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Bern und Biel, Schule für Gestaltung (SfGB)

Schule für Gestaltung Bern und Biel
Schänzlihalde 31
CH-3013 Bern
Tel.: +41 (0)31 337 0 337
office.bern@sfgb-b.ch

Keramik der SfGB in CERAMICA CH

Andreas Heege 2019

Die Keramiksammlung der Schule für Gestaltung Bern-Biel wurde bis heute nicht umfassend bearbeitet. Nur die Sammlungsteile Langnau (Heege/Kistler 2017) und Bäriswil (Heege/Kistler/Thut 2011) fanden  bislang eine wissenschaftliche Berücksichtigung. Die Sammlung umfasst mit ca. 500 Objekten jedoch ein wesentlich weiteres und auch bis in die jüngste Vergangenheit der Keramikfachklasse zurückgehendes Spektrum.

Die Geschichte der Sammlung geht auf die 1869 gegründete Kantonale Muster- und Modellsammlung (ab 1890 Kantonales Gewerbemuseum Bern im Kornhaus Bern, nach 1967 erneute Übergabe an die Stadt Bern, heute Bernische Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung, 2019: Kantonale Sammlung Angewandte Kunst) zurück (vgl. zur Geschichte dieser Institutionen und der mit ihr später verbundenen Keramikerausbildung  bzw. Keramikfachklasse Haller 1930; Tschabold 1945; Geiger 1952; Fischli/Rotzler 1960; Tschabold 1969). Zwischen 1900 und 1918 wirkte im Gewerbemusem auch der Kunstgewerbelehrer Paul Wyss als Zeichner. 1910 wurden die Bernische Gewerbeschule und das Gewerbemuseum miteinander vereinigt.

Die ältesten Ankäufe gehen auf das Jahr 1892 zurück. Die damals angekauften Objekte sind als «Sammlung bzw. Auktion Bühler, Willisau» inventarisiert. Ob die angekauften Objekte je im Rahmen einer Dauer- oder Sonderausstellung gezeigt wurden oder ausschliesslich als Studienobjekte der Keramikfachklasse fungierten, ist unklar. Das Gewerbemuseum zeigte lediglich 1945 eine Ausstellung zu bernischer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts aus bernischem Privatbesitz (Tschabold 1969, 35). Teile der Sammlung waren dann auch 1948 auf der grossen Keramikausstellung in Schloss Jegenstorf ausgestellt (Jegenstorf  1948). 1976 wurde, nach dem Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton an die Stadt Bern, der grösste Teil der Keramiksammlung vom Gewerbemuseum an die spätere Schule für Gestaltung übergeben und dann vom Keramikfachschullehrer Ernst Fehr erstmalig grundlegender inventarisiert (Fehr 2003). Die übrigen Sammlungsteile, unter denen sich auch weitere Keramik befindet, betreut heute die Berner Design-Stiftung.

Seit 1987 bzw. 1990 wird eine kleine Auswahl der Sammlung im Töpferhaus im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg gezeigt. 1995 war ein Sammlungsteil in Schloss Münsingen anlässlich der Sonderausstellung „Heimberger Keramik“ zu sehen. 1999 war ein kleiner Sammlungsteil auf der 4. Schweizerischen Keramikausstellung in Solothurn ausgestellt (Organisation: Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker – ASK).

Die Geschichte der  Keramischen Fachschule  lässt sich mit folgenden Eckdaten beschreiben:

1905 Gründung als eine Fachklasse der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern in der Felsenburg, dafür Einbau eines Brennofens durch Hafnermeister Schmid.
1907 Anstellung von Jakob Herrmanns als Schulleiter
1910 Übernahme der Fachklasse durch das Bernische Gewerbemuseum, zusammen mit der Kunstgewerbeklasse „Praktikum“ des Lehrers Ferdinand Huttenlocher. Die Räumlichkeiten in der Felsenburg werden übernommen.
1916 Ausbau zur Fachschule, Anstellung von des Keramikers Ernst Tschanz aus Heimberg als Werkmeister
1921 Verstaatlichung, Übernahme durch den Kanton Bern als Gewerbliche Bildungsanstalt der Direktion des Innern.
1939 Schliessung der Fachschule im Oktober diesen Jahres, nach dem Tod des Fachlehrers Jakob Hermanns und aufgrund fehlender Finanzen für die technische Modernisierung der Schule.
1941, Mai Wiedereröffnung unter Fachlehrer Benno Geiger und Werkmeister Werner Burri.
1942 Umzug der Keramischen Fachschule von der Felsenburg in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63 in Bern.
1976 Übergang der Keramikfachklasse vom Kanton an die Stadt Bern.

Bibliographie

Jegenstorf 1948
Ausstellung Schweizer Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts im Schloss Jegenstorf/Bern, Mai-August 1948, Basel 1948.

Fehr 2003
Ernst Fehr, Mein Leben als Töpfer und Fachlehrer für Keramik, Toffen 2003.

Fischli/Rotzler 1960
Hans Fischli/Willy Rotzler, Die Keramische Fachschule Bern und ihre Schüler. Kleine keramische technologie, Schülerarbeiten, Arbeiten ehemaliger Schüler: Ausstellung 24. November bis 21. Dezember 1960, Kunstgewerbemuseum Zürich, Zürich 1960.

Geiger 1952
Benno Geiger, Keramische Fachschule Bern 1941 -1951, Bern 1952.

Haller 1930
Hans Haller, 25 Jahre keramische Fachschule Bern, Bern 1930.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Tschabold 1945
Alfred Tschabold, Geschichte des Gewerbemuseums 1869-1944, in: Kantonales Gewerbemuseum Bern, 75 Jahre Kantonales Gewerbemuseum Bern 1869-1944, Bern 1945, 9-51.

Tschabold 1969
Alfred Tschabold, 100 Jahre Gewerbemuseum in Bern. Zeittafel zu seiner Geschichte 1869 bis 1969, Bern 1969.

Bern, Historisches Museum (BHM)

Bernisches Historisches Museum
Helvetiaplatz 5
CH-3005 Bern
Tel.: +41 (0)31 350 77 11
info@bhm.ch

Keramiksammlung des BHM in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das 1894 gegründete Museum besitzt eine der grössten Keramiksammlungen der Schweiz. Die Schwerpunkte liegen im Bereich der bernischen Irdenwaren, die schon in der Gründungszeit des Museums intensiv und im Wettstreit mit dem Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich und anderen Regionalmuseen gesammelt wurden. Hervorzuheben sind die Keramiken der Produktionszentren Albligen, Bäriswil  (vollständig bearbeitet), Blankenburg (Abraham Marti), Heimberg-Steffisburg (inklusive Thuner Majolika) und Langnau (vollständig bearbeitet). Ausserdem befinden sich in der Museumssammlung grössere Bestände an deutschem Steinzeug, Porzellan aus Meissen, Zürich und Nyon sowie ein kleines Spektrum an bernischen und zürcherischen Fayencen (Manufakturen Willading und Frisching; Kilchberg-Schooren). Der Bereich des Steinguts oder asiatischen Porzellans ist unterdurchschnittlich vertreten, obwohl diese Keramikarten von den bernischen Patriziern im 18. und 19. Jahrhundert ebenfalls intensiv genutzt wurden, wie wir aufgrund von archäologischen Funden aus Bern wissen.

Die Keramiksammlungen des BHM sind bislang nur themenzentriert bearbeitet worden, eine Gesamterfassung ist zusammen mit dem Kanton Bern geplant.

Bibliographie:

Zur Sammlungsgeschichte:

Karl Zimmermann, Chronikalische Notizen zur Museumsgeschichte, 100 Jahre Bernisches Historisches Museum 1894-1994, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 1994, 371-466.

Zu den Sammlungsbeständen:

Andreina d’Agliano/Elke Jezler-Hübner/Vera Heuberger, Edles Gedeck. Frühes Meissener Porzellan aus der Sammlung Kocher (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 12 ), Zürich 2003.

Adriano Boschetti-Maradi, Geschirr für Stadt und Land. Berner Töpferei seit dem 16. Jahrhundert (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 19), Bern 2007.

Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Burgdorf, Rittersaalverein (RSB)

Rittersaalverein Burgdorf (früher Schlossmuseum Burgdorf)
Schloss Burgdorf
Postfach 1484
CH-3401 Burgdorf
Tel.: +41 (0)34 423 02 14
museum@schloss-burgdorf.ch

Keramik des Rittersaalvereins in CERAMICA CH

Neueste Literatur zur Keramik des Rittersaalvereins

Andreas Heege 2019

Als Gründungsdatum des Burgdorfer Rittersaalvereins gilt der 4. Juli 1886. Der Rittersaalverein besitzt aufgrund seiner langjährigen aktiven Sammlungsgeschichte der Vereinsgründer, u.a. Dr. Max Fankhauser (1846-1933) und Pfarrer Karl Hermann Kasser (später Gründungsdirektor des Bernischen Historischen Museums),  eine der grössten Keramiksammlungen im Kanton Bern. Sie wurde jedoch bislang nur für die Themen Bäriswil und Langnau wissenschaftlich bearbeitet und ist heute leider weitgehend magaziniert.

Die Sammlung beinhaltet jedoch auch ein grosses Spektrum anderer Keramikarten, wie z.B. Fayence, Steingut, Steinzeug und Porzellan. Über einzelne herausragende Objekte informiert Heege 2019.

Zur Sammlungsgeschichte vgl. Winzenried 1987; Baeriswyl 2013.

Bibliographie:

Baeriswyl 2013
Armand Baeriswyl, Der Rittersaal im Bärenturm – Die Anfänge des Schlossmuseums Burgdorf, in: Mittelalter. Moyen Age. Medioevo. Temp medieval. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins 18, 2013, 116-122.

Heege 2019
Andreas Heege, Ein schöner Anblick – Keramik aus der Sammlung des Rittersaalvereins Burgdorf, in: Burgdorfer Jahrbuch, 2019.

Winzenried 1987
Max Winzenried, 100 Jahre Rittersaalverein – 100 Jahre Schlossmuseum, in: Burgdorfer Jahrbuch 54, 1987, 131-194.

Langnau, Regionalmuseum (RML)

Regionalmuseum Chüechlihus
Bärenplatz
CH-3550 Langnau
Tel.: +41 (0)34 402 18 19
info@regionalmuseum-langnau.ch

Keramik des Regionalmuseums Langnau in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2022

Das Regionalmuseum Chüechlihaus in Langnau präsentiert in seiner Dauerausstellung unterschiedliche Sammlungsschwerpunkte aus der bäuerlichen Welt des Emmentals im 18. und 19. Jahrhundert. Dazu gehört die Land- und Alpwirtschaft mit der Käseproduktion und dem Käsehandel. Weitere Schwerpunkte sind regional gefertigte Glaswaren und die lokale Töpferei, die in Langnau ab dem 17. Jahrhundert nachweisbar ist. Vor allem im 18. Jahrhundert lieferten die Werkstätten der Hafner Herrmann Spitzenprodukte für die bäuerliche Wirtschaftselite. Aber auch die jüngere Töpfereientwicklung bis ins 20. Jahrhundert findet Berücksichtigung. Das Chüechlihaus zeigt im Kanton Bern die umfangreichste Keramikausstellung. Was sich darüberhinaus aus kulturhistorischen und wissenschaftlichen Gründen im Sammlungsmagazin befindet, kann man nun auf CERAMICA CH betrachten.

Die Vorgeschichte des Museums und der Sammlungen reicht bis in die Zeit um den 1. Weltkrieg zurück. 1914/15 gelang es Rudolf Wegeli (1877–1956), dem zwischen 1910 und 1948 sehr aktiv sammelnden Direktor des Bernischen Historischen Museums die bedeutende Sammlung des Langnauer Oberlehrers Emil Aeschlimann gegen ausländische Kaufinteressen für sein Museum zu sichern. Mit Unterstützung des Vereins zur Förderung des Bernischen Historischen Museums wurden für 6000 Franken 155 Keramiken und verschiedene Ofenkacheln angekauft. Zum damaligen Zeitpunkt war dies vermutlich die grösste existierende Privatsammlung mit Langnauer Keramik auf dem Markt.

Emil Aeschlimann (1864–1930), seit 1884 Lehrer in Langnau, sammelte und handelte jedoch nicht nur bernische Keramik, sondern generell auch volkskundliche und historische Objekte aus dem Emmental, die er gerne in einem «emmentalischen Lokalmuseum» untergebracht hätte. Doch fielen seine in den späten 1880er-Jahren im «Emmenthaler-Blatt» veröffentlichten Vorschläge vor Ort nicht auf fruchtbaren Boden (Aeschlimann 1928, 9. Vgl. zu seiner Person den Nachruf im «Emmenthaler Blatt» vom 29.5.1930). Daher musste er die Sammlung in seiner Wohnung im Ilfis-Schulhaus aufbewahren, wo sie unter anderem die rumänische Königin Marie anlässlich eines Staatsbesuches in der Schweiz am 8. Mai 1924 bewunderte (Aeschlimann 1928, Beilage «Die rumänische Königin im Ilfis-Schulhaus»). Zwischen 1897 und 1908 verkaufte Aeschlimann wiederholt auch Keramiken und Ofenkacheln bzw. 1902 einen Langnauer Kachelofen an das Schweizerische Nationalmuseum. Als damals bester Kenner der Langnauer Keramik unternahm er auf Anregung von Direktor Wegeli 1925 eine erste Bearbeitung des Themas, die 1928 gedruckt erschien (Aeschlimann 1928). Diese basierte vor allem auf den ihm bekannten Sammlungen im Bernischen Historischen Museum, im Schweizerischen Nationalmuseum und wohl auch der Privatsammlung von Fritz Pappé-Schweinfurt aus Bern, auf den noch zurückzukommen ist.

Emil Aeschlimanns Wunsch nach einem kulturhistorischen Museum sollte sich erst 1930, im Jahr seines Todes, erfüllen. Der Vorsteher der Sekundarschule Ernst Käser, Dr. Ruchti und Architekt Ernst Mühlemann nahmen 1929 Verhandlungen mit dem damals 65-Jährigen über einen Verkauf seiner Sammlung auf. Das Gründungskomitee eines «Kulturgeschichtlichen Ortsmuseums der Gemeinde Langnau» hatte die Wahl zwischen der ganzen Sammlung im Wert von 40 000 Franken oder aber einer Teilsammlung für 13 000 Franken. Man entschloss sich zu Letzterem. Als Anschauungsmaterial für die Sekundarschule Langnau wurden erworben: 145 kulturhistorische Objekte (u. a. Gebäckmodel aus Ton und Holz), 19 Objekte Beleuchtung, 36 Objekte Langnau-Töpferei und 25 Ofenkacheln, 16 Möbel, 43 Objekte Schmuck und Uhren, 37 Bilder, Schriften, Bibeln, 33 Tabakpfeifen, 17 unterschiedliche Objekte, u. a. vier Keramiken, total 434 Objekte (Maschinenschriftliches Inventar im Besitz des RML).

Im ehemaligen Gemeindezimmer im alten Gemeindehaus (heute Regionalmuseum Chüechlihaus) richtete Emil Aeschlimann noch eine erste Ausstellung ein («Emmenthaler Blatt» Nr. 55 vom 13.5.1930 und Nr. 63 vom 31.5.1930 mit Bericht über die Präsentation der aufgebauten Sammlung und erste Öffnung für die Öffentlichkeit), bevor er am 27. Mai 1930 unerwartet verstarb (Nachruf «Emmenthaler Blatt» vom 29.5.1930 und Bericht über die Beisetzung am 3.6.1930). Nach der Beschreibung im ursprünglichen Inventar ist klar, dass verschiedene angekaufte Keramikobjekte nicht aus Langnauer Produktion stammen. Heute sind im Regionalmuseum in Langnau aus diesem Ankauf noch 13 Geschirrkeramiken sicher belegbar (RML A103, A200, A256, A289, A291, A293, A312, A313, A327, A329, A334 / A339, A335, A349). Der Rest ist sicher auch vorhanden, jedoch mangels einer detaillierten alten Inventarnummernkonkordanz nicht mehr zuweisbar. Was der nicht angekaufte grössere Teil der Sammlung Aeschlimann beinhaltete und wohin er nach dem Tod des Sammlers verkauft wurde, ist unbekannt. Nur das Inventar des Bernischen Historischen Museums verzeichnet für das Jahr 1930 noch Ankäufe von drei Keramiken aus dem Nachlass (BHM H/20823, H/20827, H/20828).

Am 1. Juni 1930 wurde das Museum offiziell eröffnet («Emmenthaler Blatt» vom 16. Juni 1930 bzw. vom 1. Juli 1930) und noch im selben Monat eine Aufsichtskommission für das Ortsmuseum eingesetzt, der Architekt Ernst Mühlemann, Drechslermeister Ernst Moser, Tierarzt Dr. Widmer, Pfarrer Trechsel, der Schulvorsteher Ernst Käser, die Kaufleute Max Sänger und Jakob Lappert und die Keramikmalerin Frieda Lauterburg angehörten («Emmenthaler Blatt» vom 16. Juni 1930 bzw. vom 1. Juli 1930). Einem Aufruf, dem Museum weitere kulturgeschichtlich relevante Objekte oder Spenden zukommen zu lassen, kam vor allem Jakob Lappert im Jahr 1930 selbst nach (RML A026, A038, A045, A276).

Auf der grossen Keramikausstellung in Jegenstorf wurden im Jahr 1948 auch zahlreiche Langnauer Keramik aus dem Musée d’art et d’histoire de Neuchâtel (Staehelin 1948, Kat. 707, 721, 742, 743, 766, 772, 773 und 776), dem Rittersaalverein Burgdorf (Staehelin 1948, Kat. 771), dem Kantonalen Gewerbemuseum Bern (Staehelin 1948, Kat. 718–720, 730, 735, 737, 740, 749, 751, 755, 756, 759, 767 und 775) und der Sammlung Leemann-Geymüller (Arlesheim, Staehelin 1948, 100 Kat. 745, seit 1970 SNM LM-45839) sowie anderen heute unbekannten Privatsammlungen ausgestellt. Nicht alles, was damals von dem kenntnisreichen Berner Antiquitätenhändler Walther A. Staehelin unter dem Stichwort «Langnau» präsentiert wurde, würden wir heute ebenfalls so zuordnen. So war es damals offenbar z. B. nicht möglich, die Produkte der Hafnerei Vögeli aus Burgdorf auszugliedern (vgl. dazu: Heege 2015) oder Datierungsfälschungen zu erkennen (Z. B. Staehelin 1948, Kat. 707 (MAHN AA-1170).

Es scheint, dass erst die Vorbereitungsarbeiten zur Ausstellung in Jegenstorf erneut auch Schwung in das Museum in Langnau brachten. Das «Emmenthaler Blatt» vom 7. Juni 1948 kündigte eine «Ausstellung von Alt-Langnau-Töpferei» für die Monate August und September 1948 an und bat um Leihgaben. Die Ausstellung wurde schliesslich schon Mitte Juli 1948 vor allem mit Leihgaben des bernischen Sammlers Fritz Pappé-Schweinfurth (1876–1959) eröffnet und bis zum Ausstellungsende von über 1600 Gästen besucht («Emmenthaler Blatt» vom 19.7. und 3.9.1948).

Fritz Pappé-Schweinfurth (1876‒1959) führte zusammen mit seinem Bruder Franz ein Piano- und Antiquitätengeschäft an der Kramgasse 54 in Bern (Informationen zur Person: Der Bund, 97, Nr. 297, 29.6.1946; Der Bund 110, Nr. 397, 17.9.1959; Nachruf Nr. 401, 21.9.1959). Er muss eine eher verschwiegene Sammlerpersönlichkeit gewesen sein, denn es liessen sich über ihn, seine Tätigkeit als Händler und seine Sammlung keine weitergehenden Informationen finden. Seine Sammlertätigkeit muss bereits sehr früh begonnen haben, denn bereits 1907 schenkte er zum ersten und einzigen Mal eine rotengobierte Bäriswiler Schüssel an das Bernische Historische Museum (BHM H/6110).

Der Erfolg der Ausstellung in Langnau, zusammen mit einem altersbedingten Verkaufsangebot von Fritz Pappé, bewogen Jakob Lappert im Oktober 1948 zu einem Aufruf im «Emmenthaler Blatt», bei dem er für einen Ankauf der Sammlung warb. In Langnau war die öffentliche Meinung offenbar geteilt, doch gab eine glückliche Unterstützungszusage von Fabrikant Nyffeler aus Kirchberg letztlich den Ausschlag (zur Erwerbungsgeschichte: Zbinden/Pfister 1977, 19–20). Laut einer im Regionalmuseum Langnau existierenden Inventarliste wurden im Februar 1949 239 keramische Objekte für den Preis von 30.000 Franken angekauft (Emmenthaler Blatt vom 14.2.1949). Der vollständige Empfang der Sammlung wurde am 4. August 1949 von Jakob Lappert als Mitglied der Museumskommission bestätigt. 220 Objekte wurden direkt inventarisiert und sind heute eindeutig nachweisbar, während eine Nachlieferung von zwanzig Stücken, meist Deckeln, nicht inventarisiert wurde und daher heute aus den Sammlungsbeständen nicht mehr eindeutig ausgegliedert werden kann.

Terrine / «Hochzeitsschüssel» Schweiz, Kanton Bern Langnau, Werkstatt 3, Hand 6 (Daniel Herrmann II), um 1800-1801.

Zu den herausragenden Stücken der Sammlung Pappé gehörte auch eine Langnauer «Hochzeitsschüssel», die dieser 1917 anlässlich der Versteigerung des Nachlasses aus Schloss Schadau bei Thun (Besitz de Rougemont) erworben hatte (Aeschlimann 1928, Umschlagbild; Staehelin 1950, 11. Auktionskatalog «Antiquitäten und Kunstsachen aus Schloss Schadau bei Thun», Versteigerung durch Hans Thierstein, ab dem 11.10.1917 im Saal des Hotel Emmental, zitiert nach Staehelin 1949, 13. Der Auktionskatalog ist in der Schweizerischen Nationalbibliothek vorhanden, Signatur: Nq 16600/1). Auch im Nachhinein muss die Entscheidung der Gemeinde für den Ankauf immer noch als ausgesprochen glücklich bezeichnet werden. Nach diesem Zeitpunkt ergab sich für keines der schweizerischen Museen mehr die Gelegenheit, eine Sammlung mit einem solchen Umfang und einer vergleichbaren Qualität zu erwerben.

Jakob Lappert war offenbar ein begeisterter Langnau-Sammler und zugleich aktiver Förderer des Regionalmuseums, denn nach seinem Tod gelangten 1956 26 weitere Langnauer Keramiken in den Museumsbestand (zum Langnauer Museum und der Keramiksammlung vgl. auch: Moser 1958).

In den folgenden Jahren wuchs die Sammlung vor allem durch Schenkungen und wenige gezielte Ankäufe, wobei vor allem auch Objekte anderer Langnauer Keramiker gesammelt wurden. Im Sommer 2022 umfasst das in CERAMICA CH fast vollständig erfasste Inventar 814 Datensätze. Dabei handelt es sich um 705 Einträge für Irdenware, 38 für Fayence, 27 für Steingut, 14 für Steinzeug, 10 für Porzellan und 20 für Gips (Model). Mit dieser Anzahl gehört die Sammlung im Regionalmuseum zu den grossen und kulturhistorisch bedeutsamen Sammlungen des Kantons Bern. Die grosse Keramikmenge macht im Folgenden eine detaillierte und intensive Besprechung der jeweiligen Keramikgruppen unmöglich. Daher werden Schwerpunkte gesetzt.

 

Langnauer Teller Schweiz, Kanton Bern, Langnau, Werkstatt 1, Hand 4 (Christen Herrmann), 1737.

Bei den Irdenwaren dominieren aufgrund der örtlichen Sammlungsstrategie die Produkte aus Langnau mit 554 Datensätzen.  Darunter befinden sich 238 Keramiken aus dem Zeitraum von ca. 1720 bis 1884 (Langnau Werkstatt 1 bis 6), die den Hafnermeistern der Familie Herrmann (vgl. Genealogietabelle) zugeschrieben werden können, deren letzter Vertreter 1916 verstarb, aber die Hafnerei bereits 1910 aufgegeben hatte (Johann Herrmann, 1870-1916).

Die lokale Langnauer Produktion wurde jedoch von verschiedenen anderen Hafnereien weitergeführt (vgl. Hafnertabelle), von denen einige mit unterschiedlichen Keramikmengen ebenfalls in der Sammlung vertreten sind.

Malhörnchen aus der Hafnerei Röthlisberger.

Hierzu gehört u.a. die Hafnerei Röthlisberger in der Langnauer Oberstrasse 66, die von 1894 bis 1953 existierte. Unter den 40 Objekten im Museumsinventar befinden sich vor allem verschiedene Gipsformen für Spielzeugtiere und Gerätschaften, die bei der Werkstattauflösung 1953 ins Regionalmuseum gelangten.

 

Gipsmodel aus der Töpferei Röthlisberger für einen Spielzeug-Dragoner aus Keramik, 1. Hälfte 20. Jh. (modernere Ausformungen).

Auch ein ungewöhnlicher Zündholzhalter/Aschenbecher aus dem Jahr 1894 kann der Hafnerei Röthlisberger zugewiesen werden.

Teller von Johannes Röthlisberger (1876-1942) nach Entwürfen von Paul Wyss.

Paul Wyss, der bernische Kunstgewerbelehrer fertigte in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg für die Hafnerei Röthlisberger auch Entwürfe für Keramikdekore.

Bei jüngere Keramiken der Töpferei handelt es sich meist um sehr einfaches, ungemarktes Gebrauchsgeschirr.

Auch eine Zusammenarbeit von Paul Wyss mit der Langnauer Keramikmalerin Frieda Lauterburg (1877-1943) lässt sich belegen.

Keramik von Frieda Lauterburg mit Szenen aus dem Kinderumzug des Langnauer Schützenfests von 1906, nach Entwürfen von Paul Wyss.

Zu welchem Zeitpunkt Frieda Lauterburg in Langnau Keramik und Kachelöfen bemalte (ab ca. 1907?) und wie lange ihre keramische Tätigkeit andauerte, ist unbekannt. Auch lässt sich nicht sicher belegen, welche Hafnereien für sie die Keramik brannten.

Das Regionalmuseum in Langnau besitzt mit 21 Keramiken heute den grössten Bestand an Lauterburg Keramiken in der Schweiz.

Dose mit Metallbeschlag für das Emmentalische Landesschiessen 1922, Werkstatt Adolf Gerber. Entwurf des Medaillons (zugleich Festplakat) Paul Wyss.

Von grosser Bedeutung war in Langnau die Hafnerei von Adolf Gerber (1879-1951). Dieser führte von 1911 bis 1948 einen Betrieb in Langnau an der Güterstrasse 3.

Zwei Terrinen und ein Teller von Adolf Gerber mit Dekor «Alt-Langnau».

Zusammen mit Paul Wyss und einigen anderen Personen (u.a. Pfarrer Müller aus Langnau)gilt Adolf Gerber als «Neubegründer» der Langnauer Töpferei (Aeschlimann 1928, 17-18). In diesem Zusammenhang entstand in seiner Werkstatt das Muster «Alt-Langnau». Aus seiner Werkstatt besitzt das Regionalmuseum 75 Keramiken und zahlreiche Entwürfe und Skizzen aus dem Werkstattnachlass.

«Alt-Langnau»-Entwürfe von Hans-Rudolf Wittwer (1895-1989), später Beringen SH.

Weitere Entwürfe stammen von dem Keramikdesigner Hans-Rudolf Wittwer (1895‒1989), der von 1930-1939 auch für die Werkstatt Gerber arbeitete.

Vorratsdosen, signiert von Anna Müller, gefertigt in der Werkstatt Gerber?

In der Werkstatt Gerber arbeitete vermutlich zeitweise auch die Keramikerin Anna Müller aus Grosshöchstetten. Von Ihr befindet sich ein signiertes Vorratsdosenset in der Sammlung des Regionalmuseums. Dazu gibt es ausserdem die Entwurfszeichnung aus dem Werkstattbestand.

Adolf Gerbers späterer Schwiegersohn Jakob Stucki (1920-1982) trat 1945 in die Werkstatt ein und übernahm diese 1948 zusammen mit seiner Frau Erika Stucki-Gerber. Von ihm besitzt das Regionalmuseum insgesamt 85 Keramiken und Figuren.

In seiner Frühzeit orientierte Jakob Stucki sich eher an der schwarzgrundigen Keramik Heimberger Art und schuf romantisierend-niedliche Dekore. Später pflegte seine Werkstatt jedoch auch einen eher strengen Dekor „Alt-Langnau“, der eines der wirtschaftlichen Standbeine der Werkstatt war.  Jakob Stucki war aufgrund seiner ab den 1950er-Jahren ebenfalls hergestellten Töpferplastiken im 20. Jahrhundert sicher der bedeutendste Keramiker in Langnau und im Emmental.

Nachfolger von Jakob Stucki an der Güterstrasse 3 in Langnau wurde Bernhard Stämpfli (1960- ), von dem wir vor allem Keramiken im Stil «Alt-Langnau» kennen. Für die Ausstellung im Regionalmuseum fertigte er 1983 auch Repliken an, die die Herstellung erläutern. Seine Marke ist «BS».

Neben den Irdenwareproduzenten etablierte sich in Langnau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die «Geschirrhalle Herrmann», ein Haushaltswarengeschäft mit einer grossen Keramik- und Porzellanabteilung, die auch Dekorationsaufträge annahm und eigene Marken (Helapo, Geschirrhalle Langnau) führte. Einige wenige Objekte der Geschirrhalle verwahrt auch das Regionalmuseum.

Betrachten wir die Keramiken aus dem weiteren Umfeld von Langnau, dann muss an dieser Stelle unbedingt auf die seltene Keramik von Adolf Gerber (1859-1919) aus Hasle verwiesen werden. Adolf gründete die Töpferei in der Tschamerie bei Hasle BE zu einem unbekannten Zeitpunkt in den 1880er-Jahren. Seine beiden Söhne Johann Friedrich (1881-1935) und Adolf jun. (1879-1951) arbeiteten zeitweise in der Töpferei mit.

 

Zeugnis für diese Zusammenarbeit ist ein Teller aus der Zeit vor 1909.

Sein Schwiegersohn Franz Aebi (1894-1974) führte die Töpferei ab 1919 weiter.

Teller von Franz Aebi, datiert 1919.

Auch von ihm gibt es ein signiertes und datiertes Stück in der Sammlung des Regionalmuseums. Und auch aus seiner Spätzeit liegt wenig Geschirr vor.

Im Zusammenhang mit den Hafnern Gerber und Aebi ist auch auf die Töpferei Kohler in Schüpbach zu verweisen, denn Adolf Gerber, jun. heiratete am 11. Mai 1904 die Hafnertochter Marie Kohler (1882-1935) aus Schüpbach.

  

Keramik aus der Werkstatt Gerber & Kohler, Schüpbach 1909-1911. Die Motive gehen auf Vorlagen des bernischen Kunstgewerbelehrers Paul Wyss zurück.

1909 übernahm Adolf Gerber mit seinem Schwager Oswald Kohler (1886–1955) die 1869 gegründete Werkstatt des Schwiegervaters Niklaus Kohler (1843–1927) in Schüpbach (Hafnerei Gerber & Kohler). Die Werkstattgemeinschaft dauerte jedoch nur bis 1911, dann liess sich Adolf Gerber in Langnau nieder.  Aus der Hafnerei Kohler besitzt das Regionalmuseum nur einige wenige weitere Keramiken.

Keramik von Friedrich Aegerter (1906–1969), Bärau bei Langnau.

Eine weitere Hafnerfamilie aus Langnau und Bärau bei Langnau trägt den Namen Aegerter (Heege/Kistler 2017b, 153-154, 188-189, 195-196). Aufgrund von Signaturen können nur wenige Stücke zugeordnet werden, die sich an den Dekoren der führenden Werkstatt Gerber/Stucki orientieren.

Im Bereich er bernischen Irdenwaren sind weitere Herstellungszentren zu nennen, die jedoch oft nur mit wenigen charakteristischen Stücken belegt sind.

 

Hierzu gehört auch eine schöne, 1760 datierte Schüssel mit Ausguss und Engelkopfgriffen, die einen typischen Ritz- und Springfederdekor trägt, der der Hafnerei Schläfli in Albligen BE an der Grenze zum Kanton Fribourg zugeordnet wird.

Keramik aus Bäriswil BE ist ebenfalls mit zwei Stücken vertreten. Dabei handelt es sich um sehr typisches Tintengeschirr von 1794 und eine kleine spritzdekorierte Terrine mit charakteristischem Grifflappen und für Bäriswil üblicher Zuordnungszahl auf der Bodenunterseite.

Eine ungewöhnlich grosse Schüssel von 1797 zeigt im Inneren den charakteristischen Bäriswiler Bären mit gelbem Halskragen umgeben von Bäriswiler Rocaillen und Blumen. Im Gegensatz zum üblichen Bäriswiler Geschirr ist der Dekor jedoch geritzt und nicht gemalt. Die Schüssel gehört zu einer Gruppe von derzeit etwas über 20 bekannten Objekten, die in der Bäriswil-Publikation scherzhaft als „Bärisnau oder Langwil“ charakterisiert wurde (Heege/Kistler/Thut 2011, 177-184), da sich in ihr Bäriswiler Motive und Langnauer Technik mischen. Der Produktionsort dieser Keramik ist unbekannt.

Ebenfalls Bäriswiler Anklänge zeigt eine weitere Keramikgruppe, die jedoch im Gegensatz zur vorhergehenden weniger homogen gestaltet ist. Sie wird daher derzeit in Unkenntnis der Produktionsorte mit dem Hilfsbegriff „Bäriswil, Region“ eingestuft. Diese Gruppe ist bisher wissenschaftlich nicht intensiver bearbeitet worden.  Soweit datierte Stücke vorliegen, stammen sie immer aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Es handelt sich um Teller, Platten, Schüsseln, Rasierbecken und Butterfässer.

Ins Bernbiet gehören wohl auch zwei Teekannen, für die sich der Produktionsort bislang nicht eindeutig bestimmen liess (vgl. Heege 2021).

Nidlenapf, datiert 1804, umlaufender (in Langnau unbekannter) Spruch: will ich mitt dir zufriden bin, so nim das näpfli willig hin, Ich du [tue] dir das zum trinckgält gäben, du solst alle Zeit woll läben.

Aus der Region Heimberg-Steffisburg, die im 19. Jahrhunderts die grösste Töpfereidichte in der Deutschschweiz aufweist, besitzt das Regionalmuseum zahlreiche Stücke. Hierbei handelt es sich jedoch kaum um die „klassische“ Keramik „Heimberger Art“ mit schwarzer Grundengobe, sondern mehrheitliche um Objekte mit weisser Grundengobe, die von früheren Sammlern fälschlicherweise als „Langnau“ klassifiziert worden waren. Hierzu gehört auch ein 1804 datierter Nidlenapf auf Pokalfuss. Diese eigentlich für Langnau charakteristische Gefässform entspricht in Dekor und Schriftbild aber in keinster Weise den zahlreichen Langnauer Vergleichsbeispielen.

Keramik Heimberger Art mit weisser Grundengobe, ca. 1820/1830.

Rasierbecken Heimberger Art, einmal ungewöhnlich früh 1813 datiert.

Kaffeekanne und Milchtopf Heimberger Art, um oder kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aus dem floralen Dekor des Milchtopfes entwickelt sich in Heimberg schliesslich das Chrutmuster/Muster Alt-Thun der Thuner Majolika.

Teller mit Abtropfsieb, die man für das Backen und Abtropfen von „Chüechli“ verwendet, sind eine Langnauer Spezialität und kommen nur sehr selten auch als Keramik Heimberger Art vor. Der Malhorndekor entspricht gut Heimberger Gepflogenheiten, jedoch ist der Boden abgedreht, was für Keramik Heimberger Art eher untypisch ist. Haben wir hier also ein spätes Langnauer Produkt vor uns (vgl. zu diesem Thema Heege/Kistler 2017b, 169-178) oder eine Keramik, die von einem Heimberger Gesellen bemalt wurde?

Eine weitere Gruppe, die erst 2017 als Bestandteil der Heimberger Keramik erkannt wurde, ist die sog. Keramik mit Perldekor (Heege/Kistler 2017a, 457-469), die sich im Kontext der Keramik „Heimberg Art“ ab 1816 verfolgen lässt. Da auch dieser Dekor früher als „Langnau“ eingeordnet wurde, besitzt das Regionalmuseum eine wichtige Gruppe dieser Ware.

Dazu gehört auch ein Zwiebeltopf, der aufgrund seiner kräftig gelben Glasurfarbe und der dunkelbraunen Akzentuierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Auch zwei aufwändig verzierte Spardosen tragen diesen Dekor. Eine ist erfreulicherweise 1859 datiert, als Beleg, dass die Dekortechnik noch gut in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hineinläuft.

Die Museumssammlung umfasst sechs weitere, sehr schön gestaltete Spardosen, bei denen nur vermutet werden kann, dass sie ebenfalls zur Keramik „Heimberger Art“ gehören und im zweiten und dritten Viertel des 19. Jahrhunderts entstanden.

Kaffeekanne, ungemarkt, im Stil der Thuner Majolika.

Thuner Majolika“ ist fast ausschliesslich in Form des Chrustmusters/Muster Alt-Thun vorhanden. Diese Muster wurde auf Heimberg-Steffisburger Wurzel entwickelt und dann lange über die Thuner Majolika hinaus bis in die 1970er-Jahre von allen Hafnereien der Region Heimberg-Steffisburg produziert.

Zwei Dosen mit Chrutmuster, um 1940-1950: Hafnerei Rudolf Schenk-Künzi und Hafnerei André-Bohnert.

Es wundert daher nicht, wenn auch relativ junge Stücke mit diesem Dekor in die Langnauer Sammlung gelangten.

Figuren von Cäsar Adolf Schmalz.

Als letztes ist für die Töpfereiregion Heimberg-Steffisburg noch auf drei signierte Figuren von Cäsar Adolf Schmalz (1887-1966) hinzuweisen, die das Museum als Geschenk erhielt. Darunter befinden sich zwei Bildnisse von Schultheiss Niklaus Friedrich von Steiger bei der Schlacht am Grauholz, Elsi, die seltsame Magd (Marti/Straubhaar 2017, 221 (zur Geschichte der Magd) und der bedeutende Alpendoktor Michael Schüppach (vgl. auch HMO 8342, BHzD 482 und Marti/Straubhaar 2017, 109–111).

Unter den wenigen nichtschweizerischen Irdenwaren sei abschliessend nur auf drei Objekte etwas näher eingegangen.

Huzulische Kanne aus der Ukraine.

Mit der Sammlung von Fritz Pappé-Schweinfurth gelangte 1948 eine ungewöhnliche Kanne ins Regionalmuseum, wohl weil der Sammler dies Stück fälschlicherweise für ein Langnauer Produkt hielt. Es handelt sich jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische (huzulische) Keramik der Zeit um 1900-1930 aus einer Hafnerei in Kuty, Pistyn oder Kosiv (Ukraine, Film; vgl. Ivashkiv 2007; Ivashkiv/Lozynskyi 2012; Tucholska/Kostuch 2008).

Bayerische Wöchnerinnenschüssel aus dem 19. Jahrhundert.

Eine grün glasierte, hellscherbige Terrine oder Wöchnerinnenschüssel steht auf drei Füsschen und hat einen abnehmbaren Deckel mit drei Füsschen, der als Teller dienen kann. Die Aussenseite trägt zahlreiche gemodelte Reliefauflagen. Der hellscherbig gebrannte Ton spricht gegen eine Produktion in der Deutschschweiz, obwohl auflagenverzierte und grün glasierte Keramik aus der Ostschweiz häufiger vorliegt. Ähnliche Füsschen dieser Ware gibt es als archäologische Funde aus Bendern im Fürstentum Liechtenstein (Heege 2016, 162-168). Dort werden sie mit einer auch in Graubünden verbreiteten süddeutschen (bayerischen?) Keramikgruppe des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, zu der es Parallelen im östlichen Baden-Württemberg und Bayern gibt. Jedoch sind die oder der Produktionsort unbekannt. Eine nahezu exakte Parallele verwahrt das Fricktaler Museum in Rheinfelden (Inv. ###).

Terrine aus dem bayerischen Kröning?

Ebenfalls aus dem bayerischen Raum, genauer der Region Kröning, dürfte eine extrem sorgfältig gearbeitete und glasierte Terrine mit doppelter, aussen durchbrochener Wandung stammen. Sie weist zwei tordierte, fixierte Ringgriffe und einen birnenförmigen Fruchtgriff für den Deckel auf.  Das Museum erhielt die Terrine aus einer Sammlung in Zürich-Wollishofen geschenkt, die Herkunft ist unklar. Die vorliegende Art des Durchbruchdekors wurde vor allem im Kröning in Niederbayern gepflegt (Grasmann 1978, 123-124, 131-132; Bauer 1976, 165-169; Grasmann 1984; Grasmann 2010, 263-265). Leider gibt es von dort bislang kein exaktes Vergleichsbeispiel.

Fayence aus Ostfrankreich.

In der Museumssammlung der Fayencen gibt es eine grosse Anzahl typischer Stücke aus der Schweiz (Kilchberg-Schooren) aber auch Fayencen aus dem französischen Ausland.

Teller mit fassoniertem Rand, Fayence und Irdenware, aus der Werkstatt von Daniel I Herrmann in Langnau.

Eine grosse Überraschung war der unbemalte Fayenceteller mit fassoniertem Rand aus der Langnauer Werkstatt 3 von Daniel I Herrmann (1738-1798). Form und Abmessungen sind identisch mit dem ältesten, 1787 datierten Irdenwareteller mit fassoniertem Rand dieser Werkstatt. Daniel I und Daniel II Herrmann fertigten die Irdenware-Variante (Langnau TLR 6c)  bis 1801, wobei ein Schwerpunkt in den Jahren 1790 bis 1794 zu erkennen ist (Heege/Kistler 2017b, 689-691). Formal zeigt der Teller Anklänge an die älteren bernischen Fayenceteller der Manufakturen Willading bzw. Frisching (Ducret 2012, Abb. 3;  Ducret 2015, Abb. 1), jedoch wirkt er gröber und dickrandiger und die Masse stimmen nicht überein. Der vorliegende Teller ist neben einer schon länger bekannten Rokoko-Terrine (Heege/Kistler 2017b, 742, Abb. 869; BHM H/06929) damit der zweite Beleg, dass in der Werkstatt am Langnauer Höheweg 1 gelegentlich auch unverziertes Rokoko-Fayencegeschirr gefertigt wurde. Leider handelt es sich bei dem Stück um einen Altbestand des Museums, bei dem die genaue Herkunft unklar ist.

Terrine in Entenform, Herstellungsland und -ort?

Zum Altbestand gehört auch eine Terrine in Form einer weiblichen Ente, deren möglicher Produktionsort Anlass zu umfangreichen Diskussionen gegeben hat (herzlichen Dank an Pierre-Yves Tribolet und die Association pour l’étude de la céramique). Eine Herkunft aus Deutschland wird ausgeschlossen. Für Frankreich ergibt ein Vergleich mit Marseille und Varages keine Übereinstimmungen, aber eine nahezu identische Form ist für St. Omer überliefert. Abschliessend brachten Jacques Bourgueil und Alexius Feit die Hypothese ins Spiel, es könne sich um eine Ente aus der königlichen Fabrik von Louça à Largo do Rato in Portugal handeln. Diese Fabrik war zwischen 1767 und 1835 aktiv (Alexandre Nobre Pais et al, Real Fábrica de Louça, ao Rato, Catálogo de exposição realizada, Museu Nacional do Azulejo, Lisboa 2003).

Daneben gibt es einige wenige Fayencen aus Frankreich und einen Birnbauchkrug aus Deutschland (Nürnberg oder Ansbach?).

Terrine aus der Manufaktur von Johann Jakob Nägeli, um 1840-1845.

Mit 24 Datensätzen ist schweizerische Fayence der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Kilchberg-Schooren ZH umfangreicher vertreten. Dazu gehören die üblichen Teller (oft mit Schuppenrand), Teekannen,  Dosen, Rasierbecken und Terrinen. Eine der Terrinen aus der Manufaktur von Johann Jakob Nägeli trägt ungewöhnlicherweise keine Bemalung.

    

Nidlenäpfe aus Kilchberg-Schooren, um 1830/40, mit berndeutschen Sprüchen. Oben: Mir Lüt ufem Land, si so lustig u: froh, Mir führe es Leben, s’chönt besser nit goh. Unten: Ne Chuss in Ehre, wer wills verwehre?

Bislang ungewöhnlich sind jedoch zwei grosse Nidlenäpfe auf hohem Pokalfuss,  zu der sich im bekannten Geschirrspektrum der Region Kilchberg-Schooren keine exakten Parallelen finden. Auch abweichend gestaltete Nidlenäpfe aus Fayence sind extrem selten. Für das Emmental sind Nidlenäpfe eine normale Gefässform. Beide Stücke können eigentlich nur eine Auftragsarbeit nach einer Vorzeichnung sein. Hierzu passen auch die schweizerdeutschen Sprüche (bzw. Liedzeilen) der Näpfe, denn in Kilchberg-Schooren schrieb man sonst regelhaft in Hochdeutsch. Der Spruch des oberen Napfes stammt aus dem Lied „Mi Lüt uf em Land“, 1820 von Alois Franz Peter Glutz von Blotzheim, (1789-1827), veröffentlicht in seinen «Alpenliedern».

Aus dem 20. Jahrhundert, wo verschiedene Hersteller in der Deutschschweiz neben Irdenware auch Fayence produzierten, sind Reste eines Kaffeegeschirrs von Adolf Schweizer aus Steffisburg erhalten.

 

Steingut-Terrine aus Carouge.

Die Zusammensetzung des Steinguts in der Museumssammlung zeigt keine Überraschungen oder Besonderheiten. Vertreten sind wenige Produkte aus der Schweiz, dagegen gibt es zahlreiche Stücke aus Deutschland sowie einige aus Frankreich, Italien, England und den Niederlanden. Eine schön geformte Terrine stammt aus der Produktion von Charles Degrange & Cie, Carouge, um 1885-1903. Eine ungemarkte Teekanne mit Blumendekoren und schabloniertem Spruch dürfte wohl in Kilchberg-Schooren entstanden sein.

Eine Schüssel mit charakteristischen Schablonendekor, der mit der Spritzpistole aufgebracht wurde, wurde in der Steingutfabrik Moehlin bei Rheinfelden zwischen 1930 und 1950 gefertigt.

Gemarktes Steingut aus Zell am Harmersbach.

Aus Deutschland sind Produkte aus Mettlach und Wallerfangen, Zell, Schramberg und Wächtersbach vorhanden, wobei die üblichen Geschirre mit Umdruckdekor dominieren. Von Zell am Harmersbach sind eine vollständige Veilleuse sowie eine unverzierte Terrine hervorzuheben.

Aus Schramberg ist auf einen Teller mit zweifarbigem Umdruck zu verweisen. Der Spiegeldekor bietet eine Ansicht von Como.

Ein bemalter Teller von Villeroy & Boch aus Wallerfangen belegt, dass einfache Blumendekore nicht nur in Zell am Harmersbach, Schramberg, Schaffhausen, Kilchberg-Schooren und Norditalien gefertigt wurden, sondern auch in Deutschland. Sie entsprachen offenbar dem Geschmack eines breiten Publikums.

Steingut mit der vorliegenden Marke ist in schweizerischen Museen bisher eher selten. Dier Marke „Wappen von Savoyen“ konnte bisher keinem Hersteller in Norditalien zugeordnet werden. Nur für die Fratelli Vitali der Ceramica Lodigiana in Lodi lässt sich bislang ansonsten die Verwendung des Wappens von Savoyen als Teil ihre Marke nachweisen.

Aus Frankreich stammen drei Teller mit schwarzem Umdruckdekor. Sie wurden in Montereau, Manufaktur Louis Lebeuf & Thibaut, um 1834-1840 gefertigt und präsentieren im Spiegel historische Gestalten: Oliver Cromwell, den Herzog von Guise und Jeanne d’Arc.

Gradezu „exotisch“ muten eine Tasse mit kupferfarbener Lüsterglasur und Aufglasurbemalung an. Sie dürften aus englischer Produktion stammen.

Das Steinzeuginventar des Museums ist unspektakulär und leider fehlen für quasi alle Objekte Herkunftsangaben, sodass nicht einmal klar ist, ob die Stücke aus dem Gebrauch im Emmental stammen.

 

Hervorzuheben sind drei Essigfässchen, die in Oberbetschdorf im Elsass gefertigt worden sein dürften (Heege 2016, 300-309). Diese Fässchenart war besonders in der Schweiz und im angrenzenden süddeutschen Raum beliebt, wo sie normalerweise auf dem Kachelofen standen, wie Bilder des bernischen Malers Albert Anker belegen (Heege 2010).

Porzellan hat an der Sammlung des Museums nur einen geringen unbedeutenden Anteil, sieht man von den dekorierten Porzellanen der Geschirrhalle Herrmann in Langnau ab.

Als Geschenk gelangte erst 2015 eine Langenthaler Tassenserie aus der Zeit 1969/70 ins Museum, die auf der Bodenunterseite der Tassen goldene Aufglasur-Druckmarken trägt: „La Suisse au service de l’étranger,  Bibliothèque nationale, Collection Pochon, Peint à la main“.  Adolf Pochon (1869–1931) war Goldschmied, Kopist und Sammler von grafischen Darstellungen schweizerischer Militäruniformen. Nach seinem Tod kam die einzigartige Sammlung in die Schweizerische Nationalbibliothek.

Den Abschluss mag ein zwischen etwa 1965 und 1980 in Sevelen SG im Porzellan-Atelier von Heinz Ottlinger verzierter Teller bilden, der das Regionalmuseum Chüechlihaus in Langnau zeigt.

Bibliographie: 

Aeschlimann 1928
Emil Aeschlimann, Alt-Langnau-Töpferei. Ein Beitrag zur Volkskunde. Beilage: Die rumänische Königin im Ilfis-Schulhaus, 8. Mai 1924, Bern 1928.

Bauer 1976
Ingolf Bauer, Hafnergeschirr aus Altbayern (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums München 15,1), München 1976.

Ducret 2012
Peter Ducret, Schweizerische Fayencen des 18. Jahrhunderts in Scharffeuerfarben bemalt, in: Keramikfreunde der Schweiz Mitteilungsblatt Nr. 125, 2012, 42-50.

Ducret 2015
Peter Ducret, Neues aus Bern, in: Keramikfreunde der Schweiz Mitteilungsblatt Nr. 129, 2015, 41-45.

Grasmann 1978
Lambert Grasmann, Kröninger Hafnerei (Niederbayern – Land und Leute 1), Regensburg 1978.

Grasmann 1984
Lambert Grasmann, Keramische Raritäten aus dem Kröning (Der Storchenturm, Geschichtsblätter für die Landkreise um Dingolfing, Landau und Vilsbiburg, Sonderheft 6), Dingolfing 1984.

Grasmann 2010
Lambert Grasmann, Die Hafner auf dem Kröning und an der Bina, Straubing 2010.

Heege 2010
Andreas Heege, Muestopf und Kaffeekanne. Ein Beitrag zur materiellen Kultur bei Albert Anker, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 72, 2010, 65-78.

Heege 2015
Andreas Heege, Die Hafnereien Vögeli in der Burgdorfer Unterstadt, in: Burgdorfer Jahrbuch 83, 2015, 41-68.

Heege 2016
Andreas Heege, Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2: Geschirrkeramik 12. bis 20. Jahrhundert, Vaduz 2016.

Heege 2021
Andreas Heege, Scherben aus Schloss Blankenburg. Bernische Irdenware mit blauem Grund aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, in: Revue, Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz 135, 2021, 39-52.

Heege/Kistler 2017a
Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017.

Heege/Kistler 2017b
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Ivashkiv2007
Ivashkiv, Halyna, Decor of the Ukrainian folk ceramics. Lviv. 2007.

Ivashkiv/Lozynskyi 2012
Ivashkiv, Halyna, Lozynskyi, T., Hand-drawn ceramics of Kosiv and Pistyn of  XIX – early XX centuries. Lviv: Institute of Collecting of Ukrainian artistic monuments in Shevchenko scientific society. 2012.

Moser 1958
Andreas Moser, Aus dem Museum in Langnau, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 20, 1958, 14-19.

Staehelin 1948
Walter A. Staehelin, Ausstellung Schweizerische Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts. Schloß Jegenstorf, Jegenstorf 1948.

Staehelin 1949
Walter A. Staehelin, Unbekannte Öfen aus der Frischingschen Fayencemanufaktur bei Bern, in: Keramikfreunde der Schweiz,  Mitteilungsblatt 14, 1949, 12-14.

Staehelin 1950
Walter A. Staehelin, Eine Langnauer Hochzeitsschüssel von Meister Daniel Herrmann, in: Freunde der schweizerischen Keramik, Mitteilungsblatt 16, 1950, 11-12.

Tucholska/Kostuch 2008
Krystyna Tucholska, Bożena Kostuch, Huculszczyzna, ceramika pokucka w kolekcji Muzeum Narodowego w Krakowie = The Hutsul region : ceramics from Pokuttya in the Collection of the National Museum in Cracow, Kraków 2008

Zbinden/Pfister 1977
Rudolf Zbinden/Max Pfister, Langnau i. E., Bd. 89, Bern 1977.

Saanen, Museum der Landschaft (MSaan)

Museum der Landschaft Saanen
Dorfstr. 62a
CH-3792 Saanen
Tel.: +41 (0)33 744 79 88
info@museum-saanen.ch

Keramik des  Museums der Landschaft Saanen in der Bilddatenbank CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Im Jahr 1987 wurde der «Museumsverein der Landschaft Saanen» auf Initiative von Hans und Steffi Berchten, gegründet. Diese boten an, ihre Sammlung an künstlerischem und landwirtschaftlichem Kulturgut dieser Institution als Vermächtnis zu überlassen. Unter Leitung des ersten Vereinspräsidenten Wilfried Raaflaub, wurde ein Museum geplant und eine erste Dauerausstellung konzipiert. Die Eröffnung des Museums fand am 29. Mai 1999 statt.

Mit einer permanenten Ausstellung zum Saaner-Brauchtum und mit regelmässig ändernden Wechselausstellungen wird Einheimischen und Gästen Gelegenheit geboten, Früheres und Aktuelles aus der Region in gediegenem Rahmen kennen zu lernen.

Die Keramiksammlung des Museums ist mit einer Ausnahme bislang nicht aufgearbeitet und dokumentiert worden. Sie umfasst etwa 100 Objekte, bei denen es sich meist um Keramik bernischer Töpferorte (Langnau, Region Heimberg-Steffisburg, Thuner Majolika) handelt. Kochgeschirr aus dem Kanton Jura (Region Bonfol) sowie Doppelhenkel-Steinzeugtöpfe aus dem Elsass oder Westerwald sind ebenfalls vorhanden.

 

 

Stiftung Schloss Thun – Thun, Schlossmuseum -(SST)

Thuner Majolika, Platte der Manufaktur Wanzenried (1878-1911), gemalt und signiert von Louis Sabin, 1880. Die Lebensdaten und die Herkunft von Louis Sabin sind bis heute unbekannt (Foto Hans Kelterborn, SMT).

Stiftung Schloss Thun
Schlossberg 1
CH-3600 Thun
Tel.: +41 (0)33 223 20 01
info@schlossthun.ch

Keramik der Stiftung Schloss Thun in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das heutige Schloss mit seinen Nebengebäuden war in seinen Ursprüngen eine Burganlage. Im 12. Jahrhundert bestand hier schon ein herrschaftlicher Sitz mit Wohngebäude und Ringmauer. Dies bestätigen die archäologischen Untersuchungen, welche im Rahmen des grossen Umbaus 2013 stattgefunden haben (Baeriswyl 2016Baeriswyl 2019; Baeriswyl/Kellenberg 2015; Raselli-Nydegger 2015). Nach der wohl nicht ganz friedlichen Übernahme der Anlage durch die Herzöge von Zähringen wurde unter Berchtold V. der bis heute intakt erhaltene, imposante Donjon in die bestehende Anlage gebaut. Die Zähringer beabsichtigten jedoch nicht hier zu wohnen, dafür hatten sie in Burgdorf eine Residenz errichtet. Sie wollten mit dem mächtigen Turm in Thun ein Zeichen ihrer Macht auf das Gebiet und die lokalen Handelswege setzen. Der Donjon war nämlich als Wohnsitz ungeeignet. Auf 14 Meter Höhe befand sich ein einziger Raum, der heute Rittersaal genannt wird. Zu seiner Zeit ein imposanter Repräsentationsraum, heute einer der besten erhaltenen Repräsentationssäle des Hochmittelalters. Seit dem 12. Jahrhundert war das Schloss Thun mit seinen Nebengebäuden Sitz der Thuner Herrschaft und wurde immer wieder den Nutzungen angepasst. Während von den nachfolgenden kyburgischen Grafen praktisch keine Baumassnahmen nachzuweisen sind, erfolgten unter der langen Regierungszeit von Bern bis 2006 viele Umbauten. Dazu zählte später auch das Regionalgericht. Zumindest seit dem 17. Jahrhundert befand sich im Dach des Donjons ein Gefängnis. 1886 errichtete der Kanton an die Burgmauer das neue Regionalgefängnis und räumte dafür die Holzkonstruktion des Kornhauses aus dem Rittersaal des Donjons, der damit ab dem 1. Januar 1887 für eine Museumsneugründung frei wurde. Seit diesem Zeitpunkt begann eine intensive Sammeltätigkeit, wobei auch ältere Sammlungsbestände aus der Stadt und dem Zeughaus Thun übernommen wurden (u.a. Teile der wiederentdeckten Burgunderbeute). Das Museum wurde ohne grossen Pomp am 1. Januar 1888 im Donjon eröffnet (zur Museumsgeschichte Keller 1938; Küffer 1987; Kelterborn 2012. Am 3. Januar 1888 beschrieb der Tägliche Anzeiger für Thun und das Berner Oberland das neu eingerichtete Museum.

Schon am 25. Dezember 1887 war die Öffentlichkeit im Täglichen Anzeiger aufgerufen worden «…sich an diesem vaterländischen Werke durch Ausstellung von passenden Gegenständen, sei es in altem Mobiliar, Hausrath, Waffen, keramischen Erzeugnissen, geschliffenen und geätzten Gläsern, Flaschen, Scheiben etc. zu bethätigen …». Keramik gehörte demnach von Anfang an zu den Sammlungsschwerpunkten des Schlossmuseums.

Wichtige Teile der Keramiksammlung wurden in den 1930er-Jahren  in sog. Stuben-Interieurs , wie z.B dem Majolika-Zimmer oder der Simmentaler-Stube präsentiert.

Zwischen 1961 und 2013 wurde im Kellergeschoss des Bergfrieds die neue Dauerausstellung zur bernischen Keramik und zur Thuner Majolika präsentiert .

Aus Anlass des 100. Geburtstages veranstaltete das Schlossmuseum eine Sonderausstellung „Von der Röstiplatte zum Salongeschirr“. Bei dieser Gelegenheit erschien dann auch die bis heute grundlegende Publikation von Hermann Buchs zur Thuner Majolika (Buchs 1988).

1994 haben der Verein Schlossmuseum Thun, der Kanton Bern und die Einwohnergemeinde Thun die Stiftung Schlossmuseum Thun errichtet. Im September 2013 hat sich die Stiftung den Namen Stiftung Schloss Thun – das Museumsschloss gegeben.

Nach 800 Jahren in öffentlichem Besitz erfolgte 2010 auf dem Schlossberg ein grundlegender Wandel. Die Stadt Thun verkaufte – mit Ausnahme des mächtigen Donjons – die Liegenschaften des ehemaligen Burgareals im Baurecht. Mitte 2014 eröffneten ein Konferenz- und Ausbildungszentrum, dazu ein Hotel und Restaurant. Das Museum erhielt einen neuen Eingangsbereich und einen zusätzlichen Ausstellungsraum und bis zum 130. Geburtstag des Museums wurde eine neue Dauerausstellung konzipiert und 2018 eröffnet (Text: Homepage des Schlossmuseums Thun).

Neben dem Bernischen Historischen Museum und dem Rittersaalverein Burgdorf ist das Schlossmuseum Thun das dritte, besonders wichtige bernische Regionalmuseum, wenn es um die Geschichte der Keramik des Kantons Bern und der Deutschschweiz geht. Seit der Museumsgründung gehört das Sammeln von Keramik und die Erforschung der Keramikherstellung in der Region zu den Schwerpunkten der Museumsarbeit (Buchs 1961, 1970, 1980, 1988, 1995).

Historismus-Tisch mit Platte und Säule aus Thuner Majolika, vermutlich um 1883/1884 (Fotos Hans Kelterborn SMT).

Aufgrund von Ankäufen und Schenkungen verwahrt das Museumsschloss heute eine der grössten Keramiksammlungen des Kantons und sicher die bedeutendste Sammlung zur sog. „Thuner Majolika“  weltweit (Buchs 1988).

Langnauer Teller aus der Sammlung des SMT.  Werkstatt Daniel Herrmann (1736-1798), Langnau, datiert 1781. Dargestellt ist der Rütli-Schwur.

Bislang wurden nur die in Langnau  BE oder Bäriswil BE hergestellten Keramiken der Museumssammlung wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet und für CERAMICA CH dokumentiert (Heege/Kistler/Thut 200; Heege/Kistler 2017). Der Sammlungsbestand umfasst aber des weiteren sehr wichtige Keramiken des Hafners Abraham Marti aus Blankenburg (Heege 2010).

Emblem der Hafnerkrankenkasse von Heimberg (Foto Hans Kelterborn SMT).

Zahlreiche bdeutende und singuläre Objekte, Werkzeuge und Dokumente aus der Töpfereiregion Heimberg-Steffisburg, harren einer Aufarbeitung.

Wilhelm Tell und sein Sohn Walter,  Töpferei von Karl Loder-Eyer, Steffisburg (Foto Hans Kelterborn, SMT).

Stellvertretend sei hier nur auf die Figurengruppe „Wilhelm Tell und sein Sohn Walter“ aus der Steffisburger Töpferei von Karl Loder-Eyer verwiesen. Vorgesehen ist eine Erfassung der Keramikbestände im Rahmen des Kantonsinventars Bern ab 2022.

Bibliographie:

Armand Baeriswyl 2016
Das Schloss Thun und der grosse Turm – vom zähringischen «Donjon» zum bernischen Kornhaus. Zum Stand der Erkenntnisse nach zwanzig Jahren Forschung.
Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins Heft 1, 2016.

Armand Baeriswyl 2019
Der zähringische grosse Turm im Schloss Thun (CH) – Ein Saalbau in Turmform? In: Guido von Büren und Michael Goer (Hrsg., im Auftrag der Wartburg-Gesellschaft),
Burgen, Schlösser, Häuser. Festschrift für G. Ulrich Grossmann zum 65. Geburtstag. Petersberg 2019, 12-19.

Armand Baeriswyl – Heinz Kellenberger 2015
Thun, Schloss, Der zähringische «Donjon» der Zeit um 1200.
Archäologie Bern 2015, Jahrbuch des ADB 2015, 102-104.

Buchs 1961
Hermann Buchs, Über die Anfänge der Töpferei in Heimberg und deren Eigenständigkeit, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloß Thun, 1961, 5-12.

Buchs 1970
Hermann Buchs, Ein Heimberger Tröckneofen, in: Historisches Museum Schloss Thun, 1970, 4-17.

Buchs 1980
Hermann Buchs, Die Thuner Majolika des Johannes Wanzenried und des Zeichners Friedrich Ernst Frank, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloss Thun, 1980, 5-43.

Buchs 1988
Hermann Buchs, Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988.

Buchs 1995
Hermann Buchs, Das Hafnergewerbe im Heimberg, in: Einwohnergemeinde Heimberg (Hrsg.), 850 Jahre Heimberg 1146-1996, Heimberg 1995, 50-60.

Heege 2010
Andreas Heege, Ein Tintengeschirr aus der Produktion von Abraham Marti, Blankenburg, in: Schlossmuseum Thun 2009, 2010, 74-77.

Heege/Kistler/Thut 2011
Andreas Heege/Andreas Kistler/Walter Thut, Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.

Heege/Kistler 2017
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Keller 1938
Hans Gustav Keller, Das historische Museum Schloss Thun 1887-1937, Thun 1938.

Kelterborn 2012
Hans Kelterborn, 1888–2013: 125 Jahre Schlossmuseum Thun, in: Historisches Museum Schloss Thun Jahresbericht, 2012, 29-35.

Küffer 1987
Peter Küffer, Historisches Museum Schloss Thun 1888-1988, in: Historisches Museum Schloss Thun Jahresbericht, 1987, 19-99.

Raselli-Nydegger 2015
Lilian Raselli-Nydegger, Der Schlossberg Thun – 5000 Jahre Geschichte, in: Jahresbericht Schloss Thun – Schlossmuseum, 2015, 30-37.

Trubschachen, Heimatmuseum, Stiftung Hasenlehn (MTrub)

Heimatmuseum Trubschachen, Stiftung Hasenlehn
Stiftung Hasenlehn
Postfach 40
CH-3555 Trubschachen
Tel.: +41 (0)34 495 60 38
info@stiftung-hasenlehn.ch

Keramik des Heimatmuseums Trubschachen in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2022

Das Heimatmuseum Trubschachen ist Teil der Stiftung Hasenlehn und wird von ihr betreut.  Die Stiftung wurde 1979 von Lehrer Walter Berger (1906–1981) und Unternehmer Oscar J. Kambly (1914–1998) gegründet. Die beiden Gründer verband eine jahrelange Zusammenarbeit und Freundschaft. Im Jahre 1964 initiierten die beiden eine erste Gemäldeausstellung in Trubschachen, mit dem Ziel, Schweizer Malerei auf dem Lande zu zeigen und so auch denjenigen Bevölkerungskreisen zugänglich zu machen, die normalerweise eher nicht in Museen gehen. Walter Bergers Idee entsprang seinem pädagogischen Auftrag und heute sind die Kunstausstellungen in Trubschachen eine Tradition.

Aus dem gleichen pädagogischen Ansatz riefen Berger und Kambly die Stiftung Hasenlehn ins Leben, mit dem Ziel, die nach dem 2. Weltkrieg von Walter Berger zusammen-getragene Sammlung an wertvollen Gegenständen aus dem häuslichen, bäuerlichen und gewerblichen Brauchtum des Emmentals zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank grosszügiger finanzieller Zuwendungen und Schenkung der Liegenschaften durch Oscar J. Kambly und dank der Unterstützung durch den Kulturverein und die Einwohnergemeinde Trubschachen konnte das Museum 1982 in einem umgesetzten Stöckli für das Publikum eröffnet werden.

Die im Museum vorhandenen Keramikobjekte wurden Walter Berger von seinen Schülern aus der näheren Umgebung zugetragen oder er erhielt bei Haushaltsauflösungen Schenkungen . So spiegeln die Objekte in ihrer zufallsbedingten Erhaltung und Überlieferung die materielle Kultur und Vielfalt auf emmentalischen Höfen überwiegend des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Lokal oder regional Produziertes (Langnau, Heimberg, Kanton Bern), steht neben Importen aus den Nachbarkantonen (Kilchberg-Schooren ZH) oder dem benachbarten Deutschland (Zell am Harmersbach, Westerwald).

Die Keramiksammlung des Heimatmuseums Trubschachen wurde 2015 im Zusammenhang mit einer Bearbeitung der Langnauer Keramik erstmals wissenschaftlich gesichtet und 2022 schliesslich vollständig inventarisiert. Insgesamt konnten 223 Keramiken aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um  175 Keramiken aus Irdenware, 1 aus Fayence, 41 aus Steingut, 4 aus Steinzeug und 2 aus Porzellan. Die Tatsache, dass nur sehr wenig deutsches Porzellan des späten 19. Jahrhunderts (Schlesien) oder schweizerisches Porzellan des frühen 20. Jahrhunderts (Langenthal) vertreten ist, muss bedeuten, dass Walter Berger die Sammeltätigkeit zumindest in einem gewissen Rahmen auch steuerte und deshalb Porzellan als zu jung oder zu wenig «ländlich» aus der Sammlung ausklammerte.

Die Gruppe der Irdenwaren ist bunt gemischt und vielfältig. Erstaunlicherweise befinden sich darunter auch einzelne malhornverzierte Keramiken aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein Sieb ist 1752 datiert, eine Schüssel 1755. Der unbekannte Produktionsort dürfte irgendwo im Kanton Bern gelegen haben.

Eine spritzdekorierte Stülpdeckelterrine mit gelber Glasur erinnert aufgrund des Dekors an vergleichbare Keramiken aus dem Töpferort Albligen BE. Da sie jedoch keine zusätzliche Ritzverzierung trägt, muss die Zuordnung als unsicher angesehen werden. Vermutlich gab es im Bernbiet verschiedene Töpfereien, die im 18. Jahrhundert solche Keramiken hergestellt haben.

 

Umfangreicher ist das Spektrum an Keramik, die dem benachbarten Töpferort Langnau zugeschrieben wird. Im Gegensatz zu vielen anderen bernischen Museum beinhaltet die Sammlung aber vor allem dunkelbraun spritzdekoriertes Gebrauchsgeschirr der ersten Hälfte und Mitte des 19. Jahrhunderts mit typischen Jahreszahlen und sparsamer sonstiger Verzierung. Dagegen fehlen die grossen, repräsentativ mit Bildern und Sprüchen verzierten Teller, die als Wandschmuck die Emmentaler Bauernhöfe zierten.

Manchmal beschränkt sich die Verzierung nur auf die Anbringung einer Jahreszahl (hier 1841), deren Schreibweise dann der einzige typologische Hinweis auf die Herstellung in Langnau ist.

  

Für zahlreiche weitere Irdenwaren kann eine Produktion in Langnau nur vermutet, jedoch nicht sicher nachgewiesen werden, da ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts die Heimberger Einflüsse auch in Langnau dominieren und wir nur noch von Keramik „Heimberger Art“ sprechen können (Fehlbrände aus Langnau: Heege/Kistler 2017b, 154-184). In diese Kategorie gehören einige grosse und ungewöhnliche Reifrand-Schüsseln.

Daneben sind Stücke mit Farbkörpern in der Grundengobe und einer gelben Glasur vorhanden, für die eine Produktion in Langnau (aber wohl nicht nur dort) gesichert ist.

Keramiken mit Horizontralstreifendekor gehören in denselben zeitlichen Kontext der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch für diesen einfachen Dekor gibt es Produktionsnachweise aus Langnau. Es ist jedoch darüberhinaus von einer Herstellung in der gesamten Deutschschweiz auszugehen.

Diverse andere Keramiken mit schwarzer, roter, beiger und weisser Grundengobe sowie Malhorn- und gelegentlich Ritz- und/oder Springfederdekor können nur sehr allgemein der Keramik „Heimberger Art“ zugeordnet werden. Sie können überall im Kanton Bern bzw. der Deutschschweiz hergestellt worden sein. Am wahrscheinlichsten ist jedoch eine Herstellung in der Region Heimberg-Steffisburg. Darunter befinden sich verschiedene Röstiplatten und Schüsseln mit dem typischen scharfkantigen Kragenrand des 19. und 20. Jahrhunderts.

Umfangreicher ist das Spektrum an Geschirr mit weisser Grundengobe und manchmal dunkelbrauner Pinselbeschriftung. Diese Art Keramik entstand in aller Regel erst nach 1850 und bis etwa 1880/90. Hier gibt es verschiedene Gefässformen, Tee- und Kaffeegeschirr sowie Terrinen.

Zwei Teller (einmal datiert 1876) sind zusätzlich mit einem Wellenrand versehen.

Mit einer Tasse und einer datierten Terrine (1874) ist auch die seltene, nur ritzverzierte  „Keramik Heimberger Art“ mit weisser über schwarzbrauner Grundengobe vertreten.

Thuner Majolika? Kleine Gruppe, bei der in allen Fällen die Bodenunterseite weiss engobiert ist. Keine Manufakturmarke. Wohl um/nach 1882/1883.

Ab den 1880er-Jahren entwickelte sich die sogenannte Thuner Majolika (vor allem aus der Manufaktur Wanzenried, Steffisburg) mit ihren Blumen- und Edelweissmotiven zu einer „Leitkeramik“ in der gesamten Deutschschweiz.

Zahlreiche Hafnereien griffen die Dekore – vor allem den Edelweissdekor – nach der Landesausstellung in Zürich 1883 auf. Sofern keine eindeutigen Manufakturmarken vorliegen, ist eine Zuweisung daher schwierig und wir müssen eigentlich von einer Keramik „unter dem Einfluss der Thuner Majolika“ sprechen.

Aus dem frühen 20. Jahrhundert haben sich ebenfalls einige signierte und teilweise auch datierte Irdenwaren erhalten. Hierzu gehören unter anderem zwei Teller aus der Werkstatt von Karl Loder Eyer (1871-1915) in Steffisburg.

Etwa zeitgleich bzw. anschliessend arbeiteten die Hafnereien Aegerter und Röthlisberger in Bärau und Langnau sowie die Hafnerei Kohler in Schüpbach.

Für das 20. Jahrhundert hatte aber die Hafnerei von Adolf Gerber (1879-1951) und später seinem Schwiegersohn Jakob Stucki (1920-1982) grössere Bedeutung. Auf Adolf Gerber geht die Entwicklung des Dekors „Alt-Langnau“ zurück.

Jakob Stucki war der wichtigste Langnauer Hafner der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von seiner Hand haben sich in der Sammlung in Trubschachen jedoch nur wenige Stücke aus seiner frühen Zeit um 1948 erhalten.

Zu den überregional verhandelten Keramikwaren mit zahlreichen Herstellern in der Schweiz (Aedermannsdorf SO, Schaffhausen SH, Kilchberg-Schooren ZH) und wohl auch in Deutschland (Schramberg) gehört das manganglasierte Geschirr, das auch in anderen Kantonen im 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreich vorkommt.

Ungewöhnlich ist die Existenz einer kleinen Tee- bzw. Kaffeekanne, deren Herstellungsmerkmale und die eher matt aufgeschmolzene Glasur, für die Herstellung in einer kleineren Töpferei sprechen, während es sich bei der vorher gezeigten manganglasierten Keramik mehrheitlich wohl um Fabrikware handelt.

Keramik aus Bonfol/Porrentruy JU oder der Genferseeregion ist nur mit wenigen Stücken in der Sammlung vertreten.

Schüsseln und Platten mit mehrfarbigem Schablonendekor, der mit einer Spritzpistole aufgetragen wurde, sind ebenfalls mit geringen Stückzahlen vorhanden. Den Herstellungsort dieser Industrieware (Firma Landert, Embrach ZH?) kennen wir bis heute nicht, da die Stücke nie eine Fabrikmarke tragen. Die Ware ist in Graubünden ebenfalls sehr häufig.

Die funktionale Ansprache eines weiteren, im Querschnitt quadratischen Gefässes mit gerilltem Rand und Lagerverstärkung auf der Bodeninnenseite ist nicht gesichert. Möglicherweise handelt es sich um die keramische Kopie eines Kurbel-Butterfasses. Diese bestehen sonst regelhaft aus Glas.

Fayence ist in der Sammlung erstaunlicherweise nur mit einem einzigen Stück vertreten, dabei wären eigentlich die biedermeierzeitlichen Fayencen aus Kilchberg-Schooren ZH auch im Kanton Bern durchaus zu erwarten gewesen. Beim vorliegenden Stück handelt es sich um ein herzförmiges Tintengeschirr aus der badischen Manufaktur von Durlach. Es datiert in die Zeit zwischen 1790 und 1800 ( Blaettler/Schnyder 2014, Taf. 111,6; Petrasch 1975, Nr. 269).

Die Zusammensetzung der Steingutobjekte ist für die Deutschschweiz relativ charakteristisch. Sofern gemarkte Objekte vorliegen, handelt es sich meist um die Produktionszentren von Schramberg und Zell am Harmersbach in Baden-Württemberg.

Gemarktes Steingut aus Schramberg.

Gemarktes Steingut aus Zell am Harmersbach.

Gemarktes Steingut aus Kilchberg-Schooren, Manufaktur Scheller.

Von deren Produkten lässt sich das Steingut aus Kilchberg-Schooren ohne Marke oft nur schwer unterscheiden.

Ansichten von Zürich auf Steinguttellern aus Kilchberg-Schooren.

Aufgrund gemarkter Parallelen lassen sich jedoch mittlerweile auch ungemarkte Steingutteller mit charakteristischem Umdruckdekor der Produktion von Kilchberg-Schooren zuweisen.

Die Westschweiz ist immerhin einmal mit dem Produktionsort Carouge vertreten. Der Hersteller war Charles Degrange & Cie (um 1885-1903).

Gemarktes Steingut von Villeroy&Boch, um 1840-1860 bzw. um 1880/1900

Selbstverständlich finden sich mit einigen Stücken auch die grossen deutschen Produzenten auf dem Markt der Deutschschweiz. Hierzu gehört vor allem Villeroy&Boch mit seinen Produktionsorten Mettlach und Wallerfangen.

Gemarktes Hygienegeschirr der Annaburger Steingutfabrik AG.

Typisch für das frühe 20. Jahrhundert ist das Vorkommen von schwerem Nacht- und Waschgeschirr, das sehr oft in mitteldeutschen Keramikfabriken hergestellt wurde. Dazu gehört unter anderem die Annaburger Steingutfabrik AG.

 

Importiertes Steinzeug aus Deutschland oder dem Elsass.

Steinzeugg hat am Inventar des Heimatmuseums Trubschachen nur einen geringen Anteil. Da wegen fehlender Tone in der Schweiz normalerweise kein Steinzeug hergestellt werden konnte, sind alle Steinzeuggefässe Import, meist aus Deutschland oder Frankreich (Elsass). Es kommen die für das 20. Jahrhundert üblichen Vorratstöpfe und Heilwasserflaschen vor.

Porzellan spielt im Sammlungsbestand des Museums keine Rolle, obwohl vor allem deutsche Porzellane des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts normalerweise regelhaft in den Museumssammlungen der Deutschschweiz vorkommen. Die beiden ungemarkten Kaffeetassen passen sehr gut in dieses Spektrum.

Bibliographie:

Blaettler/Schnyder 2014
Roland Blaettler/Rudolf Schnyder, CERAMICA CH II: Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz, 1500-1950), Sulgen 2014.

Heege/Kistler 2017b
Andreas Heege/Andreas Kistler, Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern (Schriften des Bernischen Historischen Museums 13), Bern 2017.

Petrasch 1975
Ernst Petrasch, Durlacher Fayencen 1723-1847. Ausstellung Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1975.

Rutschi 1985
Heinz Rutschi, Das Heimatmuseum im Hasenlehn Trubschachen, Langnau 1985.

 

 

Wiedlisbach, Museum im Kornhaus (MKW)

Museum im Kornhaus
Gemeindeverwaltung
Hinterstädtli 13
CH-4537 Wiedlisbach
Tel.: +41 (0)32 636 27 26
gemeindeverwaltung@wiedlisbach.ch

Keramik aus dem Kornhaus in CERAMICA CH

Andreas Heege, 2019

Das Museum im Kornhaus in Wiedlisbach ist, so könnte man meinen, ein typisches Orts- und Regionalmuseum. Und doch trifft diese Einordnung auch wieder nicht zu, denn das Museum zeigt als eines der wenigen im Kanton Bern auch seine keramischen Schätze in der Dauerausstellung. Diese gehen zu einem grossen Teil auf die aktive Sammlungstätigkeit des Lehrers Fritz Huber-Renfer (1900-1961) zurück, dessen grosse und bedeutende Fayencesammlung bis zu ihrer teilweisen Auflösung  und Verauktionierung im Kornhaus Wiedlisbach deponiert war (Nachruf auf Huber Renfer siehe Häusler 1962). Teile der Sammlung verblieben in Wiedlisbach, andere gelangten in das  Keramikmseum Matzendorf bzw. in Privatsammlungen. Fritz Huber-Renfer war auch aktiv an der grossen Keramikausstellung des Jahres 1948 in Schloss Jegenstorf beteiligt und verantwortete dort  als Vizepräsident des Organisationskomitees u.a. die Kapitel „Matzendorf, Aedermannsdorf sowie Bäriswil“ und den Katalog zur Ausstellung (Huber-Renfer 1948). Bekannter war Huber-Renfer aber als Forscher über Jeremias Gotthelf.

Die Keramiksammlung des Museums ist bis heute nur in Teilen aufgearbeitet. In CERAMICA CH konnten die Keramiken aus Bäriswil und Langnau integriert werden.  Daneben gibt es im Museum aber auch Keramiken des Blankenburgers Abraham Marti,  aus dem Umfeld von Bäriswil, dünnglasierte Fayence, Keramik mit Unterglasur-Pinseldekor, einen wohl  von  Johann Heinrich Egli bemalten Teller,  zahlreiche Keramiken aus der Region Heimberg-Steffisburg und natürlich Fayencen aus Matzendorf (Schnyder 2008) und Kilchberg-Schooren.

Bibliographie:

Häusler 1962
Fritz Häusler, Dr. Fritz Huber-Renfer 1900-1961, in: Burgdorfer Jahrbuch 29, 1962, 9-13.

Huber-Renfer 1948
Fritz Huber-Renfer, Bäriswil, in: Ausstellung Schweizerische Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts. Schloß Jegenstorf, Jegenstorf 1948.

Schnyder 2008
Rudolf Schnyder, Die Ausstellung „200 Jahre Matzendorfer Keramik“ von 1997 im Historischen Museum Olten, in: Keramikfreunde der Schweiz, Mitteilungsblatt 121, 2008, 3-66.