestaltung Bern und die Kantonale Schule für Gestaltung Biel/Bienne wurden zusammengelegt. Es entstand die neue Schule für Gestaltung Bern und Biel, die seit 2001 eine kantonale Institution ist.

2005 Die Keramikfachklasse wurde in Keramikdesign-Fachklasse umbenannt.

2024-2026 Das Gebäude Schänzlihalde 31 muss einer Gesamtsanierung unterzogen werden. Die Schule für Gestaltung B:B wird als Übergang den neuen Bildungscampus „Bernapark“ auf dem Areal der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil beziehen.

Die Sammlung

Keramik der Schulsammlung der SfGBB in CERAMICA CH

Die Keramiksammlung der Schule für Gestaltung Bern und Biel ist zu wissenschaftlichen Forschungszwecken zugänglich. Sie wurde zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Intensität bearbeitet. Die Sammlungsteile Bäriswil (Heege/Kistler/Thut 2011) und Langnau (Heege/Kistler 2017) fanden 2011 und 2017 eine umfassende wissenschaftliche Berücksichtigung. Die Sammlung umfasst jedoch mit ca. 360 schulintern inventarisierten und vielen nicht inventarisierten Objekten ein wesentlich weiteres und auch bis in die jüngste Vergangenheit der Keramikfachklasse zurückreichendes Spektrum. Hiervon wurden schliesslich 2022 im Rahmen des Projektes CERAMICA  als Schwerpunkt vor allem die historischen Sammlungsteile des alten Gewerbemuseums Bern (siehe oben Geschichte der SfGBB) und eine kleine Auswahl jüngerer Arbeiten dokumentiert. Ausserdem befindet sich im Depot der Schule für Gestaltung seit 1982 bzw. 1995 auch die vollständig von Ernst Fehr inventarisierte Keramiksammlung der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker (ASK, gegründet 1959). Sie umfasst etwas über 100 Keramiken, die wegen ihrer Zeitstellung (nach 1950) hier vorerst nicht aufgenommen wurden, jedoch sicher eine bedeutende und dokumentationswürdige Ergänzung anderer zeitgenössischer Keramiksammlungen (z.B. Sammlung Nievergelt; vgl. Naef Galuba/Schumacher/Nievergelt u.a. 2016) darstellt. Zudem dient eine grosse „Arbeits- und Vergleichssammlung“ von über 1000 Objekten, die vor allem nach 1971 zusammengetragen wurden, intern zu Schulungszwecken. Darunter befinden sich auch grosse Keramikbestände von Margrit Daepp-Linck und Volker Ellwanger, sowie weitere Arbeiten aus der Keramikfachschule. Dieser Sammlungsteil ist bislang nicht inventarisiert und wurde nur in wenigen ausgesuchten Ausnahmefällen bernischer Keramik hier berücksichtigt.

Die Geschichte der Sammlung geht auf die 1869 gegründete Kantonale Muster- und Modellsammlung (ab 1890 Kantonales Gewerbemuseum Bern im Kornhaus Bern)  zurück. Gute Keramikarbeiten wurden zunächst auf Einladung präsentiert, so 1879 von der Firma Wanzenried aus Steffisburg (11. Bericht der Muster und Modellsammlung 1879, 2).  Die ältesten noch nachweisbaren Keramikankäufe stammen aus den Jahren 1886 (zwei Teller von Heinrich Hanhart aus Winterthur) bzw. aus dem Jahr 1892. Die damals erworbenen Objekte sind als «Sammlung bzw. Auktion Bühler, Willisau» inventarisiert. Es handelt sich um die Keramiksammlung des Willisauer Mohrenwirtes Kasimir Bühler (1834‒1892; Todesanzeige NZZ Nr. 134, 13.5.1892). Spuren dieser Sammlung finden sich in verschiedenen Schweizer Museen (Zur Auktion: Der Bund 43, Nr. 235, 22.8.1892; Nr. 237, 24.8.1892; Nr. 247, 3.9.1892; Nr. 258, 14.9.1892; Der Bund 44, Nr. 165, 16.6.1893; NZZ Nr. 272, 28.9.1892, Nr. 276, 2.10.1892; Nr. 306, 2.11.1893). Die Sammlung wurde wurde laut Protokoll der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums Bern vom 24.3.1892 angeblich komplett angekauft: „Präsident Ludwig Sigerist und Direktor Blom haben die Sammlung besichtigt: Der Präsident und der Direktor erstatten über die von Ihnen vorgenommene Besichtigung der Sammlung alten Bernergeschirrs des Gastwirts Bühler in Willisau Bericht. Die Sammlung bestehe aus 112 meist sehr wertvollen und tadellosen Stücken der Fabrikation des vorigen Jahrhunderts aus dem Heimberg, von Langnau, Bäriswil und dem Simmenthal und biete eine höchst lehrreiche und beinahe lückenlose Uebersicht dieses alten Gewerbezweiges unseres Landes dar, so dass man sich, trotz des …. Preises von zusammen 3075 Franken die Gelegenheit zur Erwerbung derselben nicht entgehen lassen solle, um so weniger, als man ja späterhin die Sammlung ganz oder theilweise dem Landesmuseum abtreten könne. Die Direktion pflichtet nach gehaltener Umfrage einstimmig dieser Ansicht bei und beschliesst demnach den Ankauf der Sammlung, jedoch in dem Sinne, dass vorerst bloss 2800 Fr. und höchstens 3000 Fr. dafür geboten werden sollen. (StAB BB 1.9.2).

Wie es trotz dieses Beschlusses dazu kommt, dass auch das Bernische Historische Museum, das Gewerbemuseum Winterthur, das Historische Museum in Basel (heute im Bestand Museum der Kulturen in Basel), und das Schweizerische Nationalmuseum laut eigenen Inventareinträgen im Jahr 1892 bernische Keramiken aus der Sammlung Bühler kauften, entzieht sich unserer Kenntnis. Heute sind in der Schule für Gestaltung in Bern noch 53 Keramiken eindeutig nachweisbar. Mindestens 15 weitere Stücke befinden sich in den genannten anderen Museen.

Daneben kaufte Oskar Blom als Direktor des Gewerbemuseums offenbar regelmässig Keramik auf seinen Weiterbildungsreisen zu den Weltausstellungen (u.a. Chicago 1893), Landesausstellungen (u.a. Genf 1896) oder Kantonsausstellungen (u.a. Thun 1899) und in Österreich bzw. Deutschland. Seine Reisetätigkeit könnte künftig anhand der erhaltenen Protokolle der Aufsichtskommission des Gewerbemuseums (heute im StAB) umfassender nachvollzogen werden.

Offenbar wollte man mit den angekauften Objekte  im Rahmen der Dauerausstellung des Gewerbemuseums den kantonalen Handwerkern gute,  gelungene oder stilistisch vorbildliche, moderne  Produkte vorführen. Besonders deutlich wird dies bei einer Reihe von Ankäufen im späten 19. Jahrhundert und in der Zeit bald nach 1900 (u.a. Steinzeug von Reinhold Hanke, Höhr-Grenzhausen, spanische Lüsterwaren aus Manises, Fayencen aus Zell am Harmersbach oder Velten-Vordamm bei Berlin,  Keramiken von Max Läuger, Kandern, Henry van de Velde, Meissen, Denert und Balichon, Vierzon, Porzellanmanufaktur Bing & Grøndahl, Kopenhagen, Grueby Faience Company, Revere, Massachusetts USA ).

 

Vgl. die Henkelung (links Loder-Eyer, um 1907; rechts von Erica von Scheel, um 1903/04).

Vgl. die Formen (links Loder-Eyer, undatiert; rechts Lüsterkeramik aus Manises aus der Sammlung des Gewerbemuseums, heute in der SfGB, spätes 19. Jh.; unten Katalogtitel der Firma Wanzenried von nach 1884).

Möglicherweise bildeten die ausgestellten Keramiken die unmittelbare Anregung für einzelne bernische Keramikproduzenten wie z.B. die Manufaktur Wanzenried oder Karl Loder-Eyer aus Steffisburg, die ganze Formen oder einzelne Details wie z. B. Henkel übernahmen, die Keramik dann aber in lokaler Tradition der Thuner Majolika oder floralem Jugendstil verzierten.

Bericht über die Ausstellung in Steffisburg 1910, Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, 22. Juni 1910, StAB, BB-1-9-7, Zeitungsausschnitte.

Die Sammlungen des Gewerbemuseums wurden gelegentlich in Sonderausstellungen integriert, z.B. Ausstellung im Gasthof Bären in Steffisburg 1910 (Geschäftsblatt für den oberen Teil des Kantons Bern, 22. Juni 1910). 1945 wurden 73 Stücke der Sammlung in einer Ausstellung „Bernisches Töpfergeschirr des 18. und 19. Jahrhunderts aus Bernischem Privatbesitz“ gezeigt (Tschabold 1969, 35, Ausstellungsliste in StAB BB 1.9.30). Teile der Sammlung waren dann auch 1948 auf der grossen Keramikausstellung „Schweizer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts“ in Schloss Jegenstorf zu sehen (Jegenstorf  1948).

Wie umfangreich die Keramiksammlung des Gewerbemuseums ursprünglich genau war, ist wegen fehlender Original-Inventare (diese befanden sich vor 1991 im Archiv des Gewerbemuseums im Kornhaus in Bern – Messerli Bolliger 1991, Anm. 336 und 466-469 – und müssen heute als verloren gelten) kaum sicher abzuschätzen. Schon 1926  und im Januar 1945 gab es grössere Verkäufe. Laut einer handschriftlichen Notiz des Keramikfachlehrers Ernst Fehr aus dem Jahr 1975 umfasste das „Inventar II des Gewerbemuseums, Technologische Sammlung, Abteilung Keramik“ (eventuell Staatsarchiv Bern – StAB BB 1.9.30 von 1938 oder StAB BB 1.9.30 von 1943) 330 Inventarnummern mit Keramik, von denen jedoch 105 verkauft oder verschenkt wurden (u.a. an das Bauernmuseum Jerisberg BE), bzw. zerbrochen waren und entsorgt wurden. Von zahlreichen Stücken war bei der Übergabe an die Schule für Gestaltung 1975 der Standort unbekannt. Erst in diesem Jahr, also deutlich nach dem Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton Bern an die Stadt Bern (1971), wurde der grösste Teil der Keramiksammlung (238 Stück) in mehreren Schüben vom Gewerbemuseum an die spätere Schule für Gestaltung übergeben und dann von Keramikfachlehrer Ernst Fehr inventarisiert (Fehr 2003; das Inventar lag vor und konnte berücksichtigt werden). Ernst Fehr hatte offenbar noch Zugang zu den älteren Originalinventaren des Gewerbemuseums, sodass er in zahlreichen Fällen Herkunft und Ankaufspreis notieren konnte. Die übrigen, noch erhaltenen Sammlungsteile des Gewerbemuseums betreut seit 1995 die Berner Design-Stiftung.

1984 wurde ein kleiner Teil der Keramiksammlung noch einmal durch das Kantonale Amt für Wirtschafts- und Wechselausstellungen ausgeliehen und für 6 Wochen in St. Gallen, im Globus, gezeigt. Seit 1987 wird eine kleine Keramikauswahl im Töpferhaus im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg gezeigt. 1995/96 war ein Sammlungsteil in Schloss Münsingen anlässlich der Sonderausstellung „Heimberger Keramik“ zu sehen. An dieser Ausstellung beteiligten sich auch die Töpfereien Kupferschmied, Maurachern, Steiner, Kiesen, Howald, Heimberg, Stähli, Steffisburg und Steinmann, Heimberg. 1999 war ein kleiner Sammlungsteil auf der 4. Schweizerischen Keramikausstellung in Solothurn ausgestellt (Organisation: Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker – ASK).

Die Sammlung ist, wie aufgrund ihrer Geschichte und Funktion (Lehrsammlung) nicht anders zu erwarten, eher inhomogen zusammengesetzt. Im Folgenden sollen eine Reihe von Schwerpunkten (Personen, Werkstätten) oder besonders wichtigen Einzelstücken hervorgehoben werden.

Insgesamt sind für CERAMICA CH 410 Sammlungsobjekte inventarisiert worden. Diese verteilen sich auf 56 Datensätze Fayence, 316 Datensätze Irdenware, 19 Datensätze Porzellan, 9 Datensätze Steingut, 1 Datensatz Steingut (Feinsteinzeug) und 9 Datensätze Steinzeug.

Irdenware

Der grösste Teil der bernischen Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts scheint aus dem Ankauf der schon erwähnten Sammlung von Kasimir Bühler in Willisau zu stammen, selbst wenn sich das mangels alter Inventaraufkleber und Inventarbücher  im Einzelnen nicht immer sicher nachweisen lässt. Darunter sind besonders hervorzuheben:

  • Die Sammlung an Erzeugnissen aus Langnau im Emmental.  Besonders gelungen ist ein beidseitig verzierter Metzgerteller aus dem Jahr 1819 (Langnau, Werkstatt 4, Hand 12; zu Langnau vgl. Heege/Kistler 2017b).
  • Die Sammlung Bäriswiler Keramiken, zu denen ein schöner Teller aus der Zeit um 1782-1785 gehört (zu Bäriswil vgl. Heege/Kistler/Thut 2011).

  • Auch die Region Heimberg-Steffisburg ist recht gut vertreten (Zeitspanne spätes 18. bis Mitte 19. Jh.). Darunter befindet sich unter anderem eine sehr frühe Teekanne mit schwarzbrauner Grundengobe und der Datierung 1785 (zu Heimberg vgl. Heege/Kistler 2017a).

  • Weitere wichtige Stücke vertreten grössere, aus dem Kanton Bern bekannte Produktionsgruppen. Hierzu gehören z.B. die Keramiken mit blauem Unterglasur-Pinseldekor, von denen wir annehmen, dass sie überwiegend im bernischen Mittelland, aber eventuell auch in Bern oder Thun gefertigt wurden. Die in der Sammlung vorhandene Spardose trägt den Namen ihrer Besitzerin und die Datierung „BARBARA BÖSIGER In Langenthall 1739“. Möglicherweise fertigten also auch die Hafner im Grossraum Langenthal oder dem bernischen Oberaargau solche Ware (Boschetti-Maradi 2006, 206-209).

  • Eine Terrine mit Löwengriff gehört zu den Produkten eines bernischen Hafners aus dem weiteren Umfeld von Langnau, von dem wir annehmen, dass er spätestens kurz vor 1820 in die USA auswanderte. Möglicherweise handelt es sich um den Hafner Johannes Lehmann, der anschliessend in Langnauer Art in Pennsylvania weiterproduzierte (Heege/Liesch 2022)

  • Im späten 19. Jahrhundert arbeitete vermutlich im Raum Heimberg-Steffisburg ein Hafner, der durch seinen rustikalen Stil und seine zahlreichen Keramikergänzungen, -verfälschungen und Falschdatierungen auffällt. Leider kennen wir bis heute seinem Namen nicht sicher (ein Mitglied der Hafnerfamilie Tschanz?). Aus der Sammlung Bühler stammt ein skurriles Weihwasserbecken mit aufgelegter Einsiedler Schabmadonna und einer grotesken Maske, das demnach schon vor 1892 entstanden sein muss.

  • Ein wirkliche Besonderheit der Sammlung Bühler und heute der Sammlung der Schule für Gestaltung ist die Gruppe von 15 Giessfässern oder Wandbrunnen unter denen sich zahlreiche singuläre Stücke befinden. Sie belegen, dass Giessfässer meist wohl als Einzelanfertigungen oder Sonderanfertigungen zu betrachten sind. Für viele der Objekte können wir den Herstellungsort nicht benennen.

  • Im Gegensatz dazu sind die eigentlich zugehörigen Handwaschbecken in der Sammlung mit nur einem, allerdings wichtigem und datiertem Exemplar aus dem Jahr 1725 vertreten. Dieses ist mit polychromem Unterglasur-Pinseldekor verziert.

  • Polychromen Unterglasur-Pinseldekor finden wir auch bei einer charakteristisch bemalten Gruppe von Platten oder Tellern, die wir heute hypothetisch der Region Yverdon zuordnen möchten. Zur Überprüfung dieser Hypothese bräuchte es dringend die Veröffentlichung archäologischer Bodenfunde aus Yverdon.

  • Das späte 19. Jahrhundert bzw. die Zeit zwischen etwa 1880 und 1900/1905 wird im Kanton Bern vor allem von der Thuner Majolika, Keramik unter dem Einfluss der Thuner Majolika oder Keramik mit dem Muster „Alt-Thun“ (Chrutmuster) dominiert. Hervorzuheben sind hierbei die Produkte der Manufaktur Wanzenried in Steffisburg. Der gezeigte Teller trägt einen Spruch des Frankfurter Dichters Friedrich Stoltze (1816-1891), das in der Zeitschrift «Die Gartenlaube», im Jahr 1880 (S. 478) abgedruckt wurde. Eine zeitnahe Fertigung ist anzunehmen.

  • Zeitgleich (um 1882-1886) entstanden qualitätvolle Historismus-Keramiken in der Winterthurer Fabrik von Heinrich Hanhart. Sie wurden 1886 vom Gewerbemuseum eingekauft. Die Manufaktur galt für eine kurze Zeitspanne offenbar als vorbildlich.

  • Den Sprung vom Historismus zum Jugendstil charakterisieren in der Sammlung die Arbeiten von Max Laeuger für die Tonwerke Kandern (Kessler-Slotta 1985; Mehlstäubler 2014; Schwarzmeier 2009). Sie entstanden vermutlich zwischen 1897 und 1901, da für die Wandfliese der Ankauf im Jahr 1901 belegt werden kann. Ergänzen könnte man hier noch eine Vase aus Massachusetts und eine Vase aus Soufflenheim im Elsass. Weitere, nichtbernische Jugendstilkeramiken dürften dem Sammlungs-Teilverkauf in den 1920er-Jahren zum Opfer gefallen sein.

  • Quasi zeitgleich (1904) wurden Keramiken  (in diesem Fall Steinzeug) nach Entwürfen von Henry van de Velde und Erica von Scheel eingekauft, die die Gedanken und Stilistik des wenig jüngeren Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit schon vorwegnehmen (Föhl/Neumann 2016). Sie wurden in der Steinzeugfirma von Rudolf Hanke im Westerwald erstmals 1901 bzw. 1903 gefertigt und in den Folgejahre weiterproduziert (frdl. Hinweis Antje Neumann-Golle). In diese Gruppe gehören auch die Steinzeuge mit Laufglasuren der französischen Firma Denert und Balichon aus Vierzon, die wohl bald nach 1910 entstanden (Denbac 1990).

  • Bei den bernischen Hafnern setzten sich die Bemühungen um eine Verbesserung der Keramikproduktion und der Modernisierung der Dekoration nur zögerlich durch. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den Arbeiten von Nora Gross aus Lausanne zu, die ab 1905 bei Bendicht Loder Walder in Heimberg ihre Gefässentwürfe fertigen liess (Ball-Spiess 1987). Die Überreste der Töpferei wurden mittlerweile ausgegraben (Frey 2022).
  • Daneben war die Keramikfachklasse bzw. Keramikfachschule in Bern in der Ausbildung besonders aktiv und durch den Zeichenunterricht von Paul Wyss und z.B.  Friedrich Ernst Frank, Mitarbeiter in der Firma Wanzenried und einer der Zeichenlehrer der Steffisburger Töpferschule, langfristig stilprägend. Wyss und Frank vertraten eine Art floralen Jugendstil, der auf die Möglichkeiten der Dekoration mit dem Malhorn (Schlickermalerei) angepasst wurde.

Entwürfe aus der Töpferschule Steffisburg, 1906 (aus  Kantonales Gewerbemuseum Bern, 38. Jahresbericht für das Jahr 1906, Bern 1907).

Arbeiten der Töpferschule in Steffisburg 1907/1908 (aus Blom 1908).

  • Besonders die Einrichtung einer Töpferschule in Steffisburg ab 1906 mit Unterricht im Zeichnen und Modellieren  (Messerli-Bolliger 1991) dürfte grundlegende Auswirkungen gehabt haben.

  • Im Rahmen der Töpferschule wurden offenbar aber auch Keramiken im „Neuen Stil“ produziert und glasiert, wie ein 1909 datiertes und signiertes Stück aus der Sammlung der Schule für Gestaltung belegt.

  • Eine der wichtigeren Hafnereien im Kontext der Erneuerung der Keramik war die von Karl Loder-Eyer in Steffisburg (Keramik in der Sammlung der SfGBB). Dort hatte man vorher üblicherweise Keramik im Stil der Thuner Majolika gefertigt. Bei Karl Loder erhielt Emil Loder (1890-1971), sein deutlich jüngerer Vetter, 1906 einen Lehrvertrag. 1909–1911 besuchte er die Keramikfachklasse in Bern und machte die Ausbildung zum Keramikfachlehrer und übernahm ab 1915 die Geschäftsführung der Manufaktur Wanzenried in Steffisburg. Es verwundert daher nicht, dass seine späteren Arbeiten als „Loder & Schweizer“ die Wirkung der Fachschulausbildung und zahlreiche starke Anklänge an die Keramiken von Karl Loder-Eyer zeigen. Die Arbeiten von Loder-Eyer wurden nach dessen Tod stilistisch bruchlos von der DESA weitergeführt (siehe unten).

  • Ergänzen könnte man für diesen Zeitraum auch noch Karl Friedrich Schenk (1866-1919) den späteren Schwiegervater von Emil Loder. Dieser arbeitete vermutlich als Keramikmaler in einer der Töpfereien seiner Brüder, signierte seine Keramik jedoch eigenständig. Sein früher Tod 1919 verhinderte eine stilistische Weiterentwicklung.  Keramik in der Sammlung der SfGBB.

  • Mit dem Tod von Karl Loder-Eyer im Jahr 1915 gelangte die Hafnerei 1916 in den Besitz einer Genossenschaft von Kaufleuten, u.a. der Familie Desalmand aus Biel, die die Produktion offenbar mit denselben Mitarbeitern fortsetzten (später DESA, Kunsttöpferei A.G., 1916-1952). Als Geschäftsführer stellte man den jungen Adolf Schweizer (1893-1967) aus Steffisburg ein, der von 1911 bis 1915 die Keramikfachschule in Bern besucht hatte. Keramik der DESA in der Sammlung der SfGBB.

  • Emil Loder und Adolf Schweizer kauften auf den 2. April 1919 die ehemalige Firma Wanzenried in Steffisburg und betrieben sie bis Ende 1924 gemeinsam als eine einfache Gesellschaft „Loder & Schweizer„. Es ist im Einzelnen nicht zu entscheiden, welche Entwürfe auf Emil Loder, Adolf Schweizer oder dessen Frau Elise Eyer (Keramikmalerin in der Manufaktur Wanzenried, schon vor 1917) zurückgehen. Ohne Signaturen lassen sich jedenfalls Keramiken von Loder-Eyer, der DESA, Loder-Schweizer oder der ersten Zeit der der Kunstkeramik Luzern (Emil Loder ab 1925) quasi nicht auseinanderhalten. Keramik Loder & Schweizer in der Sammlung der SfGBB.

  • Adolf Schweizer war in Steffisburg oder Heimberg jedoch nicht der einzige Traditionalist. Dies belegen zahlreiche Keramiken und Spielzeugfiguren aus der Töpferei von Fritz Hänni-Amstutz (1884-1969) oder Fritz Hänni-Eicher (1929-1988) an der Heimberger Bahnhofstrasse, die überwiegend in der Zeit zwischen 1950 und 1980 in die Sammlung der Keramikfachschule gelangt sein dürften.

Entwürfe von Paul Wyss für Adolf Gerber, d. Ä. in Hasle und Fritz Röthlisberger aus Langnau (Sammlung der SfGB).

 

  • Zu erwähnen währe auch noch der Keramiker Fritz Glücki. Er wurde vom Sommersemerster 1913 bis Sommersemester 1915 an der Keramikfachschule in Bern als Keramiker ausgebildet (Messerli 2017, Schülerlisten). Es ist unklar, bei welchem Hafner er 1914 in Langnau den vorstehenden Teller fertigte. Über seinen weiteren Lebensweg wissen wir derzeit kaum Bescheid. Um 1938 lässt er sich in der Hafnerei von Arnold Zahner in Rheinfelden nachweisen (Ball 2005, 39 Abb. 1). Weitere Gefässe von ihm verwahren das Musée Ariana (MAG AR 2013-063; AR 2013-064) bzw. das Regionalmuseum in Langnau (RML A583).

  • Die nachhaltigste und kontinuierlichste Entwicklung können wir bei der Töpferei von Adolf Gerber d.J. fassen, der sich 1912 in Langnau niederliess und sich zusammen mit Paul Wyss sehr um eine Wiederbelebung des Handwerks und die Entwicklung eines Stils „Alt-Langnau“ bemühte (Aeschlimann 1928, 18-19, mit wohl falscher Anfangsdatierung der Bemühungen). Keramik von Adolf Gerber in der Sammlung der SfGBB.

  • Schauen wir in den Kanton Zürich so sind einige weitere Betriebe zu nennen, die am Übergang vom Historismus zum Jugendstil und der Moderne stehen. Am Anfang stand dabei eine „Heimberg-Filiation“, die „SCHWEIZER-TÖPFEREI HEIMBERG-ZÜRICH“ von Albert Wächter-Reusser (vor 1906–1938), die zunächst in Heimberg produzierte und in Zürich verkaufte. 1918 verlegte Albert Wächter die Hafnerei nach Feldmeilen. Keramik Wächter-Reusser in der Sammlung der SfGBB.

Mustermesse Basel 1922, Stand von Meister & Co. in der Gruppe XII, Kunstgewerbe  (Foto Archiv Meister & Cie, Christine Hobi).

  • Bei Wächter-Reusser in Feldmeilen sammelten ab 1919 Heinrich Meister und Josef Kövessi, zwei keramische Autodidakten ihre ersten handwerklichen Erfahrungen, bevor sie in Dübendorf-Stettbach 1920 eine eigene Töpferei (Meister & Cie.) eröffneten. Ein Foto vom Messestand auf der MUBA 1922 zeigt die engen typologischen und dekorativen Verflechtungen mit den Produzenten aus dem Kanton Bern, denen man auch auf der MUBA begegnete.

  • Die Werkstatt  entwickelte sich ab März 1923 vor allem auch aufgrund der Keramikmalerin Gertrud Zingg (1898 -1984). Sie hatte von Wintersemester 1914/1915 bis Wintersemester 1918/1919 an der Keramikfachschule in Bern, u. a. bei Jakob Hermanns, die Ausbildung zur Keramikerin gemacht (vgl. Schülertabelle in Messerli 2017, 228-229). Heinrich Meister und sie heirateten im August 1924. Meister-Keramik in der Sammlung der SfGBB.

Fayenceteller von Haussmann in Uster bemalt von Berta Tappolet für den Laden „Cornelius“.

  • Der deutsche Fritz Haussmann (1900–1968) und seine aus Basel stammende Frau Helene, geborene Frey (1905–1989), gründeten 1928 das Atelier Alsiko in Niederuster, Kanton Zürich. Beide hatten ihr Handwerk in Deutschland erlernt. Das Ehepaar Haussmann leistete mit der Produktion schlichter, rationaler Formen einen bemerkenswerten Beitrag zur Modernisierung der in der Schweiz hergestellten Gebrauchskeramik. Ab den 1940er-Jahren galt Fritz Haussmann auch als einer der landesweiten Pioniere der neuen künstlerischen Keramik. Bei seiner Arbeit bevorzugte er künftig das Medium Steinzeug und Hochtemperaturglasuren. Keramik von Haussmann in der Sammlung der SfGBB.

  • Eine nur wenig jüngere bernische Keramikkünstlerin ist Hanni (Hanna) Nencki (1903-1986). In der keramischen Fachschule am Klösterlistutz in Bern erhielt sie ihr berufliches Rüstzeug, vermutlich zunächst nur als Keramikmalerin (SS 1921‒WS 1923/24, siehe Schülerliste Messerli 2017). Die Kenntnisse im Drehen und Brennen der Keramik erwarb sie anschliessend in der Keramischen Werkstätte Hans Schuppmann GmbH in Harlaching bei München. Es folgte ein Studienaufenthalt in Paris bei Fernand Léger (1881-1955, bedeutender französischer Maler) und André Lhote (1885-1962, französischer Maler, Bildhauer und Kunsttheoretiker des Kubismus). Die Heirat mit dem Architekten Werner Krebs aus Bern (1895‒1990, machte Bern zu ihrem Lebensmittelpunkt. Sie führte dort ein eigenes Atelier als Malerin, Töpferin (Mitglied im Werkbund, Vorstandsmitglied) und Musikerin (Mitglied im Berner Konservatoriums- und Kammerorchester). Keramik von Hanni Krebs-Nencki in der Sammlung der SfGBB.

Signierte Keramiken von Jakob Stucki, links aus der Frühzeit unmittelbar nach Übernahme der Töpferei 1948 (erstaunliche Iznik-Anklänge bei der Vase), rechts „erneuerter“ Dekor „Alt-Langnau“, wie er für die Werkstatt Stucki typisch war.

  • Ausserdem entstanden in der Werkstatt, abgesehen von den sog. „Töpferfiguren“ (Schneider 1979; Schnyder 1985) zahlreiche andere Keramikarten und Dekore, vor allem auf dunkelbrauner Grundengobe, die eigentlich der Heimberger Töpfertradition entspricht. Stucki war ein Meister des Malhorndekors aber auch ein humorvoller Entwerfer (siehe die Salz- und Pfeffer-Figuren). Stucki-Keramik in der Sammlung der SfGBB.

Arnold Zahner, Rheinfelder Keramik.

  • Erstaunlicherweise sind Arbeiten aus der Rheinfelder Keramik bzw. aus der Hand des bedeutenden Keramikers Arnold Zahner (1919-2005) in der Sammlung der Schule für Gestaltung nur mit zwei Keramiken vertreten. Zwar hat Arnold Zahner (1994) mit Unterstützung von Rudolph Schnyder eine Autobiographie veröffentlicht, damit muss aber das „Gesamtwerk“ der Rheinfelder Keramik immer noch als unbearbeitet und unerforscht gelten. Zu Zahners Familiengeschichte, Ausbildung und Werdegang siehe hier und Nachruf: Herzog/Jobin 2006; Ball 1994.

Fayence

Unter der eher kleinen Gruppe der Fayencen befindet sich auch das älteste Stück der Sammlung.

Es handelt sich um eine Dreifussschale mit Lüsterdekor aus dem Iran (Persien), die in das frühe 13. Jahrhundert datiert werden kann (Oliver Watson, herzlichen Dank für die Hilfe). Auf weitere Lüsterkeramiken des späten 19. Jahrhunderts aus Manises in Spanien wurde schon hingewiesen (s.o.)

Drei Fayencen sind vermutlich Italien zuzuordnen.

Zwei Teller mit schönen Schmetterlingsdarstellungen stammen wohl aus Ligurien, Savona, Manufaktur Giacomo Boselli (1744-1808) und datieren um 1770-1780. Sie wurden vom Gewerbemuseum als Fayencen der bernischen Manufaktur Willading (um 1758-maximal 1765; Boschetti-Maradi 2006, 190-191), von der wir fast keine materielle Überlieferung kennen, angekauft.

Ein dritter Teller dürfte in Doccia, in der Toskane in der  Manufaktur Ginori (?), um 1775-1800 gefertigt worden sein. Er erinnert typologisch an Steingut, doch trägt er eine Fayenceglasur mit schöner Blumen-Inglasurmalerei.

Aus Kilchberg-Schooren stammen die in der Schweiz sehr häufigen Teller mit Schuppenrand und gemalten oder schablonierten Sprüchen. Sie tragen, wie üblich, keine Signatur oder Marke. Fayencen aus Kilchberg-Schooren in der Sammlung der SfGB.

Steingut

Die Steingut-Sammlung ist nicht sehr umfangreich. Sie enthält einige wenige ausländische Stücke und schweizerische Produkte.

Eine frühe Kaffeekanne mit schwarzem Umdruckdekor wurde um 1832-1836 im Saarland, in  Mettlach von der Manufaktur Jean-François Boch-Buschmann gefertigt. Die beiden Hauptbilder der Kannenseiten zeigen das «Durlacher Thor in Carlsruhe» und die «Draht-Brücke in Freiburg (Schweiz). Das letzte Bild geht auf eine französische Stichvorlage «Pont suspendu en Fil de Fer, a Fribourg (Suisse)» von Bernard Lemercier (Paris, um 1830-1850) zurück.

Zu den lokalen Produkten gehört auch Steingut aus den Manufakturen von Carouge bei Genf (Teller Manufaktur Baylon, um 1840-1850; Teekanne und Terrine Manufaktur Charles Degrange & Cie, um 1885-1903).

Die Steingutfabrik von Möhlin bei Rheinfelden, die ihr sehr einfaches Gebrauchsgeschirr in die ganze Schweiz lieferte, ist ebenfalls mit zwei typischen Objekten der 1930er-Jahre vertreten. Der Dekor besteht aus einer Mischung von Schablonen- und Pinseldekor.

   

Eine Steingut Kanne, die in Deutschland, Baden-Württemberg, Zell am Harmersbach, durch die Firma Haager, Hörth & Co., Porzellan- und Steingutfabrik, um 1890-1898 hergestellt wurde, gelangte offenbar bereits früh in die Sammlung des Gewerbemuseums. Was man den bernischen Hafnern mit diesem Stück wohl zeigen wollte?

Dieselbe Frage liesse sich bei einer Kaffeekanne aus Velten-Vordamm bei Berlin stellen. Sie entstand um 1930.

Steinzeug

Auf die in der Steinzeugfabrik von Reinhold Hanke, im deutschen Westerwald, nach Entwürfen von Henry Clemens van de Velde und Erica von Scheel, um 1903-1904 entstandenen Steinzeuge, wurde bereits hingewiesen.

Zwei weitere Objekte sind dem vorhergehenden Historismus zuzuordnen, wobei die riesige Ringkanne, die ebenfalls aus der Fabrik von Reinhold Hanke stammen dürfte, hervorzuheben ist. Sie wurde zwischen etwa 1880 und 1900 gefertigt.

Porzellan

Beim Porzellan haben wir es mit einer sehr zufälligen Sammlungszusammenstellung zu tun, die den Schülern wohl einfach den Aspekt „Porzellan“ in einer gewissen Vielfalt verdeutlichen sollte.

Dazu diente u.a. ein japanisches Räuchergefäss (Koro) in Form einer Figur mit grimmigen Gesichtszügen, die an den japanischen Glücksbringer Daruma oder Bodhidharma erinnert. Das Stück entstand wohl im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert.

Aus der Wiener Porzellanmanufaktur der Zeit um 1800-1820 stammen zwei Terrinen- oder Schüsseldeckel, die vermutlich wegen ihrer schönen Blumenmalerei als Vorbild gekauft wurden.

 

Zwei Vasen belegen die Bemühungen des Gewerbemuseums aktuelle und topmoderne Dekore mit Vorbildcharakter einzukaufen. Die erste Vase mit Blumen im Jugendstil wurde um 1899-1902 in Kopenhagen in der  Porzellanmanufaktur Bing & Grøndahl hergestellt. Die zweite Vase ist ein Entwurf von Fritz Klee, Direktor der K. Fachschule Selb. Sie wurde um 1917-1930 in Bayern in der Kunstabteilung der Porzellanfabriken Lorenz Hutschenreuther AG in Selb produziert.

Ofenkacheln

Die Sammlung der Schule für Gestaltung enthält auch, wenig verwunderlich, einige Ofenkacheln. Unter diesen ist eine besonders bedeutende Kachel hervorzuheben, die bei wissenschaftlichen Recherchen bisher immer übersehen wurde. Sie soll deshalb an dieser Stelle ebenfalls berücksichtigt werden.

Es handelt sich um eine frühe und sehr seltene Ofenkachel aus der bernischen Fayencemanufaktur Frisching (1760-1776), die mit süddeutschen Fayencemalern Kachelöfen im Strassburger Stil für begüterte Patrizier aus Basel und Bern herstellte (Staehelin 1970). Die Blumenmalerei gehört zum besten, was die Schweiz kurz nach der Mitte des 18. Jahrhunderts zu bieten hatte.

Bibliographie:

Aeschlimann 1928
Emil Aeschlimann, Alt-Langnau-Töpferei. Ein Beitrag zur Volkskunde. Beilage: Die rumänische Königin im Ilfis-Schulhaus, 8. Mai 1924, Bern 1928.

Assel/Stalla 1984
Jutta Assel und Robert Stalla, F.H. Ehmcke und seine Neusser Schüler : H. Cossmann, E. Malzburg, J. Urbach. Neuss 1984.

Ball-Spiess 1987
Daniela Ball-Spiess, «Wie ist das Kunstgewerbe in der Schweiz zu heben und zu pflegen?» Der Beitrag von Nora Gross (1871–1929) zur ästhetischen Erziehung. Dissertation, Universität Basel, Bern 1987.

Ball 1994
Daniela U. Ball, Arnold Zahner-Zauber keramischer Glasuren. Jubiläumsausstellung zum 75. Geburtstag auf Schloss Lenzburg, in: Keramikfreunde der Schweiz, Bulletin 44, 1994, 11-18.

Ball 2005
Daniela U. Ball, „Form ohne Ornament“? : Schweizer Keramik im Spiegel der Kulturdebatten der Zwischenkriegszeit, in: Zeitschrift: Kunst + Architektur in der Schweiz 56, 2005, 38-35.

Blom 1894
Oscar Blom, Die Installationen der verschiedenen Länder und das Kunstgewerbe an der Weltausstellung in Chicago, Bern 1894.

Blom 1898
Oscar Blom, Bericht über die Schweiz. Landesausstellung in Genf 1896, Bern 1898.

Blom 1908
Oscar Blom, Die Förderung der Majolika-Industrie in Heimberg-Steffisburg-Thun durch das kantonale Gewerbe-Museum in Bern, in: Jahresbericht pro 1907 des kantonalen Gewerbemuseums Bern, 1908, 1-9.

Bodmer-Huber/Messerli-Bolliger 1986
Ernst Bodmer-Huber/Barbara E. Messerli-Bolliger, Die Tonwarenfabrik Bodmer in Zürich-Wiedikon Geschichte, Produktion, Firmeninhaber, Entwerfer, in: Keramikfreunde der Schweiz, Mitteilungsblatt, 101. Jahrgang, 1986, 1-60.

Boschetti-Maradi 2006
Adriano Boschetti-Maradi, Gefässkeramik und Hafnerei in der Frühen Neuzeit im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 8), Bern 2006.

Conradin 1914
Christian Conradin, Der Bazar im Dörfli, in: Heimatschutz. Zeitschrift der Schweizer. Vereinigung für Heimatschutz 9, 1914, Heft 6, 89-98.

Denbac 1990
DENBAC, Hommage à Denert et Balichon : Catalogue de l’exposition de 1990 – éd.Ville de Vierzon – Association des Amis de Denbac.

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Fehr 2009
Ernst Fehr, Werkstattbuch für Keramiker, Bern 2009.

Fischli/Rotzler 1960
Hans Fischli/Willy Rotzler, Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler. Kleine keramische Technologie, Schülerarbeiten, Arbeiten ehemaliger Schüler: Ausstellung 24. November bis 21. Dezember 1960, Kunstgewerbemuseum Zürich, Zürich 1960.

Föhl/Neumann 2016
Thomas Föhl/Antje Neumann, Henry van de Velde – Raumkunst und Kunsthandwerk. Ein Werkverzeichnis in sechs Bänden, Band III: Keramik, Leipzig 2016.

Frey 2022
Jonathan Frey, Archäologische Forschungen: Töpferöfen in Heimberg. Keramikfreunde der Schweiz, Bulletin 99, 2022, 13-16.

Geiger 1952
Benno Geiger, Keramische Fachschule Bern 1941 -1951, Bern 1952.

Gerber/Dickerhof 2005
Elisabeth Gerber und Urs Dickerhof, Keramikdesign Fachklasse 1905–2005. In: Licht : Blicke, Almanach 2004/05, I-XIV, hrsg. von der Schule für Gestaltung Bern und Biel, Bern 2005.

Haller 1930
Hans Haller, 25 Jahre keramische Fachschule Bern, Bern 1930.

Heege/Kistler 2017a
Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017.

Heege/Kistler 2017b
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Herzog/Jobin 2006
Walter Herzog, Alfred Jobin: Arnold Zahner, Ein Töpfer unterwegs, 10. Mai 1919-22. Feb. 2005, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 2006.

Jeangros 1940
E. Jeangros, Gewerbeförderung und Berufsbildung im keramischen Gewerbe. Schriften des Schweizerischen Gewerbeverbandes 16, Bern 1940.

Jegenstorf 1948
Ausstellung Schweizer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts im Schloss Jegenstorf/Bern, Mai-August 1948, Basel 1948.

Kessler-Slotta 1985
Elisabeth Kessler-Slotta, Max Laeuger (1864-1952). Sein graphisches, kunsthandwerkliches und keramisches Oeuvre (Dissertation Universität Saarbrücken 1984). Saarbrücken 1985.

Lanz 2007
Hanspeter Lanz, Eine Sammlung von Langenthaler Porzellan. Schweizerisches Landesmuseum, Die Sammlung, Les Collections, Le Collezioni, 2006/2007, 12-15.

Mehlstäubler 2014
Arthur Mehlstäubler, Max Laeuger : Gesamt Kunst Werk, Karlsruhe 2014.

Messerli 2017
Christoph Messerli, 100 Jahre Berner Keramik. Von der Thuner Majolika bis zum künstlerischen Werk von Margrit Linck-Daepp (1987-1983). Hochschulschrift (Datenträger CD-ROM), Bern 2017.

Messerli Bolliger 1991
Barbara E. Messerli Bolliger, Der dekorative Entwurf in der Schweizer Keramik im 19. Jahrhundert, zwei Beispiele: Das Töpfereigebiet Heimberg-Steffisburg-Thun und die Tonwarenfabrik Ziegler in Schaffhausen, in: Keramik-Freunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 106, 1991, 5-100.

Naef Galuba/Schumacher/Nievergelt u.a. 2016
Isabelle Naef Galuba/Anne-Claire Schumacher/Frank Nievergelt u.a., Passionnément céramique. Collection Frank Nievergelt
Genf 2016.

Rollier 1914
Arist Rollier, Das Dörfli an der Landesausstellung, in: Heimatschutz. Zeitschrift der Schweizer. Vereinigung für Heimatschutz 9, 1914, Heft 9, 141-156.

Schneider 1979
Alfred Schneider, Der Töpfer Jakob Stucki (Suchen und Sammeln 4), Bern 1979.

Schnyder 1985
Rudolf Schnyder, Vier Berner Keramiker. Werner Burri, Benno Geiger, Margrit Linck, Jakob Stucki, Bern 1985.

Schwarzmeier 2009
Daniela Schwarzmeier, Max Laeuger – Meisterliches aus Karlsruhe. Aus den Sammlungen des Badischen Landesmuseums., Kandern 2009.

Tschabold 1945
Alfred Tschabold, Geschichte des Gewerbemuseums 1869-1944, in: Kantonales Gewerbemuseum Bern, 75 Jahre Kantonales Gewerbemuseum Bern 1869-1944, Bern 1945, 9-51.

Tschabold 1969
Alfred Tschabold, 100 Jahre Gewerbemuseum in Bern. Zeittafel zu seiner Geschichte 1869 bis 1969, Bern 1969.

Wyss 1906a
Paul Wyss, Der Geist des modernen Stiles mit spezieller Berücksichtigung der Holzschnitzerei, in: Jahresbericht für das Jahr 1905 des Kantonalen Gewerbemuseums Bern 37, 1906, 40-46.

Wyss 1906b
Paul Wyss, Stand, Probleme und Hebung des Töpfergewerbes, Vortrag von Herrn P. Wyss, Zeichner am Gewerbemuseum Bern (Umschlag: Nach dem Vortrage von Hrn. P. Wyss … in Bern niedergeschrieben von Hermann Röthlisberger, Sel.-Lehrer in Steffisburg, No. 14-19 Oberländer Volksfreund Jhrg. 1 (Hrsg.), Steffisburg 1906.

Zahner 1994
Arnold Zahner, Ein Töpfer unterwegs, Rheinfelden 1994.

Bern, Historisches Museum (BHM)

Bernisches Historisches Museum
Helvetiaplatz 5
CH-3005 Bern
Tel.: +41 (0)31 350 77 11
info@bhm.ch

Keramiksammlung des BHM in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das 1894 gegründete Museum besitzt eine der grössten Keramiksammlungen der Schweiz. Die Schwerpunkte liegen im Bereich der bernischen Irdenwaren, die schon in der Gründungszeit des Museums intensiv und im Wettstreit mit dem Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich und anderen Regionalmuseen gesammelt wurden. Hervorzuheben sind die Keramiken der Produktionszentren Albligen, Bäriswil  (vollständig bearbeitet), Blankenburg (Abraham Marti), Heimberg-Steffisburg (inklusive Thuner Majolika) und Langnau (vollständig bearbeitet). Ausserdem befinden sich in der Museumssammlung grössere Bestände an deutschem Steinzeug, Porzellan aus Meissen, Zürich und Nyon sowie ein kleines Spektrum an bernischen und zürcherischen Fayencen (Manufakturen Willading und Frisching; Kilchberg-Schooren). Der Bereich des Steinguts oder asiatischen Porzellans ist unterdurchschnittlich vertreten, obwohl diese Keramikarten von den bernischen Patriziern im 18. und 19. Jahrhundert ebenfalls intensiv genutzt wurden, wie wir aufgrund von archäologischen Funden aus Bern wissen.

Die Keramiksammlungen des BHM sind bislang nur themenzentriert bearbeitet worden, eine Gesamterfassung ist zusammen mit dem Kanton Bern geplant.

Bibliographie:

Zur Sammlungsgeschichte:

Karl Zimmermann, Chronikalische Notizen zur Museumsgeschichte, 100 Jahre Bernisches Historisches Museum 1894-1994, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 1994, 371-466.

Zu den Sammlungsbeständen:

Andreina d’Agliano/Elke Jezler-Hübner/Vera Heuberger, Edles Gedeck. Frühes Meissener Porzellan aus der Sammlung Kocher (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 12 ), Zürich 2003.

Adriano Boschetti-Maradi, Geschirr für Stadt und Land. Berner Töpferei seit dem 16. Jahrhundert (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 19), Bern 2007.

Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Berneck, Ortsmuseum (OMB)

Standort:
Weierbüntstrasse 2
9442 Berneck

Kontakt:
Ortsmuseum Berneck / Haus zum Torkel
Gemeindeverwaltung
9442 Berneck
071 747 44 77 Telefon (Gemeindeverwaltung)
kanzlei@berneck.ch

Andreas Heege, 2020

Im stattlichen Haus zum Torkel im Oberdorf ist eine vielseitige ortsgeschichtliche Sammlung mit Bezug zum schmucken Dorf Berneck, der grössten Weinbaugemeinde des Kantons St. Gallen, untergebracht. Gegenstände aus dem Reb- und Obstbau, der Landwirtschaft, der Küferei, der Töpferei und aus Grossmutter’s Zeiten legen Zeugnis von der geschichtlichen Vergangenheit ab. Zur Sammlung gehört auch eine funktionsfähige Seilerei, welche sogar auswärts vorgeführt werden kann. Im nebenstehenden Torkelgebäude, das für Empfänge, Hochzeiten und Apéros benutzt wird, dominiert ein prächtiger Torkelbaum aus dem Jahr 1682.

Die Keramiksammlung des Ortsmuseums beinhaltet als wichtigste Museumsobjekte vor allem Produkte der lokalen Töpfereien, die zwischen dem späten 18. und dem 20. Jahrhundert besonders aktiv waren. Die Sammlung wurde bislang nicht erfasst sondern nur für die Stichwörter „Berneck“  und Keramik „Heimberger Art“ durchgesehen und von der Keramik der Hafner Lötscher aus St. Antönien im Kanton Graubünden differenziert.

Keramik aus der Region Berneck ist in Graubünden und den angrenzenden Kantonen und dem österreichischen Bundesland Vorarlberg weit verbreitet und lässt sich typologisch sehr oft kaum von der Keramik aus der Region Heimberg-Steffisburg im Kanton Bern abgrenzen.

Bibliographie:

Boesch 1968
Jakob Boesch, Die Geschichte des Hofes Bernang und der Gemeinde Berneck, Berneck 1968.

Broder 1955
Leo Broder, Bernecker Töpferei, in: Rheintaler Almanach, 1955, 41-54.

Broder 1975
Leo Broder, Bernecker Töpferei. Ein geschichtlicher Rückblick, in: Unser Rheintal, 1975, 1-8.

Gschwend 1948 (1931)
Robert Gschwend, Einiges über die Töpferei, in: Unser Rheintal (Wiederabdruck aus Rheintaler Schreibmappe 1931) 5, 1948 (1931), 81-82.

Heege 2016
Andreas Heege, Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2: Geschirrkeramik 12. bis 20. Jahrhundert, Vaduz 2016.

Kern 1879
Franz Xaver Kern, Geschichte der Gemeinde Bernang im St. Gallischen Rheinthale, Bern 1879.

Wellinger-Moser 2007
Margrit Wellinger-Moser, Von Ofenkacheln und Verenakrügen: Berneck war einst eine Hochburg für das Töpfergewerbe, in: Unser Rheintal, 2007, 249-258.